Die beste „Adventure School“: Ein Düsseldorfer Ferienprogramm voller Innovation und Kreativität

Hoher Besuch heute bei der „Adventure School“: Stadtdirektor Burkhard Hintzsche, Hauptgeschäftsführer Michael Grütering (Arbeitgeberverbände) und Schüler Alexander (von rechts).
Foto: Michael Gstettenbauer / Stadt Düsseldorf

In diesem Jahr präsentieren wir die vielleicht beste „Adventure School“ in Düsseldorf. Das Ferienprogramm der Landeshauptstadt, organisiert von unserem „zdi MINT-Netzwerk“, bietet über 2.000 Kindern und Jugendlichen von der 1. bis zur 13. Klasse eine breite Palette an spannenden MINT-Kursen, die Kreativität und Innovation fördern. „zdi MINT“ ist ein Teil unserer Stiftung Pro Ausbildung, die sich seit fast 25 Jahren in der gesamten Bildungskette in der Landeshauptstadt, und seit fünf Jahren auch in Gelsenkirchen,  engagiert.

Höchste Auslastung

Mit unserem engagierten zdi-Team, bestehend aus Ekkehard Hostert, Eva Deckers und Rosalba Vitellaro, ziehen wir eine Halbzeit-Bilanz. Erstmalig waren nahezu alle Workshops nicht nur ausgebucht, sondern auch zu 100% ausgelastet. Das bedeutet, dass alle angemeldeten Teilnehmer tatsächlich erschienen sind. Diesen Erfolg verdanken wir einem neuen, intelligenten Anmeldesystem. Sobald ein angemeldeter Schüler oder eine Schülerin elektronisch absagen musste, wurden alle Interessierten auf der Warteliste sofort automatisch informiert und konnten sich online für den freigewordenen Platz anmelden. Dieser komplexe Programmierprozess im Vorfeld hat sich sehr gelohnt.

Von links: Christoph Sochart, Rosalba Vitellaro, Ekkehard Hostert und Eva Deckers. Foto: Stiftung Pro Ausbildung

Besuch des Stadtdirektors

Einer der Höhepunkte war der Besuch von Stadtdirektor Burkhard Hintzsche und interessierten Lokalpolitikerinnen und -politikern. So hatte die Pressestelle der Landeshauptstadt Düsseldorf über den Besuch berichtet:

>> Das umfangreiche und kostenfreie Ferienprogramm Adventure School richtet sich an Düsseldorfer Schülerinnen und Schüler aller Klassenstufen. In diesem Jahr liegt der Fokus der Angebote auf den Themen Umwelt und Nachhaltigkeit, darunter das Upcycling für Kinder der ersten und zweiten Klasse, das Konstruieren einer Dampfmaschine mit Hilfe erneuerbarer Energiequellen für die Sieben- bis Neuntklässler sowie das Programmieren eines Roboters mithilfe eines Tablets für Kinder der dritten und vierten Klasse.

Stadtdirektor Burkhard Hintzsche: „Die Adventure School an der Lore-Lorentz-Schule ist ein besonderes Highlight. Das kostenfreie, pädagogisch hochwertige Ferienprogramm erfreut sich inzwischen seit vielen Jahren großer Beliebtheit. Schülerinnen und Schüler verschiedener Altersgruppen lernen bei vielfältigen Workshops spielerisch neue Dinge zu Themen wie Nachhaltigkeit und Programmieren.“ <<

Unser zdi-Team in Düsseldorf (von links): Eva Deckers, Ekkehard Hostert, Rosalba Vitellaro. Foto: Stiftung Pro Ausbildung

Premiere: die Präsentation vor den Eltern

Eine erfolgreiche Neuerung ist der Präsentationsteil am Freitag Nachmittag. Eingeladen zu diesem Programmpunkt werden die Eltern, manchmal sind auch die Großeltern dabei, und die Kinder und Jugendliche stellen persönlich ihre Workshop-Ergebnisse vor. Eine tolle Premiere, die sehr gerne angenommen wird.

Warum Elternarbeit so wichtig ist

Elternarbeit spielt eine entscheidende Rolle in der Entwicklung und Förderung von Kindern und Jugendlichen. Indem Eltern aktiv in den Bildungs- und Entwicklungsprozess ihrer Kinder eingebunden werden, können sie deren Talente und Stärken, denn darum geht es auch bei der „Adventure School“, maßgeblich unterstützen. Diese enge Zusammenarbeit ist im Ferienprogramm ein wichtiger Aspekt. Die Wertschätzung durch die Eltern motiviert die Kinder und Jugendlichen und hilft Ihnen, ihr volles Potenzial zu entfalten. Zudem fördert Elternarbeit das gegenseitige Verständnis und Vertrauen, was zu einem positiven und unterstützenden Umfeld beiträgt, in dem Kinder sich sicher und geborgen fühlen.

Themen, Themen, Themen

Ein kleiner Einblick in die vielfältigen Themen der „Adventure School“: Die Kinder und Jugendlichen entwickelten APP-Prototypen, tauchten in die Welt des Seriös Gaming in Unreal ein, erforschten Geschichten von Mut und Ausgrenzung, lösten Rätsel im Escape Cube, erlebten spannende Abenteuer mit Coding Kids und beschäftigten sich mit der Klimawende sowie nachhaltiger Konstruktion mittels 3D-Druck.

Das Ferienprogramm der Landeshauptstadt Düsseldorf, gemacht hauptsächlich von unserem zdi MINT-Netzwerk und der Girls‘ & Boys‘ Academy, läuft noch bis zum Ende der Sommerferien.

Das Team der der „Adventure School“ mit Stadtdirektor Burkhard Hintzsche (2.v.l.) und Hauptgeschäftsführer Michael Grütering (Arbeitgeberverbände; rechts).
Foto: Gregor Nachtwey

Warum Deutschland in der Krise bleibt – die vier Wahrheiten unseres Expertenteams

Auch der private Konsum zeigt keine Erholung.. Symbolfoto: Unternehmerschaft Düsseldorf, KIgeneriert

Im zweiten Jahresquartal hat die deutsche Wirtschaft erneut einen Rückschlag erlitten – sie ist um 0,1 Prozent geschrumpft. Während die Industrie, der Konsum, der Handel und die Investitionen schwächeln, bleibt Deutschland in der Krise. Unser Expertenteam vom Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln hat die Gründe dafür analysiert und präsentiert vier zentrale Erkenntnisse.

