Dr. Steffen Greubel: Ein CEO, der den Großhandel sichtbar gemacht hat – und was Instagram damit zu tun hat

Dr. Steffen Greubel. Screenshot: Instagram

Von Christoph Sochart

Es gibt Nachrichten aus der Wirtschaft, die sachlich klingen und dennoch mehr auslösen. Die Nachricht, dass Dr. Steffen Greubel den Vorstandsvorsitz der METRO AG zum 30. September 2026 auf eigenen Wunsch abgibt, gehört für mich dazu.

Greubel hat den Aufsichtsrat um die Aufhebung seines eigentlich bis Ende 2030 laufenden Vertrags gebeten. Als Grund nannte er unterschiedliche Vorstellungen über die künftige Ausrichtung des Konzerns. Nach fünf Jahren erfolgreicher Transformation beginne für METRO nun eine neue Phase, erklärte Greubel. Diese neue Phase solle von einer Führung gestaltet werden, die sie von Beginn an verantworte.

Vom 1. Oktober an übernimmt Finanzvorstand Eric Riegger zusätzlich den Vorstandsvorsitz. Riegger gehört dem METRO-Vorstand seit 2024 an und verfügt über langjährige Erfahrung im internationalen Handel – unter anderem bei Lidl und Aldi USA. Der Aufsichtsratsvorsitzende Roman Šilha würdigte Greubels Leistung und erklärte, er habe METRO neu aufgestellt und eine Kultur geprägt, in der Kundennähe, Vertriebsdynamik, Tempo und unternehmerisches Denken wieder selbstverständlich seien.

Dr. Steffen Greubel (rechts) bei „Unternehmerschaft im Dialog“ mit der damaligen Vorsitzenden Jutta Zülow und Hauptgeschäftsführer Michael Grütering. Foto: Christoph Sochart

Ein Gespräch, an das ich mich gerne erinnere

Ich verbinde Dr. Steffen Greubel nicht nur mit der METRO-Transformation, sondern auch mit einem persönlichen Gespräch in unserem Netzwerk. Vor einigen Jahren war er – zu einer Zeit, als Jutta Zülow noch Vorsitzende der Unternehmerschaft war – Gast der Unternehmerschaft Düsseldorf bei unserem Format „Unternehmerschaft im Dialog“.

Greubel berichtete damals sehr offen über seine Arbeit bei METRO, über Transformation, Wachstum und die Herausforderungen des Handels. Er ließ keine Frage unbeantwortet. Diese Offenheit ist mir in Erinnerung geblieben, weil sie in Gesprächen mit Spitzenmanagern nicht immer selbstverständlich ist.

Wir sprachen über das Wachstumsprogramm „sCore“, über die stärkere Ausrichtung von METRO auf den Multikanal-Großhandel, über das Belieferungsgeschäft und über die schwierige Situation der Gastronomie. Greubel erklärte auch, warum er die Digitalisierung des Geschäfts vorantreiben, die Vertriebsmannschaft stärken und METRO als umfassenden Partner für Gastronominnen und Gastronomen weiterentwickeln wollte. Unser damaliger Beitrag fasste das Gespräch und die Berichterstattung der Rheinischen Post zusammen: METRO Deutschland: Gespräch mit Dr. Steffen Greubel über Transformation, Wachstum und Herausforderungen.

Transformation mit einem klaren Kundenfokus

Was Greubels Zeit bei METRO geprägt hat, war die Verbindung von strategischem Umbau und unmittelbarer Nähe zu den Kundinnen und Kunden. METRO wollte sich stärker als Multikanal-Großhändler für Gastronomie und Lebensmittelhandel positionieren. Das bedeutete: Märkte, Belieferung, digitale Angebote und weitere Dienstleistungen sollten stärker zusammenspielen.

Im damaligen Gespräch beschrieb Greubel das Belieferungsgeschäft als einen wichtigen Wachstumstreiber. Die METRO-Märkte sollten zugleich stärker als Logistik- und Transportzentren genutzt werden. Investitionen in diesen Umbau, ein wachsendes digitales Angebot und die engere Zusammenarbeit mit Gastronomiebetrieben gehörten zu den Bausteinen der Strategie.

Auch die Gastronomie selbst war für Greubel mehr als eine Kundengruppe. Während der Pandemie setzte sich METRO öffentlich für die Interessen der Branche ein und unterstützte Aktionen von Gastronomie-Initiativen. Greubel verwies darauf, dass Restaurants und Hotels nicht nur Orte der Versorgung seien, sondern auch Räume für Begegnung, Erlebnis und gesellschaftliches Miteinander.

Diese Perspektive war bemerkenswert. Sie zeigte, dass ein Handelskonzern seine Rolle nicht nur über Umsatz und Sortiment definieren kann, sondern auch über die Frage, welchen Beitrag er für seine Kunden und deren Branchen leistet.

Der CEO unterwegs an der Basis

Besonders eindrucksvoll war Greubels Anspruch, ein Unternehmen nicht allein aus Vorstandsbüros heraus zu führen. In einem Interview schilderte er, dass er sich an der Basis mit METRO vertraut machen wolle: im Gespräch mit Beschäftigten und Kunden, am Regal, im Auto oder im Depot. Dafür besuchte er METRO-Standorte in Spanien, Italien, Frankreich, Österreich, Tschechien und der Slowakei.

Diese Haltung ist auch in seiner öffentlichen Kommunikation sichtbar geworden. Greubel hat Instagram nicht als klassischen Verkündungskanal genutzt, sondern als Blick in seinen beruflichen Alltag. Sein Profil beschreibt die Themenfelder Gastronomie, Lebensmittelgroßhandel, Sport, Digitalisierung und Wachstum. Die öffentlich dokumentierten Beiträge zeigen ihn bei Besuchen von METRO-Standorten, beim Testen von Essen und im Austausch mit Menschen aus dem Geschäft.

Darüber hinaus gehören auch persönliche und sportliche Eindrücke zu seiner Instagram-Kommunikation: dokumentiert sind Auftritte im Sport, sein Einsatz als Fackelträger bei den Olympischen Spielen und sogar ein Video, in dem er einen großen Fisch präsentiert. Das Fachmagazin KOM beschrieb Greubels Instagram-Kommunikation als regelmäßige Videos aus seinem beruflichen Alltag – vom Besuch internationaler METRO-Standorte bis zum Essenstest, Sport und solchen persönlichen Momenten.

Das ist keine vollständige Auflistung jedes einzelnen Beitrags. Aber die öffentlich dokumentierten Beispiele zeigen ein klares Muster: Greubel wollte METRO, seine Kunden, seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die Welt der Gastronomie sichtbar machen. Nicht nur in Präsentationen, sondern in konkreten Begegnungen.

