Iran-Krieg belastet unsere Betriebe – Zuversicht sinkt

So viel Prozent der Unternehmen in Deutschland bewerten die Lage bei diesen Indikatoren im Frühjahr 2026 gegenüber dem Frühjahr 2025 wie folgt und erwarten für das Jahr 2026 gegenüber 2025 diese Entwicklung

(cs) Der Krieg im Nahen Osten entwickelt sich zunehmend zum konjunkturellen Risiko für Deutschland. Was zum Jahreswechsel 2025/2026 noch wie ein vorsichtiger Aufbruch wirkte, ist inzwischen verflogen. Statt einer erhofften Erholung prägen steigende Energiepreise, gestörte Lieferketten und wachsende Unsicherheit die wirtschaftliche Lage.

Auslöser der erneuten Eintrübung ist der seit Ende Februar eskalierte Konflikt rund um den Iran. Besonders schwer wiegt dabei die Blockade der Straße von Hormus – eine der wichtigsten Handelsrouten für Energie. Die Folge: Öl- und Gaspreise ziehen deutlich an, Lieferketten geraten ins Stocken, Produktionsabläufe werden unsicher. Für eine exportorientierte Volkswirtschaft wie Deutschland ist das ein empfindlicher Rückschlag.

Eine aktuelle Umfrage des Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW) unter rund 1.000 Unternehmen zeigt, wie stark die Stimmung bereits gekippt ist. Knapp 43 Prozent der Firmen berichten, dass sich ihre Geschäftslage gegenüber dem Frühjahr 2025 verschlechtert habe. Nur gut 14 Prozent sehen eine Verbesserung. Besonders auffällig: Auch im Dienstleistungssektor, lange Zeit Stabilitätsanker der Wirtschaft, überwiegt inzwischen die Skepsis deutlich.

Der Blick nach vorn fällt kaum optimistischer aus. Für das Gesamtjahr 2026 erwarten 35 Prozent der Unternehmen einen Rückgang ihrer Produktion, während lediglich 21 Prozent mit einem Wachstum rechnen. Damit setzt sich ein Negativtrend fort, der bereits seit Herbst 2023 anhält – eine ungewöhnlich lange Phase wirtschaftlicher Zurückhaltung.

So viel Prozent der Unternehmen in Deutschland erwarten für das Jahr 2026 gegenüber 2025 diese Entwicklung der Produktion, Investitionen und Beschäftigung

Am größten ist die Skepsis in der Industrie. Hier rechnen 39 Prozent der Unternehmen mit einer weiteren Verschlechterung, insbesondere in der Konsumgüter- und Grundstoffindustrie. Doch auch andere Branchen geraten unter Druck: Im Baugewerbe, wo sich Optimisten und Pessimisten zuletzt noch die Waage hielten, rechnet nun wieder eine Mehrheit mit sinkender Produktion. Der Dienstleistungssektor folgt ebenfalls dem negativen Trend.

Parallel dazu verschlechtern sich die Perspektiven für Investitionen. Fast vier von zehn Unternehmen planen, ihre Ausgaben im laufenden Jahr zu reduzieren. Nur etwa jedes fünfte Unternehmen will mehr investieren als im Vorjahr. Die Unsicherheit durch geopolitische Krisen trifft dabei auf strukturelle Herausforderungen wie hohe Steuer- und Abgabenlasten sowie zunehmende Regulierung.

Auch der Arbeitsmarkt dürfte die Entwicklung bald zu spüren bekommen. Lediglich rund 21 Prozent der Unternehmen planen einen Personalaufbau, während 29 Prozent von einem Stellenabbau ausgehen. Besonders deutlich zeigt sich diese Schere im Verarbeitenden Gewerbe: Dort rechnen 37 Prozent mit sinkender Beschäftigung, aber nur 14 Prozent mit Neueinstellungen.

Der Iran-Krieg wirkt damit wie ein Brandbeschleuniger für bestehende Probleme. Die deutsche Wirtschaft steht nicht nur unter konjunkturellem, sondern auch unter strukturellem Druck. Eine schnelle Erholung ist vorerst nicht in Sicht – zu groß sind die Unsicherheiten auf den globalen Märkten und zu tiefgreifend die Herausforderungen im Inland.