Noch vor einer Woche zeigte sich der Bundeskanzler bei seiner Sommerpressekonferenz optimistisch: Bis zur Bundestagswahl im kommenden Jahr werde die Bundesregierung die wirtschaftliche Stimmung gedreht haben. Doch die heute veröffentlichten Konjunkturzahlen lassen diese Zuversicht schwinden. Nach einer Frühjahrsmüdigkeit folgte die Sommerflaute: Die deutsche Wirtschaft schrumpfte zwischen April und Juni um 0,1 Prozent. Im Gegensatz dazu verzeichneten andere Länder wie Frankreich oder Spanien ein deutliches Wachstum. Deutschland bleibt das Sorgenkind der Eurozone.

Ein Quartalswachstum von über einem halben Prozent gab es zuletzt vor fast zwei Jahren. Vieles deutet darauf hin, dass Deutschland sich nicht nur in einem ungünstigen Konjunkturzyklus befindet. Viele der Probleme sind struktureller Natur und dürften bestehen bleiben. Die deutsche Wirtschaft steckt fest in der Stagnation.

Einbruch der Industrieaufträge

Die Binnennachfrage hat sich auch mehr als vier Jahre nach Pandemiebeginn nicht erholt. Die Investitionen der Unternehmen liegen weiterhin unter dem Niveau von 2019. Aufgrund anhaltender Unsicherheit sowie hoher Kosten für Energie, Arbeit und Kapital zögern die Firmen ihre Investitionsentscheidungen hinaus.

Auch der private Konsum zeigt keine Erholung. In unsicheren Zeiten halten die Haushalte ihr Geld zusammen, die Ausgaben bleiben über zwei Prozent unter dem Vorkrisenniveau.

In der Industrie schrumpfen die Auftragsbestände. Die Inlandsnachfrage war im Mai so niedrig wie seit 2010 nicht mehr. Auch die Auslandsaufträge sind stark eingebrochen, was wenig Hoffnung auf eine baldige Besserung bietet.

Der Welthandel stagniert weiterhin, und die deutschen Exporte haben sich seit Ende 2022 nicht erholt. Ursachen sind die wachsende Deglobalisierung und aktuelle geopolitische Konflikte. Es gibt wenig Anzeichen dafür, dass sich diese Situation bald ändern wird.

Verunsicherung durch die Ampel-Politik

Eine rasche Besserung der Lage ist nicht in Sicht. Der Standort Deutschland ist schlicht zu teuer, die Infrastruktur marode und die Bürokratie lähmend. Seit langem wurde nichts Grundlegendes verbessert. Der Investitionsbedarf für die nächsten zehn Jahre liegt laut Berechnungen des Instituts der Deutschen Wirtschaft und des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung bei 600 Milliarden Euro.

Die von der Ampelkoalition vorgelegten Maßnahmen wie das Wachstumschancengesetz oder die Wachstumsinitiative sind zu kleinteilig und ideologisch geprägt, wie der Steuerrabatt für Fachkräfte aus dem Ausland. Zusätzlich verunsichern die internen Streitigkeiten in der Wirtschafts- und Finanzpolitik die Unternehmen und führen dazu, dass einige ins Ausland abwandern. Eine Trendwende scheint daher in weiter Ferne zu liegen, und das nächste Herbsttief könnte bereits bevorstehen.

Der Welthandel stagniert weiterhin, und die deutschen Exporte haben sich seit Ende 2022 nicht erholt. Foto: Unternehmerschaft Düsseldorf

Arbeitgeber-Präsident Rainer Dulger im Düsseldorfer Wirtschaftsblog: „Nur mit Arbeit erhalten wir unseren Wohlstand“

„Nur mit Arbeit erhalten wir unseren Wohlstand. Nur mit Arbeit können wir den Sozialstaat finanzieren”, betont Arbeitgeberpräsident Dr. Rainer Dulger im NRW-Wirtschaftsblog, der in Düsseldorf gemacht wird. Arbeit sei mehr als das, was ein Mensch acht Stunden am Tag tun muss, um Miete, Lebensmittel und Kleidung zu bezahlen. „Viele Menschen sehen einen Sinn in ihrer Arbeit, sie entwickeln sich weiter, lernen etwas dazu, haben Erfolgserlebnisse.

Dr. Rainer Dulger. Foto: BdA

Viele Beschäftigte schließen Freundschaften in ihren Betrieben – oder erleben sozialen Zusammenhalt im Team”, so Dulger. Die meisten Menschen gingen gerne zur Arbeit. Dennoch finde im öffentlichen Diskurs fast schon eine Art Verächtlichmachung von Arbeit statt. „Es geht in vielen Talkshows, Publikationen und auf social media vor allem um Work-Life-Balance, Vier-Tage-Woche, den Anspruch auf Teilzeit – also um weniger Arbeit. Oder um das Bürgergeld – also um Nicht-Arbeit”, schreibt Dulger. Und weiter: „Ich erinnere hier gern an einen Satz des Agenda-2010-Kanzlers Gerhard Schröder: ‚Es gibt kein Recht auf Faulheit in unserer Gesellschaft.‘ Das gilt auch heute noch. Nur traut sich in der aktuellen Regierung kaum jemand, das zu sagen.” Die Politik sollte seiner Ansicht nach Arbeit in nicht-staatlichen Unternehmen wieder mehr wertschätzen, fördern und attraktiver gestalten. Rahmenbedingungen schaffen, die den Standort stärken. (Quelle: NRW-Wirtschaftsblog)

Stimmung der Unternehmen in Deutschland trübt sich merklich ein – ifo Geschäftsklimaindex sinkt im Juli auf 87,0 Punkte

Die Stimmung der Unternehmen in Deutschland hat sich merklich eingetrübt. Der ifo Geschäftsklimaindex sank im Juli auf 87,0 Punkte, nach 88,6 Punkten im Juni. Die Unternehmen waren weniger zufrieden mit den laufenden Geschäften. Mit Blick auf die kommenden Monate hat die Skepsis merklich zugenommen. Die deutsche Wirtschaft steckt in der Krise fest.

Im Verarbeitenden Gewerbe ist das Geschäftsklima deutlich gesunken. Insbesondere die Urteile zur aktuellen Lage fielen erheblich schlechter aus. Auch die Erwartungen trübten sich ein. Die Auftragsbestände waren erneut rückläufig. Die Kapazitätsauslastung ist auf 77,5 Prozent gefallen und liegt damit sechs Prozentpunkte unter dem langfristigen Mittelwert.

Im Dienstleistungssektor ist der Index nach der Erholung in den letzten Monaten wieder gesunken. Dies war vor allem auf pessimistischere Erwartungen zurückzuführen. Ihre aktuelle Lage beurteilten die Dienstleister ebenfalls etwas weniger gut.

