Tarifrunde 2026 in der Metall- und Elektroindustrie in Düsseldorf: Starkes Zeichen der Geschlossenheit für Beschäftigung und Standorte

Von Christoph Sochart

Die Metall- und Elektro-Industrie ist das Rückgrat unserer Wirtschaft. Hinter jedem Produkt, jeder Maschine und jeder Baugruppe stehen Menschen, die mit Know-how, Verantwortungsbewusstsein und großem Einsatz dafür sorgen, dass Deutschland als Industriestandort stark bleibt. Ihnen gilt unser ausdrücklicher Dank.

Heute (27. Oktober 2026) haben die Metallarbeitgeber in der Tarifrunde 2026 einen bedeutenden Schritt getan: Erstmals in der Tarifgeschichte der Branche wurde ein Angebot zeitgleich in fünf Tarifgebieten vorgelegt. Das Angebot ist bundesweit abgestimmt und wurde der IG Metall zum Auftakt der zweiten Verhandlungsrunde in Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und im Norden übermittelt. Die übrigen Tarifgebiete folgen.

„Klares Signal der Geschlossenheit unserer Verbände“

Gesamtmetall-Präsident Dr. Udo Dinglreiter sieht in dem gemeinsamen Auftritt ein deutliches Zeichen: Die Tarifrunde 2026 sei angesichts der längsten und schwersten strukturellen Krise der Branche seit Gründung der Bundesrepublik für alle Unternehmen eine besondere.

Die wirtschaftliche Lage an den deutschen Standorten ist angespannt. Seit 2018 befindet sich die Branche im strukturellen Abwärtstrend, zu hohe Arbeitskosten und nicht mehr wettbewerbsfähige Standortbedingungen machen die Produktion für viele Unternehmen unrentabel. Ziel ist es, die fortschreitende Deindustrialisierung zu stoppen und den Verlust von Arbeitsplätzen zu begrenzen.

Das Angebot der Arbeitgeber im Überblick

+ Einmalzahlung: Eine nach den Regeln der Automatischen Differenzierung differenzierbare Einmalzahlung in Höhe von 1 Prozent des durchschnittlichen tariflichen Jahresbruttoentgelts im Juli 2027.

+ Tabellenerhöhung: 1,3 Prozent im Juli 2028.

+ Laufzeit: Bis zum 31. Dezember 2028.

+ Automatische Differenzierung: Ausweitung und dauerhafte Fortschreibung.

+ Betriebliches Instrument: Das Angebot erfolgt in der Erwartung, dass ein betriebliches Instrument zur Sicherung von Investitionen, Innovationen, Standorten und Beschäftigung eingeführt wird.

+ Gesundheit: Gesprächswunsch zu den hohen Krankenständen und Maßnahmen zur Senkung der Krankheitskosten.

+ Zukunftsthema KI: Gesprächswunsch zur beschleunigten Einführung von Künstlicher Intelligenz.

Gemeinsam Verantwortung übernehmen

Die erste Verhandlungsrunde hat gezeigt: Die Tarifparteien sind sich einig, dass die Lage ernst ist. Dr. Dinglreiter wünscht sich, dass die Dringlichkeit in der Gewerkschaft noch stärker erkannt wird. Gleichzeitig vertraut er darauf, dass die Tarifparteien auch in dieser außergewöhnlichen Krise zu klugen Entscheidungen finden, wie sie es in der Vergangenheit immer wieder bewiesen haben.

Foto: metall nrw

Der Präsident des Verbandes der Metall- und Elektro-Industrie Nordrhein-Westfalen (METALL NRW), Arndt G. Kirchhoff, bezeichnete das Angebot angesichts der längsten und schwersten strukturellen Krise dieses Industriezweigs als „Zeichen der Bereitschaft der Arbeitgeber zu einer schnellen und konstruktiven Lösungsfindung“. Es sei zudem ein Versuch, dem so gut wie nicht vorhandenen Verteilungsspielraum gerecht zu werden. Die Forderung der IG Metall von fünf Prozent löse bei den M+E-Unternehmen in Nordrhein-Westfalen nach wie vor großes Unverständnis aus und gehe an den wirtschaftlichen Realitäten völlig vorbei. „Die sehr hohe Gewerkschaftsforderung trifft die Betriebe zu einer Zeit, in der sie eher Kostenentlastungen statt Kostensteigerungen benötigen“, betonte Kirchhoff. Die Tarifrunde 2026 sei auch eine entscheidende für die Akzeptanz und damit die Zukunft des Flächentarifvertrages.