Theodor-Heuss-Brücke vor jahrelanger Sanierung: Stadt setzt auf Umleitungen und Verkehrsmanagement

Foto: Christoph Sochart
(cs) Die Theodor-Heuss-Brücke zählt zu den wichtigsten Rheinquerungen in Düsseldorf. Täglich nutzen Zehntausende Pendlerinnen und Pendler die Verbindung zwischen dem links- und rechtsrheinischen Stadtgebiet. Doch die in die Jahre gekommene Brücke steht vor einer umfassenden Sanierung, die den Verkehr in den kommenden Jahren erheblich beeinflussen wird. Unsere Redaktion hatte bereits mehrfach über die Sanierung informiert. Heute gibt es neue Details.
Die Landeshauptstadt Düsseldorf verfolgt dabei ein klares Ziel: Die Verkehrssicherheit der sanierungsbedürftigen Brücke soll bis zur Fertigstellung eines geplanten Neubaus gewährleistet bleiben. Bereits heute dürfen Fahrzeuge mit einem Gewicht von mehr als 3,5 Tonnen die Brücke nicht mehr befahren. Mit der geplanten Sanierung der sogenannten Kragarme, die voraussichtlich Ende des Jahres beginnt, treten weitere Einschränkungen in Kraft.
Nur noch eine Spur pro Fahrtrichtung
Während der rund zweieinhalb Jahre dauernden Bauarbeiten wird die Theodor-Heuss-Brücke in beide Richtungen nur noch einspurig befahrbar sein. Zudem gilt auf der gesamten Brücke eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 Stundenkilometern.
Trotz der Einschränkungen können nach Angaben der Stadt weiterhin rund 30.500 Fahrzeuge täglich die Rheinquerung nutzen. Gleichzeitig müssen jedoch etwa 42.500 Fahrzeuge auf andere Strecken ausweichen. Um die Auswirkungen auf den Verkehr möglichst gering zu halten, wurde ein umfassendes Verkehrskonzept entwickelt.
Großräumige Umleitungen sollen Verkehr entzerren
Bereits seit Einführung der Gewichtsbegrenzung wird der Schwerverkehr großräumig über die Autobahnen A52, A57 und A44 umgeleitet. Innerstädtisch erfolgt die Führung des Schwerverkehrs auf der West-Ost-Achse über die Rheinkniebrücke.
Auch Autofahrer können alternative Rheinquerungen nutzen. Im Norden empfiehlt die Stadt die Route über die Rheinbrücke der A44. Von der Anschlussstelle Büderich führt die ausgeschilderte Umleitungsstrecke anschließend über die Rheinkniebrücke in Richtung Innenstadt.
Für Verbindungen im Süden stehen die Fleher Brücke auf der A46 sowie die Josef-Kardinal-Frings-Brücke als Ausweichrouten zur Verfügung.
Durch die Verlagerung des Durchgangsverkehrs auf andere Rheinquerungen sollen auf der Theodor-Heuss-Brücke gezielt Kapazitäten für Anwohner und lokale Verkehre freigehalten werden.
Ampeln werden angepasst
Ein zentraler Bestandteil des Verkehrskonzepts ist die Anpassung der Ampelschaltungen auf den vorgesehenen Ausweichrouten. Ziel ist es, den Verkehrsfluss dort zu verbessern und zusätzliche Leistungsreserven zu schaffen.
Zudem werden Verkehrsteilnehmer über digitale LED-Informationstafeln frühzeitig auf empfohlene Alternativrouten hingewiesen. Die Stadt greift dabei auf Strategien zurück, die bereits während der Sperrung des Rheinufertunnels erfolgreich eingesetzt wurden.
Um eine Überlastung der Oberkasseler Brücke zu vermeiden, werden außerdem die rechtsrheinischen Zufahrten vom Joseph-Beuys-Ufer zur Oberkasseler Brücke gesperrt. Einsatzfahrzeuge von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten sind von dieser Regelung ausgenommen.
Rheinbahn hält an bestehendem Konzept fest
Auch mögliche Änderungen im öffentlichen Nahverkehr wurden im Vorfeld untersucht. Nach umfangreichen Analysen kam die Stadt gemeinsam mit der Rheinbahn jedoch zu dem Ergebnis, dass eine Umleitung von Buslinien über die Oberkasseler Brücke keine ausreichenden Vorteile bieten würde.
Die prognostizierte Fahrgastnachfrage sei zu gering, gleichzeitig würden erhebliche Risiken für die Einhaltung der Fahrpläne entstehen. Deshalb bleibt das bestehende Betriebskonzept zunächst unverändert bestehen.
Verkehr wird laufend überwacht
Die Stadtverwaltung geht davon aus, dass sich ein Teil des Verkehrs nicht ausschließlich auf die empfohlenen Umleitungsstrecken verlagern wird. Vielmehr dürfte sich das Verkehrsaufkommen auf zahlreiche Straßen im Stadtgebiet verteilen. Dies könne dazu beitragen, punktuelle Überlastungen einzelner Abschnitte zu vermeiden.
Um schnell auf Entwicklungen reagieren zu können, wird das Bauprojekt engmaschig begleitet. Verkehrsdaten sollen kontinuierlich ausgewertet werden. Bei Bedarf sind zusätzliche Maßnahmen wie weitere Wegweisungen oder Anpassungen der Verkehrssteuerung vorgesehen.
Sämtliche Sperrungen und Verkehrseinschränkungen werden zudem automatisiert an die Mobilithek, den bundesweiten Zugangspunkt für Mobilitätsdaten, übermittelt. Dadurch können Navigationsdienste die aktuellen Informationen direkt in ihre Routenberechnungen einbeziehen.
Stadt empfiehlt Zeitpuffer und Umstieg auf Bus und Bahn
Trotz aller Maßnahmen rechnet die Stadt während der Sanierungsphase mit spürbaren Auswirkungen auf den Verkehr. Autofahrer sollten deshalb je nach Strecke zusätzliche Fahrzeit einplanen.
Gleichzeitig wird empfohlen, verstärkt auf Bus und Bahn sowie auf Park-and-Ride-Angebote in Düsseldorf und dem Umland zurückzugreifen. Die kommenden Jahre werden für viele Pendler eine Herausforderung darstellen. Mit einem eng abgestimmten Verkehrsmanagement hofft die Stadt jedoch, die Belastungen für Bürgerinnen und Bürger sowie die Wirtschaft so gering wie möglich zu halten – bis die Theodor-Heuss-Brücke schließlich durch einen Neubau ersetzt werden kann.