Auch im Handel hat sich das Geschäftsklima verschlechtert. Die Unternehmen waren mit den laufenden Geschäften weniger zufrieden. Dies gilt insbesondere für den Einzelhandel. Auch bei den Erwartungen zeigten sich größere Zweifel.

Im Bauhauptgewerbe hat der Index nachgegeben. Die Firmen beurteilten ihre Geschäftslage etwas schlechter. Die Erwartungen blieben nahezu unverändert von deutlichem Pessimismus geprägt.

Neuer Vorsitzender des Aufsichtsrats der Rheinbahn AG gewählt: Rolf Tups übernimmt von Andreas Hartnigk

In der Sitzung des Aufsichtsrats der Rheinbahn AG am 29. Juli 2024 wurde Rolf Tups einstimmig zum neuen Vorsitzenden gewählt. Er tritt damit die Nachfolge von Andreas Hartnigk an, der vor einem Monat aufgrund beruflicher Verpflichtungen erklärt hatte, das Amt nicht mehr ausüben zu können.

Rolf Tups, seit 2014 Mitglied des Aufsichtsrats, äußerte sich dankbar: „Ich danke dem Aufsichtsrat für das Vertrauen, das er in mich setzt. Meinem Vorgänger Andreas Hartnigk danke ich für seine bisherige Arbeit auf dem herausfordernden Weg, auf dem sich die Rheinbahn befindet. Vor uns liegt viel Arbeit, um die Rheinbahn in eine gute Zukunft zu führen. Ich freue mich darauf, meinen Beitrag als Vorsitzender des Aufsichtsrats leisten zu dürfen.“

Dies stellt einen wichtigen Schritt in den Veränderungen bei der Rheinbahn dar. Es gibt offensichtlich einiges, das im Unternehmen aufgearbeitet werden muss, wie auch unser Oberbürgermeister und die Vorstandsvorsitzende betonen. In der Rheinischen Post wird Annette Grabbe, die seit gut einem Jahr bei der Rheinbahn ist, wie folgt zitiert: „Ich habe 2023 vom ersten Tag an gespürt, dass etwas nicht stimmt.“ Dieser Eindruck wurde durch verschiedene Beobachtungen, die Erfahrungen von unvoreingenommenen Mitarbeitenden sowie Hinweise auf mögliche Rechtsverstöße und Compliance-Fälle bestätigt. Abschließend bestätigte der Diagnostikbericht diese Vermutungen.

Wer mehr darüber erfahren möchte, kann den vollständigen Artikel in der Rheinischen Post lesen: http://rp-epaper.s4p-iapps.com/artikel/1248691/31950991

Kommentar: Ausbilden, ausbilden, ausbilden

Es gibt derzeit sicherlich noch über 2.000 freie Ausbildungsplätze in der Region Düsseldorf, Kreis Neuss, Mönchengladbach und Kreis Mettmann. Allein der Niederrhein meldet noch 600 freie Ausbildungsplätze. Wer also noch einen Ausbildungsplatz sucht, sollte sich unbedingt melden. Gleichzeitig appellieren wir an die Arbeitgeber, das Instrument der Ausbildung verstärkt zu nutzen, insbesondere dann, wenn sie selbst unter Fachkräftemangel leiden.

In Mönchengladbach beispielsweise ist die Zahl der Ausbildungsbetriebe rückläufig. Die aktuellen 705 Ausbildungsverträge verteilen sich auf nur noch 567 Betriebe. Diese Entwicklung zeigt, dass es nicht immer ein Match zwischen den Erwartungen der Arbeitgeber und den Qualifikationen der potenziellen Auszubildenden gibt. Viele junge Menschen bringen nicht die Qualifikationen mit, die aus Sicht der Arbeitgeber erforderlich sind.

Dennoch sollten Arbeitgeber, die Auszubildende benötigen, nicht aufgeben. Laut einer Umfrage der IHK am Niederrhein gaben 49 Prozent der Arbeitgeber an, dass keine geeigneten Bewerbungen vorlagen. Trotz dieser Herausforderung lautet unser dringender Appell: Ausbilden, ausbilden, ausbilden. Arbeitgeber müssen sich auch mit geringer qualifizierten Jugendlichen befassen, um ihren zukünftigen Bedarf zu decken.

Nutzen wir die Chance, jungen Menschen eine Perspektive zu bieten und gleichzeitig den Fachkräftemangel langfristig zu bekämpfen. Alle interessierten Bewerber und Unternehmen finden weitere Informationen auf unserer Webseite und bei den IHKs und HWKs in unserer Region.

Von Christoph Sochart; Foto: Frank Wiedemeier

Warum die Betriebe Fachkräftemangel mit Ausbildung bekämpfen

In Berufen mit einem hohen Anteil an Auszubildenden bleiben zahlreiche Lehrstellen unbesetzt. Eine Analyse des Instituts der Deutschen Wirtschaft in Köln (IW), über die die „Rheinische Post“ zuerst berichtete, zeigt dies deutlich. Im vergangenen Jahr blieben in den Bereichen Kältetechnik, Hotelservice und Zimmerei etwa jede sechste Ausbildungsstelle frei – und das, obwohl diese Berufe zu den zehn Berufen gehören, in denen besonders viele Ausbildungsplätze angeboten werden. Der Fachkräftebedarf in diesen Bereichen ist derzeit sehr hoch.

Besonders auffällig ist die Situation bei Softwareentwicklern: Auf 100 Beschäftigte kamen im vergangenen Jahr rund 33 Auszubildende. Dennoch blieben etwa acht Prozent der Lehrstellen unbesetzt. Diese Zahlen unterstreichen die Diskrepanz zwischen Ausbildungsangeboten und der Verfügbarkeit geeigneter Bewerber, was die Besetzung der freien Stellen erschwert.

Spitzenreiter Softwareentwicklung

Unter den Top-10-Berufen mit den meisten Ausbildungsanfängern sind viele MINT-Berufe (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) sowie Berufe, die für die Digitalisierung und den ökologischen Wandel wichtig sind. Die meisten Azubis werden – gemessen an der Gesamtzahl der Beschäftigten – in der Softwareentwicklung mit den Ausbildungsberufen Fachinformatiker und mathematisch-technischer Softwareentwickler ausgebildet. Im vergangenen Jahr kamen auf 100 Softwareentwickler 33 Ausbildungsanfänger, mehr als in allen anderen Berufen. In diesem Ausbildungsberuf gibt es viele Bewerber am Markt – Unternehmen haben es daher recht leicht, Stellen zu besetzen. Anders sieht es bei der Kältetechnik oder im Hotelservice aus: Hier blieben 2023 271 bzw. 945 Stellen unbesetzt.

