200. Podcastfolge: Zwischen Druck und Aufbruch – Wie zukunftsfähig ist Düsseldorfs Mittelstand?

Alle Fotos: Frank Wiedemeier
Ein besonderes Jubiläum in besonderem Ambiente: Im Forum der Stadtsparkasse Düsseldorf haben wir die 200. Live-Episode unseres Podcasts „Düsseldorfer Wirtschaft“ aufgezeichnet – gleichzeitig als Doppelfolge in Kooperation mit dem Podcast „#DIGI DUS“ der Stadtsparkasse Düsseldorf.
Von Christoph Sochart
Seit mittlerweile sechs Jahren beleuchtet die „Düsseldorfer Wirtschaft“ gemeinsam mit dem gleichnamigen Radiomagazin auf Antenne Düsseldorf die wirtschaftlichen Entwicklungen unserer Stadt. Zum Jubiläum stand ein Thema im Mittelpunkt, das viele Unternehmen derzeit bewegt: „Zwischen Druck und Aufbruch – Wie zukunftsfähig ist Düsseldorfs Mittelstand?“
Mittelstand zwischen Herausforderungen und Chancen
Bereits zu Beginn wurde deutlich: Die aktuelle Lage vieler Unternehmen ist von einer besonderen Gemengelage geprägt. Steigende Kosten, Fachkräftemangel, Digitalisierung und Nachhaltigkeitsanforderungen sorgen für Druck. Gleichzeitig eröffnen neue Technologien, innovative Geschäftsmodelle und die hohe Attraktivität des Wirtschaftsstandortes Düsseldorf neue Chancen.
Genau zwischen diesen beiden Polen – Druck und Aufbruch – bewegte sich die Diskussion des Abends.

Fachkräfte bleiben die größte Zukunftsfrage
Mit einer Keynote eröffnete Sibylle Stippler vom Institut der Deutschen Wirtschaft die Veranstaltung. Ihre zentrale Botschaft: Düsseldorf startet aus einer starken Position. Die Stadt ist wirtschaftlich leistungsfähig, dynamisch und attraktiv für junge Menschen. Entscheidend werde jedoch sein, diese Stärke künftig in langfristige Bleibeperspektiven für Fachkräfte, Familien und Unternehmensnachfolgen zu übersetzen.
Besonders deutlich machte sie, dass der Fachkräftemangel längst kein Randthema mehr ist. Vor allem beruflich qualifizierte Fachkräfte fehlen zunehmend – etwa im Handwerk, in technischen Berufen sowie in Gesundheits- und Pflegeberufen. Weiterbildung, Ausbildung und die gezielte Integration von Quereinsteigern seien deshalb keine Zusatzaufgaben mehr, sondern ein zentraler Bestandteil unternehmerischer Wettbewerbsfähigkeit.

Unternehmer berichten aus der Praxis
Im ersten Panel diskutierten Kathrin Grüne (Dillenberg GmbH), Mark Sethe (Schulz & Sohn), Markus Schüssler (mehr+) und Christian Kim (Bion Analytics) über ihre Erfahrungen aus dem Unternehmensalltag.
Deutlich wurde dabei, wie unterschiedlich die Auswirkungen aktueller Herausforderungen je nach Branche ausfallen. Während steigende Energie- und Materialkosten weiterhin eine große Rolle spielen, beschäftigen viele Unternehmen vor allem Fragen rund um Investitionen und Zukunftsplanung.
Trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten herrschte Einigkeit darüber, dass notwendige Investitionen nicht dauerhaft aufgeschoben werden dürfen. Gerade in Zeiten des Wandels seien Mut und strategische Weitsicht entscheidend, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.

KI ist angekommen – der Kulturwandel folgt
Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion war die Rolle von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz im Mittelstand.
Christian Kim berichtete aus der Praxis, wie KI-gestützte Automatisierung bereits heute Finanz- und Reportingprozesse effizienter gestaltet. Gleichzeitig wurde deutlich, dass die größte Herausforderung häufig nicht die Technologie selbst ist. Vielmehr gehe es darum, Mitarbeitende mitzunehmen, Kompetenzen aufzubauen und konkrete Anwendungsfälle zu identifizieren.
Die Diskussion zeigte: KI wird zunehmend als Werkzeug verstanden, das Zeit spart, Prozesse verbessert und neue Möglichkeiten eröffnet. Der eigentliche Erfolgsfaktor bleibt jedoch die Bereitschaft von Unternehmen, Veränderungen aktiv zu gestalten.

Nachhaltigkeit als wirtschaftliche Chance
Auch das Thema Nachhaltigkeit spielte eine wichtige Rolle. Die Unternehmer waren sich einig, dass nachhaltiges Handeln längst nicht mehr ausschließlich regulatorische Anforderungen erfüllt. Vielmehr entstehen daraus neue Geschäftschancen, Effizienzgewinne und Wettbewerbsvorteile.
Besonders hervorgehoben wurde, dass nachhaltige Entscheidungen dann erfolgreich sind, wenn sie wirtschaftliche Vernunft und gesellschaftliche Verantwortung miteinander verbinden.

Was der Mittelstand jetzt braucht
Im zweiten Panel diskutierten Dr. Stefan Dahm von der Stadtsparkasse Düsseldorf, Theresa Winkels von der Wirtschaftsförderung Düsseldorf sowie erneut Sibylle Stippler über die notwendigen Rahmenbedingungen für die Zukunft des Mittelstands.
Dabei standen insbesondere Finanzierungsmöglichkeiten, die Zusammenarbeit zwischen etablierten Unternehmen und Start-ups sowie die Rolle von Wirtschaftsförderung und Netzwerken im Fokus.
Ein zentrales Fazit: Zukunftsfähigkeit entsteht nicht durch Einzelmaßnahmen. Fachkräftesicherung, Digitalisierung, Investitionen, Unternehmensnachfolge und nachhaltiges Wirtschaften hängen unmittelbar zusammen. Erfolgreich werden jene Unternehmen sein, die diese Themen ganzheitlich betrachten und konsequent angehen.

Druck oder Aufbruch?
Mit dieser Frage begann die Veranstaltung – und sie stand auch am Ende der Diskussion.
Die Antworten der Gäste machten deutlich: Der Druck ist spürbar. Gleichzeitig überwiegt bei vielen Unternehmen der Wille, Veränderungen aktiv zu gestalten. Düsseldorf verfügt über starke Unternehmen, engagierte Unternehmerinnen und Unternehmer sowie ein leistungsfähiges Netzwerk aus Wirtschaft, Wissenschaft und Institutionen.
Die 200. Folge der „Düsseldorfer Wirtschaft“ hat gezeigt: Die Herausforderungen sind groß. Die Chancen aber ebenso.
Wir bedanken uns bei allen Gästen, Partnern, unserem Produzenten Frank Wiedemeier (Streamboxstudios) und Besucherinnen und Besuchern für einen inspirierenden Tag und freuen uns auf die nächsten Folgen der „Düsseldorfer Wirtschaft“.
Ab dem 1. Juli 2027, 05.55 Uhr, gibt es diese Folge hier zu hören!

