Deutsche Unternehmen gehen ins Ausland: Chance und Verantwortung zugleich

Länder mit den höchsten deutschen Direktinvestitionsbeständen im Jahr 2024 in Milliarden Euro
Von Christoph Sochart
Ich „lese“ seit Jahren genau hin, wenn es um die Frage geht, wohin unser Kapital fließt. Diese Woche hat mich eine Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft besonders beschäftigt, weil sie zeigt, wie stark sich unsere Unternehmen international aufgestellt haben.
Die Zahlen sind eindrucksvoll. Zwischen 2010 und 2024 haben sich die Direktinvestitionen deutscher Unternehmen im Ausland mehr als verdoppelt und liegen heute bei fast 1.700 Milliarden Euro. Die Zahl der Unternehmen, Zweigniederlassungen und Betriebsstätten im Ausland stieg um 35 Prozent auf fast 45.000. Hinter diesen Zahlen stehen Ingenieurinnen, Handwerker, Verkäufer und Verwaltungsleute, die jeden Tag dafür sorgen, dass Produkte und Dienstleistungen weltweit ankommen.

So viel Prozent der deutschen Direktinvestitionsbestände im Ausland entfielen im Jahr 2024 auf diese Branchen
Mich überzeugt an dieser Entwicklung vor allem eines: Wer neue Märkte erschließt, kann mehr exportieren und stärkt damit auch den Standort Deutschland. Die Studie macht aber ebenso deutlich, dass es darauf ankommt, wo und warum investiert wird. Ersetzt ein Unternehmen aus Kostengründen den Export durch Produktion im Ausland, schadet das dem heimischen Standort. Besonders deutlich zeigt sich das im Handel mit China. Dort haben sich die deutschen Investitionsbestände zwischen 2010 und 2024 fast verdreifacht, die Exporte nach Peking stiegen dagegen nur um gut zwei Drittel.
Für mich ist das ein klares Signal an die Politik, aber auch an uns Unternehmer. Die Autoren sehen Ansatzpunkte bei den Lohnnebenkosten, den Unternehmensteuern und den Energiekosten. Gleichzeitig sollten Ausgleichszölle auf chinesische Waren die Anreize zur Produktionsverlagerung mindern. Ich halte es für richtig, diese Debatte mit Zahlen statt mit Stimmungen zu führen.
Gerade in einer Stadt wie Düsseldorf, in der viele mittelständische Unternehmen international tätig sind, lohnt sich dieser Blick. Ich würde mich freuen, wenn wir in unserer Unternehmerschaft darüber ins Gespräch kommen: Welche Schritte ins Ausland bringen unserem Standort wirklich etwas, und wo brauchen wir bessere Rahmenbedingungen, damit Investitionen hier und dort zusammen wachsen?

Deutsche Direktinvestitionbestände im Ausland in Milliarden Euro
