Dr. Steffen Greubel: Ein CEO, der den Großhandel sichtbar gemacht hat – und was Instagram damit zu tun hat

Dr. Steffen Greubel. Screenshot: Instagram
Von Christoph Sochart
Es gibt Nachrichten aus der Wirtschaft, die sachlich klingen und dennoch mehr auslösen. Die Nachricht, dass Dr. Steffen Greubel den Vorstandsvorsitz der METRO AG zum 30. September 2026 auf eigenen Wunsch abgibt, gehört für mich dazu.
Greubel hat den Aufsichtsrat um die Aufhebung seines eigentlich bis Ende 2030 laufenden Vertrags gebeten. Als Grund nannte er unterschiedliche Vorstellungen über die künftige Ausrichtung des Konzerns. Nach fünf Jahren erfolgreicher Transformation beginne für METRO nun eine neue Phase, erklärte Greubel. Diese neue Phase solle von einer Führung gestaltet werden, die sie von Beginn an verantworte.
Vom 1. Oktober an übernimmt Finanzvorstand Eric Riegger zusätzlich den Vorstandsvorsitz. Riegger gehört dem METRO-Vorstand seit 2024 an und verfügt über langjährige Erfahrung im internationalen Handel – unter anderem bei Lidl und Aldi USA. Der Aufsichtsratsvorsitzende Roman Šilha würdigte Greubels Leistung und erklärte, er habe METRO neu aufgestellt und eine Kultur geprägt, in der Kundennähe, Vertriebsdynamik, Tempo und unternehmerisches Denken wieder selbstverständlich seien.

Dr. Steffen Greubel (rechts) bei „Unternehmerschaft im Dialog“ mit der damaligen Vorsitzenden Jutta Zülow und Hauptgeschäftsführer Michael Grütering. Foto: Christoph Sochart
Ein Gespräch, an das ich mich gerne erinnere
Ich verbinde Dr. Steffen Greubel nicht nur mit der METRO-Transformation, sondern auch mit einem persönlichen Gespräch in unserem Netzwerk. Vor einigen Jahren war er – zu einer Zeit, als Jutta Zülow noch Vorsitzende der Unternehmerschaft war – Gast der Unternehmerschaft Düsseldorf bei unserem Format „Unternehmerschaft im Dialog“.
Greubel berichtete damals sehr offen über seine Arbeit bei METRO, über Transformation, Wachstum und die Herausforderungen des Handels. Er ließ keine Frage unbeantwortet. Diese Offenheit ist mir in Erinnerung geblieben, weil sie in Gesprächen mit Spitzenmanagern nicht immer selbstverständlich ist.
Wir sprachen über das Wachstumsprogramm „sCore“, über die stärkere Ausrichtung von METRO auf den Multikanal-Großhandel, über das Belieferungsgeschäft und über die schwierige Situation der Gastronomie. Greubel erklärte auch, warum er die Digitalisierung des Geschäfts vorantreiben, die Vertriebsmannschaft stärken und METRO als umfassenden Partner für Gastronominnen und Gastronomen weiterentwickeln wollte. Unser damaliger Beitrag fasste das Gespräch und die Berichterstattung der Rheinischen Post zusammen: METRO Deutschland: Gespräch mit Dr. Steffen Greubel über Transformation, Wachstum und Herausforderungen.
Transformation mit einem klaren Kundenfokus
Was Greubels Zeit bei METRO geprägt hat, war die Verbindung von strategischem Umbau und unmittelbarer Nähe zu den Kundinnen und Kunden. METRO wollte sich stärker als Multikanal-Großhändler für Gastronomie und Lebensmittelhandel positionieren. Das bedeutete: Märkte, Belieferung, digitale Angebote und weitere Dienstleistungen sollten stärker zusammenspielen.
Im damaligen Gespräch beschrieb Greubel das Belieferungsgeschäft als einen wichtigen Wachstumstreiber. Die METRO-Märkte sollten zugleich stärker als Logistik- und Transportzentren genutzt werden. Investitionen in diesen Umbau, ein wachsendes digitales Angebot und die engere Zusammenarbeit mit Gastronomiebetrieben gehörten zu den Bausteinen der Strategie.
Auch die Gastronomie selbst war für Greubel mehr als eine Kundengruppe. Während der Pandemie setzte sich METRO öffentlich für die Interessen der Branche ein und unterstützte Aktionen von Gastronomie-Initiativen. Greubel verwies darauf, dass Restaurants und Hotels nicht nur Orte der Versorgung seien, sondern auch Räume für Begegnung, Erlebnis und gesellschaftliches Miteinander.
Diese Perspektive war bemerkenswert. Sie zeigte, dass ein Handelskonzern seine Rolle nicht nur über Umsatz und Sortiment definieren kann, sondern auch über die Frage, welchen Beitrag er für seine Kunden und deren Branchen leistet.
