Unternehmen im Fluss: Der Rhein verbindet – trotz Niedrigwasser

Organisator Stephan Schneider (Digitale Stadt Düsseldorf) mit der Neusser Unternehmerin Jutta Zülow (rechts) und Nina Luig, Geschäftsführerin der Köln-Düsseldorfer Deutsche Rheinschiffahrt. Foto: Christoph Sochart

Von Christoph Sochart

„Volle Hütte“ mit rund 600 Gästen bei der Veranstaltung „Unternehmen im Fluss – Der Rhein verbindet“. Der Abend brachte Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Stadtgesellschaft, Wissenschaft und Sicherheitsbereich zusammen und widmete sich zentralen Fragen unserer Zeit: Wie können Unternehmen, Infrastruktur und Gesellschaft widerstandsfähiger werden? Welche Bedeutung haben physische und digitale Sicherheit für den Wirtschaftsstandort? Und welche Rolle spielen Innovationen und Start-ups bei der Bewältigung zukünftiger Herausforderungen?

Die Veranstaltung der Digitalen Stadt Düsseldorf, der Unternehmerschaft Düsseldorf, dem Rhein-Kreis Neuss und weiteren Partnern fand an Bord der MS RheinMagie statt. Geplant war ein gemeinsamer Abend auf dem Rhein, der Düsseldorf und Köln miteinander verbinden sollte. Wegen des anhaltenden Niedrigwassers konnte das KD-Schiff jedoch nicht nach Düsseldorf fahren. Die Veranstaltung fand deshalb nur in Köln statt. Für die Düsseldorfer Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurde ein kostenloser Bus-Shuttle organisiert.

Die kurzfristige Änderung des Veranstaltungsortes tat der Bedeutung des Abends keinen Abbruch. Im Gegenteil: Das Niedrigwasser führte sehr konkret vor Augen, wie abhängig Wirtschaft, Infrastruktur und Mobilität von verlässlichen Rahmenbedingungen und einer leistungsfähigen Infrastruktur sind. Der Rhein ist Verkehrsweg, Wirtschaftsraum und verbindendes Element zugleich. Wenn sich seine Bedingungen verändern, sind davon nicht nur die Schifffahrt, sondern auch Unternehmen, Lieferketten, Logistik und regionale Verbindungen betroffen.

600 geladene Gäste amüsierten sich prächtig auf der „RheinMagie“. Foto: Christoph Sochart

Ein Abend im Zeichen der Sicherheit

Nach dem Veranstaltungsbeginn standen zunächst strategische Fragen der Sicherheits- und Innovationspolitik im Mittelpunkt. Die Keynote hielt Rene Gassen, Direktor vom Bundesamt für Ausrüstung der Bundeswehr. In seinem Beitrag ging es um die Bedeutung von Innovation, technologischer Entwicklung und vorausschauendem Handeln in einer Zeit, in der sich Sicherheitslagen und wirtschaftliche Rahmenbedingungen schnell verändern.

Ein Grußwort sprach Andreas Feicht, CEO der RheinEnergie. Die Energieversorgung gehört zu den grundlegenden Voraussetzungen für einen funktionierenden Wirtschaftsstandort. Unternehmen benötigen sichere, bezahlbare und belastbare Energie – ebenso wie eine Infrastruktur, die auch in Krisensituationen handlungsfähig bleibt.

Im Anschluss folgte eine Talkrunde zum Thema „Physical Defence“. Dabei wurde deutlich, dass Sicherheit nicht erst bei einer akuten Krise beginnt. Der Schutz von Verkehrswegen, Energieversorgung, Häfen, Produktionsstandorten und kritischer Infrastruktur ist eine gemeinsame Aufgabe von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft.

An der Gesprächsrunde nahmen Susanne Fabry, Vorständin der RheinEnergie, Karen Florschütz, Sicherheitsexpertin, Markus Bangen, CEO der Duisburger Hafen AG, sowie Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann (Moderation), Mitglied des Europäischen Parlaments, teil.

Cyber Defence: Digitale Sicherheit ist Wirtschaftsschutz

Ein zweiter Schwerpunkt lag auf dem Thema „Cyber Defence“. Die Digitalisierung eröffnet Unternehmen neue Chancen, schafft zugleich aber neue Angriffsflächen. Produktionsprozesse, Logistik, Energieversorgung, Verwaltung und Kommunikation sind heute eng miteinander vernetzt. Ein Cyberangriff kann deshalb weitreichende Folgen haben – für einzelne Unternehmen ebenso wie für ganze Lieferketten und Regionen.