Bessere Information über Ausbildungsberufe

Unternehmen nutzen die Ausbildung in großem Umfang, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. „Trotzdem bleiben noch viele Plätze frei – Angebot und Nachfrage müssen also besser aufeinander abgestimmt werden“, so IW-Expertin Paula Risius. Hier sei auch die Politik gefragt: Jugendliche sollten vielfältige Berufe kennenlernen und besonders Abiturienten mehr über Ausbildungsberufe erfahren.

Mehr als eine halbe Million offene Stellen ließen sich im letzten Jahr bundesweit nicht besetzen – 317.000 davon entfielen auf Stellen, für die in der Regel eine Berufsausbildung erforderlich ist. Viele Firmen versuchen mit der Erschließung spezifischer Zielgruppen, wie Frauen, Älteren oder internationalen Fachkräften, mehr Stellen zu besetzen oder nutzen flexible Arbeitszeitmodelle, um Fachkräfte mit weiteren Verpflichtungen zu entlasten. Die größten Potenziale zur Fachkräftesicherung messen Unternehmen jedoch der betrieblichen Ausbildung bei (Pierenkemper et al., 2023).

Um zu messen, in welchen Berufen Betriebe besonders viel ausbilden, wird die Anzahl der Ausbildungsanfänger in Relation zur Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in derselben Berufsgattung betrachtet (vgl. Tabelle). Betrachtet wurden nur Berufsgattungen mit mindestens 10.000 Beschäftigten. Dies trifft auf 139 Berufsgattungen mit zugehörigen Ausbildungsberufen zu. Auch in den Berufen mit besonders hoher Ausbildungsanfängerquote bestehen Besetzungsprobleme, die durch den Anteil unbesetzter Ausbildungsstellen an allen Ausbildungsstellen ausgewiesen werden.

Paula Risius. Foto: IW Köln

Besonders große Ausbildungsbereitschaft in MINT-Berufen

Im Durchschnitt kamen im Jahr 2023 4,2 Ausbildungsanfänger auf 100 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. In 58 der 139 betrachteten Berufe nahmen Unternehmen jedoch deutlich mehr Ausbildungsanfänger auf. Unter den zehn Berufen mit den relativ betrachtet meisten Ausbildungsanfängern befinden sich viele MINT-Berufe sowie weitere Berufe, die für Digitalisierung und ökologische Transformation zentral sind und in denen ein hoher Fachkräftebedarf besteht (RWI, 2024; Anger et al., 2023; vgl. Tabelle). Fünf der zehn Berufe wurden erst in den letzten 30 Jahren neu in die Ausbildung eingeführt und zählen somit zu den jüngeren Berufen.

Die höchste Ausbildungsanfängerquote bestand in der Softwareentwicklung mit den Ausbildungsberufen „Fachinformatiker – Fachrichtung Anwendungsentwicklung“ und „Mathematisch-technischer Softwareentwickler“. Hier kamen knapp 33 Ausbildungsanfänger auf 100 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte.

Auffällig ist zudem, dass in den meisten der Top-10 Berufe zugleich überdurchschnittlich viele Ausbildungsplätze besetzt werden können. Während 2023 im Schnitt 13,8 Prozent der Ausbildungsplätze in allen betrachteten Berufen unbesetzt blieben, waren es etwa in der Informatik 5,9 Prozent und bei Tiermedizinischen

Fachangestellten 8,3 Prozent. Auch an Nachfrage mangelt es somit zumeist nicht. In drei Berufen, in denen die Unternehmen gemessen an der Beschäftigtenzahl besonders viele Ausbildungsanfänger einstellten, ist die Nachwuchsrekrutierung jedoch noch schwerer als schon im Durchschnitt aller Berufe: 16,6 Prozent der Ausbildungsplätze für Kälteanlagenbauer oder Mechatroniker für Kältetechnik, 15,7 Prozent der Ausbildungsplätze für Hotelfachleute und 17,8 Prozent der Zimmerei-Ausbildungsstellen blieben 2023 unbesetzt.

Ausbildungsbereitschaft und Beschäftigungsaufbau hängen eng zusammen

Es gibt unterschiedliche Gründe für eine hohe Ausbildungsbeteiligung. Eine Erklärung könnte sein, dass Unternehmen damit rechnen (müssen), dass fertig ausgebildete Fachkräfte in größerer Zahl den Arbeitgeber wechseln. Für das Handwerk ist bekannt, dass etwa jeder zweite Absolvent ein Jahr nach Ausbildungsabschluss noch im Ausbildungsbetrieb arbeitet (Hell & Wydra-Somaggio, 2023). Auch der demografische Wandel kommt als Treiber infrage: Wenn viele Beschäftigte absehbar in den Ruhestand gehen, könnte dies ursächlich für eine verstärkte Ausbildungsaktivität sein. In den hier genannten Berufen mit besonders hoher Ausbildungsleistung ist der Anteil älterer Beschäftigter, die 55 Jahre oder älter sind, jedoch deutlich geringer als in anderen Berufen. Dies dürfte ebenfalls mit dem bereits beschriebenen erst kurzen Bestehen mancher Berufe zusammenhängen.

Unternehmen könnten auch über Bedarf ausbilden, um mit den Auszubildenden bereits während der Ausbildung den Fachkräftebedarf zu decken und dabei Personalkosten zu sparen (sogenanntes Produktionsmotiv; Lindley, 1975). Dieses Motiv jedoch gilt für die meisten Ausbildungsberufe nicht, da die Ausbildungskosten zunächst nicht durch die Produktivität der Auszubildenden ausgeglichen werden, sondern sich erst durch eine spätere Tätigkeit im Unternehmen amortisieren (Schönfeld et al., 2020). Auch dass über 90 Prozent der Betriebe die Übernahme ihrer Auszubildenden anstreben, weist auf eine Orientierung an einem tatsächlich erwarteten Fachkräftebedarf hin (ebd.)