Kommunikation als Teil von Führung

Greubels Instagram-Auftritt war damit mehr als persönliche Selbstdarstellung. Er wurde zu einem Teil der CEO-Kommunikation von METRO. Der Kanal verband strategische Themen mit Alltagssituationen: Großhandel und Gastronomie, Kundennähe und Internationalität, Digitalisierung und persönliches Erleben.

Das kann man unterschiedlich bewerten. Für mich lag darin vor allem ein Versuch, ein großes Unternehmen zugänglich zu machen. Ein internationaler Konzern wird verständlicher, wenn Menschen sehen, wo gearbeitet wird, mit wem gesprochen wird und welche Kunden im Mittelpunkt stehen.

Gerade die Gastronomie lebt von Menschen, von Leidenschaft und von Begegnungen. Wer für diese Branche arbeitet, muss ihre Realität kennen. Greubel hat diesen Anspruch öffentlich gezeigt – bei Besuchen in Märkten und Depots, in Gesprächen mit Kunden und in der Auseinandersetzung mit den Herausforderungen der Branche.

Eine neue Phase für METRO

Nun beginnt für METRO eine neue Phase. Der Wechsel an der Spitze kommt überraschend, weil Greubels Vertrag ursprünglich noch bis Ende 2030 laufen sollte. Gleichzeitig lässt sich die von ihm angestoßene Transformation nicht mit seinem Ausscheiden aus dem Vorstand aus der Welt schaffen.

Die Themen bleiben: Wie entwickelt sich der Lebensmittelgroßhandel weiter? Wie lassen sich stationäre Märkte, Belieferung und digitale Lösungen sinnvoll verbinden? Wie kann METRO Gastronomiebetriebe in einem schwierigen Umfeld unterstützen? Und wie gelingt profitables Wachstum in einem internationalen, wettbewerbsintensiven Geschäft?

Eric Riegger übernimmt den Vorstandsvorsitz zusätzlich zu seiner Verantwortung als Finanzvorstand. Der Aufsichtsrat hebt dabei seine Erfahrung in Kosteneffizienz und Profitabilität sowie seine operative Handelserfahrung hervor. METRO AG

Mein persönlicher Rückblick

Dr. Steffen Greubel hat METRO in einer Zeit geführt, in der der Handel, die Gastronomie und internationale Lieferketten vor erheblichen Herausforderungen standen. Er hat den Konzern durch einen tiefgreifenden Veränderungsprozess geführt, den Kundenfokus betont und die Rolle von Belieferung und Digitalisierung gestärkt.

Was mir persönlich bleibt, ist aber nicht nur die Strategie. Es ist auch die Erinnerung an einen Manager, der sich in einem offenen Gespräch den Fragen gestellt hat – klar, zugewandt und ohne auszuweichen. Und es ist das Bild eines CEOs, der sichtbar unterwegs war: in Märkten, bei Kunden, bei Beschäftigten, bei gastronomischen Partnern und in den Ländern, in denen METRO tätig ist.

Sein Instagram-Auftritt hat diese Seite seiner Arbeit ergänzt. Er zeigte nicht nur fertige Ergebnisse, sondern auch Eindrücke vom Unterwegssein, vom Zuhören und vom Erleben.

ME-Tarifrunde 2026: Die Industrie braucht jetzt einen realistischen Kurs

Arnd Kirchhoff Foto: METALL NRW

Von Christoph Sochart

Die nordrhein-westfälischen Metallarbeitgeber haben die Forderung der IG Metall NRW nach Einkommensverbesserungen von fünf Prozent als „eindeutig zu hoch und völlig unrealistisch“ zurückgewiesen. Aus Sicht von METALL NRW wird die anstehende Tarifrunde 2026 unter Bedingungen geführt, die sich grundlegend von vielen früheren Verhandlungen unterscheiden.

Die Metall- und Elektroindustrie befindet sich nach Einschätzung des Verbandes in der schwersten Strukturkrise seit Bestehen der Bundesrepublik. Es geht deshalb nicht nur um die Höhe eines Tarifabschlusses. Es geht um die Zukunft industrieller Wertschöpfung, um die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und um die Frage, wie Beschäftigung in Nordrhein-Westfalen gesichert werden kann.

Produktion und Beschäftigung deutlich zurückgegangen

METALL-NRW-Präsident Arndt G. Kirchhoff verwies auf die Entwicklung der vergangenen Jahre: Seit 2018 ist die Produktion der nordrhein-westfälischen Metall- und Elektroindustrie um 27 Prozent zurückgegangen. Die Beschäftigung ist im selben Zeitraum um zehn Prozent gesunken.

Der Personalabbau droht sich weiter zu beschleunigen. Mittlerweile verliert der größte Industriezweig des Landes nach Angaben von METALL NRW Monat für Monat rund 2.500 Arbeitsplätze.

Diese Zahlen zeigen, dass die aktuelle Situation nicht allein mit konjunkturellen Schwankungen erklärt werden kann. Viele Unternehmen stehen vor tiefgreifenden strukturellen Herausforderungen. Geschäftsmodelle verändern sich, internationale Wettbewerber gewinnen an Stärke und die Kosten am deutschen Industriestandort sind erheblich gestiegen.

Kirchhoff spricht deshalb von einer fortschreitenden De-Industrialisierung in nahezu allen Metall- und Elektrobranchen Nordrhein-Westfalens. Seine Schlussfolgerung ist eindeutig: „Deshalb ist die Tarifrunde 2026 auch keine Tarifrunde wie viele andere zuvor.“

Hoher Kostendruck belastet die Unternehmen

Ein wesentlicher Kostenfaktor sind die Arbeitskosten. Nach Angaben von METALL NRW liegt der Lohnkostenanteil am Umsatz – je nach Betrieb und Branche – im Mittel zwischen 20 und 30 Prozent.

Diese Werte sind insbesondere für arbeitsintensive Unternehmen und viele Zulieferer von Bedeutung. Sie stehen nicht nur im Wettbewerb mit anderen deutschen oder europäischen Standorten, sondern mit Unternehmen auf der ganzen Welt. Wenn Kosten dauerhaft schneller steigen als Produktivität und Nachfrage, geraten Investitionen und Arbeitsplätze unter Druck.

Arndt G. Kirchhoff betont daher, die hohen Arbeitskosten seien eine wesentliche Ursache für die massive Wettbewerbsschwäche der Unternehmen am Industriestandort Nordrhein-Westfalen. Als Tarifvertragsparteien müssten Arbeitgeber und Gewerkschaften ihren Beitrag dazu leisten, den erheblichen Kostendruck zu senken.

