Datenschutz versus Ergonomie? Jeder Mensch am richtigen Platz – Warum Datenerfassung für den Arbeits- und Gesundheitsschutz sinnvoll ist

Die Erhe­bung von per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten wird in der Öffent­lich­keit oft kri­ti­siert. „Im Betrieb kann die Erfas­sung von bio­me­tri­schen Daten aller­dings sehr sinn­voll sein. Die­se Daten kön­nen wich­tig sein, um Arbeits­plät­ze noch bes­ser zu gestal­ten,“ so Dr. Tim Jes­ke vom Düs­sel­dor­fer ifaa – Insti­tut für ange­wand­te Arbeits­wis­sen­schaft. Der wis­sen­schaft­li­che Exper­te für Indus­trie 4.0 und Digi­ta­li­sie­rung ergänzt: „Mit Hil­fe per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten rückt die Indi­vi­dua­li­tät für jeden ein­zel­nen Beschäf­tig­ten bei der ergo­no­mi­schen Gestal­tung des Arbeits­plat­zes in den Vor­der­grund.“

Daten­schutz ist wich­tig und rich­tig,“ so Jes­ke. Den­noch ist das Erfas­sen von bio­me­tri­schen Daten (wie zum Bei­spiel der Kör­per­grö­ße oder Seh­tüch­tig­keit) sehr sinn­voll für die Gestal­tung des Arbeits­plat­zes. Mit den gewon­ne­nen Daten ist es mög­lich, jedem Mit­ar­bei­ter einen pas­sen­den Arbeits­platz zu gestal­ten bezie­hungs­wei­se zuzu­wei­sen. Ange­fan­gen bei der Tisch­hö­he, der Grö­ße der Arbeits­flä­che über den rich­ti­gen Arbeits­platz in der Pro­duk­ti­ons­li­nie bis hin zu einer Seh­hil­fe. Dabei wer­den die Daten zur Anwen­dung eta­blier­ter Ver­fah­ren zur Bewer­tung der Ergo­no­mie genutzt. So wer­den bspw. für die Leit­merk­mal­me­tho­de der BAuA* für Heben, Hal­ten und Tra­gen von Las­ten u.a. Infor­ma­tio­nen benö­tigt über das Geschlecht, die Kör­per­hal­tung bei der jewei­li­gen Tätig­keit (u.a. abhän­gig von der Kör­per­grö­ße) und eine ggf. ver­min­der­te Belast­bar­keit auf­grund von Alter oder kör­per­li­chen Beein­träch­ti­gun­gen.

Ein Gleich­ge­wicht zwi­schen dem Schutz der per­sön­li­chen Daten eines Men­schen und deren Nut­zung zum Schutz eben­die­ses Men­schen ist erfor­der­lich.

Es muss für Beschäf­tig­te ganz deut­lich sein, wel­che Daten für wel­chen Zweck genutzt wer­den und wer im Betrieb Zugriff auf die­se Daten hat,“ erläu­tert der Exper­te des ifaa. Dabei kommt es auch auf die Ver­hält­nis­mä­ßig­keit an: Die Über­wa­chung des Atems ist in den meis­ten Fäl­len bei Feu­er­wehr­leu­ten im Ein­satz sicher­lich eher ver­hält­nis­mä­ßig als in der indus­tri­el­len Mon­ta­ge.

Die Nut­zung von Daten für den Arbeits- und Gesund­heits­schutz ist also auf die jewei­li­ge Arbeits­tä­tig­keit abzu­stim­men. Sie wird wesent­lich durch eine Unter­neh­mens­kul­tur unter­stützt, die auf Ver­trau­en und Kom­mu­ni­ka­ti­on setzt.

Wer prü­fen möch­te, wie es um die ergo­no­mi­sche Gestal­tung der Arbeits­plät­ze im eige­nen Betrieb grund­sätz­lich steht, dem hilft die Check­lis­te Ergo­no­mie des ifaa. Sie gibt eine ers­te Ori­en­tie­rung über den Sta­tus im Unter­neh­men.

https://www.arbeitswissenschaft.net/Checkliste_Ergonomie