Ein anderer möglicher Grund ist, dass Arbeitgeber positive Marktentwicklungen erwarten und zusätzlich entstehende Arbeitsplätze mit selbst ausgebildeten Fachkräften besetzen möchten. Die Datenlage spricht für diese Ursache: Mit Ausnahme der Fachkräfte im Hotelservice und den Zimmerern verzeichneten die zehn Berufe mit den meisten Ausbildungsanfängern zwischen 2014 und 2023 einen deutlich überdurchschnittlichen Beschäftigungsanstieg. Besonders stark war dieser beim Tabellenführer: Hier verdoppelte sich die Zahl sozialversicherungspflichtig beschäftigter Softwareentwickler auf knapp 23.000 Personen. Enorme Zuwächse gab es auch bei Veranstaltungstechnikern (+82 %) und Tiermedizinischen Fachangestellten (+72 %). Für einen wirtschaftlichen getriebenen Bedarf spricht auch, dass die Ausbildungsbereitschaft mit Fachkräfteengpässen korreliert, da in neun der zehn Berufe Fachkräftemangel herrscht. Unternehmen reagieren somit auf bestehende und drohende Knappheiten mit verstärkter Ausbildungstätigkeit (vgl. auch Jansen et al., 2023).

In dieselbe Richtung weist der Umstand, dass sechs der zehn Top-Berufe erst in den späten 1990er Jahren entstanden sind. Hierzu zählen Fachinformatiker, Mechatroniker, Automatisierungstechnik-Fachkräfte und Veranstaltungstechniker. Dass die Ausbildungsleistung hier so hoch ist, zeigt, dass diese vergleichsweise jungen Ausbildungsberufe von Unternehmen gut angenommen werden. Lange etablierte Industrieberufe finden sich in der Tabelle hingegen nicht wieder. Dies lässt sich damit erklären, dass die neuen Berufe immer noch im Aufbau sind und somit der Beschäftigtenstamm noch stark wächst.

Die Ausbildungsleistung orientiert sich am Marktbedarf

Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass die überdurchschnittliche Ausbildung in bestimmten Ausbildungsberufen auf die Deckung des aktuellen und zukünftigen Fachkräftebedarfs abzielt. Unternehmen nutzen die Ausbildung somit vorrangig als Instrument zur Fachkräftesicherung. Die Berufe, die gemessen an der Beschäftigtenzahl besonders viel ausbilden, bieten nach der Ausbildung gute Beschäftigungsperspektiven – sowohl in der historischen Betrachtung als auch angesichts aktueller Fachkräfteengpässe.

Handlungsbedarf besteht beim Zusammenbringen von Ausbildungsangebot und -nachfrage. Um dies noch besser zu erreichen, sind zusätzliche Anstrengungen in der Berufsorientierung und im Ausbildungsmarketing erforderlich. Dazu gehört auch, insbesondere Abiturienten stärker für Beschäftigungsperspektiven in Ausbildungsberufen aufzuschließen.

Quelle: Institut der Deutschen Wirtschaft

„Future-Talk“ mit Zukunftsforscher Matthias Horx

Wir laden Sie herzlich ein zum spannenden und inspirierenden „Future-Talk“ mit dem renommierten Zukunftsforscher Matthias Horx. Der Vortrag, den wir Ihnen online on-demand zur Verfügung stellen, widmet sich dem hochaktuellen Thema „Die Omnikrise – durch Krisen Zukunft gestalten“.

Inhalt des Vortrags:

In seinem Vortrag wird Matthias Horx tief in die Konzepte und Herausforderungen unserer Zeit eintauchen. Er beginnt mit einer Erklärung der multipolaren Gesellschaft, die sich durch vielfältige, oft widersprüchliche Entwicklungen und Dynamiken auszeichnet. Anschließend beleuchtet er die verschiedenen Krisen, die unsere Welt derzeit prägen – von wirtschaftlichen und politischen Turbulenzen bis hin zu ökologischen und technologischen Umbrüchen.

Die Omnikrise:

Horx führt den Begriff der „Omnikrise“ ein, eine umfassende Krisenlage, die alle Lebensbereiche durchdringt. Er macht diese Omnikrise erfahrbar, indem er die Reaktionen und Anpassungsstrategien der Menschen analysiert:

– Die Gegner: Menschen, die gegen Veränderungen kämpfen und an alten Strukturen festhalten.
– Die Anpasser: Menschen, die sich den neuen Gegebenheiten flexibel anpassen und versuchen, das Beste daraus zu machen.
– Die Optimisten: Menschen, die die Krisen als Chancen für einen Neuanfang sehen und mit Zuversicht und Innovationsgeist vorangehen.

Epochenwandel:

Horx diskutiert, wie diese unterschiedlichen Haltungen und Reaktionen zu einem „Epochenwandel“ führen können. Er stellt die zentrale Frage, ob es uns gelingen wird, Demokratie und Ökologie neu zu erfinden, oder ob wir am Beginn eines völlig neuen Zeitalters stehen. Seine Thesen und Prognosen sind nicht nur hochinteressant, sondern auch von großer Bedeutung für die Gestaltung unserer gemeinsamen Zukunft.

Interaktiver Austausch:

Nach dem Vortrag bietet sich die einzigartige Gelegenheit, in einen Austausch mit Matthias Horx zu treten. In einer interaktiven Session können die Zuhörerinnen und Zuhörer ihre Fragen stellen, Meinungen äußern und gemeinsam mit dem Zukunftsforscher über die präsentierten Themen diskutieren.

Über Matthias Horx:

Matthias Horx ist einer der führenden Zukunftsforscher im deutschsprachigen Raum und weit darüber hinaus bekannt. Er gründete das Zukunftsinstitut, das sich mit den großen Trends und Entwicklungen unserer Zeit auseinandersetzt und wegweisende Studien veröffentlicht. Horx ist ein gefragter Redner und Autor zahlreicher Bücher, die sich mit gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und technologischen Veränderungen beschäftigen. Seine Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge verständlich und anschaulich darzustellen, macht ihn zu einem inspirierenden Vordenker und Impulsgeber.

Seien Sie dabei!

Verpassen Sie nicht diese einzigartige Gelegenheit, sich umfassend über die aktuellen und zukünftigen Entwicklungen in unserer Gesellschaft zu informieren und wertvolle Impulse für die Gestaltung der Zukunft zu erhalten. Schalten Sie ein, hören Sie zu, und lassen Sie sich inspirieren von Matthias Horx und seinen visionären Gedanken zur „Omnikrise“.

Dieser Vortrag wird online on-demand zur Verfügung gestellt, sodass Sie ihn bequem und flexibel von überall aus ansehen können. Melden Sie sich jetzt an und seien Sie Teil dieses wegweisenden Future-Talks!

