Warum ElectronicPartner sein Geschäftsmodell neu erfindet

Der EP:-Vorstand im Journalisten-Gespräch: Matthias Assmann, Patrick van Tent und Greta Ziob. Foto: EP:
(cs) Der Elektronikhandel steht unter Druck – und einer der wichtigsten Player der Branche reagiert jetzt mit einer klaren strategischen Neuausrichtung. Die ElectronicPartner-Gruppe, deren Zentrale sich in Düsseldorf befindet und die Mitglied der Unternehmerschaft Düsseldorf ist, will sich neu erfinden: weg vom reinen Produktverkauf, hin zu mehr Marge, mehr Kundennähe und langfristig mehr Zukunftsfähigkeit. Unser Podcast-Team „Düsseldorfer Wirtschaft“/ „GE:wirtschaftet“ sprach mit den Vorständen Matthias Assmann, Patrick van Tent und Greta Ziob. Unsere Online-Redaktion fasst das Gespräch an dieser Stelle zusammen.
Stabil – aber unter Zugzwang
Mit einem Zentralumsatz von rund 1,2 Milliarden Euro blickt ElectronicPartner auf ein wirtschaftlich solides Jahr 2025 zurück. Der Umsatz blieb im dritten Jahr in Folge stabil, in Deutschland gab es ein leichtes Plus von 1,4 Prozent. Auch europaweit zeigt sich die Gruppe robust, mit Zuwächsen etwa in der Schweiz.
Doch die Botschaft von Finanzvorständin Greta Ziob war eindeutig: Stabilität reicht nicht mehr. „Gezielte Dynamisierung“ lautet das neue Leitmotiv – eine vorsichtige Formulierung für einen tiefgreifenden Wandel.
Der Kunde rückt ins Zentrum
Besonders deutlich wurde das neue Vorstandsmitglied Patrick van Tent. Seine Analyse: Der klassische Verkauf von Elektronikgeräten allein hat keine Zukunft mehr. Die Antwort darauf ist ein Paradigmenwechsel.
Statt den Händler in den Mittelpunkt zu stellen, soll künftig der Kunde die zentrale Rolle spielen. ElectronicPartner will sich zum Anbieter von Komplettlösungen entwickeln – mit stärkerer Kundenbindung, neuen Serviceangeboten und engerer Zusammenarbeit mit Lieferanten.
Das Ziel: höhere Margen für die angeschlossenen Händler und eine stärkere Position im Wettbewerb. Auch die Online-Plattform und das stationäre Markenerlebnis sollen gezielt ausgebaut werden. Marketing wird dabei zum strategischen Treiber, nicht nur zur Begleitmaßnahme.
Wenn der Fernseher plötzlich zu lange hält
Warum dieser Wandel notwendig ist, machte Vorstand Matthias Assmann mit einem einfachen, aber prägnanten Beispiel deutlich: „Der Fernseher hält heute so lange wie eine Waschmaschine.“ Was früher ein regelmäßig nachgefragtes Produkt war, wird zunehmend zur langlebigen Anschaffung.
Gleichzeitig verändern sich Nutzung und Nachfrage grundlegend. Smartphones, Streaming und vernetzte Geräte verdrängen klassische Konsummuster. Für den Fachhandel bedeutet das: Weniger Austauschzyklen, mehr Beratungsbedarf – und neue Geschäftsmodelle.
Assmann setzt dabei nicht auf eine radikale Neuerfindung, sondern auf die Stärken des Netzwerks: Know-how bündeln, Kompetenzen teilen und den Fachhandel gezielt weiterentwickeln.
Unterschiedliche Dynamiken im Portfolio
Ein Blick auf die Marken zeigt, wie heterogen die Entwicklung ist:
- Die Fachhandelslinie EP: wächst leicht und behauptet sich besser als der Markt
- Die Großflächenmarke MEDIMAX steht unter Druck und muss sich neu positionieren
- Das Technologie-Netzwerk comTeam wächst dynamisch – getrieben von Digitalisierung und KI
- Mit WENDEpunkt erschließt die Gruppe gezielt Zukunftsfelder rund um erneuerbare Energien
Gerade letzteres zeigt, wohin die strategische Reise gehen könnte: weg vom reinen Geräteverkauf, hin zu integrierten Lösungen – von Photovoltaik bis Energiemanagement.
Transformation aus Düsseldorf
Dass dieser Wandel von Düsseldorf ausgeht, ist kein Zufall. Die Stadt ist nicht nur Sitz der Unternehmenszentrale, sondern auch ein bedeutender Standort für mittelständische Netzwerke. Als Mitglied der Unternehmerschaft Düsseldorf ist ElectronicPartner eng in die regionale Wirtschaft eingebunden – und steht exemplarisch für viele Unternehmen, die sich aktuell neu ausrichten müssen.
Unser Kurz-Kommentar: Der Aufbruch hat begonnen
ElectronicPartner steht vor einer anspruchsvollen Aufgabe: ein bewährtes Verbundmodell in eine digitale, serviceorientierte Zukunft zu überführen – ohne seine mittelständischen Wurzeln zu verlieren.
Die Richtung ist klar: mehr Zusammenarbeit, mehr Kundenzentrierung, mehr unternehmerischer Mut. Oder, wie es intern formuliert wurde: Stabilität ist kein Selbstzweck. Wer nicht wächst, schrumpft.
Die kommenden Jahre werden zeigen, ob aus dieser Neuausrichtung tatsächlich ein nachhaltiger Wettbewerbsvorteil entsteht. Klar ist schon jetzt: Der Wandel hat begonnen – und er wird tiefgreifend sein.

„Volle Hütte“ beim Frühjahreskongress von EP: in Neuss. Foto: Christoph Sochart
