Mobilfunker starten neues Auto-Notrufsystem NG eCall

(cs) Die deutschen Mobilfunk-Netzbetreiber Vodafone (Düsseldorf), Deutsche Telekom und O2 Telefónica haben am heutigen Samstag (24. Januar) das neue Auto-Notrufsystem „Next Generation Emergency Call“ (NG eCall) offiziell in ihren Netzen gestartet. Damit beginnt eine neue Phase der vernetzten Fahrzeugsicherheit in Deutschland.

Im Unterschied zum bisherigen eCall-System wird der Notruf bei NG eCall nicht mehr über die rund 40 Jahre alte Mobilfunk-Technologie 2G (GSM) aufgebaut. Stattdessen nutzt das neue System die moderneren 4G-(LTE)-Netze und perspektivisch auch den 5G-Standard. Das ermöglicht nicht nur einen schnelleren Verbindungsaufbau, sondern auch eine deutlich effizientere Übertragung von Standort- und Fahrzeugdaten an die Notrufzentralen.

Das bestehende eCall-System bleibt weiterhin aktiv. NG eCall kommt zunächst nur dann zum Einsatz, wenn sowohl das Fahrzeug als auch die zuständige Leitstelle die neue Technologie unterstützen. Ist das nicht der Fall, wird der Notruf wie bisher über das alte System abgewickelt. Beide Generationen laufen somit vorerst parallel.

Bereits heute trägt eCall wesentlich dazu bei, die Reaktionszeiten der Rettungsdienste bei schweren Verkehrsunfällen zu verkürzen. Das System setzt automatisch einen Notruf an die europaweite Notrufnummer 112 ab und übermittelt unter anderem den genauen Unfallort. NG eCall baut dieses Prinzip technisch aus.

Mehr Tempo und neue Möglichkeiten

Die Einführung von NG eCall bringt mehrere Vorteile mit sich. Der Rufaufbau zu den Fahrzeuginsassen erfolgt spürbar schneller, zudem entfallen viele der bisherigen Einschränkungen bei der Datenübertragung. Perspektivisch eröffnet das Raum für neue Anwendungen rund um den Fahrzeugnotruf.

Denkbar ist etwa die optionale Übermittlung zusätzlicher Informationen, beispielsweise medizinischer Daten der Insassen – vorausgesetzt, diese stimmen dem ausdrücklich zu. Auch die Übertragung von Live-Bildern aus im Fahrzeug verbauten Kameras wäre technisch möglich. Rettungskräfte könnten sich so bereits auf der Anfahrt ein genaueres Bild der Lage machen und gezielter auf den Einsatz vorbereiten.

Netzbetreiber sehen Sicherheitsgewinn

Vodafone sieht in NG eCall einen wichtigen Schritt in Richtung Zukunftssicherheit. „NG eCall macht Fahrzeugnotrufe mit modernster Mobilfunk-Technologie möglich und ist zukunftssicher. Wir schalten die Technik dafür jetzt im Netz frei“, erklärt Marc Hölzer, Bereichsleiter Netz-Entwicklung bei Vodafone. Das System sorge für schnellere Hilfe bei Unfällen und ermögliche Rettungskräften einen umfassenderen Überblick über das Unfallgeschehen.

Auch O2 Telefónica betont den Sicherheitsaspekt. „Die Einführung des neuen Fahrzeugnotrufs ist ein Sicherheitsgewinn für Verbraucherinnen und Verbraucher“, sagt Mallik Rao, Technik- und Geschäftskundenvorstand des Unternehmens. Ein Notruf dürfe nicht an veralteter Funktechnik hängen. NG eCall sei „wie eine digitale Notrufsäule fürs Auto“ – vorausgesetzt, die Mobilfunk-Netze seien leistungsfähig ausgebaut.

Die Deutsche Telekom verweist ebenfalls auf die Vorteile moderner Netze. „NG eCall ist ein wichtiger Schritt für die Sicherheit im Straßenverkehr“, sagt Technik-Chef Alexander Jenbar. Durch die Nutzung von 4G- und 5G-Netzen könnten Notrufe schneller und zuverlässiger übermittelt werden. „Im Notfall sind die Mobilfunk-Netze für die Menschen da – das ist unser Anspruch.“

Mit dem Start von NG eCall setzen die Netzbetreiber ein gemeinsames Signal: Die technische Grundlage für eine neue Generation der vernetzten Fahrzeugsicherheit ist gelegt. Bis sie flächendeckend im Alltag ankommt, wird es jedoch noch eine Übergangszeit mit zwei parallel laufenden Systemen geben.