Mit Extras gegen den Azubi-Mangel – warum Benefits allein nicht reichen

(cs) Der Kampf um Nachwuchskräfte wird für Unternehmen in Deutschland immer intensiver. Trotz steigender Nachfrage nach Ausbildungsplätzen bleiben viele Stellen unbesetzt. Ende September 2025 waren rund 54.000 Ausbildungsplätze vakant – eine alarmierende Zahl für Betriebe, die dringend Fachkräfte von morgen suchen. Die Kölner Redaktion des IWD hat die konkreten Fakten.

Ein Grund für diese Entwicklung liegt nicht nur in der konjunkturellen Schwäche, sondern auch in einem strukturellen Problem: Die Wünsche junger Menschen passen häufig nicht zum tatsächlichen Bedarf der Unternehmen vor Ort. Um diese Lücke zu schließen, setzen viele Betriebe zunehmend auf sogenannte Benefits – also Zusatzleistungen, die über die klassische Ausbildungsvergütung hinausgehen.

Immer mehr Extras in Stellenanzeigen

Ein Blick auf aktuelle Daten zeigt: Benefits sind längst kein Randthema mehr. Laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung, an der auch das Institut der deutschen Wirtschaft beteiligt war, hat sich die Zahl der beworbenen Zusatzleistungen in Online-Ausbildungsanzeigen seit 2019 vervielfacht.

Besonders verbreitet sind sogenannte entgeltähnliche Leistungen. Dazu zählen vor allem Urlaubs- und Weihnachtsgeld – klassische Extras, die 2025 bereits in fast 24 Prozent aller Anzeigen genannt wurden. Zum Vergleich: 2019 waren es nur 7,5 Prozent. Insgesamt enthielt zuletzt rund jede dritte Anzeige entsprechende finanzielle Zusatzleistungen.

Auch das Jobticket hat an Bedeutung gewonnen und wird inzwischen in etwa 12 Prozent der Ausschreibungen beworben. Ergänzt wird das Angebot durch vermögenswirksame Leistungen und andere finanzielle Anreize.

Doch nicht nur beim Geld legen Unternehmen nach. Mehr als die Hälfte aller Ausbildungsanzeigen hebt zusätzliche Qualifizierungsangebote hervor – deutlich mehr als noch vor sechs Jahren. Ebenso gewinnen Gesundheitsangebote, etwa vergünstigte Fitnessstudio-Mitgliedschaften, sowie Maßnahmen zur Altersvorsorge an Gewicht.

In so viel Prozent aller Online-Anzeigen für betriebliche Ausbildungsplätze wurden diese Zusatzleistungen beworben

Was junge Menschen wirklich wollen

Die Strategie scheint auf den ersten Blick sinnvoll: Finanzielle Extras kommen bei jungen Menschen gut an. Mehr als 90 Prozent der 14- bis 25-Jährigen halten Zusatzleistungen wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld für wichtig.

Dennoch zeigt sich: Benefits allein entscheiden nicht über die Wahl eines Ausbildungsplatzes.

Ganz oben auf der Prioritätenliste stehen für viele Jugendliche andere Faktoren – allen voran ein gutes Betriebsklima, interessante Aufgaben und die Aussicht auf eine Übernahme nach der Ausbildung. Auch ein attraktives Gehalt nach Abschluss der Lehre spielt eine zentrale Rolle.

So viel Prozent der jungen Menschen in Deutschland halten diese Zusatzleistungen im Rahmen einer Berufsausbildung für so wichtig bzw. unwichtig

Mehr als nur ein Lockmittel

Für Unternehmen bedeutet das: Benefits sind ein wichtiges Instrument im Wettbewerb um Nachwuchs – aber kein Allheilmittel.

„Wer nur mit Extras wirbt, greift zu kurz“, sagen Arbeitsmarktexperten. Entscheidend sei eine glaubwürdige und umfassende Strategie. Dazu gehört, die Ausbildungsinhalte transparent darzustellen, Entwicklungsmöglichkeiten aufzuzeigen und ein realistisches Bild des Arbeitsalltags zu vermitteln.

Zudem sind Betriebe gefordert, mit überholten Rollenbildern aufzuräumen. Klischees über „typische Männer- oder Frauenberufe“ schrecken potenzielle Bewerberinnen und Bewerber eher ab, als dass sie Orientierung bieten.

Der Ausbildungsmarkt hat sich zu einem Bewerbermarkt entwickelt – zumindest in vielen Branchen. Unternehmen reagieren darauf mit kreativen Angeboten und attraktiven Zusatzleistungen. Doch am Ende bleibt entscheidend, ob das Gesamtpaket stimmt.

Denn für die Generation von morgen zählt nicht nur, was auf dem Papier steht – sondern vor allem, wie sich die Ausbildung im Alltag anfühlt.

Quelle: Institut der Deutschen Wirtschaft