Indeed: Arbeitsmarkt 2026 stabilisiert sich in „zwei Geschwindigkeiten“

(cs) Der deutsche Arbeitsmarkt hat das Jahr 2025 mit einem deutlichen Dämpfer beendet. Im Dezember ging die Zahl der Stellenausschreibungen saisonbereinigt um 1,7 Prozent gegenüber dem Vormonat zurück. Im Jahresvergleich ergibt sich sogar ein Minus von 11,6 Prozent. Das zeigt eine aktuelle Analyse des Düsseldorfer Unternehmens Indeed.

„Der Arbeitsmarkt beendet das Jahr mit einem deutlichen Dämpfer“, erklärt Dr. Virginia Sondergeld, Ökonomin und Arbeitsmarktexpertin bei Indeed. Zwar sei ein leichter Rückgang zum Jahresende saisonal nicht ungewöhnlich, doch die aktuelle Entwicklung falle schwächer aus als erwartet: „Der besonders schwache Beginn der Winterpause überrascht. Denn in der zweiten Jahreshälfte waren erste Anzeichen einer Stabilisierung zu beobachten.“

Tatsächlich hatten die Stellenausschreibungen im August und November 2025 jeweils um bis zu 1,5 Prozent gegenüber dem Vormonat zugelegt. Selbst im Dezember 2024, trotz Rezession, schrieben Unternehmen noch 0,6 Prozent mehr Stellen aus. Vor diesem Hintergrund fällt der aktuelle Rückgang umso stärker ins Gewicht. Dennoch gibt Sondergeld einen vorsichtig optimistischen Ausblick: „Es gibt Licht am Ende des Tunnels: Für 2026 rechne ich mit einer verhaltenen Entspannung.“


Ausblick 2026: Ein Arbeitsmarkt der zwei Geschwindigkeiten

Die erwartete Stabilisierung des Arbeitsmarktes im Jahr 2026 stützt sich unter anderem auf die Prognose des Sachverständigenrats, der von einem Wirtschaftswachstum von 0,9 Prozent ausgeht. Mit dem konjunkturellen Aufschwung dürften Unternehmen wieder häufiger neue Stellen ausschreiben.

Allerdings warnt Sondergeld davor, diese Entwicklung als flächendeckende Entwarnung zu verstehen:
„Das erwartete Wachstum ist ein wichtiger Lichtblick und wird auch den Arbeitsmarkt stützen. Die Beschäftigungsimpulse sind jedoch ungleich verteilt.“

Für 2026 zeichnet sich damit ein Arbeitsmarkt der zwei Geschwindigkeiten ab:

  • Wachstumsbranchen wie das Bauwesen, der Gesundheits- sowie Sozialsektor profitieren von staatlichen Investitionen und dem demografischen Wandel.

  • Wissensintensive Büro- und Tech-Berufe bleiben hingegen unter Druck. Unternehmen setzen hier weiterhin auf Kostendisziplin und nutzen verstärkt Produktivitätsgewinne durch Künstliche Intelligenz.

  • In der Industrie droht bei anhaltender Exportschwäche in vielen Bereichen weiterer Stellenabbau.


Gewinner- und Verliererbranchen im Überblick

Die aktuellen Indeed-Daten bestätigen diese strukturelle Zweiteilung des Arbeitsmarktes:

Zuwächse im Jahresvergleich:

  • Bauwesen: +4,2 Prozent

  • Sozialdienst & Sozialarbeit: +4,9 Prozent

Deutliche Rückgänge:

  • Softwareentwicklung: –18,4 Prozent

  • Marketing: –15,6 Prozent

  • Büro & Verwaltung: –15,9 Prozent

  • Kundenservice: –22,2 Prozent

Gerade klassische Büro- und Tech-Berufe stehen damit weiter unter erheblichem Anpassungsdruck.


Dezember 2025: Nur drei von 24 Berufsgruppen mit Zuwächsen

Auch im Monatsvergleich (November zu Dezember 2025) zeigt sich ein überwiegend negatives Bild. Lediglich drei von 24 analysierten Berufsgruppen konnten zulegen:

  • Buchhaltung: +4,3 Prozent (trotz Minus im Jahresvergleich)

  • Sozialdienst & Sozialarbeit: +1,4 Prozent

  • Management: +0,1 Prozent

Die stärksten Rückgänge verzeichneten:

  • Kundenservice: –6,7 Prozent

  • Softwareentwicklung: –4,0 Prozent

  • Einzelhandel und Lagerhaltung: jeweils –3,3 Prozent


Datengrundlage: Der Indeed Arbeitsmarkt Index

Die Analyse basiert auf dem Indeed Arbeitsmarkt Index, den Dr. Virginia Sondergeld regelmäßig auswertet. Der Index misst die Entwicklung der Personalnachfrage auf Grundlage von mehreren Millionen Stellenausschreibungen, die entweder direkt auf Indeed veröffentlicht oder über Karrierewebseiten von Unternehmen aggregiert werden. Dadurch lassen sich Veränderungen am Arbeitsmarkt nahezu in Echtzeit beobachten und einordnen.

Aktuelle Daten und weiterführende Analysen zum deutschen und internationalen Arbeitsmarkt sind unter data.indeed.com abrufbar.