Live: Fachkräfte-Update für Düsseldorf – die Standortkrise meistern wir nur mit demografie-fester Fachkräftesicherung

(cs) Dirk Werner, Leiter des Themenclusters „Berufliche Qualifizierung und Fachkräfte“, gab heute (29.06.) im „Ausbilderkreis“ im Netzwerk der Unternehmerschaft Düsseldorf ein Briefing zum Thema „Fachkräftesicherung“.

Dirk Werner vom Institut der Deutschen Wirtschaft.

Herausforderungen für Unternehmen und junge Menschen: Von Krisen geprägt?!

De-Globalisierung, Dekarbonisierung, Digitalisierung, Demografie und Demokratie: Die Veränderungen in Gesellschaft und Wirtschaft sind deutlich und dynamisch und damit auch eine Herausforderung für die Betriebe und junge Menschen. Junge Leute orientieren sich beruflich oft sehr spät nach Schulende erst, was sie und auch ihre Eltern dann oft überfordert. Zudem bringt „jobben“ kurzfristig mehr Geld und der Job-Einstieg und Aufstieg erfolgt immer häufiger ohne eine „lange Ausbildung“ (Stichwort: Filialleitung), erläutert Dirk Werner.

Mittlerweile gibt es fast drei Millionen junge Menschen unter 35 ohne Ausbildung. Immer wichtiger werden praxisnahe Einblicke in die Betriebe und auch mehr Aufmerksamkeit für Betriebe und Berufsbilder in SocialMedia. Schlußendlich spielt auch die „neue Selbstwirksamkeit“ der jungen Menschen eine wichtige Rolle. Sie möchten mehr und mehr „ihren Weg“ selbst mit gestalten und Einfluss nehmen auch auf Inhalte. Am Ende stärkt dies auch die Demokratiebildung, betont Dirk Werner.

Die Fachkräftesituation ist die andere Seite der Medaille. Seit 2025 haben wir wieder mehr Arbeitslose als offene Stellen, jedoch rechnerisch eben auch eine Fachkräftelücke von 370.000 Stellen. 33% aller offenen Stellen sind vakant und vor allem Fachkräfte mit Ausbildung sind gefragt (69%). In Düsseldorf sieht das Bild etwas anders aus. Seit 2023 haben wir in der Landeshauptstadt wieder mehr offene Stellen als Arbeitslose. Die Fachkräftelücke ist hier rechnerisch 3.300 Stellen groß. 36% aller Stellen sind vakant und der Arbeitslosenüberhang ist auf 8.200 Personen gestiegen.

Gleichwohl wir seit Mitte 2024 in Düsseldorf einen Rückgang der Fachkräftelücke erkennen gibt es zahlreiche Engpassberufe in unserer Stadt. Schwerpunktebereiche sind die kaufmännische und technische Betriebswirtschaft, die Kinderbetreuung und -erziehung, die Wirtschaftsinformatik und Wirtschaftsprüfung, die Altenpflege, Bauelektrik, Informatik, die Sanitär-, Heizung- und Klimatechnik sowie der Bereich der Versicherungskaufleute.

Vielfältig sind die Herausforderungen: die Konjunktur- und Standortkrise, viele Geringqualifizierte (1.5 MIO arbeitslose Helfer, davon 14.000 in Düsseldorf), der soeben beschriebene Fachkräftemangel, sowie auch die Demografie (Stichwort Babyboomer). Quereinsteiger können neue Potentiale bieten.

Auswirkungen und aktuelle Trends in der Ausbildung: Warum die Ausbildung anspruchsvoller geworden ist!

Die Ausbildung junger Menschen wird zunehmend anspruchsvoller. Dies liegt zunächst am Bewerbermangel, aber auch an den fehlenden Basiskompetenzen (1/3 der Schülerinnen und Schüler sind schwach im Lesen und Zuhören). Zudem steigt die Heterogenität bei den Lernvoraussetzungen, beispielsweise kognitiv und sozial, aber auch bezogen auf Bildungsmotivation, Lebenslagen und Gesundheit, denn die mentalen und psychischen Probleme bei Auszubildenden steigen deutlich. Nicht zuletzt nimmt auch der Krankenstand bei Auszubildenden deutlich zu (4,7% bei Azubis; Durchschnitt von 5,4%). Auch das Mismatching am Ausbildungsmarkt bleibt ein Thema mit unter anderem 720 unversorgten Bewerberinnen und Bewerbern. Auch die dynamische Transformation erfordert neues Lernen und einen höheren Bedarf für Qualifizierung von Ausbildenden.

Handlungsoptionen und Unterstützungsangebote: Argumente für Entscheider und Angebote für Ausbildende

Ausbildung bleibt ein Schlüssel zur Fachkräftesicherung. Die Betriebe sichern dadurch langfristig ihren Fachkräftebedarf, sparen Kosten, bleiben wettbewerbsfähig, stärken ihr Image und bewahren wertvolles Wissen. Soweit so gut. Standortkrisen fordern derweil die Politik und die Betriebe bei Transformation und Innovation. Auch der Megatrend Demokratie schlägt, wie bereits beschrieben, deutlich zu. Klar sollte aber auch sein: Was wegbricht an Ausbildungskapazitäten kann nicht einfach wiederbelebt werden, warnt Dirk Werner. Sein Fazit: Ausbildung bleibt zentral, um die Zukunft strategisch zu gestalten, braucht aber eben auch ein gutes Matching.