Teleoperiertes Fahren auf der Schiene: Rheinmetall bringt Fernsteuerungstechnologie in Bahn-Forschungsprojekt ein

(cs) Der Düsseldorfer Technologiekonzern Rheinmetall beteiligt sich über seine Tochtergesellschaft MIRA an dem neuen Forschungsprojekt „RemODtrAIn“ (Remote operated train with AI based Obstacle Detection). Ziel des Vorhabens ist es, zentrale Bausteine für einen hochautomatisierten und perspektivisch fernbedienten Zugbetrieb zu entwickeln. Die Konsortialführung liegt bei Siemens Mobility, beteiligt sind darüber hinaus Industriepartner, Bahnunternehmen und wissenschaftliche Einrichtungen.

Im Mittelpunkt des Projekts steht die Entwicklung einer sicheren Fernsteuerungslösung für Schienenfahrzeuge sowie einer modularen, KI-gestützten Hinderniserkennung. Als Demonstrator wird ein ICE 4 mit einem Teleoperationssystem ausgestattet. Dieser soll auf dem Gelände des DB-Instandhaltungswerks Köln-Nippes von einem zentralen Bedienplatz aus ferngesteuert bewegt werden. Die Datenübertragung erfolgt über eine 5G-basierte Kommunikationslösung, die einen hochverfügbaren und sicheren Betrieb auch unter wechselnden Bedingungen ermöglichen soll.

Parallel dazu wird die KI-basierte Hinderniserkennung in realen Betriebsumgebungen erprobt. Tests sind unter anderem im Umfeld der S-Bahn Berlin vorgesehen. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen dazu beitragen, automatisierte Systeme zuverlässiger in bestehende Bahnprozesse zu integrieren.

MIRA bringt in RemODtrAIn ihre Erfahrung aus dem Bereich Teleoperation ein. Gemeinsam mit den Projektpartnern entwickelt das Unternehmen eine robuste Fernsteuerungslösung, die sowohl für Neufahrzeuge als auch als Retrofit für bestehende Fahrzeugflotten geeignet ist. Das System besteht aus einem kompakten Bediengerät für den Remote Operator, einem Teleoperations-Kit im Fahrzeug sowie einem cloudbasierten Flottenmanagement-System, das den Betrieb mehrerer Fahrzeuge aus einer Leitstelle heraus unterstützt.

Der Fokus liegt zunächst auf Bereitstellungs-, Depot- und Abstellfahrten. Diese werden bislang überwiegend von Triebfahrzeugführern vor Ort durchgeführt. Durch eine einheitliche Bedienoberfläche und standardisierte Schnittstellen soll künftig eine Bedienlogik für unterschiedliche Fahrzeugtypen ausreichen. Damit zielt das Projekt auf eine effizientere Nutzung von Personalressourcen und adressiert zugleich den zunehmenden Fachkräftemangel im Bahnbetrieb.

Zu den technischen Kernelementen der MIRA-Lösung zählen ein sicherheitsgerichtetes Sichtsystem mit ASIL-D-Auslegung, ein hochverfügbares Kommunikationssystem, zertifizierte Fahrzeugschnittstellen – entwickelt in Zusammenarbeit mit Cattron als Unterauftragnehmer – sowie ein kompaktes RTO-System (Remote Train Operation), das die einschlägigen Normen des Bahnsektors erfüllt. Innerhalb von RemODtrAIn werden zudem Spezifikationen erarbeitet, die einen späteren Einsatz im Regelbetrieb ermöglichen sollen, etwa in Werkstätten, Depots oder weiteren Anwendungsfeldern des Schienenverkehrs.

Ein zentrales Ziel ist es, dass ein Remote Operator perspektivisch mehrere Fahrzeuge steuern oder flexibel zwischen verschiedenen Fahrzeugtypen wechseln kann. Dadurch sollen betriebliche Abläufe stabilisiert, Ressourcen besser ausgelastet und die Resilienz des Gesamtsystems Schiene erhöht werden.

„Mit RemODtrAIn und der Teleoperations-Lösung von MIRA bringen wir unser System-Know-how aus der Mobilität in den Schienenverkehr ein“, erklärt Win Neidlinger, Geschäftsführer der MIRA GmbH. Fernsteuerbare Triebfahrzeuge in Werkstätten und Depots könnten die Effizienz steigern, Personal entlasten und die Basis für weitere Automatisierungsschritte im Bahnsektor schaffen.

Das Projekt RemODtrAIn wird aus Mitteln der Europäischen Union sowie über das Förderprogramm „DNS der zukunftsfähigen Mobilität. Digital – Nachhaltig – Systemfähig“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) unterstützt. Insgesamt stehen rund 17 Millionen Euro an Fördermitteln zur Verfügung. Das Vorhaben soll damit einen Beitrag zur Digitalisierung des Bahnsystems, zur Steigerung der Leistungsfähigkeit der Infrastruktur und zur nachhaltigen Modernisierung des Schienenverkehrs in Deutschland und Europa leisten.