Wenn der Saft ausgeht, fällt die Verabredung aus – Vodafone-Umfrage zeigt: Für junge Erwachsene ist ein leerer Smartphone-Akku mehr als ein kleines Ärgernis

Von Christoph Sochart

Ich gebe zu: Diese Zahl musste ich zweimal lesen. Fast jeder dritte junge Erwachsene zwischen 18 und 29 Jahren hat nach einer aktuellen Umfrage schon einmal eine fest vereinbarte Verabredung abgesagt, weil der Akku des Smartphones fast leer war. Genauer gesagt: 31 Prozent gaben dies an.

Eine Verabredung wegen eines niedrigen Akkustands abzusagen – also weil einem sprichwörtlich „der Saft ausgeht“ – klingt zunächst erstaunlich. Früher hätte man vielleicht kurz Bescheid gesagt, wäre trotzdem losgegangen oder hätte sich darauf verlassen, dass man sich schon findet. Heute scheint für viele junge Menschen die Frage „Wie lange hält mein Akku noch?“ unmittelbar mit der Frage verbunden zu sein, ob ein Treffen überhaupt stattfinden kann.

Das Smartphone ist längst mehr als ein Telefon

Die Umfrage wurde vom Meinungsforschungsinstitut Civey im Auftrag des Düsseldorfer Kommunikations-Unternehmen Vodafone unter 2.500 Erwachsenen durchgeführt. Insgesamt erklärten 7 Prozent der Befragten, wegen eines fast leeren Akkus schon einmal kurzfristig eine geplante Verabredung abgesagt zu haben. Bei den 30- bis 39-Jährigen waren es 10 Prozent.

Der deutliche Unterschied zwischen den Altersgruppen überrascht weniger, wenn man sich vor Augen führt, welche Funktionen das Smartphone heute bündelt. Es ist Kommunikationsmittel, Navigationsgerät, Fahrkarte, Kamera, Kalender, Bankkarte, Unterhaltungszentrale und für viele auch Zugang zu wichtigen Diensten. Wer unterwegs keinen Akku mehr hat, verliert nicht nur die Möglichkeit, Nachrichten zu schreiben. Es fehlt oft auch die Orientierung und ein Stück Sicherheit.

Das erklärt die Akku-Angst – entschuldigt aber vielleicht nicht jede Absage. Denn natürlich bleibt eine Verabredung auch dann eine Verabredung, wenn das Smartphone schweigt. Ein leerer Akku ist kein leerer Tag. Und ein persönliches Treffen sollte im besten Fall nicht davon abhängen, ob auf dem Display noch 18 oder nur 3 Prozent angezeigt werden.

Zwischen praktischer Sorge und digitaler Abhängigkeit

Trotzdem wäre es zu einfach, junge Menschen für dieses Verhalten zu belächeln. Wer sich in einer fremden Stadt verabredet, eine Adresse nur digital gespeichert hat oder unterwegs auf eine Fahrplan-App angewiesen ist, kann bei einem leeren Akku tatsächlich vor einem praktischen Problem stehen. Auch Sicherheitsaspekte spielen eine Rolle: Viele möchten im Notfall erreichbar bleiben.

Die Ergebnisse zeigen deshalb vor allem, wie stark das Smartphone in unseren Alltag eingebaut ist. Es ist nicht mehr nur ein Gerät, das wir gelegentlich benutzen. Es ist eine digitale Infrastruktur im Taschenformat. Fällt sie aus, entstehen Unsicherheit, Stress und manchmal sogar soziale Konsequenzen.

Gerade darin liegt die eigentliche gesellschaftliche Frage: Wie abhängig wollen wir von einem Gerät sein, das regelmäßig geladen werden muss? Vielleicht gehört zur digitalen Selbstständigkeit nicht nur der sichere Umgang mit Apps und sozialen Medien, sondern auch ein Plan für den Moment, in dem das Display schwarz bleibt. Eine Powerbank kann helfen. Eine notierte Telefonnummer ebenfalls. Und manchmal hilft auch die gute alte Verabredung mit einem klaren Ort und einer klaren Uhrzeit.

Die analoge Verabredung hat noch nicht ausgedient

Die Vodafone-Umfrage ist kein Beweis dafür, dass junge Menschen ihre Freunde nicht mehr treffen wollen. Im Gegenteil: Sie zeigt, wie wichtig ihnen Kommunikation und Verabredungen sind – und wie sehr sie dafür inzwischen auf ihr Smartphone angewiesen sind.

Trotzdem bleibt meine Verwunderung. Wenn fast jeder dritte junge Erwachsene ein Treffen wegen eines schwachen Akkus abgesagt hat, dann ist das mehr als eine kuriose Zahl. Es ist ein Hinweis darauf, dass digitale Erreichbarkeit für viele inzwischen zur Voraussetzung sozialer Teilhabe geworden ist.

Vielleicht sollten wir deshalb gelegentlich bewusst den Gegenversuch machen: Akku laden, Handy weglegen und trotzdem losgehen. Die besten Verabredungen waren schließlich noch nie die, bei denen der Akku am längsten gehalten hat.

Quelle: Vodafone/Civey, Umfrage unter 2.500 Erwachsenen im Oktober 2026: „Akku-Angst der Deutschen“.