KI: Die Revolution geht weiter! Universität plant ein Zentrum für digitale Medizin in einem ehemaligen HENKEL-Gebäude

An der Ecke Henkelstraße/Paul-Thomas-Straße soll das neue Zentrum für Digitale Medizin entstehen. Foto: Unternehmerschaft Düsseldorf

Die Heinrich-Heine-Universität plant bereits seit mehreren Jahren ein „Zentrum für Digitale Medizin (ZDM)“ in unserer Stadt. Im August 2022 wurde bereits ein entsprechender Verein gegründet. In der Satzung heißt es: „Das ZDM zielt auf exzellente Forschung in den Bereichen Bioinformatik, Medizininformatik, Datenwissenschaften und Künstlicher Intelligenz (KI) mit medizinischen Anwendungen. Dies ermöglicht eine transdisziplinäre und integrative Analyse unterschiedlicher medizinisch relevanter Daten und trägt dazu bei, mit digitalen Techniken und Anwendungen Gesundheit zu erhalten, zu fördern sowie Diagnostik und Therapie von Erkrankungen zu optimieren.“

Zunächst sollte das Zentrum in Bilk entstehen, schreiben die Gorenflos-Architekten auf ihrer Webseite (Screenshot). Heute gab es eine überraschende Wendung: Die Rheinische Post berichtet in ihrer aktuellen Ausgabe, dass das ZDM in einem ehemaligen Gebäude der Firma Henkel entstehen soll. In dem Haus von 1939 war früher unter anderem einmal die Marke Schwarzkopf untergebracht. Seit geraumer Zeit steht es leer, wird nun umgebaut, schreibt die RP. 150 Arbeitsplätze sollen dort in Reizholz entstehen.

Das ZDM strebe den Transfer der im Zentrum gewonnenen wissenschaftlichen Erkenntnisse in Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft an, heißt es in der Satzung: „In der Lehre bereitet das ZDM Studierende auf die zukünftigen Anforderungen Digitaler Medizin vor. Dazu werden fachspezifische und fachübergreifende Lehrveranstaltungen, u.a. in den Studiengängen der Human- und Zahnmedizin, der Informatik und Artificial Intelligence and Data Science angeboten.“

Interessanterweise beschäftigt sich heute auch die Freitagsausgabe des Podcasts „TableToday“ mit dem Thema KI. Benjamin Brake, Abteilungsleiter für Digital- und Datenpolitik im Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) erklärt darin, dass Künstliche Intelligenz das Potenzial hat, die digitale Medizin in vielfältiger Weise erheblich zu verbessern. Und genau damit will sich das zukünftige Düsseldorfer ZDM beschäftigen. Brake spricht hier von Diagnose und Früherkennung, beispielsweise durch die Analyse medizinischer Bilder bei Krebs. Hier kann die KI besser sein als menschliche Ärzte, so Brake. Durch das Erkennen von Mustern in großen Datenmengen kann KI auch frühe Anzeichen von Krankheiten identifizieren, oft noch bevor Symptome auftreten, lesen wir an anderer Stelle.

Ein weiterer wichtiger Bereich ist die personalisierte Medizin. KI kann individuelle Behandlungspläne erstellen, die auf den genetischen, biologischen und lebensstilbedingten Informationen eines Patienten basieren, um die effektivsten Therapien zu bestimmen. Auch in der Medikamentenentwicklung zeigt sich das Potenzial von KI, indem sie die Identifizierung und Vorhersage der Wirksamkeit neuer Wirkstoffe beschleunigt.

Darüber hinaus steigert KI die Effizienz und Verwaltung im Gesundheitswesen. Administrative Aufgaben wie Terminplanung, Abrechnung und Patientenverwaltung können automatisiert werden, was die Effizienz in Kliniken und Praxen erhöht. KI kann auch große Mengen medizinischer Daten organisieren und analysieren, um Gesundheitsdienstleister bei fundierten Entscheidungen und einer besseren Patientenversorgung zu unterstützen.

In der Patientenüberwachung und -unterstützung kommen KI-gesteuerte Wearables und Sensoren zum Einsatz, die kontinuierlich Vitaldaten überwachen und bei Anomalien Alarm schlagen, wodurch eine frühzeitige Intervention ermöglicht wird. Virtuelle Assistenten, die auf KI basieren, können Patienten Fragen beantworten, an Medikamente erinnern und allgemeine Gesundheitsberatung bieten.

Schließlich spielt KI eine bedeutende Rolle in Forschung und Entwicklung, indem sie große Datenmengen analysiert, um neue Erkenntnisse über Krankheiten, Behandlungsmethoden und Präventionsstrategien zu gewinnen. Durch virtuelle Modelle von Organen oder Krankheitsverläufen kann KI die Forschung und klinische Studien unterstützen.

Insgesamt wird KI in der digitalen Medizin zukünftig eine Schlüsselrolle spielen, indem sie die Präzision und Effizienz von Diagnosen und Behandlungen verbessert, personalisierte Therapien ermöglicht und administrative Aufgaben automatisiert. Die kontinuierliche Integration von KI in den medizinischen Alltag verspricht, die Gesundheitsversorgung nachhaltiger, zugänglicher und patientenorientierter zu gestalten. Und deshalb wäre Düsseldorf hier sehr weit vorne, wenn das ZDM tatsächlich in unserer Stadt entstehen würde. Die Zeichen dafür sehen gut aus.

Quellen: Rheinische Post, TableToday und andere

„Die Deindustrialisierung ist leider bereits im Gange” – Interview von Gesamtmetall-Präsident Dr. Stefan Wolf mit der Augsburger Allgemeinen von heute

Foto: Gesamtmetall

Augsburger Allgemeine: Herr Wolf, Ihr Vorstoß für eine Rente mit 70 zumindest für Büro-Jobs erzürnt die IG Metall. Vorstandsmitglied Urban meinte entsetzt, Ihre Forderung sei verantwortungslos und ein erneuter Beleg für die Ignoranz gegenüber den sozialen Zukunftssorgen der Belegschaften. Was sagen Sie zu dem Ignoranz-Vorwurf?
Dr. Stefan Wolf:
Diesen Vorwurf lasse ich so nicht stehen. Ich sage heute und auch in zwei oder drei Jahren: Wir müssen länger arbeiten.

