Was treibt Claus Weselsky? Lokführerstreik – Machtkampf der GDL – massiver Eingriff in den Alltag von Millionen von Menschen

Es geht schon wieder los: Verspätungen, ausfallende Züge, lange Gesichter. Tagung platzen, Meetings können nicht stattfinden, Termine müssen abgesagt werden, tausende Pendler stehen wieder morgens und abends im Stau. Die Lokführer streiken zum dritten Mal für die Rekorddauer von fünf (!) Tagen. Erst nach fünf Tagen, Dienstagvormittag um 2 Uhr, soll der Spuk ein Ende haben.

Und das alles nur, weil die GDL mehr Mitglieder haben möchte und glaubt in Konkurrenz zur größten Gewerkschaft, der EVG, zu stehen. Auf die Forderungen ist der Bahn-Vorstand weitestgehend eingegangen. Am Verhandlungstisch könnten die letzten Fragen geklärt werden. Das alles rechtfertigt jedenfalls nicht einen so massiven Eingriff in den Alltag von Millionen von Menschen.

Die Bahn versucht 25% aller Fernzüge fahren zu lassen. Und der Regionalverkehr? „70 Prozent des Angebotes an S-Bahnen und Regionalzügen werden wir aufrechthalten“, sagt eine Sprecherin des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR), der Rheinischen Post. Außerdem fahren alle Privatbahnen. Mittlerweile hat die Bahn ein neues Angebot vorgelegt. Es beinhalte eine Corona-Prämie von bis zu 600 Euro und eine Laufzeit des Tarifvertrags von 36 Monaten, melden die Medien.

Die GDL hat im übrigen nicht nur der Bahn den Kampf angesagt, sondern auch dem Deutschen Bundestag. Vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschen­rechte in Straßburg klagt sie gegen das Tarifeinheits­gesetz (TEG). Das Gesetz schreibt vor, dass in Unternehmen mit konkurrierenden Gewerkschaften nur noch der Tarifvertrag der jeweils größeren zur Anwendung kommt. „Ein Betrieb – ein Tarifvertrag” – so die Grundregel.

„Die eigentliche Zielsetzung des TEG – eine Minimierung der Konflikte – wurde ins Gegenteil verkehrt, weil die schwächere Gewerkschaft nur dann eine Chance hat, zur Mehrheitsgewerkschaft zu werden, wenn sie extrem mobilisiert und polarisiert und damit versucht, die stärkere Gewerkschaft aus dem Feld zu schlagen”, sagte der Kasseler Politikprofessor Wolfgang Schroeder dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Eine Lösung des Konfliktes sei auch wegen des „Machtwillens aller beteiligten Akteure” schwierig.

Enden wir mit einem Zitat eines Journalisten aus dem Berliner Netzwerk RND: ” (…) stößt einem auch hier das Vorgehen der Lokführerinnen und Lokführer übel auf: als heilloser egozentrischer Exzess einer gut abgesicherten Berufsgruppe in einem der wohlhabendsten Länder der Welt.”

In diesem Sinne müssen auch wir durch diesen unsinnigen Streik. Wir ärgern uns, sind sauer und vertrauen auf Dienstag, wenn auch dieser Spuk vorbei ist. Als nächste Eskalationsstufe wäre dann nur noch ein unbefristeter Streik denkbar.

https://www.reisereporter.de/artikel/13945-streik-bei-der-deutschen-bahn-das-muessen-reisende-jetzt-wissen

Quellen: u.a. RND, GDL, Deutsche Bahn