
Unser Geschäftsführer Christoph Sochart im Podcast-Gespräch mit Kiepe-CEO Alexander Ketterl. Diese Podcastfolge aus dem September können Sie hier hören: https://kurzlinks.de/sfpa
(cs) Während die deutsche Industrie mit massiven Herausforderungen kämpft, zeigt das Beispiel der Kiepe-Gruppe aus Düsseldorf-Hassels, dass strategische Neuausrichtung ein Weg durch die Krise sein kann. Nach einem Stellenabbau im vergangenen Jahr meldet das Traditionsunternehmen nun eine erfolgreiche Ausgliederung seines Trolleybus-Geschäfts.
Strategische Weichenstellung nach 120 Jahren
Die Kiepe-Gruppe, die bereits seit 120 Jahren am Standort Düsseldorf ansässig ist, hat sich zu einem bedeutenden Schritt entschlossen: Das Unternehmen konzentriert sich künftig auf sein Kerngeschäft – elektrische Systeme und Komponenten für Schienenfahrzeuge. Der Bereich Trolleybus-Geschäft wurde an die Carrosserie Hess AG übergeben, einen langjährigen Partner des Unternehmens.
„Die Ausgliederung sei Teil der strategischen Neuausrichtung der Kiepe-Gruppe”, teilte das Unternehmen mit. Der Produktions- und Entwicklungsstandort am Hauptsitz Düsseldorf sehe seine zukünftige Kernnutzung im Schienenfahrzeuggeschäft und werde weiterhin für Aktivitäten im Bereich elektrischer Systeme und Komponenten für Schienenfahrzeuge genutzt.
Die Fokussierung wird von einer Unternehmenssprecherin als wichtiger Schritt bezeichnet, um die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und dem Standort in Düsseldorf eine klare, langfristige Perspektive zu geben. Trolleybusse – elektrisch betriebene Verkehrsmittel – werden nun von Carrosserie Hess AG weitergeführt. Die Rheinische Post hatte zuerst darüber berichtet.
Deutsche Industrie in der Krise
Die Neuausrichtung der Kiepe-Gruppe erfolgt vor dem Hintergrund einer tiefgreifenden Krise der deutschen Industrie. Wie der Informationsdienst des Instituts der deutschen Wirtschaft (
iwd.de) in einem aktuellen Dossier berichtet, ist der Anteil des verarbeitenden Gewerbes an der Bruttowertschöpfung in Deutschland zwischen 2016 und 2024 deutlich gesunken.
Deutschlands wirtschaftlicher Erfolg fußt traditionell zu einem wesentlichen Teil auf seiner starken Industrie und deren guter Verzahnung mit wirtschaftsnahen Dienstleistern. Doch die hiesige Industrie steckt in der Krise. In den vergangenen Jahren war sie mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert: Zunächst kam es zu ausfallenden Lieferketten während der Coronapandemie, dann zum russischen Angriffskrieg auf die Ukraine und daraus resultierenden hohen Energiekosten.
Mehrfachbelastung für verarbeitendes Gewerbe
Das verarbeitende Gewerbe ist ein essenzieller Bestandteil der deutschen Wirtschaft. Ob Maschinenbau, Automobil- oder Metall- und Elektro-Industrie: Die verschiedenen Industriebranchen zeichnen sich durch hohe Produktivität sowie große Innovationskraft aus und sichern so die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland.
Doch in den vergangenen Jahren ist der Druck auf die Industrieunternehmen deutlich gestiegen – unter anderem durch den Fachkräftemangel, Lieferengpässe sowie stark gestiegene Material- und Personalkosten. Darüber hinaus schwächen eine überbordende Bürokratie und eine bröckelnde Infrastruktur die Unternehmen, zudem erschweren Handelshemmnisse wie die von den USA erhobenen Zölle den Export.
Der Fachkräftemangel und die Transformation hin zu einer klimaneutralen Produktion machen den Betrieben zusätzlich zu schaffen. Dazu kommen noch bürokratische Hürden und eine marode Infrastruktur in Deutschland, durch die das verarbeitende Gewerbe im internationalen Wettbewerb an Boden verliert.
Fokussierung als Antwort
Die Entscheidung der Kiepe-Gruppe, sich auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren und den Trolleybus-Bereich an einen spezialisierten Partner abzugeben, kann als exemplarische Antwort auf diese Herausforderungen gesehen werden. Statt alle Geschäftsbereiche unter den erschwerten Bedingungen weiterzuführen, setzt das Unternehmen auf Spezialisierung und strategische Partnerschaft.
Diese Strategie demonstriert, dass auch traditionsreiche Unternehmen bereit sind, sich den veränderten Rahmenbedingungen anzupassen. In Zeiten, in denen die Industriequote in Deutschland sinkt, könnte dies ein Weg sein, die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten – durch klare Positionierung statt Diversifizierung um jeden Preis.
Der Standort Düsseldorf bleibt dabei erhalten. Für die 120-jährige Geschichte des Unternehmens in der Landeshauptstadt ist dies ein neues Kapitel – geschrieben unter den Vorzeichen einer Industrie im Wandel.