Das ist eine maximal unpopuläre Botschaft.
Wolf: Die demografische Entwicklung, also die Überalterung der Gesellschaft, führt zu massiven Problemen bei der Finanzierung der Rentenversicherung. Ich habe unlängst einen Vortrag über lebenslanges Lernen gehört. Der Referent hatte einen großen und einen sehr kleinen
Apfel dabei. Er fragte die Teilnehmer, welchen Jahrgang der große Apfel hat. Alle rätselten. Der Wissenschaftler sagte, der Apfel stehe für den Jahrgang 1964. Das ist der geburtenstärkste Jahrgang in der bundesdeutschen Geschichte. 1964 wurden knapp 1,4 Millionen Kinder in Deutschland geboren.
Und der kleine Apfel?
Wolf: Der kleine Apfel steht für das Jahr 2011, in dem nur etwa 660.000 Kinder geboren wurden. Es fehlen also rund 740.000, die 1964 noch geboren wurden.
Was hat die Äpfel-Metapher mit der IG Metall und dem Ignoranz-Vorwurf von Herrn Urban an Sie zu tun?
Wolf: Es mutet ignorant an, wenn sich Herr Urban der Überalterung der Gesellschaft und den daraus resultierenden Folgen für die Rentenversicherung nicht stellt. Ich bin 62 Jahre alt und könnte mich auf den Standpunkt stellen, dass für meine Generation die Rentenversicherung
stabil bleibt. Doch ich mache mir hier etwa Sorgen um meine Tochter, die 25 Jahre alt ist. Damit die Rente sicher bleibt, müssen auch die Jüngeren länger arbeiten.
Müssen alle länger arbeiten?
Wolf: Natürlich nicht. Ich bin nämlich der Überzeugung, dass Menschen, die schwere Tätigkeiten ausüben, also etwa im Straßenbau oder der Produktion tätig sind, natürlich nicht länger arbeiten müssen. Wenn aber Beschäftigte im Büro sich etwa um die Finanzen, das Controlling oder die Buchhaltung kümmern, warum sollten diese Beschäftigten nicht länger arbeiten? Ich
bin nicht generell für die Rente mit 70, sondern für intelligente und differenzierte Lösungen.  Für eine längere Lebensarbeitszeit spricht auch, dass die Menschen dank des medizinischen Fortschritts immer älter werden.
Was muss die Bundesregierung daraus für Konsequenzen ziehen?
Wolf: Die Bundesregierung muss endlich die Konsequenzen aus der Überalterung der Gesellschaft und der längeren Lebenszeit ziehen und langfristig die Altersversorgung der Menschen in diesem Land absichern.
Und zukunftsorientierte Politiker sollten sich Gedanken machen, wie der Industriestandort Deutschland gestärkt werden kann.
Wolf: Ich kämpfe jedenfalls für den Industriestandort Deutschland, auch für einfache Arbeitsplätze in der Produktion.
Wie schnell schreitet denn die Deindustrialisierung in Deutschland angesichts zu hoher Energiepreise, überbordender Bürokratie und des Arbeitskräftemangels voran?
Wolf: Die Deindustrialisierung ist leider bereits im Gange. Unser Standort ist einfach nicht mehr attraktiv. Und das liegt mittlerweile an einer Summe negativer Standortfaktoren, die die positiven Standortfaktoren deutlich überwiegen.
Was veranlasst Unternehmer vor allem, zunehmend Produktion ins Ausland zu verlagern?
Wolf: Es sind viele Faktoren, aber an erster Stelle die extrem hohen Aufwendungen zur Bewältigung der Bürokratie. Ich nenne hier etwa das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz. Um eines klarzustellen: Ich bin total gegen Menschenrechtsverletzungen und Kinderarbeit. Doch Deutschland ist nicht in der Lage, weltweit Verstöße gegen Kinderarbeit und Menschenrechte zu verhindern. Wer anderes behauptet, ist naiv. Ich kritisiere die Gängelung durch die Politik und besonders durch die Grünen.
Warum üben Sie hier so harte Kritik an den Grünen?
Wolf: Weil solche Bürokratie den Unternehmen jede Menge Geld kostet. Wir brauchen in diesem Land wieder einen klaren Blick dafür, was leistbar und vernünftig ist. Bei manchen spukt offenbar ein negatives Bild von Wirtschaft und ein negatives Unternehmerbild im Kopf.
Wirklich?
Wolf: Ja, diese Politiker glauben, sie müssten Beschäftigte vor der Wirtschaft und den Unternehmen schützen. Doch böse Unternehmer haben heute keine Chance mehr: Sie bekommen nämlich keine guten Leute, vor allem keine jungen, innovativen und gut ausgebildeten Beschäftigten. Unternehmer kämpfen heute vielmehr um die Talente.
Haben Sie die Hoffnung aufgegeben, dass die Ampel-Koalition mit Kanzler Scholz an der Spitze noch das Ruder rumreißt? Oder warten Sie auf den Wirtschafts-Fachmann Friedrich Merz als Kanzler?
Wolf: Ich befürchte, die Ampel-Koalition kriegt das nicht mehr hin. Und wenn der Bundeskanzler auf die Kritik von Wirtschaftsverbänden damit antwortet, das sei nur wieder das bekannte Klagelied der Kaufmänner, dann kommt das bei Unternehmern, die täglich von morgens bis abends dafür kämpfen, Arbeitsplätze zu erhalten, schlecht an.
Doch immerhin hat die Bundesregierung eine Wachstumsinitiative zustande gebracht.
Wolf: Die Wachstumsinitiative enthält sicherlich einige richtige Ansatzpunkte. Die meisten Punkte dieser Initiative stammen von der FDP. Das rechne ich FDP-Chef Christian Lindner sehr hoch an, dass er sich endlich mal durchgesetzt hat. Und ich erkenne an, dass SPD und Grüne hier Reformen beschlossen haben, die sie vor einem halben Jahr wohl noch nicht gemacht hätten.
Doch Sie fordern einen richtigen Ruck für Deutschland, eine Art Agenda 2030. Wird daraus noch was?
Wolf: Die Wachstumsinitiative der Bundesregierung stellt keinen Ruck dar. Sie ist keine Agenda 2030. Das ist auch kein Anfang, sondern nur ein Anfängle, wie man in Schwaben sagt. Ich bin enttäuscht über die bisherige Bilanz der Ampel-Regierung, wenn man bedenkt, mit welchem Reform- und Modernisierungswillen diese Koalition einst angetreten ist. Die Ampel hat bisher nicht geliefert. Dabei verkenne ich nicht, dass die Koalition ein schlecht bestelltes Haus der Vorgängerregierung unter Kanzlerin Angela Merkel übernommen hat. In den letzten vier Jahren der Kanzlerinnen-Ära von Frau Merkel ist ja quasi nichts mehr passiert.
Nichts passiert? Das klingt nach einer Abrechnung.
