Eine Stichprobe der Verbraucherzentrale NRW zeigt: Viele Snacks für Kinder enthalten überraschend hohe Salzmengen – mit möglichen Folgen für die Gesundheit.

Foto: Verbraucherzentrale
(cs) Bunte Verpackungen, lustige Tierformen und wohlklingende Werbeversprechen: Kinder-Knabbersnacks sind aus Supermärkten und Drogerien kaum wegzudenken. Für viele Eltern vermitteln sie den Eindruck, speziell auf die Bedürfnisse von Kindern abgestimmt zu sein. Doch eine aktuelle Stichprobe der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, Mitglied der Unternehmerschaft Düsseldorf, zeichnet ein anderes Bild: Zahlreiche dieser Produkte enthalten deutlich mehr Salz, als für Kinder empfehlenswert ist.
Hohe Salzwerte hinter kindgerechter Optik
Untersucht wurden 30 Knabbersnacks wie Knuspertiere, Stangen und Bällchen, die gezielt für Kinder vermarktet werden. Das Ergebnis: Im Durchschnitt enthalten die Produkte 1,92 Gramm Salz pro 100 Gramm. Besonders auffällig ist ein Spitzenwert von 2,8 Gramm – versehen mit dem Hinweis „ohne Aufstreusalz“. Eine Angabe, die leicht missverstanden werden kann, da sie suggeriert, das Produkt sei besonders salzarm.
„Die Verpackungen wirken oft gesund und kindgerecht, doch ein Blick auf die Nährwertangaben zeigt ein anderes Bild“, erklärt Ernährungsexpertin Katrin Böttner von der Verbraucherzentrale NRW. Tatsächlich trugen fast die Hälfte der untersuchten Produkte ähnliche Hinweise, die den Salzgehalt beschönigen könnten.
Schnell an der Tagesgrenze
Gerade bei Kindern kann der Salzkonsum rasch problematisch werden. Ein Beispiel aus der Untersuchung: Ein 50-Gramm-Snack enthält bereits 1,35 Gramm Salz – fast die Hälfte der empfohlenen Tageshöchstmenge für vier- bis sechsjährige Kinder. Diese liegt je nach Alter bei etwa zwei bis fünf Gramm.
Hinzu kommt: Salz steckt nicht nur in Snacks, sondern auch in alltäglichen Lebensmitteln wie Brot, Käse oder Wurst. „Auch ohne Knabberprodukte ist die empfohlene Menge schnell erreicht“, so Böttner. Ihr Rat: Salzige Snacks sollten, wenn überhaupt, nur in kleinen Portionen angeboten werden – und nicht als sättigende Zwischenmahlzeit dienen.
Frühe Gewöhnung mit langfristigen Folgen
Ein hoher Salzkonsum im Kindesalter kann weitreichende gesundheitliche Konsequenzen haben. Studien zeigen, dass sich Geschmacksvorlieben früh entwickeln. Wer sich bereits als Kind an stark gesalzene Lebensmittel gewöhnt, greift auch später eher zu salzigen Produkten.
Das Risiko: Bluthochdruck kann sich bereits in jungen Jahren entwickeln und erhöht langfristig die Wahrscheinlichkeit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. „Deshalb ist es wichtig, Kinder früh an weniger salzige Lebensmittel zu gewöhnen“, betont Böttner.
Kaum Regulierung für Kinderprodukte
Ein weiteres Problem: Für die meisten Kinderlebensmittel gelten keine speziellen gesetzlichen Vorgaben. Anders ist das nur bei Produkten für Säuglinge und Kleinkinder unter drei Jahren. Diese unterliegen strengeren EU-Regeln, etwa beim Salzgehalt. Für Eltern ist der Unterschied jedoch oft schwer zu erkennen, da die Produkte im Handel häufig nebeneinander platziert sind und sich nur durch kleine Hinweise unterscheiden.
Bessere Alternativen gefragt
Die Verbraucherzentrale rät Eltern, genauer hinzuschauen und Produkte zu vergleichen. Als gesündere Snack-Alternativen eignen sich etwa frisches Gemüse, Obst, ungesalzene Nüsse oder Naturjoghurt.
Der Befund der Stichprobe macht deutlich: Kinderprodukte sind nicht automatisch kindgerecht. Wer auf die Gesundheit seines Nachwuchses achten will, kommt um einen kritischen Blick auf die Zutatenliste nicht herum.
