Ohne Zuwanderung geht dem Arbeitsmarkt die Luft aus
(cs) Der deutsche Arbeitsmarkt steht vor einem tiefgreifenden Wandel – und die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Seit 2024 wird das Beschäftigungswachstum ausschließlich von ausländischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern getragen. Während immer mehr Deutsche altersbedingt aus dem Berufsleben ausscheiden, sorgen Arbeits- und Fachkräfte aus dem Ausland dafür, dass Unternehmen überhaupt noch genügend Personal finden.
Der Grund dafür ist der demografische Wandel. Die Babyboomer verabschieden sich nach und nach in den Ruhestand, gleichzeitig rücken deutlich weniger junge Menschen nach. Das verändert den Arbeitsmarkt nachhaltig. Innerhalb von zehn Jahren ist die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter mit deutscher Staatsangehörigkeit um rund 3,9 Millionen gesunken. Gleichzeitig wuchs die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter mit ausländischer Staatsangehörigkeit um etwa 3,4 Millionen. Ohne Zuwanderung wäre das Arbeitskräftepotenzial in Deutschland bereits heute deutlich kleiner.
Besonders sichtbar wird dieser Trend bei der Beschäftigung. Zwischen 2014 und Mitte 2025 entfielen 43 Prozent des Beschäftigungswachstums auf Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus Drittstaaten. Weitere 26 Prozent kamen aus den Mitgliedstaaten des Europäischen Wirtschaftsraums und der Schweiz. Deutsche Beschäftigte trugen nur noch rund ein Drittel zum Beschäftigungsaufbau bei.
Seit dem vergangenen Jahr hat sich die Entwicklung weiter zugespitzt: Neue Jobs entstehen praktisch nur noch durch ausländische Beschäftigte. Die Zahl der deutschen Erwerbstätigen stagniert oder geht aufgrund der Altersstruktur sogar zurück.
Nach Einschätzung der Bundesagentur für Arbeit zeigt sich darin vor allem eines: Deutschland ist zunehmend auf Erwerbsmigration angewiesen. „Die Demografie verändert den Arbeitsmarkt. Die Zahl der deutschen und EU-Beschäftigten sinkt bereits. Vor allem Beschäftigte aus Drittstaaten stabilisieren den Arbeitskräftebedarf der Unternehmen“, betont BA-Vorständin Vanessa Ahuja.
Eine wichtige Rolle spielen dabei auch Geflüchtete. Ihre Integration in den Arbeitsmarkt schreitet spürbar voran. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten aus den wichtigsten Herkunftsländern von Geflüchteten hat sich innerhalb der vergangenen fünf Jahre mehr als verdoppelt. Für die Bundesagentur ist das nicht nur ein Erfolg der Integrationspolitik, sondern auch ein wichtiger Beitrag zur Sicherung von Fachkräften und zum gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Gleichzeitig steigt die Erwerbsbeteiligung insgesamt. Sowohl Deutsche als auch ausländische Staatsangehörige arbeiten heute häufiger als noch vor einigen Jahren. Allerdings konzentrieren sich die Beschäftigungszuwächse bei deutschen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zunehmend auf ältere Jahrgänge. Die jüngeren Generationen werden dagegen immer stärker durch Zuwanderung geprägt.
Auch in den Unternehmen macht sich diese Entwicklung bemerkbar. Während deutsche Beschäftigte vor allem in hochqualifizierten Berufen zulegen, schließen ausländische Fach- und Arbeitskräfte zunehmend Lücken bei Fachkräften und Helfertätigkeiten. In sogenannten Engpassberufen hat sich ihr Anteil seit 2014 sogar von sieben auf rund 14 Prozent verdoppelt.
Regional zeigen sich deutliche Unterschiede. In Westdeutschland tragen deutsche und ausländische Beschäftigte gemeinsam zum Beschäftigungsaufbau bei. In vielen ostdeutschen Regionen dagegen wären steigende Beschäftigungszahlen ohne internationale Arbeitskräfte kaum noch möglich. Dort federt Zuwanderung die Folgen des demografischen Wandels besonders stark ab.
Zwar hat die schwache Konjunktur das Beschäftigungswachstum zuletzt gebremst, insbesondere in der Industrie. An der grundsätzlichen Entwicklung ändert das jedoch wenig. Der demografische Wandel bleibt die zentrale Herausforderung des deutschen Arbeitsmarktes – und Zuwanderung entwickelt sich immer mehr zu einem entscheidenden Faktor für Wachstum, Wohlstand und die Sicherung von Fachkräften.
