Unternehmen schaffen mehr unbefristete Jobs

Die Unternehmen in Deutschland rechnen überwiegend damit, dass ihr Arbeitsvolumen in diesem Jahr wachsen wird. Als Reaktion darauf wollen viele Betriebe trotz der weiterhin unsicheren Pandemielage neue Mitarbeiter unbefristet einstellen. An der Arbeitszeitschraube zu drehen, planen dagegen deutlich weniger der optimistischen Firmen, schreibt heute das Institut der Deutschen Wirtschaft unserer Redaktion.

Spürbar geschwächt, aber insgesamt stabil – so lässt sich der Zustand des deutschen Arbeitsmarktes infolge der Corona-Pandemie beschreiben. So sank zwar das Arbeitsvolumen im Jahr 2020 um 4,7 Prozent, so stark wie nie seit der Wiedervereinigung. Doch viele Unternehmen konnten die geringere Arbeitskräftenachfrage durch Maßnahmen wie die Kurzarbeit abfedern und mussten relativ selten Mitarbeiter entlassen. Die Folge:

Während sich die Arbeitszeit je Beschäftigten im vergangenen Jahr um 3,7 Prozent verringerte, ging die Zahl der Erwerbstätigen nur um 1,1 Prozent zurück.

Die sozialversicherungspflichtig Beschäftigten waren am wenigsten vom Arbeitsplatzabbau betroffen – ihre Zahl sank lediglich um 0,3 Prozent. Anders sah es bei den geringfügig Beschäftigten mit einem Minus von 8,3 Prozent aus. Der Grund liegt auf der Hand, ist diese Beschäftigtengruppe doch gerade in jenen Branchen stark vertreten, die von den pandemiebedingten Einschränkungen besonders betroffen waren – zum Beispiel im Gastgewerbe oder im Einzelhandel.

So viel Prozent der Unternehmen in Deutschland, die für 2021 ein steigendes/gleichbleibendes/sinkendes Arbeitsvolumen erwarten, planen diese Maßnahmen

Die Rückkehr der Zuversicht

Inzwischen sind in Deutschland nicht zuletzt dank des Impffortschritts die Hoffnungen gewachsen, dass die Pandemie immer besser in den Griff zu bekommen ist. Vor diesem Hintergrund dürfte auch die Arbeitskräftenachfrage wieder steigen. So geht die IW-Konjunkturprognose vom Frühjahr davon aus, dass das Arbeitsvolumen in diesem Jahr gegenüber 2020 um 2 Prozent wachsen wird (siehe “Im Wechselbad der Pandemie”). Und in der jüngsten IW-Konjunkturumfrage gab eine deutliche relative Mehrheit von 43 Prozent der Unternehmen an, für 2021 mit einer steigenden Beschäftigung zu rechnen (siehe “Unternehmen beurteilen Lage und Aussichten positiv”).

Diese Rückkehr der Zuversicht deutete sich bereits gegen Ende des vergangenen Jahres an. Im Spätherbst 2020 befragte das IW im Rahmen seines Personalpanels knapp 1.300 Unternehmen in Deutschland unter anderem dazu, wie sich das Arbeitsvolumen entwickeln werde. Das Ergebnis:

Gut 21 Prozent der Unternehmen gehen davon aus, dass ihr Arbeitsvolumen im Jahr 2021 steigen wird – einen Rückgang gegenüber dem Vorjahr erwarten nur 17 Prozent.

Eine knappe Mehrheit von 54 Prozent rechnet nicht mit einer wesentlichen Veränderung des Arbeitsvolumens, 8 Prozent konnten dies zum Zeitpunkt der Umfrage nicht beurteilen.

Besonders hoch ist der Anteil der Optimisten unter den Unternehmen mit 250 und mehr Mitarbeitern (31 Prozent). Auch der Grad der Digitalisierung spielt offenbar eine Rolle – jene Unternehmen, die ihre Vertriebswege bereits seit mindestens zwei Jahren digitalisiert haben, weisen eine um 9 Prozentpunkte höhere Wahrscheinlichkeit für ein steigendes Arbeitsvolumen auf als Unternehmen ohne digitalen Vertriebskanal. Möglicherweise sind Erstere resilienter gegenüber den Folgen der Corona-Krise.

Von den Unternehmen, die mit Blick auf die Entwicklung des Arbeitsvolumens optimistisch sind, wollen fast 54 Prozent neue Mitarbeiter unbefristet einstellen.

Für die Entwicklung des deutschen Arbeitsmarktes spielt es nun eine wesentliche Rolle, ob die Unternehmen aufgrund der erwarteten Veränderung des Arbeitsvolumens eher die Arbeitszeiten ihrer Beschäftigten anpassen oder – im Fall positiver Perspektiven – zusätzliche Mitarbeiter einstellen und welcher Art die neuen Beschäftigungsverhältnisse sind. Auch hierzu wurden die Firmen im Rahmen des IW-Personalpanels befragt. Der Befund (Grafik):

Von den Unternehmen, die mit Blick auf die Entwicklung des Arbeitsvolumens optimistisch sind, beabsichtigen fast 54 Prozent, neue Mitarbeiter unbefristet einzustellen.

Dabei geht es nicht darum, zuvor abgebaute Stellen wieder zu besetzen. Denn 43 Prozent jener zuversichtlichen Firmen, die die unbefristete Beschäftigung ausweiten wollen, haben bereits im Vorjahr die Belegschaft aufgestockt, nur 17 Prozent haben 2020 die Zahl ihrer Beschäftigten reduziert.

Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass mit 31 Prozent ein relativ großer Teil jener Unternehmen, die ein sinkendes Arbeitsvolumen erwarten, voraussichtlich unbefristete Stellen streichen wird.

Unbefristete und befristete Jobs ergänzen sich

Für alle Unternehmen zeigt sich dabei, dass die unbefristeten Arbeitsplätze nicht in Konkurrenz zu flexibleren Beschäftigungsverhältnissen stehen. Unternehmen, die die Zahl ihrer unbefristet Beschäftigten aufstocken wollen, planen meist nicht, im Gegenzug befristete Arbeitsplätze und Zeitarbeitsverhältnisse abzubauen. Und in den pessimistischen Betrieben betreffen die Pläne, die Beschäftigung zu reduzieren, sämtliche Arbeitsplatzformen. Es werden also nicht Kernbelegschaften durch befristet Beschäftigte oder Zeitarbeitskräfte ersetzt.

Generell stimmt hoffnungsvoll, dass vor allem für die optimistischen Firmen die Stellschraube „Neue Arbeitsplätze“ wesentlich wichtiger ist als die Anpassung der Arbeitszeit:

Nur 14 Prozent der Unternehmen, die für 2021 von einem steigenden Arbeitsvolumen ausgehen, wollen die vertragliche Arbeitszeit ihrer Mitarbeiter aufstocken.

Ähnlich wenige dieser Betriebe planen, verstärkt auf Überstunden zu setzen. Und gerade einmal 8 Prozent haben als Anpassungsmaßnahme im Blick, die Guthaben auf Arbeitszeitkonten aufzustocken.

Quelle: IW Köln