Studie: Rentenwelle verschärft Fachkräftemangel

Gut 83 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ab 55 Jahren arbeiten in einem Beruf, für den mindestens eine abgeschlossene Berufsausbildung erforderlich ist
(cs) Der demografische Wandel trifft den deutschen Arbeitsmarkt mit voller Wucht. In den kommenden zehn bis 15 Jahren werden Millionen Beschäftigte in den Ruhestand gehen – und besonders betroffen sind ausgerechnet Berufe, in denen schon heute qualifizierte Fachkräfte fehlen. Darauf weist eine aktuelle Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hin.
Für Unternehmen in Düsseldorf und der Region ist diese Entwicklung längst keine Zukunftsprognose mehr, sondern Alltag. Ob Industrie, Handwerk, Gesundheitswesen, Logistik oder technische Berufe – viele Betriebe suchen bereits heute händeringend nach qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Wenn nun die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer den Arbeitsmarkt verlassen, dürfte sich die Situation weiter zuspitzen.
Nach Angaben des IW arbeiten zahlreiche Beschäftigte, die kurz vor dem Renteneintritt stehen, in sogenannten Engpassberufen. Das sind Tätigkeiten, in denen offene Stellen nur schwer oder gar nicht besetzt werden können. Der bevorstehende Generationenwechsel droht deshalb die bestehenden Personalengpässe deutlich zu verschärfen.
Auch Düsseldorfer Unternehmen spüren den Druck
Die Landeshauptstadt verfügt über eine vielfältige Wirtschaftsstruktur – von der Industrie über Handel und Dienstleistungen bis hin zu Gesundheitswirtschaft und Digitalisierung. Viele dieser Branchen sind auf erfahrene Fachkräfte angewiesen.
Besonders kritisch ist die Lage in Gesundheits- und Pflegeberufen, im Handwerk, in technischen Berufen, im Bauwesen sowie in zahlreichen Ingenieur- und IT-Berufen. Gleichzeitig benötigen die Unternehmen zusätzliche Fachkräfte, um die Digitalisierung, die Energiewende und große Infrastrukturprojekte umzusetzen.
Erfahrung darf nicht verloren gehen
Mit jedem Renteneintritt geht nicht nur eine Arbeitskraft verloren, sondern häufig auch jahrzehntelang aufgebautes Fachwissen. Viele Unternehmen reagieren deshalb bereits mit neuen Strategien. Dazu gehören flexible Übergänge in den Ruhestand, Teilzeitmodelle für ältere Beschäftigte sowie Programme zur systematischen Wissensweitergabe an jüngere Kolleginnen und Kollegen.
Gleichzeitig gewinnt die betriebliche Ausbildung weiter an Bedeutung. Jeder erfolgreich besetzte Ausbildungsplatz hilft dabei, den zukünftigen Fachkräftebedarf zu sichern. Ebenso wichtig sind Qualifizierungsangebote für Beschäftigte sowie attraktive Bedingungen für Quereinsteiger.
Fachkräftesicherung bleibt Gemeinschaftsaufgabe
Experten sind sich einig: Den demografischen Wandel kann Deutschland nicht verhindern – seine Auswirkungen jedoch abmildern. Dazu gehören eine stärkere Erwerbsbeteiligung, qualifizierte Zuwanderung, lebenslanges Lernen und eine moderne Berufsorientierung für junge Menschen. Unternehmen, Schulen, Kammern, Politik und Arbeitsmarktakteure stehen dabei gleichermaßen in der Verantwortung.
Für den Wirtschaftsstandort Düsseldorf ist klar: Die Sicherung von Fachkräften bleibt eine der wichtigsten Zukunftsaufgaben. Denn ohne ausreichend qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geraten Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und wirtschaftliches Wachstum zunehmend unter Druck.
