
Screenshot: Instagram
(cs) Die Krankenstände in Deutschland sind zu hoch – und die Frage nach den Ursachen ist berechtigt. Darauf macht Johannes Pöttering, Hauptgeschäftsführer von „unternehmer nrw”, aufmerksam. In einem Interview mit dem WDR 5 – Morgenecho hat er kürzlich mit Tobias Strauß über den Zusammenhang zwischen telefonischer Krankschreibung und steigenden Krankenstandszahlen sowie über dringend notwendige Reformen im Arbeitszeitrecht gesprochen. Auf seinem Instagram-Kanal berichtet Pöttering jetzt darüber.
Telefonische Krankschreibung: Sinnvoll, aber nicht ohne Risiken
Während der Corona-Pandemie war die telefonische Krankschreibung ein sinnvolles Instrument, um Arztpraxen zu entlasten. Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung hat jedoch einen hohen Beweiswert – und dieser kann nur durch eine persönliche ärztliche Untersuchung zweifelsfrei festgestellt werden. Telefonische Gespräche bieten Ärzten nur eingeschränkte Möglichkeiten, ein verlässliches Krankheitsbild festzustellen. Aus Sicht von Pöttering ist ein direkter Zusammenhang zwischen der telefonischen Krankschreibung und den stark gestiegenen Krankenstandszahlen nicht von der Hand zu weisen.
Die Kosten des hohen Krankenstands
Die wirtschaftlichen Folgen sind erheblich: Neben organisatorischen Herausforderungen sind die finanziellen Belastungen für Unternehmen massiv. Allein im vergangenen Jahr beliefen sie sich auf rund 82 Milliarden Euro. Deutschland leistet sich im internationalen Vergleich die großzügigsten Regelungen zur Lohnfortzahlung im Krankheitsfall – und auch diese Kosten machen sich im internationalen Standortwettbewerb bemerkbar.
Ansätze zur Entlastung der Unternehmen
Es gibt verschiedene Ansatzpunkte, um Unternehmen zu entlasten: Etwa die Einführung von Karenztagen, an denen kein oder nur ein reduzierter Lohnausgleich gezahlt wird. Oder eine Deckelung der Lohnfortzahlung auf insgesamt sechs Wochen pro Jahr statt wie bisher sechs Wochen pro Krankheit.
Wichtig dabei: Es geht ausdrücklich nicht darum, die Lohnfortzahlung abzuschaffen. Aber die aktuelle Lastenverteilung wiegt für die Unternehmen schwer.
Quelle: Johannes Pöttering, Hauptgeschäftsführer von „unternehmer nrw”/Instagram