Wolf: In ihrer letzten Legislaturperiode hat die Regierung Merkel nur noch verwaltet, denn sie fand eine in dreifacher Hinsicht angenehme Situation vor: Es gab noch billiges Gas aus Russland, um die Verteidigung hat sich die USA gekümmert und China war anders als heute ein sensationeller Absatzmarkt für deutsche Firmen, die dort ohne Ende Geld verdient haben. Die Wirtschaft wurde immer weiter belastet und die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit war kein Thema. Aber mit dem Ukraine-Krieg ist alles in sich zusammengebrochen.
Noch einmal: Warten Sie auf den Wirtschafts-Retter Merz?
Wolf: Es braucht Zeit, um den Tanker Deutschland umzusteuern. Deutschland ist kein Segelboot. Ich hoffe auf eine Wende, wenn Friedrich Merz Bundeskanzler werden sollte. Meine Hoffnung speist sich aus dem neuen Grundsatzprogramm der CDU, das die Handschrift von Friedrich Merz und von CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann trägt. In dem Programm stecken Punkte, die unsere Wirtschaft massiv stimulieren würden.
Machen Sie sich derweil Sorgen um Deutschland?
Wolf: Mir macht der Zulauf extremer Parteien in Deutschland große Sorgen, ob es sich um Parteien wie die AfD oder auch um das Bündnis Sahra Wagenknecht handelt.
Und welche Sorgen bereitet Ihnen die angelaufene Tarifrunde in der Metall- und Elektro-Industrie?
Die IG Metall fordert ja 7,0 Prozent mehr Lohn. Wolf: Viele Unternehmen in der Metall- und Elektroindustrie tun sich schwer damit, die bisher schon sehr hohen Löhne zu zahlen. Seit dem vierten Quartal 2023 befindet sich unsere Branche in der Rezession. Die Auftragseingänge sind mau. Unsere Industrie liegt 15 Prozent unter dem Umsatz des Jahres 2018, was ein herausragendes Jahr war. Die Kosten sind seit 2018 aber massiv gestiegen, etwa durch anziehende Energiepreise. Das drückt auf die Erträge. Viel zu verteilen gibt es nicht.
Rund 20 Prozent der Metall- und Elektrobetriebe schreiben rote Zahlen. Verbietet sich deswegen ein Kaviar-Abschluss und drängt sich ein Leberkäs-Abschluss auf?
Wolf: Verglichen mit der wirtschaftlichen Lage der Metall- und Elektro-Industrie ist die Forderung der IG Metall deutlich zu hoch. Mein Appell an die Gewerkschaft lautet deshalb: Wir müssen Maß halten in der Tarifrunde, sonst steigen die ohnehin hohen Löhne in der Metall- und Elektro-Industrie zu stark und der Abstand zu anderen Branchen wie dem Handel oder dem Pflegebereich wird immer größer, was diese Berufe unattraktiver macht und zu sozialen Verwerfungen führt. Es ist nicht mehr attraktiv für junge Menschen etwa eine Ausbildung als Erzieher oder Krankenpfleger zu machen. Viele von ihnen drängen wegen der hohen Löhne in die Metall- und Elektro-Industrie. Da arbeiten sie 35 Stunden und verdienen prächtig.
Zum Thema Maßhalten: Eine Forderung nach 7,0 Prozent mehr Lohn, die vielleicht zu einem Abschluss von rund 4,0 Prozent führt, wirkt heute fast schon maßvoll, haben doch andere Gewerkschaften wie Verdi etwa für den Öffentlichen Dienst des Bundes und der Kommunen 10,5 Prozent gefordert.
Wolf: Die IG Metall hat nur zweimal in den vergangenen 30 Jahren, nämlich 2009 und 2022, mit jeweils 8,0 Prozent mehr als jetzt gefordert. Und wenn man in Dienstleistungsberufen 10,5 Prozent draufpackt, macht das wegen des niedrigeren Lohnniveaus deutlich weniger aus, als wenn in der Metall- und Elektroindustrie die ohnehin hohen Löhne noch einmal um 7,0 Prozent steigen würden.
Wie ernst ist die Lage vieler Metall- und Elektro-Firmen?
Wolf: Manche Unternehmen der Branche, die lange treu zum Standort Deutschland gestanden haben, schreiben schon länger rote Zahlen. Dann überlegen solche Firmeninhaber, ob sie die Produktion ins Ausland verlagern, ob nach China, Indien oder Osteuropa. Das Pendel ist umgeschlagen: Betriebe, die lange treu zum Standort Deutschland standen, denken angesichts immer größerer Belastungen um. So gehen auch prominente Unternehmen ins Ausland.
Was sagt das über den Standort Deutschland aus?
Wolf: Es ist nicht fünf vor zwölf für Deutschland. Wenn sich beispielsweise ein an sich heimatverbundenes Unternehmen wie Miele zum Teil aus der Heimat abwandert, ist es für mich viertel nach zwölf für Deutschland.
Theodor Weimer, Chef der Deutschen Börse, glaubt, Deutschland sei ökonomisch gesprochen auf dem Weg zum Entwicklungsland. Überzieht er maßlos?
Wolf: Gut, dass das mal jemand so deutlich sagt.
Und was passiert, wenn die IG Metall nicht Maß hält und sich nicht wachrütteln lässt?
Wolf: Ich hoffe, dass die IG Metall Maß hält.
Und wenn nicht?
Wolf: Die IG Metall und wir als Arbeitgeber der Branche haben nun eine historische Chance: Wir können den Menschen in der Tarifrunde zeigen, dass wir zusammen den Standort Deutschland stärken und Industrieproduktion erhalten. Dazu bedarf es Vernunft. Dazu gehören immer zwei Parteien. Ich bleibe optimistisch.
Haben Sie die Hoffnung, was die USA betrifft, nach der Aufgabe von Biden wiedergefunden?
Wolf: Zunächst einmal: Wenn Donald Trump gewählt würde, sähen wir uns doch einem hohen Maß an US-Protektionismus gegenüber. Der Rückzug von Joe Biden verdient hohe Anerkennung. Dieser Schritt war aber nur folgerichtig, wenn die Demokraten bei der Wahl um das Präsidentenamt im Herbst noch ein Wörtchen mitreden wollen.
Sind Sie zumindest zufrieden, dass Europa weiter auf Beständigkeit setzt und Frau von der Leyen als EU-Kommissions-Chefin bestätigt hat? Wolf: Ich wünsche Frau von der Leyen alles Gute für die zweite Amtszeit. Ich wünsche mir, dass sie mehr auf die Stärkung von Wirtschaft und Wettbewerbsfähigkeit setzt und weniger auf Klimaschutz. Denn wenn wir die Wirtschaft zugunsten des Klimaschutzes opfern, haben wir nichts erreicht. Dann verlieren wir Wohlstand. Dann bestätigen wir nur weiter Menschen darin, rechts- oder linksradikale Parteien zu wählen Die Wählerinnen und Wähler wollen Wirtschaft, Wohlstand und dass es ihnen gut geht. Sie wollen nicht nur Klimaschutz.