Rheinmetall eröffnet neue Fabrik – Düsseldorfer Konzern investiert massiv in nationale Sicherheitsarchitektur

(cs) Mit einem symbolträchtigen Schritt untermauert der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall heute seine Schlüsselrolle in der sicherheitspolitischen Neuaufstellung Deutschlands: In Unterlüß bei Celle wird am heutigen Mittwoch das neue „Werk Niedersachsen“ eröffnet – eine hochmoderne Produktionsstätte für Artilleriemunition und Raketentechnik. Zur Eröffnung werden hochrangige politische Gäste erwartet, darunter Bundesfinanzminister Lars Klingbeil, Verteidigungsminister Boris Pistorius (beide SPD) sowie der neue Nato-Generalsekretär Mark Rutte. Über den Bau der Fabrik berichtete Konzernchef Armin Papperger bereits auf unserem Arbeitgebertag 2024 (Foto; 2.v.l.; Foto: Frank Wiedemeier). Ein historischer Tag für Rheinmetall – und vielleicht ein Wendepunkt für die deutsche Verteidigungsindustrie: Mit dem neuen „Werk Niedersachsen“ startet der Konzern nicht nur eine neue Produktionsära, sondern rückt endgültig ins Zentrum sicherheitspolitischer Verantwortung. Warum dieses Werk mehr ist als nur ein Standort – und welche Rolle Politik und NATO dabei spielen – erfahren Sie hier.

350.000 Schuss Munition pro Jahr – aus deutscher Hand

Bereits ab 2027 soll das Werk jährlich bis zu 350.000 Schuss Artilleriemunition des Kalibers 155 Millimeter liefern – ein zentrales Kaliber der westlichen Artillerie, unter anderem für das Waffensystem Panzerhaubitze 2000. Noch in diesem Jahr ist eine Anlaufproduktion von rund 25.000 Schuss geplant. Auch die Herstellung von Sprengstoffen (bis zu 1.900 Tonnen RDX pro Jahr), Zündern, Treibladungen sowie künftig Raketenantrieben und Gefechtsköpfen ist vorgesehen. Rheinmetall will so die komplette Wertschöpfungskette an einem Standort abbilden – inklusive der Fähigkeit, sogenannte „Full Shots“ komplett aus eigener Fertigung anzubieten.

Mehr als 500 neue Arbeitsplätze – und kein Steuergeld im Spiel

Das neue Werk ist nicht nur ein sicherheitspolitisches Projekt – sondern auch ein industrieller Kraftakt: Mehr als 500 Millionen Euro investiert Rheinmetall in den Ausbau und die Modernisierung seines Traditionsstandorts in Unterlüß. Bemerkenswert: Die Investitionen sind komplett privatwirtschaftlich finanziert – eine Beteiligung des Staates erfolgt nicht. Entstehen sollen über 500 neue Arbeitsplätze, viele davon in der Hochtechnologieproduktion und Munitionsentwicklung.

Düsseldorfer Konzern mit strategischer Rolle

Für Rheinmetall mit Hauptsitz in Düsseldorf ist die Werkseröffnung ein Meilenstein – nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch. Konzernchef Armin Papperger betont: „Zur Sicherung der strategischen Souveränität Deutschlands im Bereich der Munitionsherstellung schaffen wir eine nationale Produktionsstätte, die neue Maßstäbe setzt und die Versorgung der Bundeswehr sicherstellen wird.“

In der sicherheitspolitischen Debatte, die seit dem russischen Angriff auf die Ukraine wieder an Fahrt aufgenommen hat, gilt insbesondere die Munitionsversorgung als eine Schwachstelle der westlichen Streitkräfte. Deutschland war bislang bei Artilleriemunition stark abhängig von Importen – oft verbunden mit Exportgenehmigungen Dritter, etwa aus der Schweiz oder den USA. Mit dem neuen Werk will Rheinmetall diese Abhängigkeiten beenden und zugleich Lieferfähigkeit an Partnerstaaten der NATO sicherstellen – auch im Krisenfall.

Hochrangige politische Unterstützung

Dass gleich zwei Bundesminister und der NATO-Generalsekretär zur Eröffnung anreisen, zeigt die politische Tragweite des Projekts. Verteidigungsminister Pistorius hatte bereits mehrfach auf die Notwendigkeit einer eigenständigen Munitionsproduktion hingewiesen. Das neue Werk gilt als zentraler Baustein der „Zeitenwende“ in der deutschen Verteidigungspolitik.

Gleichzeitig wurde im Übrigen in Düsseldorf bekannt, dass Rheinmetall in Bulgarien ebenfalls eine Munitionsfabrik bauen wird. Näheres will der Konzern mitteilen, wenn die Verträge unterzeichnet sind, hieß es in der Landeshauptstadt. Zuvor hatte sich Regierungschef Boyko Borissow offenbar mit Armin Papperger getroffen. Es soll um ein Investitionsvolumen von fast einer Milliarde Euro gehen.