Blitzgefahr am Flughafen: Düsseldorf setzt auf neue Sensortechnik

Christoph Müller hat das Wetter im Blick. Die neuen Sensoren liefern den Airport Duty Managern am Flughafen Düsseldorf verlässliche Echtzeitdaten bei Wetterlagen mit Blitzgefahr.
(cs) Blitzeinschläge sind ein imposantes Naturschauspiel – und eine reale Gefahr, insbesondere für den Luftverkehr. Allein im vergangenen Jahr registrierte der Wetterdienst rund 19.000 Blitzeinschläge in Nordrhein-Westfalen. Auf Düsseldorf entfallen rein rechnerisch etwa 120 Einschläge pro Jahr – eine beachtliche Zahl, die Auswirkungen auf den Betrieb am Düsseldorfer Flughafen, der Airport ist Mitglied der Unternehmerschaft Düsseldorf, haben kann.
Denn: Bei drohender Blitzgefahr muss am Düsseldorfer Flughafen alles stehen und liegen gelassen werden. Betanken, Beladen, Pushback – sämtliche Tätigkeiten im Außenbereich werden sofort gestoppt. Das dient dem Schutz von Mitarbeitenden, Passagieren und Crews. Gleichzeitig bringt jede wetterbedingte Unterbrechung Verzögerungen, mögliche Flugausfälle und erhebliche Zusatzkosten mit sich.
Um künftig noch schneller und präziser auf Gewitterlagen reagieren zu können, setzt der Flughafen Düsseldorf nun auf modernste Technik: sogenannte Feldmühlensensoren messen die elektrische Feldstärke in der Atmosphäre – und das in Echtzeit.
„Bei Gewitterlagen geht es oft um Minuten“, sagt Christoph Müller, Airport Duty Manager. „Wir müssen schnell entscheiden, ob wir die Abfertigung stoppen oder fortsetzen. Die Sensoren liefern uns dafür verlässliche Werte direkt vom Flughafengelände.“
Drei dieser Sensoren wurden rund um die Start- und Landebahnen installiert. Noch bevor der erste Blitz zuckt, registrieren sie die elektrische Aufladung in der Luft. Die Daten fließen zusammen mit weiteren Wetter- und Blitzinformationen in ein zentrales System und werden dort visuell aufbereitet – zur direkten Einschätzung durch das Airport Duty Management.
Das Ziel: Betriebsunterbrechungen so sicher wie nötig, aber so kurz wie möglich. Müller betont: „Die Sensoren helfen uns, Unterbrechungen genau dann einzuleiten, wenn es notwendig ist – und sie rasch wieder aufzuheben, sobald keine Blitzgefahr mehr besteht.“
In einem nächsten Schritt will der Flughafen das System weiter ausbauen: An allen Flugzeugpositionen werden künftig Warnleuchten und Tonsignale installiert, die bei erhöhter Blitzgefahr automatisch aktiviert werden. Mitarbeitende sollen so überall auf dem Vorfeld rechtzeitig gewarnt werden – unabhängig davon, wo sie sich befinden.
Auch in Sachen Winterbetrieb gibt es Pläne: Eine neue Sensorik zur Messung der Oberflächenbedingungen auf den Pisten soll präzise Hinweise auf Glätte durch Schnee oder Eis geben. Damit lassen sich Räum- und Streueinsätze gezielter planen und Verspätungen verringern.

Einer von drei neuen Feldmühlensensoren am Flughafen Düsseldorf. Die Geräte messen die elektrische Feldstärke in der Atmosphäre. Fotos: Flughafen Düsseldorf
Die Investition in die neue Blitzsensorik ist Teil eines umfassenden Modernisierungskurses. Der Flughafen will sich als einer der besten Airports Europas in seiner Kategorie positionieren. Dazu gehören Investitionen in Nachhaltigkeit, Infrastruktur und digitale Prozesse. Schon heute tragen Systeme wie ticketloses Parken per Kennzeichenerkennung, KI-gestützte Reinigung, Quick Boarding Gates und buchbare Zeitfenster an der Sicherheitskontrolle dazu bei, den Betrieb effizienter zu gestalten – und das Reiseerlebnis zu verbessern.
Mit den Feldmühlensensoren kommt nun ein weiteres Puzzlestück hinzu – für mehr Sicherheit, weniger Verspätungenund einen verlässlichen Flugverkehr. Auch dann, wenn sich das Wetter blitzartig ändert.