Dr. Wolf war rund 20 Jahre in führender Verantwortung in den Arbeitgeberverbänden tätig – seit 2020 als Präsident von Gesamtmetall
(cs) Nach rund zwei Jahrzehnten in führenden Positionen in den Arbeitgeberverbänden, davon seit 2020 als Präsident von Gesamtmetall, stellt Dr. Stefan Wolf sein Amt mit sofortiger Wirkung zur Verfügung. Er hat das Präsidium des Verbandes darüber informiert, dass er bei der Mitgliederversammlung im Juni 2026 nicht erneut zur Wahl antreten wird. Mit seinem Rücktritt macht Dr. Wolf frühzeitig den Weg frei für eine Nachfolge – insbesondere mit Blick auf die anstehenden Tarifverhandlungen 2026, die vor dem Hintergrund der aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen eine besondere Bedeutung haben.
Dr. Wolf erklärte:
„Wir erleben eine der schwersten Strukturkrisen der deutschen Metall- und Elektro-Industrie seit Gründung der Bundesrepublik. Die Vorbereitungen der Tarifrunde sind im Gange, erste Treffen und Vorgespräche haben bereits stattgefunden und weitere sind anberaumt. Gerade in diesen Zeiten braucht es klare Verantwortlichkeiten mit entsprechenden Planungshorizonten. Deshalb war es für mich logisch, mein Amt bereits jetzt kurzfristig zur Verfügung zu stellen.“
Das Präsidium von Gesamtmetall zeigt großen Respekt für diese persönliche Entscheidung. Die Vizepräsidenten betonen:
„Wir möchten uns, auch im Namen unserer Mitgliedsverbände, der Unternehmen und der Beschäftigten der Branche, bei Stefan Wolf ausdrücklich für seinen unermüdlichen Einsatz für Gesamtmetall und seine Mitgliedsverbände bedanken. Sein Handeln als Präsident war geprägt von Einsatz, Empathie und Geradlinigkeit, die darauf gerichtet war, die Interessen unserer Branche stets wirkmächtig zu vertreten.“
Dr. Wolf war in seiner Zeit bei Gesamtmetall maßgeblich an der Gestaltung und Weiterentwicklung der deutschen Metall- und Elektro-Industrie beteiligt. Seine Präsidentschaft war geprägt von einer klaren Positionierung in wirtschafts- und tarifpolitisch herausfordernden Zeiten.
Ein Findungsprozess zur Neubesetzung der Präsidiumsspitze wurde bereits eingeleitet. Die kommende Tarifrunde 2026 dürfte in mehrfacher Hinsicht richtungsweisend werden. Die IG Metall kündigte an, erneut einen exklusiven Bonus für Gewerkschaftsmitglieder in den Flächentarifverhandlungen durchsetzen zu wollen – ein Vorhaben, das bislang stets am Widerstand der Arbeitgeberseite gescheitert war. IG-Metall-Chefin Christiane Benner sieht nach dem Rücktritt von Dr. Wolf offenbar neue Chancen und würdigte zugleich den langjährigen Verhandlungspartner:
„Herr Wolf hat zu Recht immer unsere Verantwortung für die Stärkung der Demokratie im Blick. Gerne hätten wir mit Herrn Wolf einen Mitgliederbonus ausgehandelt. Wir bleiben am Ball.“
Als mögliches Modell wird der Flächentarifvertrag der Chemie-Industrie genannt, der gewerkschaftlich organisierten Beschäftigten zusätzliche freie Tage einräumt. Ziel solcher Modelle ist es, die Tarifbindung zu stärken, indem Mitgliedschaft in der Gewerkschaft sichtbare Vorteile bietet – und nicht nur durch Trittbrettfahrerverhalten profitiert wird.














