Mehr als jeder zweite Beschäftigte über 50 in NRW plant den vorzeitigen Renteneintritt – Wirtschaft warnt vor den Folgen

Johannes Pöttering / Foto: Unternehmer NRW
(cs) Nordrhein-Westfalen steht angesichts des demografischen Wandels vor einer großen Herausforderung: Mehr als die Hälfte der Beschäftigten ab 50 Jahren möchte vor dem gesetzlichen Rentenalter aus dem Berufsleben ausscheiden. Das geht aus dem aktuellen DAK-Gesundheitsreport „Arbeiten ab 50“ hervor. Die nordrhein-westfälische Wirtschaft sieht diese Entwicklung mit großer Sorge.
„Zwar mag es individuell nachvollziehbare Gründe geben, weshalb ein Arbeitnehmer vorzeitig in Rente gehen möchte – gesamtgesellschaftlich und wirtschaftlich werden wir uns dies aber nicht leisten können“, erklärte Johannes Pöttering, Hauptgeschäftsführer von Unternehmer NRW. Er fordert, die Vorschläge der Rentenkommission zügig umzusetzen. Dazu zählt unter anderem eine Einschränkung der abschlagsfreien Frührente.
Auch das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) warnt vor den Folgen des frühen Renteneintritts. Nach Angaben des Instituts gingen im vergangenen Jahr bundesweit rund 1,1 Millionen Angehörige der Babyboomer-Generation vorzeitig in den Ruhestand. Angesichts des Fachkräftemangels verschärfe dies die ohnehin angespannte Lage auf dem Arbeitsmarkt.
Der DAK-Gesundheitsreport zeigt, dass 53 Prozent der Beschäftigten ab 50 Jahren in Nordrhein-Westfalen einen vorzeitigen Renteneintritt planen. Damit liegt das Land leicht über dem Bundesdurchschnitt. Über alle Altersgruppen hinweg denken 42 Prozent der Erwerbstätigen über einen früheren Ausstieg nach. Lediglich 38 Prozent möchten bis zur regulären Altersgrenze arbeiten, neun Prozent können sich sogar vorstellen, darüber hinaus berufstätig zu bleiben.
Die Bereitschaft, länger zu arbeiten, hängt eng mit der Gesundheit zusammen. Während 40 Prozent der Beschäftigten mit gutem oder sehr gutem Gesundheitszustand einen früheren Ruhestand in Betracht ziehen, steigt dieser Anteil bei Menschen mit schlechterer Gesundheit auf 50 Prozent.
Für die DAK-Gesundheit zeigt der Bericht jedoch, dass die Debatte nicht allein um ein höheres Renteneintrittsalter geführt werden darf. „Entscheidend ist die Frage, wie Beschäftigte gesund, leistungsfähig und motiviert bis ins höhere Erwerbsalter arbeiten können“, betont Berit Schoppen, Landeschefin der DAK-Gesundheit in Nordrhein-Westfalen. Unternehmen und Politik seien gleichermaßen gefordert, in gute Arbeitsbedingungen und Gesundheitsförderung zu investieren. Nur so könnten erfahrene Beschäftigte dem Arbeitsmarkt länger erhalten bleiben.
Dabei spielen nicht nur finanzielle Anreize eine Rolle. Fast jeder zweite Befragte wünscht sich eine bessere Bezahlung. Ebenso wichtig sind flexiblere Arbeitszeiten, eine Anpassung des Arbeitsumfangs sowie mehr Wertschätzung und Anerkennung der eigenen Berufserfahrung.
Der Gesundheitsreport zeigt außerdem ein differenziertes Bild beim Krankenstand älterer Beschäftigter. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ab 50 Jahren sind zwar seltener krankgeschrieben als jüngere Kolleginnen und Kollegen, ihre Krankheitsphasen dauern jedoch deutlich länger. Im Durchschnitt fehlen sie 16,7 Tage je Krankheitsfall – fast doppelt so lange wie Beschäftigte unter 50 Jahren. Der Krankenstand steigt mit zunehmendem Alter kontinuierlich an und erreicht bei 66-Jährigen zwölf Prozent. Über alle Beschäftigten ab 50 Jahren liegt der Krankenstand in Nordrhein-Westfalen bei 7,7 Prozent und damit leicht über dem Bundesdurchschnitt von 7,4 Prozent.
Grundsätzlich offen zeigen sich viele Befragte auch gegenüber der geplanten Aktivrente. 71 Prozent schließen eine Nutzung nicht aus, allerdings kann sich nur gut jeder Vierte konkret vorstellen, dieses Modell in Anspruch zu nehmen.
Für den DAK-Gesundheitsreport „Arbeiten ab 50 – langfristig gesund und zufrieden“ analysierte das IGES Institut im Auftrag der DAK-Gesundheit die Krankschreibungen von rund 415.000 erwerbstätigen DAK-Versicherten in Nordrhein-Westfalen und ergänzte die Untersuchung durch eine repräsentative Forsa-Befragung.
