Was Unternehmen bei der Ausbildung selbst gestalten können

So viel Prozent der Ausbilder in Deutschland halten diese Wege für erfolgreich, um Bewerber für einen Ausbildungsplatz zu gewinnen

Von Christoph Sochart

Vieles in unserem Arbeitsalltag entzieht sich unserer Kontrolle. Der Fachkräftemangel lässt sich nicht von einem einzelnen Betrieb lösen, und die demografische Entwicklung macht vor keinem Unternehmen halt. Ich habe mir deshalb in den letzten Wochen die Frage gestellt, wo wir als Arbeitgeber tatsächlich handeln können. Eine aktuelle Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft hat mir dabei eine klare Antwort gegeben, zumindest für die Berufsausbildung.

Die Zahlen sind ernüchternd. Im Jahr 2024 konnten Unternehmen hochgerechnet rund 260.000 Ausbildungsstellen nicht besetzen, etwa ein Drittel des Angebots. Netto kostet ein Auszubildender im Schnitt gut 8.000 Euro pro Jahr, und fast drei von zehn Ausbildungsverhältnissen wurden 2024 vorzeitig beendet. Das alles liegt zum Teil außerhalb unseres Einflusses: die Zahl der Schulabgängerinnen und Schulabgänger, ihre Erwartungen, ihre Vorbildung.

So viel Prozent der Ausbilder in Deutschland halten diese Gestaltungsmerkmale der Berufsausbildung für so erfolgreich

Gleichzeitig zeigt die Befragung von mehr als 600 Ausbilderinnen und Ausbildern, wo der Handlungsspielraum liegt. Mehr als neun von zehn Betrieben binden ihre Azubis in betriebliche Abläufe ein und führen regelmäßige Feedbackgespräche. Praktika gelten als der erfolgreichste Weg, Jugendliche für einen Ausbildungsberuf zu gewinnen. Fast drei Viertel der ausbildenden Betriebe streben die Übernahme ihrer Azubis an, und mehr als 90 Prozent der Ausbilder halten frühzeitige Gespräche über Entwicklungsperspektiven für erfolgreich.

Für mich ist das eine wichtige Unterscheidung. Auf die Konjunktur, die Bildungspolitik oder die Erwartungen junger Menschen habe ich kaum Einfluss. Auf die Qualität der Einarbeitung, auf die Gesprächskultur im Betrieb und auf die Frage, ob ich einer jungen Person eine echte Perspektive biete, habe ich sehr wohl Einfluss. Genau dort sollten wir unsere Energie investieren.

So viel Prozent der Ausbilder in Deutschland sagen, dass diese Maßnahmen so erfolreich sind, wenn es darum geht, Jugendliche zur Bewerbung um einen Ausbildungsplatz zu bewegen

Besonders aufschlussreich finde ich, welche Herausforderungen die Ausbilder am häufigsten nennen: die psychische und gesundheitliche Verfassung der Azubis sowie ihre Konzentrationsfähigkeit und Motivation. Hier hilft kein schneller Trick. Es braucht Zeit, Zuwendung und klare Ansprechpartner im Betrieb. Wer diese Aufgabe ernst nimmt, schafft eine Atmosphäre, in der junge Menschen wachsen können.

Ich möchte Unternehmen deshalb ermutigen, sich zu fragen: Was können wir in unserem Betrieb konkret verbessern, auch wenn der Markt sich nicht ändert? Eine gute Einarbeitung, ein offenes Feedbackgespräch oder ein ehrliches Übernahmeangebot sind Schritte, die jeder Betrieb gehen kann.