Das ist keine Absage an faire und verlässliche Einkommen. Es ist vielmehr der Hinweis, dass Tarifpolitik immer auch die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Unternehmen berücksichtigen muss. Ein Tarifabschluss, der einzelne Betriebe überfordert, gefährdet am Ende genau jene Arbeitsplätze, die er eigentlich absichern soll.

Fünf Prozent passen nicht zur wirtschaftlichen Realität

Vor diesem Hintergrund hält METALL NRW die Forderung der IG Metall nach fünf Prozent mehr Einkommen für nicht umsetzbar. Eine auch nur annähernde Umsetzung würde nach Einschätzung des Verbandes den bereits beschleunigten Personalabbau weiter verschärfen.

Die Arbeitgeber stehen damit vor einem schwierigen Spagat: Sie müssen qualifizierte Beschäftigte gewinnen und halten, gleichzeitig aber ihre Kosten im internationalen Wettbewerb unter Kontrolle bringen. Gerade in einer Strukturkrise können pauschale Lösungen zu kurz greifen.

Die wirtschaftliche Lage ist zudem nicht in allen Unternehmen und Branchen gleich. Es gibt Betriebe mit stabiler Auslastung und guten Perspektiven. Andere kämpfen mit Auftragseinbrüchen, hohen Energiepreisen, steigender Bürokratie, Investitionszurückhaltung und einem wachsenden Verlagerungsdruck.

Tarifpolitische Lösungen müssen diese Unterschiede berücksichtigen. Was für ein wirtschaftlich starkes Unternehmen tragfähig sein kann, kann für einen mittelständischen Zulieferer bereits zu einer existenziellen Belastung werden.

Zukunft des Flächentarifs steht auf dem Prüfstand

Die Tarifrunde 2026 ist nach Einschätzung von METALL NRW auch deshalb von besonderer Bedeutung, weil sie über die Akzeptanz und damit über die Zukunft des Flächentarifvertrags mitentscheiden kann.

Der Flächentarif bietet grundsätzlich wichtige Vorteile: Er schafft verlässliche Rahmenbedingungen, verhindert einen Wettbewerb über schlechtere Arbeitsbedingungen und erleichtert Unternehmen wie Beschäftigten die Planung. Damit dieses Modell dauerhaft funktioniert, muss es jedoch wirtschaftlich anschlussfähig bleiben.

Wenn Tarifabschlüsse die Realität der Unternehmen dauerhaft ignorieren, drohen Ausweichbewegungen. Unternehmen könnten stärker auf individuelle Regelungen setzen, tarifgebundene Strukturen verlassen oder Investitionen an andere Standorte verlagern. Das wäre weder im Interesse der Arbeitgeber noch der Beschäftigten.

Die IG Metall müsse sich dieser Verantwortung bewusst sein, betont Kirchhoff. Die Mitgliedsunternehmen von METALL NRW blickten sehr angespannt auf die Tarifverhandlungen und erwarteten einen Abschluss, der die richtigen tarifpolitischen Antworten auf die strukturelle Industriekrise gibt.

Re-Industrialisierung muss gemeinsames Ziel sein

Die Tarifparteien stehen deshalb vor einer gemeinsamen Aufgabe. Ihr Ziel sollte nicht darin bestehen, kurzfristig möglichst viel für die jeweils eigene Seite durchzusetzen. Entscheidend ist vielmehr, wie industrielle Wertschöpfung in Nordrhein-Westfalen gehalten und wieder ausgebaut werden kann.

„Gemeinsames Ziel von Gewerkschaften und Arbeitgebern muss eine Re-Industrialisierung unseres Landes und der Stopp des Abbaus von Arbeitsplätzen sein“, erklärt Arndt G. Kirchhoff.

Eine solche Re-Industrialisierung braucht mehrere Voraussetzungen:

  • wettbewerbsfähige Energie- und Arbeitskosten,
  • mehr Investitions- und Planungssicherheit,
  • schnellere Genehmigungsverfahren,
  • weniger bürokratische Belastungen,
  • verlässliche politische Rahmenbedingungen,
  • eine moderne und flexible Tarifpolitik,
  • sowie die Bereitschaft, in Qualifizierung und Innovation zu investieren.

Tarifpolitik kann nicht alle Standortprobleme lösen. Sie kann aber dazu beitragen, den Unternehmen Luft für Investitionen zu verschaffen und Beschäftigung zu sichern. Gerade in einer tiefgreifenden Transformation ist Flexibilität ein wichtiger Faktor.

Verantwortung auf beiden Seiten

Die Arbeitgeber wissen, dass Beschäftigte in Zeiten hoher Lebenshaltungskosten berechtigte Erwartungen haben. Ebenso klar ist aber: Tarifpolitik muss sich an dem orientieren, was Unternehmen dauerhaft erwirtschaften können. Werden die Kostenstrukturen weiter verschärft, ohne die Produktivität und die Nachfrage zu berücksichtigen, steigt der Druck auf Arbeitsplätze und Standorte.

Die bevorstehenden Verhandlungen sollten deshalb von Verantwortungsbewusstsein und Realismus geprägt sein. Arbeitgeber und Gewerkschaften müssen die schwierige Lage offen benennen und gemeinsam nach Lösungen suchen, die auch über den Tarifabschluss hinaus Bestand haben.

Diese Tarifrunde braucht Augenmaß

Die Forderung nach fünf Prozent mehr Einkommen ist aus Sicht von METALL NRW angesichts der aktuellen Lage nicht realistisch. Die Metall- und Elektroindustrie Nordrhein-Westfalens befindet sich in einer historischen Strukturkrise. Produktion und Beschäftigung sind seit 2018 deutlich zurückgegangen, während viele Unternehmen mit hohen Kosten und wachsendem internationalem Wettbewerbsdruck kämpfen.

Die Tarifrunde 2026 ist daher tatsächlich keine Tarifrunde wie viele andere zuvor. Sie ist eine Bewährungsprobe für die Sozialpartnerschaft und für die Zukunft des Flächentarifs.

Ein guter Tarifabschluss muss fair, aber auch wirtschaftlich tragfähig sein. Er muss die Beschäftigten berücksichtigen, ohne die Unternehmen weiter zu überfordern. Vor allem aber muss er dazu beitragen, Arbeitsplätze in Nordrhein-Westfalen zu sichern und den Weg für neue Investitionen zu öffnen.

Die Industrie braucht jetzt keinen weiteren Kostenschub, sondern einen realistischen Kurs für Beschäftigung, Investitionen und Re-Industrialisierung.

Quelle

Grundlage dieses Beitrags sind die vorliegenden Informationen von METALL NRW zur Tarifrunde 2026 und zur Forderung der IG Metall NRW.

