Arbeitsmarkt unter Druck: Düsseldorf spürt die globalen Krisen – und hält doch stand

Trotz strauchelnder Wirtschaftslage erkennen die Agentur für Arbeit und ihre Partner auch Lichtblicke am Düsseldorfer Arbeitsmarkt. vlnr: Michael Grütering (Unternehmerschaft Düsseldorf), Sigrid Wolf (DGB), Birgitta Kubsch-von Harten, Christoph Tatura (Agentur für Arbeit). Foto: AfA

(cs) Die Agentur für Arbeit hat soeben die Gesamtzahlen für 2025 vorgestellt. Die Zahlen der Agentur für Arbeit Düsseldorf lesen sich wie ein Spiegel der vergangenen anderthalb Jahrzehnte globaler Erschütterungen. Finanzkrise, Pandemie, Krieg in Europa – all das hat sich tief in den regionalen Arbeitsmarkt eingeschrieben. Und doch erzählen die Daten mehr als nur eine Krisengeschichte. Wir haben uns die Zahlen konkreter angeschaut.

Mit durchschnittlich 28.819 Arbeitslosen im Jahr 2025 erreicht Düsseldorf ein Niveau, das zuletzt im Krisenjahr 2008 registriert wurde. Die Arbeitslosenquote liegt bei 8,0 Prozent und damit so hoch wie seit zehn Jahren nicht mehr.

Rückblick: Von der Finanzkrise bis zum Ukrainekrieg

Nach der weltweiten Finanzkrise 2008 hatte sich der Düsseldorfer Arbeitsmarkt über Jahre hinweg stabilisiert. Diese Entwicklung wurde 2020 jäh unterbrochen: Die Corona-Pandemie ließ die Arbeitslosigkeit erneut ansteigen. Zeitweise waren über 100.000 Beschäftigte gleichzeitig in Kurzarbeit – ein historischer Höchstwert. Das Instrument bewährte sich: Massenentlassungen konnten weitgehend verhindert werden, auch wenn die Lockdowns und gestörten Lieferketten deutliche Spuren hinterließen.

Nach einer kurzen Erholung im Jahr 2022 folgte der nächste Dämpfer. Seit nunmehr vier Jahren wirken sich die wirtschaftlichen Folgen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine auf den Düsseldorfer Arbeitsmarkt aus. Besonders betroffen sind die Jobchancen Arbeitsloser: Die Rückkehr in Beschäftigung ist spürbar schwieriger geworden.

Höchste Quote seit zehn Jahren – aber nicht im NRW-Vergleich

Im Vergleich zu anderen Großstädten in Nordrhein-Westfalen steht Düsseldorf trotz allem relativ solide da. Die Arbeitslosenquote liegt weiterhin unter der vieler anderer Metropolen. Das liegt am strukturellen Profil der Stadt: ein starker Branchenmix, ein hoher Anteil an Verwaltungs- und Dienstleistungsjobs sowie die ausgeprägte Internationalität des Standorts.

Diese Struktur hat über Jahre hinweg Beschäftigungswachstum ermöglicht. Allein in den letzten zehn Jahren legte die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung deutlich zu. Doch diese Erfolgsgeschichte stockt: Ende Juni 2025 waren in Düsseldorf 460.155 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt – 866 weniger als ein Jahr zuvor. Ein Rückgang von 0,2 Prozent, der das Ende der Wachstumsphase markiert.

Viele Freisetzungen, weniger Chancen für Schwächere

Auffällig ist die Dynamik innerhalb der Arbeitslosigkeit. Über 19.000 Menschen meldeten sich 2025 aus einer Erwerbstätigkeit heraus arbeitslos – so viele wie zuletzt im Coronajahr 2020. Gleichzeitig fanden mehr als 13.000 Arbeitslose aus der Arbeitslosenversicherung (SGB III) wieder einen Job. Das zeigt: Der Arbeitsmarkt ist grundsätzlich noch aufnahmefähig.

Anders sieht es im Bereich des Jobcenters (SGB II) aus. Hier sind die Arbeitsaufnahmen im langfristigen Vergleich rückläufig. Für hilfebedürftigere Menschen haben sich die Jobchancen in den vergangenen zehn Jahren verschlechtert – ein strukturelles Problem, das durch den Mangel an passenden Stellen verschärft wird.

Stellenmarkt auf Sparflamme

Die Zurückhaltung der Unternehmen ist deutlich messbar. Im Jahresdurchschnitt 2025 wurden lediglich 4.457 offene Stellen gemeldet – ein Rückgang von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr und der zweitniedrigste Wert der vergangenen zehn Jahre. Vergleichbar niedrige Zahlen gab es nur nach der Finanzkrise und während der Pandemie.

Parallel dazu steigt die Zahl der Unternehmensinsolvenzen. 416 Betriebe meldeten 2025 Insolvenz an. Seit fünf Jahren zeigt die Kurve kontinuierlich nach oben – ein klares Signal für den anhaltenden wirtschaftlichen Druck, insbesondere auf kleine und mittlere Unternehmen.

Kurzarbeit kehrt zurück – Industrie schrumpft weiter

Auch die Kurzarbeit nimmt wieder leicht zu. Rund 325 Beschäftigte waren 2025 betroffen, vor allem in den Bereichen wirtschaftliche Dienstleistungen, Bau sowie Verkehr und Lager. Die Zahlen liegen weit unter den Pandemie-Höchstständen, markieren aber dennoch einen Stimmungsumschwung.

Strukturell setzt sich zudem ein langfristiger Trend fort: Die Industrie verliert in Düsseldorf an Bedeutung. Nur noch rund elf Prozent der Beschäftigten arbeiten in diesem Sektor, sieben Prozent im Verarbeitenden Gewerbe. Sowohl die Zahl der Betriebe als auch der Beschäftigten sinkt. Gleichzeitig ist der Industriebereich stark konzentriert: 60 Prozent der Beschäftigten arbeiten in Großbetrieben, Kleinstbetriebe spielen kaum eine Rolle.

Lichtblicke: Gesundheit, Internationalität, Qualifikation

Positive Impulse kommen aus dem Gesundheitswesen, das innerhalb eines Jahres um mehr als 1.300 Beschäftigte wuchs. Zudem steigt der Anteil von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern mit ausländischem Pass weiter an. Auch Geflüchtete finden zunehmend Zugang zu sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung – ein wichtiger Faktor für die Stabilisierung des Arbeitsmarktes.

Im Verarbeitenden Gewerbe zeigt sich zudem eine Besonderheit Düsseldorfs: Der Anteil höherqualifizierter Beschäftigter ist größer als im Landesdurchschnitt. Sie sind es, die den Wissens- und Innovationsstandort prägen – und langfristig über die Wettbewerbsfähigkeit der Stadt entscheiden.

Fazit

Der Düsseldorfer Arbeitsmarkt befindet sich 2025 in einer Phase der Bewährung. Die globalen Krisen haben tiefe Spuren hinterlassen, die Arbeitslosigkeit ist hoch, die Dynamik gedämpft. Gleichzeitig zeigt sich eine bemerkenswerte Widerstandskraft: Beschäftigung auf hohem Niveau, vergleichsweise niedrige Quoten im NRW-Vergleich und strukturelle Stärken in wissensintensiven Branchen. Ob daraus wieder ein nachhaltiger Aufschwung entsteht, hängt weniger von lokalen Faktoren ab – als von der weiteren Entwicklung der Weltwirtschaft.