Wasserstoff: Vor 15 Jahren war es eine Vision – heute entsteht am Höherweg Europas leistungsstärkste Tankstelle

Bei der Eröffnung der Wasserstofftankstelle am Höherweg v.l.: Martin Jüngel (Geschäftsführer und CFO von H2 MOBILITY), Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller, NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur, Julien Mounier (Vorstandsvorsitzender Stadtwerke Düsseldorf), Frank Fronzke (Geschäftsführer und COO, H2 MOBILITY), Annette Grabbe (Vorständin Rheinbahn), Dagmar Fehler (CEO, NOW GmbH). Foto: H2 MOBILITY

Vor 15 Jahren trafen wir uns bereits an der damaligen Wasserstoff-Tankstelle am Höherweg und stellten die damals „neue“ Wasserstoff-Tankstelle vor. Eine Mercedes B-Klasse für rund 200.000 Euro wurde vor unseren Augen betankt, und der Chef eines Wasserstoff-Unternehmens prophezeite selbstbewusst: „Die Wasserstoff-Revolution wird kommen.“ Damals klang das für viele noch wie Zukunftsmusik.


Von Christoph Sochart


Heute, 15 Jahre später, gibt es einen neuen Aufschlag. Am Höherweg gibt es Europas leistungsstärkste Wasserstofftankstelle – und diesmal geht es nicht mehr um Visionen oder Prototypen, sondern um den praktischen Einsatz im öffentlichen Nahverkehr, in der Logistik und für den Schwerlastverkehr.

Die neue Anlage ist das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit mehrerer Partner. Die Stadtwerke Düsseldorf errichten und betreiben die Wasserstoffproduktion, H2 MOBILITY übernimmt den Betrieb der Tankstelle, und die Rheinbahn nutzt den Wasserstoff für ihre Brennstoffzellenbusse. Bereits heute wird die Tankstelle über Wasserstoff-Trailer versorgt und betankt unter anderem die Wasserstoffbusse der Rheinbahn. Der nächste Entwicklungsschritt steht jedoch unmittelbar bevor: Bereits im Februar 2026 wurde ein Zwei-Megawatt-Elektrolyseur des Herstellers FEST angeliefert. Nun wird damit Wasserstoff direkt vor Ort produziert werden.

Damit entsteht am Höherweg ein nahezu geschlossener regionaler Energiekreislauf. Der Elektrolyseur wird mit zertifiziertem Grünstrom betrieben, der aus den biogenen Anteilen der Düsseldorfer Müllverbrennungsanlage stammt und den Erneuerbaren Energien gleichgestellt ist. Der Wasserstoff muss künftig nicht mehr über weite Strecken angeliefert werden, sondern entsteht dort, wo er unmittelbar benötigt wird.

Die Dimensionen der Anlage sind beeindruckend. Bis zu fünf Tonnen Wasserstoff können täglich bereitgestellt werden. Gleichzeitig lassen sich bis zu drei Fahrzeuge betanken – unabhängig davon, ob es sich um Busse, Lastwagen, leichte Nutzfahrzeuge oder Pkw handelt. Die Tankstelle ist öffentlich zugänglich und damit nicht ausschließlich für kommunale Flotten bestimmt.

Immer wieder treffen sich auch ausländische Delegationen an „unserer“ neuen Wasserstofftankstelle, um sich über diese neue Entwicklung informieren zu lassen. Hier bespricht sich die Wirtschaftsförderung mit einer Delegation des Tokyo Metropolitan Government (TMG). Die Themen sind dann immer wieder auch die aktuellen Zukunftsstrategien unserer Stadt, technologische Innovationen und die Frage, wie Wasserstoff zur nachhaltigen Mobilitätswende beitragen kann. Foto: Stadt

Besonders interessant ist die Anlage für den öffentlichen Nahverkehr und den Schwerlastverkehr. Während batterieelektrische Fahrzeuge vor allem im Pkw-Bereich ihre Stärken ausspielen, bietet Wasserstoff dort Vorteile, wo Fahrzeuge lange Strecken zurücklegen, hohe Lasten transportieren oder nahezu ohne längere Standzeiten im Dauereinsatz bleiben müssen. Ein Brennstoffzellenbus benötigt lediglich etwa zehn bis fünfzehn Minuten für eine vollständige Betankung und kann anschließend wieder mit hoher Reichweite in den Linienbetrieb starten.

Für die Rheinbahn bedeutet das Projekt einen wichtigen Meilenstein. Die inzwischen 20 Wasserstoffbusse können künftig direkt neben dem Betriebshof Lierenfeld betankt werden. Die kurzen Wege erleichtern den täglichen Betrieb und verbessern die Wirtschaftlichkeit der Flotte.

Auch für die Stadt Düsseldorf besitzt das Projekt große Bedeutung. Die Wasserstofftankstelle zeigt, wie Energie- und Verkehrswende praktisch zusammengeführt werden können. Wasserstoff wird künftig lokal erzeugt, direkt vor Ort gespeichert und ohne zusätzliche Transportwege an die Fahrzeuge abgegeben. Damit entsteht Infrastruktur nicht auf dem Papier, sondern im Alltag.

Gleichzeitig macht das Projekt deutlich, dass Wasserstoff nicht als Konkurrenz zur Elektromobilität verstanden werden muss. Vielmehr ergänzen sich beide Technologien. Batterieelektrische Fahrzeuge eignen sich besonders für viele Anwendungen im Individualverkehr, während Wasserstoff dort seine Vorteile ausspielt, wo hohe Reichweiten, kurze Betankungszeiten und schwere Lasten gefragt sind. Entscheidend ist, die jeweils passende Technologie für den jeweiligen Einsatzzweck einzusetzen.

Julien Mounier, Vorstandsvorsitzender der Stadtwerke Düsseldorf, bringt den Ansatz auf den Punkt: „Mit dem Projekt schließt sich ein Kreislauf: Aus den Abfällen der Stadt wird die Energie für den Antrieb der öffentlichen Busse gewonnen. Zudem vermeiden wir durch die direkte Anbindung des Elektrolyseurs an die Tankstelle CO₂-Emissionen für den Transport von Wasserstoff, der an anderen Tankstellen anfällt.“

Vor 15 Jahren war Wasserstoff in Düsseldorf vor allem ein Symbol für eine mögliche Zukunft. Heute ist aus der damaligen Vision ein konkretes Infrastrukturprojekt geworden. Ob die große Wasserstoff-Revolution tatsächlich kommt, bleibt offen. Fest steht jedoch: Am Höherweg wird sie längst nicht mehr nur angekündigt – sie wird im täglichen Betrieb erprobt.