Bürokratie: Das größte Standortproblem liegt auf dem Tisch – Was eine neue ifo-Umfrage für Unternehmen in Düsseldorf bedeutet

Von Christoph Sochart

Eigentlich wissen wir das alles schon. Die Betriebe in Düsseldorf berichten uns tagtäglich davon. Doch nun haben wir es erneut schwarz auf weiß: Bürokratie und Regulierung sind für die Hälfte der deutschen Unternehmen das größte Problem des Wirtschaftsstandorts Deutschland.

Das ist das Ergebnis einer Sonderauswertung der ifo Konjunkturumfrage. Im Juli 2026 wurden Unternehmen aus Industrie, Bau, Handel und Dienstleistungen gefragt, welche derzeit die größten Probleme des Standorts Deutschland für ihren Betrieb sind. 4.449 Unternehmen antworteten auf die offene Frage. Das Ergebnis ist eindeutig: 50 Prozent nannten Bürokratie und Regulierung als größtes Standortproblem. Mit deutlichem Abstand folgten die Energiekosten mit 27 Prozent und die Arbeitskosten mit 22 Prozent.

Für uns als Unternehmerschaft Düsseldorf ist diese Zahl keine Überraschung. Sie bestätigt vielmehr, was wir aus Gesprächen mit Unternehmen, aus Veranstaltungen und aus dem täglichen Austausch mit unseren Mitgliedern kennen. Bürokratie ist längst kein abstraktes Thema mehr. Sie bindet Zeit, Personal und Geld – und sie bremst Entscheidungen, Investitionen und Wachstum.

Bürokratie kostet mehr als Arbeitszeit

Der ifo-Forscher Klaus Wohlrabe beschreibt zwei Wirkungen des bürokratischen Aufwands. Erstens bindet er Personal, das an anderer Stelle fehlt. Beschäftigte müssen Formulare ausfüllen, Nachweise erstellen, Dokumentationen pflegen und unterschiedliche Vorgaben prüfen. Diese Zeit fehlt dann für Kunden, Produkte, Innovation und die eigentliche Wertschöpfung.

Zweitens kann Bürokratie Investitionen verhindern. Wenn der Genehmigungs- und Dokumentationsaufwand so groß wird, dass sich ein Vorhaben wirtschaftlich nicht mehr rechnet, wird es möglicherweise gar nicht erst begonnen. Genau dieser Effekt ist besonders problematisch: Er taucht in keiner Statistik auf, weil die Investition, der neue Standort oder die geplante Erweiterung nie Realität wird. ifo Institut

Das ist der entscheidende Punkt. Bürokratie verursacht nicht nur sichtbare Kosten. Sie erzeugt auch unsichtbare Kosten durch unterlassene Entscheidungen. Unternehmen verzichten auf Projekte, verschieben Erweiterungen, reduzieren Investitionen oder verlagern Aktivitäten dorthin, wo Verfahren schneller und planbarer sind.

Größere Unternehmen besonders stark betroffen

Die Belastung verteilt sich nicht gleichmäßig. Bei großen Unternehmen mit 250 oder mehr Beschäftigten nannten 59 Prozent Bürokratie als größtes Standortproblem. Bei mittleren Unternehmen waren es 58 Prozent, bei kleinen Unternehmen 50 Prozent. Kleinstunternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitenden kamen auf 41 Prozent, Solo-Selbständige auf 33 Prozent. ifo Institut

Das bedeutet nicht, dass kleine Betriebe keine Bürokratie erleben. Im Gegenteil: Für einen kleinen Betrieb kann bereits ein einzelnes kompliziertes Verfahren eine erhebliche Belastung darstellen. Größere Unternehmen sind jedoch oft gleichzeitig von mehreren Regelwerken betroffen – etwa vom Arbeitsrecht, von Berichtspflichten, dem Datenschutz, Umweltauflagen, Lieferkettenanforderungen und Genehmigungsverfahren.

Mit wachsender Unternehmensgröße greifen viele dieser Pflichten gleichzeitig. Die Organisation wird dadurch nicht automatisch effizienter. Häufig müssen zusätzliche Stellen geschaffen werden, die sich ausschließlich mit Verwaltung, Nachweisen und Compliance beschäftigen.

Je nach Branche sieht die Belastung anders aus

Auch zwischen den Wirtschaftsbereichen gibt es Unterschiede. In der Industrie nannten 39 Prozent der befragten Unternehmen die Energiekosten als Standortproblem. Im Dienstleistungssektor lag dieser Anteil bei 17 Prozent.

Das Baugewerbe verwies überdurchschnittlich häufig auf fehlende Fachkräfte. 29 Prozent nannten diesen Punkt. 13 Prozent kritisierten langwierige Genehmigungsverfahren. Im Handel stand dagegen die schwache Nachfrage stärker im Vordergrund: 25 Prozent nannten die allgemeine Wirtschafts- und Auftragslage als Problem. ifo Institut

Diese Unterschiede sind wichtig. Sie zeigen, dass es keine einzelne Maßnahme geben kann, die alle Probleme löst. Unternehmen brauchen je nach Branche unterschiedliche Entlastungen. Für einen Industriebetrieb stehen Energiepreise und Genehmigungen im Mittelpunkt. Für ein Bauunternehmen zählt, wie schnell ein Projekt genehmigt werden kann. Für den Handel ist die Nachfrage entscheidend.

Bürokratie betrifft allerdings alle – und sie verstärkt viele dieser Probleme. Sie macht Energieprojekte langsamer, Bauvorhaben komplizierter und Investitionen unsicherer.

Warum die Umfrage besonders aussagekräftig ist

Die ifo-Erhebung hatte keine vorgegebenen Antwortkategorien. Die Unternehmen konnten frei formulieren, was sie aktuell als größtes Standortproblem empfinden. Die Antworten wurden anschließend festen Themenfeldern zugeordnet. Mehrfachnennungen waren möglich, deshalb summieren sich die Anteile auf mehr als 100 Prozent.

Diese Methodik ist aussagekräftig, weil sie den Unternehmen nicht vorgibt, worüber sie sprechen sollen. Sie zeigt, welche Themen tatsächlich aus Sicht der Betriebe im Vordergrund stehen. Dass Bürokratie und Regulierung dabei von der Hälfte der Unternehmen genannt werden, ist ein deutlicher Befund.