Die Talkrunde verband wissenschaftliche, unternehmerische und sicherheitspolitische Perspektiven. Diskutiert wurde unter anderem mit Dr. Michael Karl vom Institut für KI-Sicherheit des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, Tim Seil, Public Affairs Manager Defence & Security der Daimler Truck AG, und Steffen Bauer, CEO der HGK AG. Moderiert wurde die Gesprächsrunde von Markus Hartmann, Leitender Oberstaatsanwalt und Leiter der Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime Nordrhein-Westfalen.

Die Diskussion machte deutlich: Digitale Sicherheit ist kein reines IT-Thema. Sie betrifft die Geschäftsführung, die Beschäftigten, die Organisation von Lieferketten und die Verantwortung gegenüber Kunden und Partnern. Unternehmen müssen Risiken erkennen, Schutzmaßnahmen entwickeln und sich auf den Ernstfall vorbereiten. Gleichzeitig braucht es einen engen Austausch zwischen Wirtschaft, Wissenschaft, Sicherheitsbehörden und Politik.

Start-ups bringen neue Perspektiven ein

Neben den großen strategischen Fragen erhielten auch junge Unternehmen eine Bühne. Im Rahmen der Veranstaltung wurden Start-ups vorgestellt, die mit neuen Technologien, Geschäftsmodellen und Ideen an den Herausforderungen von morgen arbeiten.

Gerade diese Verbindung von etablierten Unternehmen, öffentlichen Institutionen und jungen Innovationsunternehmen ist für einen starken Wirtschaftsstandort entscheidend. Start-ups bringen Tempo, neue Denkweisen und technologische Lösungen ein. Etablierte Unternehmen verfügen über Erfahrung, Marktkenntnis und belastbare Strukturen. Wenn beide Seiten zusammenarbeiten, können daraus tragfähige Lösungen für die Praxis entstehen.

Der Rhein als Wirtschafts- und Lebensraum

Der Titel der Veranstaltung – „Der Rhein verbindet“ – war auch unter den besonderen Bedingungen des Abends passend gewählt. Der Rhein verbindet Städte und Regionen, Unternehmen und Märkte, Menschen und Ideen. Zugleich erinnert das anhaltende Niedrigwasser daran, dass diese Verbindung nicht selbstverständlich ist.

Der Rhein ist eine zentrale Verkehrs- und Wirtschaftsachse. Der Hafenstandort Duisburg, die Logistikregion am Niederrhein, die Unternehmen in Düsseldorf und Köln sowie zahlreiche weitere Betriebe entlang des Flusses sind eng miteinander verflochten. Veränderungen am Rhein wirken sich deshalb unmittelbar auf Mobilität, Versorgung und Wertschöpfung aus.

Die Tatsache, dass das Schiff nicht nach Düsseldorf fahren konnte, war somit mehr als eine organisatorische Einschränkung. Sie war ein anschauliches Beispiel dafür, wie eng wirtschaftliche Entwicklung mit Infrastruktur, Umweltbedingungen und Resilienz verbunden ist. Ein leistungsfähiger Standort muss nicht nur Wachstum ermöglichen, sondern auch mit Veränderungen und Störungen umgehen können.

Unternehmerschaft im Gespräch: Michael Grütering, Christoph Sochart, Christina Moeser (von rechts). Fotomontage: cs

Unternehmerschaft im Gespräch

Für die Unternehmerschaft Düsseldorf und Umgebung e.V. bot der Abend eine wichtige Gelegenheit zum Austausch. Die Gespräche an Bord und am Veranstaltungsort zeigten, wie groß der Bedarf an Vernetzung und an gemeinsamen Lösungen ist.

Unternehmen stehen vor Herausforderungen, die sich nicht isoliert lösen lassen. Fragen der Energieversorgung, des Hochwasserschutzes, der Logistik, der Cybersicherheit und der Fachkräftesicherung berühren viele Branchen gleichzeitig. Umso wichtiger sind Formate, die unterschiedliche Perspektiven zusammenbringen und den persönlichen Dialog ermöglichen.

Die Unternehmerschaft versteht sich als Stimme der Unternehmen in Düsseldorf und Umgebung. Dazu gehört auch, Entwicklungen frühzeitig zu erkennen, relevante Akteure miteinander zu vernetzen und die Interessen der Wirtschaft in gesellschaftliche Debatten einzubringen.

„Unternehmen im Fluss – Der Rhein verbindet“ hat gezeigt, wie eng Sicherheit, Infrastruktur, Digitalisierung und wirtschaftliche Entwicklung miteinander verbunden sind. Die Veranstaltung bot fachliche Impulse, kontroverse Perspektiven und Raum für persönliche Begegnungen.

Die Unternehmerschaft Düsseldorf und Umgebung e.V. freut sich, bei diesem wichtigen Austausch dabei gewesen zu sein. Denn ein zukunftsfähiger Wirtschaftsstandort entsteht dort, wo Unternehmen, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft miteinander im Gespräch bleiben.