Mehrheit trägt den Wandel: Gesellschaft offen für die industrielle Transformation

So viel Prozent der Bundesbürger in Regionen, in denen die industrielle Transformation nicht, wenig oder umfassend erforderlich ist, stehen künftigen Veränderungen in ihrem unmittelbaren Wohnumfeld so gegenüber
(cs) Der klimaneutrale Umbau der Industrie ist eines der größten Projekte der kommenden Jahrzehnte – und er findet breite Rückendeckung in der Bevölkerung. Das zeigt eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Demnach befürwortet eine deutliche Mehrheit der Bundesbürger die Transformation hin zu einer klimaneutralen Industrie, selbst dann, wenn die dafür nötigen Maßnahmen direkt im eigenen Wohnumfeld spürbar werden.
Deutschland hat sich das Ziel gesetzt, bis 2045 klimaneutral zu sein. Um dieses Ziel zu erreichen, muss die Industrie grundlegend umgebaut werden. Dazu gehören der Abschied von fossilen Energieträgern, der Ausbau erneuerbarer Energien sowie eine neue Infrastruktur: Stromtrassen, Wasserstoff- und CO₂-Netze, neue Windkraft- und Solaranlagen. Gleichzeitig müssen bestehende Industrieanlagen modernisiert, umgerüstet oder ersetzt werden. Ein Kraftakt – technisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich.
Wie stark einzelne Regionen davon betroffen sein werden, ist jedoch sehr unterschiedlich. Die IW-Forscher haben hierfür einen sogenannten Transformationsinfrastrukturindex entwickelt. Er zeigt, wo in Zukunft besonders viele Veränderungen anstehen. Das Ergebnis: In knapp der Hälfte der rund 8.170 Postleitzahlengebiete in Deutschland werden für weniger als 55 Prozent der Bevölkerung sichtbare Veränderungen im direkten Wohnumfeld erwartet. Während einige ländliche Regionen kaum betroffen sind, stehen klassische Industriestandorte – etwa entlang von Rhein, Ruhr und Main – vor besonders großen Umbrüchen. Vor allem dort, wo künftig Wasserstoff genutzt oder CO₂ aufgefangen und weitergeleitet werden soll, sind umfangreiche Bau- und Anpassungsmaßnahmen notwendig.
Trotzdem ist die Zustimmung hoch. In Regionen, in denen neue Infrastrukturen für die industrielle Transformation entstehen sollen, bewerten fast 43 Prozent der Bürger die Veränderungen sehr oder eher positiv. Nur knapp 19 Prozent stehen dem Vorhaben ablehnend gegenüber. In Gebieten mit geringerem Transformationsbedarf fällt die Zustimmung sogar noch höher aus. Insgesamt zeigt sich: Je weniger einschneidend die Veränderungen vor Ort, desto größer die Akzeptanz – doch auch dort, wo viel passiert, überwiegt die Unterstützung.
Diese positive Haltung spiegelt sich auch im Engagement der Bevölkerung wider. Gut 22 Prozent der Bundesbürger geben an, den energetischen Umbau der Wirtschaft durch ihr Wahlverhalten unterstützt zu haben. Deutlich weniger – knapp neun Prozent – wollten mit ihrer Stimme bewusst Widerstand leisten. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei Petitionen und Bürgerbegehren: Initiativen zugunsten der Transformation finden etwa doppelt so viele Unterstützer wie jene, die sich gegen entsprechende Projekte richten.
Ein entscheidender Faktor für die Akzeptanz ist dabei die Information. Die IW-Studie macht deutlich, dass sich viele Menschen bislang nicht ausreichend über Umfang und Auswirkungen der industriellen Transformation informiert fühlen. Besonders bemerkenswert: Knapp 70 Prozent der Bürger in Regionen mit größeren Umbrüchen sind sich dieser Veränderungen gar nicht bewusst. Gleichzeitig zeigt die Befragung klar, dass Transparenz und frühzeitige Information die Zustimmung deutlich erhöhen.
Für Politik, Verwaltung und Unternehmen ergibt sich daraus ein klarer Handlungsauftrag. Wer den klimaneutralen Umbau erfolgreich gestalten will, muss die Menschen vor Ort frühzeitig einbinden, offen kommunizieren und Dialogformate schaffen, die echte Beteiligung ermöglichen. Nur so lassen sich auch jene erreichen, die bislang unentschieden sind – und davon überzeugen, dass die industrielle Transformation nicht nur notwendig ist, sondern auch Chancen für Regionen, Arbeitsplätze und Lebensqualität bietet.

So viel Prozent der Bundesbürger engagieren sich so im Zuge der Transformation, etwa im Hinblick auf den Bau von Solarparks und Windkraftanlagen