Neben den drei größten Problemfeldern nannten die Unternehmen außerdem den Fachkräftemangel mit 17 Prozent, politische Rahmenbedingungen mit 16 Prozent, Steuern und Abgaben mit 13 Prozent sowie fehlende Planungssicherheit ebenfalls mit 13 Prozent. ifo Institut

Was jetzt geschehen muss

Die Debatte über Bürokratie darf nicht bei allgemeinen Absichtserklärungen stehen bleiben. Unternehmen brauchen konkrete Entlastung. Dazu gehören aus meiner Sicht fünf Punkte:

  1. Regeln müssen verständlicher werden. Unternehmen müssen schnell erkennen können, welche Anforderungen für sie gelten und wie sie diese erfüllen.
  2. Genehmigungen müssen schneller erfolgen. Lange Verfahren blockieren Investitionen und machen Projekte unkalkulierbar.
  3. Berichtspflichten müssen reduziert werden. Was bereits an einer Stelle dokumentiert wurde, darf nicht mehrfach in unterschiedlichen Formaten abgefragt werden.
  4. Vorgaben müssen praxistauglich sein. Neue Regeln sollten vor ihrer Einführung darauf geprüft werden, was sie im Arbeitsalltag eines kleinen, mittleren oder großen Unternehmens tatsächlich auslösen.
  5. Politische Entscheidungen müssen planbarer werden. Investitionen brauchen Verlässlichkeit über mehrere Jahre – nicht ständig neue Anforderungen und kurzfristige Änderungen.

Digitalisierung kann dabei helfen. Sie ersetzt aber keine Vereinfachung. Ein kompliziertes Verfahren wird nicht automatisch besser, nur weil es online angeboten wird. Ein digitalisiertes Formular bleibt belastend, wenn die zugrunde liegende Regel unnötig kompliziert ist.

Düsseldorf braucht Tempo und Verlässlichkeit

Düsseldorf ist ein starker Wirtschaftsstandort mit einer vielfältigen Unternehmenslandschaft. Hier sitzen internationale Konzerne, innovative Mittelständler, Handwerksbetriebe, Start-ups, Dienstleister und Solo-Selbständige. Sie alle tragen zur wirtschaftlichen Stärke unserer Stadt bei.

Damit das so bleibt, müssen Unternehmen ihre Energie in Wertschöpfung und Innovation investieren können – nicht in vermeidbare Verwaltung. Die Stadt, das Land und der Bund sind deshalb gleichermaßen gefordert, Verfahren zu beschleunigen, Zuständigkeiten zu klären und Regelungen konsequent auf ihre Notwendigkeit zu prüfen.

Wir sollten dabei nicht nur fragen, welche neue Vorschrift noch eingeführt werden kann. Wir sollten ebenso fragen, welche alte Vorschrift entfallen, vereinfacht oder zusammengeführt werden kann.

Mein Fazit: Die Diagnose ist klar

Eigentlich wissen wir das alles schon. Die Betriebe in Düsseldorf berichten uns tagtäglich davon. Aber die neue ifo-Auswertung macht aus vielen einzelnen Erfahrungen ein klares Gesamtbild: Bürokratie und Regulierung sind kein Randthema. Sie gehören zum größten Standortproblem der deutschen Wirtschaft.

Jetzt geht es darum, aus der Diagnose Konsequenzen zu ziehen. Weniger Bürokratie bedeutet nicht weniger Verantwortung. Es bedeutet bessere, klarere und wirksamere Regeln. Es bedeutet mehr Zeit für Beschäftigte, Kunden, Innovation und Investitionen.

Deutschland und Düsseldorf haben starke Unternehmen, engagierte Menschen und große Ideen. Was wir brauchen, sind Rahmenbedingungen, die diese Stärken nicht ausbremsen.

Die Unternehmen haben ihre Rückmeldung längst gegeben. Jetzt muss die Politik daraus handeln.

Quelle

ifo Institut: „Jedes zweite Unternehmen sieht Bürokratie als größtes Standortproblem“, 21. September 2026. Die Angaben beruhen auf einer Sonderfrage der ifo Konjunkturumfrage vom Juli 2026 mit 4.449 ausgewerteten Antworten.

Zur ifo-Auswertung

Henkel plant neues MINT-Bildungszentrum für mehr als 10.000 Kinder und Jugendliche pro Jahr

Foto: HENKEL FORSCHERWELT

Von Christoph Sochart

Neugier ist der Anfang von Bildung. Wer Fragen stellt, Dinge ausprobiert und eigene Lösungen entwickelt, lernt nicht nur Fakten, sondern gewinnt Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Genau hier setzt die Bildungsinitiative „Henkel Forscherwelt“ an, die Henkel jetzt deutlich ausbauen will.

Anlässlich des 150-jährigen Firmenjubiläums plant das Unternehmen ein neues MINT-Bildungszentrum am Düsseldorfer Hauptsitz in Holthausen. Langfristig sollen dort und in der Region mehr als 10.000 Kinder und Jugendliche pro Jahr erreicht werden. Für Düsseldorf ist das eine wichtige Nachricht – und ein starkes Signal für die Bedeutung von Bildung, Innovation und gesellschaftlicher Verantwortung.

Henkel ist ein Mitgliedsunternehmen unserer Unternehmerschaft Düsseldorf. Dass das Unternehmen sein Bildungsengagement gerade am Düsseldorfer Standort weiterentwickelt, freut mich deshalb besonders. Es zeigt, wie eng wirtschaftliche Stärke, Verantwortung für die Stadt und Investitionen in die nächste Generation miteinander verbunden sind.

Ein Lernort für Kinder, Jugendliche und Familien

Das geplante MINT-Zentrum soll in unmittelbarer Nähe zum Henkel-Werksgelände in Düsseldorf-Holthausen entstehen. Es wird als außerschulischer Lern- und Begegnungsort konzipiert und soll die Bildungslandschaft der Stadt dauerhaft ergänzen.

MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. In diesen Bereichen entstehen viele der Lösungen, die unsere Gesellschaft künftig braucht – von neuen Materialien und nachhaltiger Produktion bis zu digitaler Technologie und moderner Medizin.

Damit Kinder und Jugendliche für diese Themen begeistert werden, reicht es nicht, ihnen abstrakte Formeln und Definitionen zu vermitteln. Sie müssen selbst experimentieren, beobachten, Fragen stellen und Zusammenhänge entdecken können. Genau das soll im neuen Zentrum möglich werden.

Vormittags können Grundschulkinder im Rahmen des Unterrichts naturwissenschaftliche Phänomene praktisch erleben. Am Nachmittag und in den Ferien soll es Angebote für Kinder, Jugendliche und Familien geben. Schrittweise soll das Programm auf weiterführende Schulen und die Berufsorientierung ausgeweitet werden.

Bildung muss möglichst vielen offenstehen

Besonders wichtig finde ich den Anspruch, möglichst viele junge Menschen zu erreichen – unabhängig von ihrer Herkunft oder ihrem sozialen Umfeld. Gute Bildungsangebote dürfen keine Frage des Geldbeutels oder der familiären Voraussetzungen sein.

Das neue MINT-Zentrum soll deshalb offen für Kooperationen mit Schulen, Ganztagseinrichtungen und sozialen Trägern sein. Auf diese Weise können unterschiedliche Partner ihre Erfahrungen einbringen und gemeinsam dazu beitragen, Zugangshürden abzubauen.

