Ruhe ist das neue Gold im Büro: Kollegen sind die größte Lärmquelle
Das moderne Büro soll Begegnung, Kreativität und Zusammenarbeit fördern. Doch genau diese Stärken werden für viele Beschäftigte zunehmend zur Belastung. Eine aktuelle repräsentative Umfrage des Marktforschungsinstituts YouGov im Auftrag des Technologieunternehmens Logitech zeigt: Für 95 Prozent der Beschäftigten in Deutschland ist eine ruhige Arbeitsumgebung sehr oder eher wichtig. Gleichzeitig fühlen sich viele Arbeitnehmer durch den Lärm im Büro in ihrer Konzentration beeinträchtigt.
Von Christoph Sochart
Für die Erhebung wurden mehr als 2.100 Menschen in Deutschland befragt, die zumindest einen Teil ihrer Arbeitszeit im Büro verbringen. Das Ergebnis ist eindeutig: Nicht Drucker, Kaffeemaschinen oder Klimaanlagen sind die größten Störquellen – sondern die eigenen Kolleginnen und Kollegen.
Telefonate und Videokonferenzen stören am meisten
Am häufigsten genannt wurden Telefonate und Online-Meetings von Kolleginnen und Kollegen. 53 Prozent der Befragten empfinden diese als besonders störend. Fast ebenso häufig werden persönliche Gespräche im Büro genannt (47 Prozent). 41 Prozent fühlen sich zudem durch Videokonferenzen gestört, die ohne Kopfhörer geführt werden.
Erst mit deutlichem Abstand folgen klassische Hintergrundgeräusche wie Lüftungen, Drucker oder Kaffeemaschinen, die lediglich 18 Prozent als störend empfinden. Tastaturgeräusche (7 Prozent) oder Mausklicks (4 Prozent) spielen dagegen kaum eine Rolle.

Foto: KI für Unternehmerschaft Düsseldorf
Das Bedürfnis nach Ruhe wächst
Die Studie zeigt außerdem einen Wandel der Arbeitskultur. 68 Prozent der Befragten geben an, dass ihr Bedürfnis nach Ruhe in den vergangenen fünf Jahren gestiegen ist. Gleichzeitig nehmen nur 41 Prozent wahr, dass in den Büros heute bewusster auf die Lautstärke geachtet wird.
Interessant ist dabei die Diskrepanz zwischen Eigen- und Fremdwahrnehmung: Während lediglich vier von zehn Beschäftigten feststellen, dass insgesamt mehr Rücksicht genommen wird, sagen 51 Prozent von sich selbst, sie achteten heute stärker auf ein rücksichtsvolles Verhalten.
Konzentration leidet unter Lärm
Die Auswirkungen auf den Arbeitsalltag sind erheblich. Sieben von zehn Beschäftigten berichten, dass Geräusche im Büro ihre Konzentration beeinträchtigen. Gerade in Zeiten hybrider Arbeitsmodelle, in denen Videokonferenzen, spontane Gespräche und klassische Büroarbeit parallel stattfinden, wird die akustische Gestaltung des Arbeitsplatzes zu einem wichtigen Produktivitätsfaktor.
Nach Einschätzung von Logitech geht es dabei nicht darum, Kommunikation einzuschränken. Vielmehr müssten sich die Regeln des gemeinsamen Arbeitens an die veränderten Arbeitsformen anpassen. Telefonate, hybride Meetings und spontane Gespräche sollten so organisiert werden, dass konzentriertes Arbeiten weiterhin möglich bleibt.
Herausforderung für Unternehmen
Für Unternehmen ergeben sich daraus konkrete Handlungsfelder. Neben einer geeigneten technischen Ausstattung – etwa Headsets für Videokonferenzen – gewinnen auch Rückzugsräume, Telefonboxen oder klare Verhaltensregeln für gemeinschaftlich genutzte Arbeitsflächen an Bedeutung. Ebenso wichtig ist eine Unternehmenskultur, die gegenseitige Rücksichtnahme fördert.
Denn moderne Büros sollen Kommunikation ermöglichen, ohne konzentriertes Arbeiten zu erschweren. Die aktuelle Umfrage macht deutlich: Beschäftigte wünschen sich keinen stillen Arbeitsplatz ohne Austausch – sondern einen Arbeitsalltag, in dem Zusammenarbeit und Konzentration besser miteinander vereinbar sind.
Quelle: Repräsentative YouGov-Umfrage im Auftrag von Logitech unter rund 2.100 Beschäftigten in Deutschland, die zumindest teilweise im Büro arbeiten.
