Zu hohe Kosten und Bürokratie: Arbeitgeber fordern Kurswechsel in der Wirtschaftspolitik

Oliver Zander Foto: GESAMTMETALL
(cs) Wenn man Bürokratie abbauen will, muss man auch Bürokraten abbauen, wenn man Wachstum will, muss man Reformen durchsetzen. Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Oliver Zander rechnet damit, dass die M+E-Industrie dieses Jahr noch einmal viele Arbeitsplätze verliert. Im Gespräch mit den Zeitungen der Funke Mediengruppe redet er Klartext. Unserer Redaktion liegt das komplette Interview vor. Zander sieht Deutschland in einer tiefen Industriekrise. Um Arbeitsplätze und Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, fordert er umfassende wirtschaftliche Reformen, weniger Bürokratie und Veränderungen bei Sozialabgaben, Arbeitszeit und Rentensystem.
Wichtigste Punkte des Interviews
1. Schwere Krise der Industrie
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Die Branche befindet sich seit zwei Jahren in einer Rezession.
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Seit 2018 sind bereits 270.000 Arbeitsplätze verloren gegangen.
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2026 könnten bis zu 150.000 weitere Jobs wegfallen.
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Zander spricht von einer begonnenen Deindustrialisierung in Deutschland.
2. Deutschland verliert an Wettbewerbsfähigkeit
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Gründe laut Zander:
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hohe Energiekosten
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hohe Unternehmenssteuern
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hohe Sozialabgaben
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zu viel Bürokratie
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Dadurch werde zu wenig in Deutschland investiert.
3. Besonders betroffene Branchen
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Automobilindustrie
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Maschinenbau
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inzwischen auch Elektroindustrie
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Wachstum gibt es nur im Rüstungsbereich, der aber zu klein ist, um Verluste auszugleichen.
4. Arbeitsmarkt-Paradox
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Trotz Fachkräftemangel steigen Arbeitslosenzahlen, weil Firmen wegen der schlechten Lage weniger einstellen.
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Langfristig könnten durch viele Renteneintritte wieder Chancen für junge Menschen entstehen.
5. Kritik am Mindestlohn
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Der Mindestlohn sei stark gestiegen (seit 2015 etwa +72 %).
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Dadurch werde einfache Arbeit teuer und Anreize für Ausbildung sinken, so Zander.
6. Hohe Steuern und Abgaben
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Viele Arbeitnehmer geben über 40–50 % ihres Einkommens ab.
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Ohne Reformen könnten Sozialabgaben bis 2035 auf 50 % steigen.
7. Forderung nach Reformen
Zander fordert:
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Bürokratieabbau (auch weniger Personal in Verwaltungen)
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effizientere Sozialversicherungssysteme
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stabile Sozialabgaben (max. 40 %)
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höheres Renteneintrittsalter statt Rente mit 63
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mehr Arbeitsstunden, um Wachstum zu fördern.
8. Politische Warnung
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Viele Bürger seien frustriert über die wirtschaftliche Lage.
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Die Regierung müsse schnell Reformen liefern, sonst wachse die politische Unzufriedenheit.
Quelle: GESAMTMETALL