Gerade für Kinder, die zu Hause vielleicht nicht selbstverständlich mit technischen oder naturwissenschaftlichen Themen in Berührung kommen, können solche Angebote wichtige Türen öffnen. Ein Experiment, das gelingt, ein selbst gebautes Modell oder eine überraschende Beobachtung können der Ausgangspunkt für ein langfristiges Interesse sein.

Foto: HENKEL FORSCHERWELT

Henkel Forscherwelt erreicht bereits mehr als 130.000 Kinder

Die geplante Einrichtung in Düsseldorf baut auf einer Initiative auf, die Henkel bereits seit 2011 verfolgt. In der „Forscherwelt“ arbeiten Kinder wie große Forscherinnen und Forscher. Sie lernen naturwissenschaftliche Zusammenhänge durch praktische Experimente und altersgerechte Lernformate kennen.

Mehr als 130.000 Kinder haben weltweit bereits an Angeboten der Forscherwelt teilgenommen. Die Initiative ist heute in mehr als 20 Ländern aktiv. Bis Ende 2030 sollen vier weitere Forscherwelt-Labore weltweit entstehen. Zusätzlich sind mobile Angebote in sechs weiteren Ländern geplant. Die Zahl der Länder, in denen die Forscherwelt aktiv ist, soll damit auf mehr als 30 steigen.

Für das Gesamtprojekt investiert Henkel bis 2030 einen zweistelligen Millionenbetrag. Das ist eine erhebliche Summe. Noch wichtiger ist aber die langfristige Wirkung, die mit einer solchen Investition verbunden sein kann: Kinder und Jugendliche erleben Bildung nicht nur als Unterricht, sondern als Möglichkeit, die Welt selbst zu verstehen und mitzugestalten.

Düsseldorf als Bildungs- und Wissensstandort

Düsseldorf ist ein innovativer Bildungs- und Wissensstandort. Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Unternehmen, Schulen, das Netzwerk „zdi MINT-Düsseldorf“ der Stiftung Pro Ausbildung, das Kompetenzzentrum Berufliche Orientierung, die Agentur für Arbeit, die IHK und HWK, die Kreishandwerkerschaft und weitere Initiativen leisten gemeinsam wichtige Beiträge dazu, junge Menschen auf eine sich verändernde Arbeitswelt vorzubereiten.

Das geplante MINT-Zentrum von Henkel kann dieses Netzwerk sinnvoll ergänzen. Es verbindet die Perspektive eines international tätigen Unternehmens mit konkreten Bildungsangeboten vor Ort. Kinder und Jugendliche erhalten die Möglichkeit, Wissenschaft und Technik praktisch zu erleben – und zugleich einen Einblick in die Welt moderner Industrie zu gewinnen.

Das ist auch für die Berufsorientierung von Bedeutung. Viele junge Menschen wissen zunächst wenig darüber, wie vielfältig technische und naturwissenschaftliche Berufe sind. Ein außerschulischer Lernort kann helfen, Berührungsängste abzubauen und Talente sichtbar zu machen.

Dabei geht es nicht darum, jedes Kind für einen technischen Beruf zu gewinnen. Es geht darum, Interessen zu entdecken, Fähigkeiten zu entwickeln und Optionen zu eröffnen. Wer früh erlebt, dass die eigenen Fragen ernst genommen werden, geht oft selbstbewusster seinen weiteren Bildungsweg.

Frühe Förderung ist eine Investition in die Zukunft

Die Ergebnisse internationaler Bildungsstudien zeigen, wie wichtig zusätzliche Anstrengungen sind. Investitionen in Bildung zahlen sich nicht immer sofort aus. Sie wirken langfristig – in besseren Bildungswegen, mehr Chancengerechtigkeit, höherer Innovationsfähigkeit und einer stärkeren Gesellschaft.

Henkel-Vorstandsvorsitzender Carsten Knobel hat darauf hingewiesen, dass gerade die jüngsten PISA-Ergebnisse die Bedeutung von Bildungsangeboten unterstreichen. Dem kann ich nur zustimmen. Wenn wir Kindern und Jugendlichen bessere Chancen geben wollen, müssen wir früh beginnen und unterschiedliche Lernorte miteinander verbinden.

Auch Dr. Simone Bagel-Trah, Schirmherrin der Forscherwelt und Vorsitzende des Aufsichtsrats sowie des Gesellschafterausschusses von Henkel, betont die Bedeutung von Neugier und Entdeckergeist für Lernen und Innovation. Diese Haltung ist entscheidend: Bildung beginnt nicht erst mit dem Auswendiglernen, sondern mit der Bereitschaft, die Welt verstehen zu wollen.

Wirtschaft übernimmt Verantwortung

Unternehmen sind nicht nur Arbeitgeber und Steuerzahler. Sie sind auch Teil der Gesellschaft, in der sie tätig sind. Gerade große und international erfolgreiche Unternehmen können mit ihrer Erfahrung, ihren Fachleuten und ihren Ressourcen dazu beitragen, Bildungsangebote zu stärken.

Das Engagement von Henkel zeigt, wie ein solcher Beitrag aussehen kann. Es geht nicht um eine kurzfristige Aktion, sondern um eine langfristige Bildungsinitiative mit internationaler Reichweite und einem festen Bezug zum Standort Düsseldorf.

Als Mitgliedsunternehmen unserer Unternehmerschaft Düsseldorf steht Henkel damit beispielhaft für eine Wirtschaft, die Verantwortung übernimmt und sich in die Entwicklung unserer Stadt einbringt. Eine starke Bildungslandschaft ist im Interesse aller: der Kinder und Familien, der Schulen, der Unternehmen und der gesamten Stadtgesellschaft.

Mein Fazit: Neugier braucht Räume

Das geplante MINT-Bildungszentrum in Düsseldorf-Holthausen ist ein Zukunftsprojekt. Es schafft einen Ort, an dem Kinder und Jugendliche experimentieren, forschen und eigene Ideen entwickeln können. Gleichzeitig stärkt es die Verbindung zwischen Schule, Familie, Wirtschaft und Gesellschaft.

Mehr als 10.000 junge Menschen pro Jahr zu erreichen, ist ein ambitioniertes Ziel. Ich bin überzeugt, dass sich dieser Anspruch lohnt. Denn jeder junge Mensch, der durch ein solches Angebot seine Begeisterung für Naturwissenschaften, Technik oder Innovation entdeckt, nimmt etwas Wichtiges mit: die Erfahrung, selbst etwas herausfinden und gestalten zu können.

Düsseldorf braucht solche Orte. Orte, an denen Neugier willkommen ist. Orte, an denen Bildung praktisch, offen und erfahrbar wird. Und Orte, an denen die nächste Generation nicht nur auf die Zukunft vorbereitet wird, sondern sie bereits selbst mitgestaltet.