Der CEO unterwegs an der Basis
Besonders eindrucksvoll war Greubels Anspruch, ein Unternehmen nicht allein aus Vorstandsbüros heraus zu führen. In einem Interview schilderte er, dass er sich an der Basis mit METRO vertraut machen wolle: im Gespräch mit Beschäftigten und Kunden, am Regal, im Auto oder im Depot. Dafür besuchte er METRO-Standorte in Spanien, Italien, Frankreich, Österreich, Tschechien und der Slowakei.
Diese Haltung ist auch in seiner öffentlichen Kommunikation sichtbar geworden. Greubel hat Instagram nicht als klassischen Verkündungskanal genutzt, sondern als Blick in seinen beruflichen Alltag. Sein Profil beschreibt die Themenfelder Gastronomie, Lebensmittelgroßhandel, Sport, Digitalisierung und Wachstum. Die öffentlich dokumentierten Beiträge zeigen ihn bei Besuchen von METRO-Standorten, beim Testen von Essen und im Austausch mit Menschen aus dem Geschäft.
Darüber hinaus gehören auch persönliche und sportliche Eindrücke zu seiner Instagram-Kommunikation: dokumentiert sind Auftritte im Sport, sein Einsatz als Fackelträger bei den Olympischen Spielen und sogar ein Video, in dem er einen großen Fisch präsentiert. Das Fachmagazin KOM beschrieb Greubels Instagram-Kommunikation als regelmäßige Videos aus seinem beruflichen Alltag – vom Besuch internationaler METRO-Standorte bis zum Essenstest, Sport und solchen persönlichen Momenten.
Das ist keine vollständige Auflistung jedes einzelnen Beitrags. Aber die öffentlich dokumentierten Beispiele zeigen ein klares Muster: Greubel wollte METRO, seine Kunden, seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die Welt der Gastronomie sichtbar machen. Nicht nur in Präsentationen, sondern in konkreten Begegnungen.
Kommunikation als Teil von Führung
Greubels Instagram-Auftritt war damit mehr als persönliche Selbstdarstellung. Er wurde zu einem Teil der CEO-Kommunikation von METRO. Der Kanal verband strategische Themen mit Alltagssituationen: Großhandel und Gastronomie, Kundennähe und Internationalität, Digitalisierung und persönliches Erleben.
Das kann man unterschiedlich bewerten. Für mich lag darin vor allem ein Versuch, ein großes Unternehmen zugänglich zu machen. Ein internationaler Konzern wird verständlicher, wenn Menschen sehen, wo gearbeitet wird, mit wem gesprochen wird und welche Kunden im Mittelpunkt stehen.
Gerade die Gastronomie lebt von Menschen, von Leidenschaft und von Begegnungen. Wer für diese Branche arbeitet, muss ihre Realität kennen. Greubel hat diesen Anspruch öffentlich gezeigt – bei Besuchen in Märkten und Depots, in Gesprächen mit Kunden und in der Auseinandersetzung mit den Herausforderungen der Branche.
Eine neue Phase für METRO
Nun beginnt für METRO eine neue Phase. Der Wechsel an der Spitze kommt überraschend, weil Greubels Vertrag ursprünglich noch bis Ende 2030 laufen sollte. Gleichzeitig lässt sich die von ihm angestoßene Transformation nicht mit seinem Ausscheiden aus dem Vorstand aus der Welt schaffen.
Die Themen bleiben: Wie entwickelt sich der Lebensmittelgroßhandel weiter? Wie lassen sich stationäre Märkte, Belieferung und digitale Lösungen sinnvoll verbinden? Wie kann METRO Gastronomiebetriebe in einem schwierigen Umfeld unterstützen? Und wie gelingt profitables Wachstum in einem internationalen, wettbewerbsintensiven Geschäft?
Eric Riegger übernimmt den Vorstandsvorsitz zusätzlich zu seiner Verantwortung als Finanzvorstand. Der Aufsichtsrat hebt dabei seine Erfahrung in Kosteneffizienz und Profitabilität sowie seine operative Handelserfahrung hervor. METRO AG
Mein persönlicher Rückblick
Dr. Steffen Greubel hat METRO in einer Zeit geführt, in der der Handel, die Gastronomie und internationale Lieferketten vor erheblichen Herausforderungen standen. Er hat den Konzern durch einen tiefgreifenden Veränderungsprozess geführt, den Kundenfokus betont und die Rolle von Belieferung und Digitalisierung gestärkt.
Was mir persönlich bleibt, ist aber nicht nur die Strategie. Es ist auch die Erinnerung an einen Manager, der sich in einem offenen Gespräch den Fragen gestellt hat – klar, zugewandt und ohne auszuweichen. Und es ist das Bild eines CEOs, der sichtbar unterwegs war: in Märkten, bei Kunden, bei Beschäftigten, bei gastronomischen Partnern und in den Ländern, in denen METRO tätig ist.
Sein Instagram-Auftritt hat diese Seite seiner Arbeit ergänzt. Er zeigte nicht nur fertige Ergebnisse, sondern auch Eindrücke vom Unterwegssein, vom Zuhören und vom Erleben.
