Zukunft zum Einsteigen: Rheinbahn testet teleoperierte Shuttle-Fahrzeuge am Flughafen Düsseldorf

von links: Lars Redeligx, Vorsitzender der Geschäftsführung des Flughafens Düsseldorf, Annette Grabbe, Vorständin der Rheinbahn, Win Neidlinger, Geschäftsführer der MIRA GmbH. Foto: Rheinmetall
Innovative Mobilität unter realen Bedingungen: Seit dem 13. Juli 2026 erproben die Rheinbahn, Rheinmetall mit ihrer Tochtergesellschaft MIRA sowie der Flughafen Düsseldorf gemeinsam den Einsatz teleoperierter Shuttle-Fahrzeuge im öffentlichen Straßenverkehr. Das Projekt soll zeigen, welches Potenzial die Technologie für den öffentlichen Nahverkehr der Zukunft bietet.
Von Christoph Sochart
Wie kann der öffentliche Nahverkehr auch künftig zuverlässig, wirtschaftlich und flexibel bleiben? Eine mögliche Antwort wird derzeit am Düsseldorfer Flughafen getestet. Dort verkehren bis zum 28. August 2026 erstmals teleoperierte Shuttle-Fahrzeuge im öffentlichen Straßenverkehr. Die Fahrzeuge fahren auf der Strecke zwischen dem Flughafenbahnhof und dem Terminalbereich und werden aus einem Leitstand auf dem EUREF-Campus fernüberwacht und bei Bedarf teleoperiert.
Der Flughafen Düsseldorf bietet für den Praxistest ideale Bedingungen. Unterschiedlichste Verkehrsteilnehmende – vom E-Scooter über Busse und Pkw bis hin zum größten Passagierflugzeug der Welt, dem Airbus A380 – treffen hier auf engem Raum aufeinander. Genau diese komplexen Verkehrsbedingungen machen den Standort zu einem geeigneten Testfeld für neue Mobilitätslösungen.
Praxiserfahrung für die Mobilität von morgen
Im Mittelpunkt des Testbetriebs steht die Frage, wie sich teleoperierte Fahrzeuge im täglichen Verkehr bewähren. Untersucht werden unter anderem die Betriebssicherheit, die Stabilität der Systeme, die Integration in bestehende Verkehrsabläufe sowie die Akzeptanz bei Fahrgästen und Fahrpersonal.
Teleoperation gilt als wichtiger Entwicklungsschritt auf dem Weg zu stärker automatisierten Mobilitätsangeboten. Die während des Projekts gewonnenen Erkenntnisse sollen dabei helfen, den möglichen Einsatz solcher Fahrzeuge künftig im öffentlichen Personennahverkehr oder auch bei internen Betriebsabläufen – beispielsweise auf Betriebshöfen – realistisch bewerten zu können.
„Der öffentliche Nahverkehr steht vor großen Herausforderungen. Deshalb prüfen wir gezielt Technologien, die uns dabei helfen können, Mobilitätsangebote langfristig verlässlich und wirtschaftlich zu gestalten“, erklärt Annette Grabbe, Vorständin der Rheinbahn. Gleichzeitig betont sie, dass technologische Innovation nur gemeinsam mit den Mitarbeitenden gelingen könne: „Wir wollen neue Technologien gemeinsam mit unseren Fahrerinnen und Fahrern erproben, Erfahrungen sammeln und Berührungsängste durch eigenes Erleben abbauen.“
Auch Win Neidlinger, Geschäftsführer der MIRA GmbH, sieht großes Potenzial in der Technologie: „Teleoperation trägt dazu bei, den öffentlichen Nahverkehr trotz zunehmenden Fahrpersonalmangels langfristig leistungsfähig zu halten und neue Mobilitätsangebote wirtschaftlich zu ermöglichen.“
Für den Flughafen Düsseldorf ist das Projekt ein weiterer Schritt in Richtung intelligenter Mobilität. „Mit unserem SkyTrain verfügen wir bereits über langjährige Erfahrungen mit vollautomatischen Systemen. Nun untersuchen wir, wie teleoperierte Fahrzeuge künftig unsere Verkehrs- und Logistikprozesse sinnvoll ergänzen können“, sagt Lars Redeligx, Vorsitzender der Geschäftsführung des Flughafens Düsseldorf.
Sicherheit steht an erster Stelle
Während der gesamten Testphase befindet sich zusätzlich eine Begleitperson im Shuttle, die jederzeit eingreifen kann. Die Fahrzeuge werden zwar aus dem Leitstand auf dem EUREF-Campus überwacht und gesteuert, dennoch hat die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmenden jederzeit höchste Priorität.
Mitfahren ausdrücklich erwünscht
Wer die Zukunft der Mobilität selbst erleben möchte, kann den Testbetrieb kostenlos nutzen. Die Shuttle-Fahrzeuge verkehren montags bis freitags zwischen 10 und 12 Uhr sowie zwischen 13 und 15 Uhr im Abstand von etwa 30 bis 40 Minuten.
Haltepunkte befinden sich an:
- Flughafen Bahnhof (EUREF-Campus)
- Mündelheimer Weg
- Lichtenbroich Quartier
- Flughafen Halle 7
- Flughafen Terminal B/C
Darüber hinaus besteht im Juli die Möglichkeit, während der Betriebszeiten den Leitstand auf dem EUREF-Campus zu besuchen und die Teleoperation live zu erleben.
Forschung für den ÖPNV der Zukunft
Der Testbetrieb ist Teil des Forschungsprojekts PoQuaSIA, das im Rahmen der europäischen Initiative 8ra durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert wird. Ziel des Projekts ist die Entwicklung einer sicheren und leistungsfähigen digitalen Infrastruktur für sicherheitskritische Anwendungen wie die Teleoperation von Fahrzeugen.
Gemeinsam wollen die Projektpartner herausfinden, welchen Beitrag teleoperierte Fahrzeuge künftig leisten können, um den öffentlichen Nahverkehr nachhaltig weiterzuentwickeln und auch unter veränderten Rahmenbedingungen zuverlässig zu gestalten.
Die Rheinbahn – Mobilität für die Region
Seit ihrer Gründung im Jahr 1896 verbindet die Rheinbahn Menschen und Orte in Düsseldorf und der Region. Mit mehr als 3.700 Mitarbeitenden aus über 60 Nationen, rund 320 Stadt- und Straßenbahnen, etwa 475 Bussen sowie 138 Linien sorgt das Unternehmen täglich dafür, dass über 580.000 Fahrgäste sicher und zuverlässig ihr Ziel erreichen. Auf einem rund 570 Quadratkilometer großen Bediengebiet werden mehr als 1.700 Haltestellen angefahren – und täglich symbolisch drei Mal die Erde umrundet.