Wer Kindern Raum zum Forschen gibt, eröffnet ihnen Wege in die Zukunft.

Quelle

Grundlage dieses Beitrags sind die vorliegenden Informationen von Henkel zum geplanten MINT-Bildungszentrum in Düsseldorf-Holthausen und zum Ausbau der Initiative „Henkel Forscherwelt“. Weitere Informationen: www.henkel-forscherwelt.de.

RHEINMETALL erprobt bei REPMUS26 unbemannte Systeme zum Schutz maritimer Infrastruktur

Foto: RHEINMETALL

Von Christoph Sochart

Maritime Infrastruktur ist für unsere moderne Gesellschaft von zentraler Bedeutung. Häfen, Schifffahrtswege, Energieanlagen auf See und unterseeische Leitungen sind Teil kritischer Versorgungsstrukturen. Ihr Schutz wird deshalb zu einer immer wichtigeren sicherheitspolitischen und technologischen Aufgabe.

Umso bemerkenswerter ist die aktuelle Beteiligung von RHEINMETALL an der multinationalen Erprobungsübung REPMUS26 in Portugal. RHEINMETALL ist ein Mitgliedsunternehmen unserer Unternehmerschaft Düsseldorf. Als international führendes Systemhaus für Sicherheit bringt das Unternehmen seine Erfahrung in die Entwicklung und Erprobung vernetzter, unbemannter Systeme für maritime Operationen ein.

Die Übung läuft noch bis zum 25. September 2026. Auf der Halbinsel Troia und in den umliegenden portugiesischen Seegebieten arbeiten Marinen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen gemeinsam daran, neue Technologien unter möglichst realistischen Bedingungen zu testen.

Vom Meeresboden bis in den Weltraum

REPMUS steht für „Robotic Experimentation and Prototyping with Maritime Unmanned Systems“. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie unbemannte Systeme künftig gemeinsam eingesetzt werden können – auf, unter und über dem Wasser sowie in Verbindung mit weiteren Aufklärungs- und Führungssystemen.

Dabei geht es nicht allein darum, möglichst leistungsfähige einzelne Plattformen zu entwickeln. Entscheidend ist vielmehr, dass unterschiedliche Systeme miteinander kommunizieren und ihre Informationen zu einem gemeinsamen Lagebild zusammenführen.

Genau darin liegt aus meiner Sicht der zentrale Wert des Ansatzes von RHEINMETALL: Sicherheit entsteht nicht durch Einzellösungen, sondern durch das intelligente Zusammenspiel von Sensoren, Plattformen, Daten und den Menschen, die daraus die richtigen Entscheidungen ableiten.

Interoperabilität als Schlüssel

Der vernetzte Einsatz unbemannter Systeme kann beim Schutz kritischer maritimer Infrastruktur eine wichtige Rolle spielen. Strategisch wichtige Hafenanlagen, küstennahe Seegebiete und maritime Versorgungswege müssen überwacht und im Ernstfall schnell geschützt werden können.

Dafür braucht es ein möglichst umfassendes und aktuelles Lagebild. Werden die Daten verschiedener Sensoren miteinander verbunden, können Gefahren frühzeitiger erkannt und abgestufte, präzise Reaktionen vorbereitet werden.

Die entscheidende Frage lautet deshalb: Können Systeme unterschiedlicher Typen und verschiedener Hersteller zuverlässig zusammenarbeiten? Interoperabilität – also die Fähigkeit zur nahtlosen Zusammenarbeit – wird damit zu einem wesentlichen Faktor strategischer Sicherheit.

Ein mobiler Gefechtsstand für den Hafenschutz

Ein wichtiger Bestandteil des diesjährigen Beitrags von RHEINMETALL ist ein containerisiertes und verlegbares Demonstrations-Setup. Dieses dient der Deutschen Marine während der vierwöchigen Übung als mobiler Befehls- und Gefechtsstand für den operativen Hafenschutz.

Eine solche mobile Lösung zeigt, wie technologische Fähigkeiten dorthin gebracht werden können, wo sie gebraucht werden. Gerade bei dynamischen maritimen Lagen kommt es darauf an, Informationen schnell zu erfassen, zu bewerten und in konkrete Handlungsoptionen zu übersetzen.

Das Ziel ist eine belastbare Entscheidungsgrundlage – unabhängig davon, ob die relevanten Informationen von einer Plattform auf dem Wasser, von einem Unterwassersystem oder von anderen Aufklärungsmitteln stammen.

Offene Architektur schafft Raum für Innovation

Das technologische Rückgrat des Set-ups bildet die RHEINMETALL Battlesuite, die auf der Middleware Tactical Core der blackned GmbH basiert. Die offene Integrationsarchitektur ermöglicht es, Sensorik, Effektoren und Missionsmodule verschiedener Technologiepartner flexibel und anwendungsbezogen einzubinden.

Diese Offenheit ist für die Entwicklung moderner Sicherheitstechnologien von großer Bedeutung. Innovation entsteht häufig dort, wo unterschiedliche Kompetenzen zusammenkommen. Eine offene technische Architektur erleichtert es, neue Lösungen zu integrieren und unter realen Bedingungen zu erproben.

Für Kunden und operative Nutzer bedeutet das zugleich mehr Anpassungsfähigkeit. Systeme können Schritt für Schritt weiterentwickelt werden, ohne dass für jede neue Fähigkeit die gesamte technologische Grundlage ersetzt werden muss.

Besonderer Fokus auf Unterwassersensorik

Ein Schwerpunkt der Erprobung bei REPMUS26 liegt auf unbemannter Unterwassersensorik. Gemeinsam mit namhaften Industriepartnern arbeitet RHEINMETALL daran, ein durchhaltefähiges Lagebild unter Wasser zu erzeugen.

Die Bediener sollen in die Lage versetzt werden, mehrere unbemannte Systeme unterschiedlicher Typen und Hersteller über eine gemeinsame Benutzeroberfläche zu steuern. Das kann die Übersicht verbessern und den Einsatz komplexer Systeme im operativen Alltag erleichtern.

Gerade unter Wasser sind Aufklärung und Kommunikation mit besonderen Herausforderungen verbunden. Die Erprobung in einem realitätsnahen multinationalen Umfeld bietet deshalb die Möglichkeit, technologische Konzepte nicht nur theoretisch zu betrachten, sondern praktisch zu validieren und weiterzuentwickeln.

Entwicklung im Dialog mit den Anwendern

„REPMUS bietet uns eine hervorragende Möglichkeit, unsere Prototypenentwicklung in realitätsnahen Szenarien zu erproben“, erklärt Gregor Mannherz, Delegationsleiter von RHEINMETALL. Gemeinsam mit den operativen Experten der Kundenmarinen und Behörden könne das Unternehmen seine Produkte und Lösungen effizienter gestalten und die Entwicklung zielgerichtet beschleunigen.

