Deutsche Wirtschaft bleibt im Stimmungstief – Industrie als größtes Sorgenkind
(cs) Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft bleibt gedrückt. Laut der aktuellen Konjunkturumfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) verharren viele Unternehmen im Krisenmodus – und Hoffnung auf eine baldige Wende gibt es kaum. Besonders die Industrie blickt pessimistisch in die Zukunft.
„Lage schwierig, Aussichten schlecht“ – so lässt sich die Gesamteinschätzung der Firmen zusammenfassen. Seit Jahren leiden viele Betriebe unter schwierigen Rahmenbedingungen: von der Corona-Pandemie über die Energiekrise bis hin zu anhaltenden geopolitischen Spannungen. Trotz politischer Maßnahmen zur Konjunkturbelebung bleibt die erhoffte Wende bislang aus.
Breite Eintrübung in allen Bereichen
Laut IW-Umfrage berichten knapp vier von zehn Unternehmen, dass sich ihre Lage bei Produktion, Investitionen und Beschäftigung im Herbst 2025 im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert hat. Der Saldo aus positiven und negativen Bewertungen liegt bei allen drei Indikatoren deutlich im Minus – teils um bis zu 20 Prozentpunkte.
Besonders alarmierend ist die Einschätzung zur Beschäftigung: Mit einem Negativsaldo von 17 Prozentpunkten ist dieser Bereich am schwächsten. Viele Unternehmen rechnen damit, im kommenden Jahr Stellen abbauen zu müssen.
Industrie unter Druck
Am stärksten betroffen bleibt die Industrie, traditionell das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. 36 Prozent der Industrieunternehmen erwarten 2026 eine geringere Produktion, nur 27 Prozent planen eine Ausweitung.
Auch die Investitionspläne zeichnen ein düsteres Bild: Nur 19 Prozent der Betriebe wollen im kommenden Jahr mehr investieren, während 36 Prozent ihre Ausgaben kürzen wollen. Diese Entwicklung gefährdet nicht nur die internationale Wettbewerbsfähigkeit, sondern auch den Fortschritt bei der klimaneutralen Transformation.
Noch deutlicher fällt die Prognose zur Beschäftigung aus: Mehr als 40 Prozent der Industrieunternehmen rechnen mit einem Stellenabbau, während nur 15 Prozent eine wachsende Belegschaft erwarten.
Bauwirtschaft stabil, Dienstleister skeptisch
Ein etwas ausgeglicheneres Bild zeigt sich in der Bauwirtschaft. Rund ein Viertel der Betriebe erwartet steigende Produktion, ebenso viele rechnen mit Rückgängen. Das IW führt die leicht optimistischere Einschätzung auf das staatliche Sondervermögen für Infrastrukturprojekte zurück, das in den kommenden Jahren für Impulse sorgen dürfte.
Bei den Dienstleistern überwiegt hingegen die Skepsis. Die Branche rechnet quer durch alle Bereiche – Produktion, Investitionen, Beschäftigung – mit einem schwierigen Jahr 2026.
Deutliche regionale Unterschiede
Die IW-Erhebung zeigt zudem große regionale Unterschiede. Einen positiven Saldo bei den Produktionserwartungenverzeichnen im Herbst 2025 nur Unternehmen in Bayern sowie in der Nordregion (Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hamburg, Bremen).
In Baden-Württemberg liegen die Werte nahe am bundesweiten Durchschnitt von minus sieben Prozentpunkten. Besonders pessimistisch zeigt sich hingegen die Nordostregion (Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Berlin) – und das, obwohl sie weniger stark von der industriellen Schwäche betroffen ist als andere Landesteile.
Appell an die Politik
Angesichts der anhaltend schwachen Stimmung fordert das IW eine stärkere politische Unterstützung der Industrie. Notwendig seien niedrigere Energiepreise, entlastende Unternehmenssteuern und planbare Rahmenbedingungen, um Investitionen zu fördern und den drohenden Aderlass an Fachkräften zu verhindern.



