Unternehmen in Existenznot

Der Lock­down kos­tet jede Woche 3,5 bis 5 Mil­li­ar­den Euro – und das auch nur, wenn die Indus­trie den Still­stand wei­test­ge­hend glimpf­lich über­steht. Vie­le klei­ne Unter­neh­mer kämp­fen der­weil um ihre Exis­tenz. I Von Prof. Dr. Micha­el Hüt­her, Insti­tut der Deut­schen Wirtschaft.

Die Kri­se geht wei­ter: Heu­te dis­ku­tie­ren Bund und Län­der, ob der Lock­down ver­län­gert wird. Als wahr­schein­lich gilt, dass Restau­rants, Ein­zel­händ­ler und Fri­seu­re ihre Läden bis Ende des Monats nicht öff­nen dür­fen. Die Fol­gen sind längst deut­lich sicht­bar: Unter­neh­men leben zuneh­mend von der Sub­stanz und – in gerin­gem Maße – von staat­li­cher Unter­stüt­zung. Die Über­brü­ckungs­hil­fen soll­ten eigent­lich dazu bei­tra­gen, die nächs­ten Wochen zu bestehen, aller­dings sind nach wie vor die Zugangs­hür­den zu hoch. Im gesam­ten Jahr 2020 sind an den Ein­zel­han­del 91 Mil­lio­nen Euro Hil­fen aus­ge­zahlt wor­den, gleich­zei­tig hat der Lock­down einen Umsatz­ver­lust von 36 Mil­li­ar­den Euro ver­ur­sacht, davon Fix­kos­ten in Höhe von 18 bis 20 Mil­li­ar­den Euro. Ent­spre­chend stellt sich für vie­le Unter­neh­mer im Janu­ar die Exis­tenz­fra­ge. Eben­so dra­ma­tisch ist die Lage in Bran­chen, in denen völ­lig unklar ist, wann wie­der Nor­ma­li­tät mög­lich ist, so wie bei Gas­tro­no­men, Ver­an­stal­tern oder Kulturschaffenden.

Die Indus­trie dage­gen könn­te die­sen Lock­down im Ver­gleich zum Früh­jahr 2020 bes­ser über­ste­hen. Dafür müs­sen Gren­zen offen blei­ben, Wert­schöp­fungs­ket­ten und die Welt­wirt­schaft müs­sen die Gele­gen­heit bekom­men, sich zu sta­bi­li­sie­ren. Wenn das gelingt, kos­tet jede Lock­down-Woche rund 3,5 bis 5 Mil­li­ar­den Euro, je nach­dem, wie schnell sich die betrof­fe­nen Bran­chen nach Lock­down-Ende wie­der sta­bi­li­sie­ren und Fahrt auf­neh­men. Unklar ist indes noch, wel­che lang­fris­ti­gen Schä­den der Lock­down ver­ur­sa­chen wird und wie vie­le Unter­neh­mer Insol­venz anmel­den müssen.

Gleich­zei­tig muss die medi­zi­ni­sche Situa­ti­on so weit unter Kon­trol­le blei­ben, dass Tria­ge-Ent­schei­dun­gen ver­mie­den wer­den. Das Imp­fen muss so schnell wie mög­lich vor­an­ge­hen, um eine wei­te­re Lock­down-Ver­län­ge­rung über den Janu­ar hin­aus zu ver­mei­den. Sinn­voll wäre es, wenn Men­schen in Alters- und Pfle­ge­hei­men und Über-70-Jäh­ri­ge deut­lich schnel­ler geimpft wür­den, bei­spiels­wei­se auch am Wochen­en­de, auch in der Nacht. Sind die Risi­ko­grup­pen geimpft, dann gibt es kei­ne Recht­fer­ti­gung mehr für einen flä­chen­de­cken­den Lockdown.

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