New York ist wieder näher – eine Chance für Düsseldorf

Im Pressegespräch (von rechts): Flughafenchef Lars Redeligx, US-Generalkonsulin Preeti V. Shah und Christian Vernet, CEO „La Compagnie“; Fotos: Christoph Sochart

Von Christoph Sochart

Es gibt Nachrichten, die zunächst wie eine Meldung aus der Verkehrspolitik klingen – und bei genauerem Hinsehen eine viel größere Bedeutung haben. Die angekündigte neue Direktverbindung von Düsseldorf nach New York gehört für mich eindeutig dazu.

Ab dem Frühjahr 2027 fliegt die französische Airline La Compagnie fünfmal pro Woche nonstop von Düsseldorf nach New York-Newark. Der erste Flug ist für den 21. April 2027 geplant. Für unseren Flughafen, für die Region und vor allem für die internationale Ausrichtung unseres Wirtschaftsstandortes ist das eine bemerkenswerte Nachricht.

New York ist nicht einfach nur ein attraktives Reiseziel. New York ist eines der wichtigsten wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Zentren der Welt. Eine direkte Verbindung dorthin verkürzt Wege, erleichtert persönliche Begegnungen und schafft neue Möglichkeiten für Unternehmen, Investoren, Messegäste und Veranstalter.

Sehr kuschelig: per Smart-Business nach New York. Foto: Christoph Sochart

Eine Region mit engen transatlantischen Verbindungen

In der Region Düsseldorf gibt es rund 700.000 Betriebe. Zugleich sind in Nordrhein-Westfalen mehr als 1.700 US-Unternehmen ansässig. Diese Zahlen machen deutlich: Die Verbindung zwischen unserer Region und den Vereinigten Staaten ist längst eng und vielfältig. Sie reicht von Industrie und Handel über Technologie und Dienstleistungen bis hin zu Messe, Kongress und Kultur.

Nordrhein-Westfalen exportierte allein im Jahr 2025 Waren im Wert von 15,5 Milliarden Euro in die USA. Die Vereinigten Staaten sind damit der wichtigste außereuropäische Absatzmarkt der nordrhein-westfälischen Wirtschaft.

Eine direkte Flugverbindung kann diese Beziehungen nicht allein begründen. Aber sie kann ihnen einen neuen Schub geben. Geschäftsreisen werden einfacher planbar, amerikanische Gäste erreichen Düsseldorf ohne Umstieg, und Unternehmen erhalten einen weiteren direkten Zugang zum US-Markt.

Der Flughafen-Chef Lars Redeligx hat deshalb zu Recht von einer „neuen Chance für den Wirtschaftsstandort“ gesprochen. Auch für Düsseldorf als Messe-, Kongress- und Veranstaltungsstandort ist die Verbindung ein starkes Signal.

Mit dem neuen A321neo nach New York; Foto: Christoph Sochart

Ein ungewöhnliches Angebot

La Compagnie bringt ein besonderes Konzept nach Düsseldorf: Die Fluggesellschaft bietet ausschließlich Business-Class-Sitze an. Zum Einsatz soll ein neuer Airbus A321neo LR mit 76 Plätzen kommen. Alle Sitze lassen sich in flache Betten verwandeln. Hinzu kommen WLAN, Lounge-Zugang, ein persönlicher Service sowie Speisen und Getränke auf Business-Class-Niveau.

Das ist kein Massenprodukt – und genau darin liegt die Chance. Die Airline positioniert sich zwischen klassischer Linienfluggesellschaft und exklusiver Boutique-Airline. Für Geschäftsreisende kann dieses Angebot attraktiv sein, insbesondere dann, wenn Zeitersparnis, Ruhe und ein verlässlicher Service entscheidend sind.

Auch für private Reisende mit einem besonderen Anspruch kann die Verbindung interessant sein. Für den Wirtschaftsstandort ist aber vor allem entscheidend, dass die Strecke von Unternehmen, Messen und internationalen Gästen angenommen wird.

Die entscheidende Frage lautet: Trägt die Strecke?

Bei aller Freude über die neue Verbindung sollte man deshalb realistisch bleiben. Eine Direktverbindung ist zunächst eine Chance – noch kein wirtschaftlicher Erfolg. Die Strecke muss sich dauerhaft rechnen. Fünf Flüge pro Woche brauchen eine ausreichende Nachfrage, und diese Nachfrage muss aus der Region kommen.

Man kann daher nur hoffen, dass die Verbindung auch ökonomisch funktioniert. Dafür braucht es mehr als gute Nachrichten und schöne Bilder vom Erstflug. Unternehmen müssen die Strecke nutzen. Veranstalter und Messegesellschaften müssen sie in ihre internationale Planung einbeziehen. Wirtschaftsförderung, Kammern, Verbände und Politik sollten gemeinsam dazu beitragen, dass Düsseldorf und die Region in New York sichtbar werden – und umgekehrt.

Auch die amerikanische Seite ist gefordert. Die neue Verbindung muss nicht nur Reisende aus Nordrhein-Westfalen nach New York bringen. Sie muss ebenso amerikanische Unternehmen, Investoren, Fachkräfte, Messebesucher und Touristen nach Düsseldorf und in die Region führen.

Ein Standortvorteil, den wir aktiv nutzen müssen

Im Pressegespräch haben Flughafen-Chef Lars Redeligx, US-Generalkonsulin Preeti V. Shah und Christian Vernet, CEO von La Compagnie, die Bedeutung der neuen Verbindung unterstrichen. Das ist ein gutes Zeichen. Jetzt kommt es darauf an, aus der Ankündigung einen nachhaltigen Standortvorteil zu machen.

Düsseldorf verfügt über vieles, was internationale Gäste suchen: eine starke Unternehmenslandschaft, kurze Wege, eine leistungsfähige Messe, eine hohe Lebensqualität und eine zentrale Lage in einer der wirtschaftsstärksten Regionen Europas. Die neue Verbindung nach New York kann diese Stärken sichtbarer und zugänglicher machen.

Sie kann helfen, neue Geschäftskontakte zu knüpfen, bestehende Partnerschaften zu vertiefen und Düsseldorf im transatlantischen Wettbewerb besser zu positionieren. Vor allem aber kann sie zeigen, dass unser Standort international denkt und international erreichbar ist.

Eine Chance, die wir nicht verstreichen lassen sollten

Ich freue mich deshalb über die neue Verbindung. Nicht, weil jeder von uns regelmäßig nach New York fliegen muss. Sondern weil internationale Erreichbarkeit im Wettbewerb der Wirtschaftsstandorte eine immer größere Rolle spielt.

Die Verbindung nach New York ist tatsächlich eine neue Chance für unseren Düsseldorfer Wirtschaftsstandort. Sie sollte von Unternehmen, Institutionen und der gesamten Region als solche verstanden und genutzt werden.

Am Ende wird der Erfolg nicht allein daran gemessen, ob die Flugzeuge starten. Entscheidend ist, ob aus der Verbindung mehr Begegnungen, mehr Geschäfte, mehr Investitionen und mehr internationale Aufmerksamkeit für Düsseldorf entstehen.

Die Voraussetzungen sind da. Jetzt muss die Region zeigen, dass sie diese Chance verdient – und dass sich New York und Düsseldorf wirtschaftlich genauso gut verstehen wie geografisch verbinden lassen.