Immer mehr Unternehmen geben auf

Fotoquelle: ki für Unternehmerschaft Düsseldorf
Wir verlieren immer mehr Unternehmen – und darunter sind offenbar längst nicht mehr nur Betriebe, die finanziell angeschlagen sind. Im vergangenen Jahr haben bundesweit rund 188.000 Unternehmen ihre Geschäftstätigkeit eingestellt. Das waren zehn Prozent mehr als im Vorjahr und so viele Unternehmensschließungen wie seit fast 20 Jahren nicht mehr. Das geht aus einer gemeinsamen Untersuchung von Creditreform und dem Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim hervor. Für Düsseldorf und die Region ist die Entwicklung von besonderer Bedeutung.
Von Christoph Sochart
Hinter den bundesweiten Zahlen stehen vor allem kleine und mittlere Unternehmen – also genau jene Betriebe, die Städte wie Düsseldorf mit Arbeitsplätzen, Dienstleistungen, Ausbildung und Wertschöpfung versorgen. Creditreform warnt davor, dass inzwischen auch Unternehmen mit guter oder zumindest mittlerer Bonität den Markt verlassen.
„Die Krisendynamik frisst sich mittlerweile durch die gesamte Breite der Wirtschaft“, sagt Patrik-Ludwig Hantzsch von Creditreform. Große Unternehmen und spektakuläre Insolvenzen sorgten zwar für Schlagzeilen. Die Zahl der kleinen und mittleren Unternehmen, die „leise verschwinden“, sei jedoch um ein Vielfaches größer.
Nicht jede Schließung ist eine Pleite
Bemerkenswert ist dabei: Die meisten Unternehmensaufgaben haben gar nichts mit einer Insolvenz zu tun. Rund 87 Prozent der Schließungen im Jahr 2025 erfolgten ohne Insolvenzverfahren. Nur etwa 13 Prozent gingen auf ein Insolvenzverfahren zurück.
Ein wichtiger Grund ist der Generationenwechsel. Fast ein Drittel der freiwilligen Unternehmensschließungen erfolgt inzwischen aus Altersgründen. Viele Unternehmerinnen und Unternehmer gehen in den Ruhestand, finden aber keinen Nachfolger.
Das Thema dürfte auch für Düsseldorf zunehmend wichtiger werden. Gerade inhabergeführte Betriebe stehen vor der Frage, ob und wie ihr Unternehmen weitergeführt werden kann. Fehlt ein Nachfolger, kann selbst ein wirtschaftlich funktionierender Betrieb vom Markt verschwinden.
Hohe Kosten, Fachkräftemangel und Wettbewerbsdruck
Die Gründe für die Entwicklung sind vielfältig. Creditreform nennt neben Finanzierungsschwierigkeiten vor allem den technologischen Wandel, zunehmenden Wettbewerbsdruck und den Arbeitskräftemangel. Hinzu kommen die weiterhin schwierige konjunkturelle Lage und hohe Kosten.
Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung in einzelnen Branchen. Rund 24.000 Unternehmen des Baugewerbesgaben 2025 auf – zwölf Prozent mehr als im Vorjahr. Im Gastgewerbe wurden gut 15.000 Schließungen registriert, ein Anstieg um 15 Prozent. Auch im Handel nahm die Zahl der Unternehmensaufgaben um acht Prozent zu.
Besorgniserregend ist zudem die Entwicklung im Gesundheitswesen. Dort gab es rund 11.000 Marktaustritte – zwölf Prozent mehr als 2024. Besonders stark betroffen waren Arztpraxen: Knapp 5.500 Praxen wurden geschlossen, 23 Prozent mehr als im Vorjahr.
Auch der Wirtschaftsstandort Düsseldorf steht unter Druck
Die Zahlen kommen zu einem Zeitpunkt, an dem auch die Düsseldorfer Wirtschaft mit schwierigen Rahmenbedingungen kämpft. Creditreform Düsseldorf/Neuss hatte zuletzt bereits auf die angespannte Lage bei Unternehmen hingewiesen. Im ersten Halbjahr 2026 stieg die Zahl der Unternehmensinsolvenzen bundesweit auf 12.900 Fälle – ein Plus von 7,8 Prozent und der höchste Stand seit 2013.
Dabei sind Unternehmensschließungen und Insolvenzen zwei unterschiedliche Entwicklungen. Die aktuelle Untersuchung zeigt vielmehr, dass sich der Strukturwandel auch dort bemerkbar macht, wo Unternehmen eigentlich noch wirtschaftlich tragfähig sind.
Für Düsseldorf bedeutet das: Es geht nicht allein darum, Insolvenzen zu verhindern. Ebenso wichtig ist die Frage, wie bestehende Unternehmen am Standort gehalten, Investitionen ermöglicht und Nachfolgen organisiert werden können.
Auch das Handwerk steht dabei vor einer doppelten Herausforderung. Nach einer Creditreform-Analyse erreichte die Zahl der Insolvenzen von Handwerksbetrieben 2025 mit 4.950 Fällen den höchsten Stand seit gut zehn Jahren. Gleichzeitig erwägen 16,8 Prozent der Betriebe eine Stilllegung. Als Gründe werden unter anderem fehlende Nachfolger, steigende Kosten und eine schwierige Auftragslage genannt.
„Gesunde“ Unternehmen müssen gehalten werden
Die aktuelle Studie liefert damit auch einen politischen Fingerzeig: Eine funktionierende Wirtschaft braucht nicht nur Unterstützung für Unternehmen in akuter Not. Entscheidend ist vielmehr, dass wettbewerbsfähige Betriebe gar nicht erst aufgeben müssen.
Für den Wirtschaftsstandort Düsseldorf bedeutet das, Investitionen, Innovationen, Fachkräftesicherung und Unternehmensnachfolge stärker zusammenzudenken. Denn wenn ein Betrieb schließt, verschwinden nicht nur Umsatz und Gewinne. Es gehen auch Arbeitsplätze, Ausbildungsplätze, Know-how und gewachsene Strukturen verloren.
Die Botschaft der Creditreform-Studie ist deshalb eindeutig: Deutschland verliert derzeit nicht nur Unternehmen, die wirtschaftlich nicht mehr überlebensfähig sind. Zunehmend verschwinden auch Betriebe, die grundsätzlich gesund sind, aber unter den veränderten Rahmenbedingungen keine Zukunft mehr sehen oder keinen Nachfolger finden. Genau das könnte langfristig zu einem Problem für die wirtschaftliche Substanz von Städten wie Düsseldorf werden.
