Pendler am Limit: Düsseldorfs Verkehr vor der Beinah-Katastrophe – Bahnchaos verschärft die Lage – mit einer wichtigen Ausnahme

(cs/ud) Düsseldorf steuert verkehrlich auf schwierige Zeiten zu – und für viele Pendler fühlt sich das bereits jetzt wie eine Beinah-Katastrophe an. Während die Landeshauptstadt ab Februar 2026 die Theodor-Heuss-Brücke für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen sperrt und damit eine zentrale Rheinquerung faktisch aus dem Wirtschafts- und Lieferverkehr nimmt, kommt es parallel zu massiven Einschränkungen auf einer der wichtigsten Bahnachsen ins Ruhrgebiet. Die Belastungen überlagern sich – mit spürbaren Folgen für Arbeitnehmer, Unternehmen und den Standort Düsseldorf insgesamt.

Als wäre das nicht genug, trifft Pendlerinnen und Pendler seit dem 9. Januar 2026 die nächste Hiobsbotschaft: Vier Wochen lang ist die zentrale Bahnstrecke zwischen Düsseldorf und Essen gesperrt. Grund sind Bauarbeiten an einer maroden Autobahnbrücke in Duisburg. Bis zum 6. Februar fahren auf diesem Abschnitt keine Züge. Ausfälle, Umleitungen und Ersatzbusse prägen den Alltag. Fernzüge halten nicht mehr in Duisburg und Oberhausen, ICE-Verbindungen werden ausgedünnt, Fahrzeiten verlängern sich spürbar.

Gerade für Berufspendler aus dem Ruhrgebiet nach Düsseldorf ist das ein harter Schlag. Wer täglich auf verlässliche Bahnverbindungen angewiesen ist, muss mehr Zeit einplanen, mehrfach umsteigen oder auf überfüllte Ersatzbusse ausweichen. In der Summe entsteht der Eindruck eines Verkehrssystems, das nur noch reagiert, statt vorausschauend zu planen.

Allerdings gibt es in diesem Bahnchaos einen wichtigen Lichtblick: Die S-Bahn-Linie S6 zwischen Essen und Düsseldorf ist von der Sperrung nicht betroffen. Sie steht Pendlern weiterhin als direkte Schienenverbindung zur Verfügung und wird von der Bahn ausdrücklich als Alternative empfohlen. Für viele dürfte sie in den kommenden Wochen zur rettenden Lebensader werden – auch wenn bereits jetzt absehbar ist, dass die Züge deutlich voller sein werden als sonst.

Straße dicht, Schiene gestresst – und kein Gesamtkonzept

Das eigentliche Problem liegt tiefer. Düsseldorf erlebt nicht eine einzelne Baustelle, sondern eine Kumulation von Einschränkungen: Rheinbrücken am Limit, Autobahnbrücken marode, Bahnstrecken gesperrt. Jede Maßnahme für sich mag begründbar sein. In der Summe aber entsteht eine Situation, die für Pendler und Wirtschaft gleichermaßen hochriskant ist. Wenn Lieferverkehre ausweichen müssen, steigen Staus. Wenn Bahnverbindungen wegfallen, wechseln mehr Menschen ins Auto. Das System gerät weiter unter Druck.

Besonders kritisch sehen viele Beobachter, dass der geplante Neubau der Theodor-Heuss-Brücke erneut ohne schienengebundenen ÖPNV auskommen soll. Zwei Fahrspuren pro Richtung mögen heute ausreichend erscheinen, doch sie sind keine Antwort auf die wachsenden Pendlerströme von morgen. Wer Jahrzehnte vorausplant, müsste größer denken – gerade in einer Metropolregion wie Rhein-Ruhr.

So bleibt der Eindruck, dass Düsseldorf verkehrlich von Baustelle zu Baustelle hangelt, ohne dass ein belastbares Gesamtkonzept erkennbar ist. Für die Menschen, die täglich hierher pendeln, ist das mehr als ein Ärgernis. Es ist eine Beinah-Katastrophe – mit Ansage.