Metall- und Elektroindustrie in NRW unter Druck: Produktion und Beschäftigung gehen weiter zurück

Arndt G. Kirchhoff / Foto: unternehmer nrw
(cs) Die wirtschaftliche Lage der nordrhein-westfälischen Metall- und Elektroindustrie verschärft sich weiter. Nach aktuellen Zahlen des Arbeitgeberverbandes METALL NRW in Düsseldorf ist die Produktion in den ersten vier Monaten des Jahres 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 7,6 Prozent zurückgegangen. Gleichzeitig setzt sich der Stellenabbau fort: Im April waren landesweit rund 21.000 Menschen weniger in der Branche beschäftigt als ein Jahr zuvor.
Besonders stark betroffen sind die Automobilindustrie sowie Unternehmen der Metallverarbeitung und Metallerzeugung. In einzelnen Bereichen lagen die Produktionsrückgänge zwischen knapp neun und über zwölf Prozent.
Nach Einschätzung von METALL-NRW-Präsident Arndt G. Kirchhoff ist diese Entwicklung Ausdruck einer zunehmenden Schwächung des Industriestandorts Deutschland. Vor allem hohe Arbeits-, Energie- und Standortkosten erschwerten es den Unternehmen, im internationalen Wettbewerb erfolgreich zu bestehen. Um Arbeitsplätze langfristig zu sichern, seien aus Sicht der Arbeitgeber umfassende Reformen notwendig, die die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Produktionsstandorte stärken.
Dass die Unternehmen die aktuelle Lage kritisch bewerten, zeigt auch eine aktuelle Umfrage des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall. In Nordrhein-Westfalen bezeichnen 55 Prozent der befragten Betriebe ihre wirtschaftliche Situation als schlecht. 92 Prozent rechnen im laufenden Jahr nicht mit einer Verbesserung der Geschäftslage. Fast die Hälfte der Unternehmen erwartet einen weiteren Personalabbau, während lediglich acht Prozent mit einem Beschäftigungsaufbau rechnen.
Auch bei den Investitionen überwiegt die Zurückhaltung. Mehr als jedes zweite Unternehmen in Nordrhein-Westfalen plant, seine Investitionen im Jahr 2026 zu reduzieren. Als größte Belastungen nennen die Betriebe steigende Arbeitskosten, hohe Energiepreise, zunehmende Bürokratie sowie fehlende Planungssicherheit.
Zudem wächst der Druck, Unternehmensbereiche ins Ausland zu verlagern. Bereits mehr als jedes vierte Unternehmen in Nordrhein-Westfalen baut nach Angaben der Umfrage Arbeitsplätze außerhalb Deutschlands auf oder plant entsprechende Schritte. Besonders betroffen sind die Produktion, aber auch Bereiche wie Informationstechnologie sowie Forschung und Entwicklung.
Kirchhoff fordert deshalb ein entschlosseneres politisches Handeln. Die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts habe sich in den vergangenen Jahren deutlich verschlechtert. Ohne weitreichende Reformen drohten weitere Produktionsverlagerungen und ein dauerhafter Verlust industrieller Arbeitsplätze. Aus Sicht der Metallarbeitgeber müsse deshalb alles Vorrang haben, was Investitionen erleichtere, Wachstum ermögliche und die industrielle Wertschöpfung in Deutschland sichere.
