Dunkle Wolken am Düsseldorfer Wirtschafts-Horizont

Von Anja Küh­ner

Noch geht es den hie­si­gen Unter­neh­men gut, wie der 17. Düs­sel­dor­fer Kon­junk­tur­mo­ni­tor 2020 belegt. Aber die Aus­sich­ten trü­ben sich ein. Des­halb mahnt die Unter­neh­mer­schaft Düs­sel­dorf eine Ver­bes­se­rung der infra­struk­tu­rel­len Rah­men­be­din­gun­gen an.

(von links): Stef­fen Pör­ner (Geschäfts­füh­rer Ban­ken­ver­band NRW), Kath­rin Grü­ne (Geschäfts­füh­re­rin Dil­len­berg mbH), Jut­ta Zülow (Vor­stands­vor­sit­zen­de Zülow AG und Vor­sit­zen­de der Unter­neh­mer­schaft Düs­sel­dorf), Micha­el Grü­te­ring (Haupt­ge­schäfts­füh­rer der Unter­neh­mer­schaft Düs­sel­dorf), Ralf Pet­zold (Vor­sit­zen­der der Geschäfts­füh­rung Komatsu Ger­ma­ny GmbH). Foto: Unter­neh­mer­schaft (Wil­fried Mey­er)

Jedes drit­te Düs­sel­dor­fer Unter­neh­men rech­net in den kom­men­den sechs Mona­ten mit schlech­te­ren Geschäf­ten. „Die glo­ba­le Wirt­schaft ist ver­un­si­chert, und das schlägt sich in den sehr export­ori­en­tier­ten Düs­sel­dor­fer Unter­neh­men direkt nie­der“, berich­te­te Micha­el Grü­te­ring, Haupt­ge­schäfts­füh­rer der Unter­neh­mer­schaft Düs­sel­dor­fer, anläss­lich der Vor­stel­lung des 17. Düs­sel­dor­fer Kon­junk­tur­ba­ro­me­ters.

Die Umfra­ge unter knapp 600 Düs­sel­dor­fer Unter­neh­men belegt: Nur noch halb so vie­le Unter­neh­men wie im Vor­jahr schät­zen ihre aktu­el­le Geschäfts­la­ge der­zeit als gut ein. Obwohl die aktu­el­len Zah­len noch nicht schlecht aus­se­hen, zeich­nen sich die Pro­ble­me also bereits deut­lich ab. „Ers­te Per­so­nal­dienst­leis­ter muss­ten bereits Kurz­ar­beit bean­tra­gen – ein Früh­warn-Indi­ka­tor, der sich in den am stärks­ten betrof­fe­nen Unter­neh­men der Metall- und Elek­tro­bran­che meist drei Mona­te spä­ter bemerk­bar macht“, schil­dert Grü­te­ring.

Die Arbeits­plät­ze bei den Düs­sel­dor­fer Unter­neh­men sind jedoch sicher: „Die Anzahl der offe­nen Stel­len nimmt zwar ab, aber trotz­dem steigt die Beschäf­ti­gungs­quo­te“, erläu­ter­te Grü­te­ring. Der Fach­kräf­te­man­gel habe inzwi­schen alle Bran­chen erreicht und daher wer­den die Unter­neh­men alles dar­an­set­zen, ihre Mit­ar­bei­ter zu hal­ten und die Gunst der Stun­de nut­zen, wie­der ver­füg­ba­re qua­li­fi­zier­te Mit­ar­bei­ter neu ein­zu­stel­len.

Mah­nen­de Wor­te in Rich­tung Poli­tik fand indes Jut­ta Zülow, Vor­stands­vor­sit­zen­de der Zülow AG und Unter­neh­mer­schafts-Vor­sit­zen­de: „In punc­to Digi­ta­li­sie­rung sind wir Unter­neh­men gut auf­ge­stellt, aber die Infra­struk­tur lässt zu wün­schen übrig – wir brau­chen end­lich Breit­band.“ Auch die Ener­gie­wen­de sei nicht zu Ende gedacht: „Ich kann nicht das eine abschal­ten, den Ersatz aber durch neue Geset­ze ver­hin­dern.“ Ohne Strom jedoch kön­ne kein Unter­neh­men etwas pro­du­zie­ren.

Mehr Enga­ge­ment für Unter­neh­men for­der­te auch Ralf Pet­zold, Vor­sit­zen­der der Geschäfts­füh­rung von Komatsu Ger­ma­ny: „Wir brau­chen Mit­ar­bei­ter aus dem Umland, aber das Ein­pen­deln wird zuneh­mend schwie­ri­ger.“ Nicht zuletzt durch die durch die Umwelt­spur ver­ur­sach­ten Staus sei klar, dass neue Ide­en zur Ver­kehrs­in­fra­struk­tur nötig sei­en. Aus Lon­don ken­ne er bei­spiels­wei­se Was­ser­ta­xis, die gro­ße Men­schen­men­ge beför­dern. Ins­be­son­de­re der Reis­hol­zer Hafen sei „eine Per­le“. Hier kön­ne Düs­sel­dorf Inno­va­ti­ons­geist bewei­sen.

Statt­des­sen neh­me die Indus­trie-Akzep­tanz in der Stadt wei­ter ab, bestä­tigt Kath­rin Grü­ne, Geschäfts­füh­re­rin der Gie­ße­rei Dil­len­berg. Der­zeit basiert immer­hin ein knap­pes Vier­tel der Düs­sel­dor­fer Wirt­schafts­kraft auf dem pro­du­zie­ren­den Sek­tor. „Wenn der Wert unter 20 Pro­zent rutscht, dann bekommt ein Stand­ort erfah­rungs­ge­mäß Pro­ble­me“, füg­te Unter­neh­mer­schafts-Haupt­ge­schäfts­füh­rer Grü­te­ring an.

Stef­fen Pör­ner, Geschäfts­füh­rer des Ban­ken­ver­bands NRW, fass­te die Dis­kus­si­on abschlie­ßend zusam­men: „Im glo­ba­len Stand­ort­wett­be­werb war­tet nie­mand dar­auf, dass wir in NRW und auch in Düs­sel­dorf unse­re Haus­auf­ga­ben machen.“