NRW-Metallarbeitgeber nennen Warnstreikwelle der IG Metall eine „unnötige Belastung der Tarifrunde“

Von Christoph Sochart
Die nordrhein-westfälischen Metallarbeitgeber haben die IG Metall davor gewarnt, die ohnehin schwierige Tarifrunde 2026 mit überzogenen Warnstreiks zusätzlich zu belasten. Johannes Pöttering, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Metall- und Elektro-Industrie Nordrhein-Westfalen (METALL NRW), erklärte am Mittwoch in Düsseldorf, angesichts der sehr ernsten wirtschaftlichen Lage müsse alles getan werden, um die Situation in den Unternehmen zu beruhigen. Die aktuelle Warnstreikwelle sei das falsche Zeichen. Sie werde weder der schlechten Wirtschaftslage noch dem Angebot der Arbeitgeber gerecht.
Das bewusst früh in der Tarifrunde vorgelegte Angebot bezeichnete Pöttering als Signal an die IG Metall, in einer extrem schwierigen Tarifrunde Hinweise für ein tragfähiges Ergebnis zu geben. Die Betriebe brauchten angesichts des massiven Wettbewerbs- und Kostendrucks dringend eine tarifpolitische Atempause.
Die Metall- und Elektroindustrie befindet sich nach Einschätzung des Verbandes in der längsten und schwersten Krise der Nachkriegszeit. Auch die Gewerkschaft wisse, dass die Unternehmen unter massivem Wettbewerbsdruck stehen. „Alles, was unsere Betriebe in dieser Lage zusätzlich belastet, verändert die Kosten-Relation zur ausländischen Konkurrenz“, sagte Pöttering. Das Arbeitgeber-Angebot trage dieser angespannten Situation Rechnung.
Die Verhandlungen erforderten nun, die bislang sachliche Atmosphäre fortzusetzen. Unter dem Einfluss massiver Warnstreiks sei dies deutlich schwerer. „Es wäre daher gut, wenn die IG Metall in der nächsten Verhandlung am 9. November Bewegung am Verhandlungstisch und nicht nur auf der Straße zeigen würde“, erklärte Pöttering.
Die Arbeitgeber bekräftigten ihr Ziel, auf Grundlage des in der zweiten Tarifverhandlung vorgelegten Angebots zügig zu einem tragfähigen Ergebnis zu kommen. „Wir haben kein Interesse an einer tarifpolitischen Hängepartie“, so Pöttering. Er warnte davor, mit übermäßigen Warnstreiks unrealistische Erwartungen bei den Mitgliedern zu wecken, die sich in dieser Wirtschaftslage nicht erfüllen ließen. Auch die Beschäftigten spürten vor Ort Auftragseinbußen, Produktionseinbrüche und vielerorts spürbaren Personalabbau.
Stimme aus Emscher-Lippe
Michael Grütering, Hauptgeschäftsführer der Arbeitgeberverbände in Gelsenkirchen und Düsseldorf wurde in der WAZ mit folgenden Worten zitiert:
„Wir befinden uns mitten in einer langen und tiefgreifenden Konjunktur- und Strukturkrise der Metall- und Elektroindustrie. Die Transformation verlangt den Unternehmen in Emscher-Lippe alles ab, viele bewährte Geschäftsprozesse müssen neu gedacht werden. Vor diesem Hintergrund halte ich Warnstreiks für unangemessen. Wir haben innerhalb der Friedenspflicht ein tragfähiges und der Lage angemessenes Angebot vorgelegt. Ich teile die Einschätzung von Arndt G. Kirchhoff, Präsident von METALL NRW, dass dieses Angebot ein ‚Zeichen der Bereitschaft der Arbeitgeber zu einer schnellen und konstruktiven Lösungsfindung‘ ist. Die Forderung der IG Metall von fünf Prozent geht an der wirtschaftlichen Realität vorbei. Die Betriebe benötigen eher Kostenentlastungen statt Kostensteigerungen. Wir erwarten, dass sich die IG Metall konstruktiv mit unserem Angebot auseinandersetzt. Blockade und Druck helfen weder den Beschäftigten in Gelsenkirchen noch den Betrieben in unserer Region. Anders als in anderen Regionen ist die Wirtschaft in Gelsenkirchen stärker monostrukturiert und insbesondere von energieintensiven Betrieben geprägt. Die aktuelle Krise trifft Gelsenkirchen besonders hart. Wer in dieser Situation glaubt, dass sich die Betriebe eine Erhöhung der Lohnkosten um fünf Prozent erlauben können, verkennt den Ernst der Lage. Es geht um die Existenz der Betriebe, und wir müssen alles unternehmen, um die Arbeitsplätze vor Ort zu erhalten. Wer in dieser Situation unangemessene Forderungen stellt und zum Streik aufruft, gefährdet den Standort Gelsenkirchen in höchstem Maße. Schnelle Ergebnisse am Verhandlungstisch sind das Gebot der Stunde. Nur so haben wir eine Chance, die Arbeitsplätze zu erhalten.“