Dieser Austausch zwischen Industrie, Forschung und den späteren Anwendern ist entscheidend. Technologische Entwicklung darf nicht im geschlossenen Raum stattfinden. Sie muss sich an konkreten Einsatzanforderungen orientieren und von den Erfahrungen der Menschen profitieren, die mit den Systemen arbeiten.

Ein Beitrag zur Sicherheit von Versorgungswegen

Die maritime Wirtschaft verbindet Kontinente, Märkte und Menschen. Weltweite Versorgungswege sind für die Wirtschaftskraft und die Stabilität unserer Gesellschaft unverzichtbar. Ihre Sicherheit ist deshalb nicht nur eine militärische, sondern auch eine wirtschaftliche und gesellschaftliche Aufgabe.

RHEINMETALL leistet mit der Beteiligung an REPMUS26 einen Beitrag dazu, kollaborative Einsatzkonzepte zu validieren und die Interoperabilität unbemannter Systeme zu erhöhen. Damit wird eine Grundlage geschaffen, um maritime Infrastruktur künftig besser zu überwachen und die Verteidigungsfähigkeit der NATO-Partner weiter zu stärken.

Als Mitgliedsunternehmen unserer Unternehmerschaft Düsseldorf steht RHEINMETALL zugleich beispielhaft für die technologische Leistungsfähigkeit und internationale Verantwortung von Unternehmen aus unserem Netzwerk. Die Beteiligung an REPMUS26 zeigt, wie wichtig Forschung, industrielle Kompetenz und internationale Zusammenarbeit sind, wenn es um die Lösungen für die Sicherheitsfragen von morgen geht.

Mein Fazit

Die Zukunft maritimer Sicherheit wird maßgeblich von der Fähigkeit abhängen, Daten, Systeme und Menschen miteinander zu verbinden. Unbemannte Plattformen können dabei wertvolle Fähigkeiten liefern. Ihren vollen Nutzen entfalten sie aber erst dann, wenn sie interoperabel sind und in ein gemeinsames Lagebild integriert werden können.

Die Erprobung bei REPMUS26 ist deshalb mehr als eine technologische Demonstration. Sie ist ein wichtiger Praxistest für die Zusammenarbeit von Streitkräften, Forschung und Industrie.

Ich begrüße es sehr, dass unser Mitgliedsunternehmen RHEINMETALL seine Kompetenz in dieses internationale Projekt einbringt. Denn technologische Souveränität, industrielle Stärke und internationale Kooperation gehören zusammen. Sie schaffen die Voraussetzungen dafür, maritime Infrastruktur zu schützen und die Versorgungswege unserer vernetzten Welt sicherer zu machen.

Sicherheit beginnt mit Vernetzung – und Vernetzung beginnt mit Zusammenarbeit.

Quelle

Grundlage dieses Beitrags sind Informationen von RHEINMETALL zur Beteiligung an der multinationalen Erprobungsübung REPMUS26 in Portugal.

160 Jahre Stadtwerke Düsseldorf: Ein Tag voller Energie für unsere Stadt

Stadtwerke Düsseldorf (v.l.): Stadtwerke-Aufsichtsratsvorsitzende Colette Rückert-Hennen, Stadtwerke-Vorstandsvorsitzender Julien Mounier und Düsseldorfs Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller. Archivfoto: STADTWERKE

Von Christoph Sochart

Am 20. September feiern die Stadtwerke Düsseldorf ihren 160. Geburtstag. Für Unternehmerschaft Düsseldorf ist dieses Jubiläum weit mehr als ein Blick zurück auf eine lange Unternehmensgeschichte. Es ist ein Anlass, Danke zu sagen – und gemeinsam mit den Menschen in Düsseldorf nach vorne zu schauen.

Seit 1866 begleiten die Stadtwerke die Entwicklung unserer Stadt. Damals nahm das erste städtische Gaswerk seinen Betrieb auf. Seitdem hat sich Düsseldorf immer wieder verändert: Gasbeleuchtung wurde durch moderne Energieversorgung ergänzt, die zentrale Wasserversorgung entstand, Strom und Fernwärme hielten Einzug in den Alltag. Bereits 1896 fuhr die erste elektrische Straßenbahn durch Düsseldorf. Seit 1928 wird Fernwärme aus dem Kraftwerk Flingern geliefert.
Heute sorgen die Stadtwerke dafür, dass Trinkwasser fließt, Wohnungen warm bleiben und die Lichter angehen. Viele dieser Leistungen nehmen wir im Alltag ganz selbstverständlich wahr. Gerade deshalb ist es wichtig, sich bewusst zu machen, wie viel Verlässlichkeit, technische Entwicklung und Engagement hinter einer sicheren Versorgung stehen.

Danke für 160 Jahre Vertrauen

Ein Jubiläum wie dieses gehört nicht nur dem Unternehmen. Es gehört vor allem den Menschen, die in Düsseldorf leben und arbeiten. Generationen von Düsseldorferinnen und Düsseldorfern sind mit den Stadtwerken aufgewachsen. Sie haben erlebt, wie sich die Stadt verändert hat – und wie die Stadtwerke diese Veränderungen begleitet und mitgestaltet haben.

Deshalb möchten die Stadtwerke an ihrem Jubiläumssonntag etwas zurückgeben. Der 20. September soll ein Tag werden, an dem Versorgung, Nachhaltigkeit, Gemeinschaft und Lebensfreude zusammenkommen.
Der Tag beginnt um 10 Uhr mit einer Baumpflanzaktion im Grafenberger Wald. Gemeinsam mit dem Düsseldorfer Reiter- und Rennverein werden 16 Bäume gepflanzt. Für jeden dieser Bäume übernehmen die Stadtwerke eine Patenschaft und unterstützen damit das Aufforstungsprojekt Grafenberg.
Das ist ein schönes Zeichen: Wer 160 Jahre zurückblickt, darf zugleich Verantwortung für die Zukunft übernehmen. Bäume wachsen nicht über Nacht. Sie brauchen Zeit, Pflege und Geduld – genauso wie eine nachhaltige Stadtentwicklung.

Zukunft beginnt mit den Kindern

Am Mittag stehen die Kinder und Jugendlichen im Mittelpunkt. Von 12 bis 14 Uhr sind die Stadtwerke beim Weltkindertag am Rheinufer am Stand des Düsseldorfer Kinderschutzbundes dabei.

Dort können junge Besucherinnen und Besucher spielerisch etwas über Umwelt und Natur erfahren und unter Anleitung Insektenhotels bauen. Besonders freue ich mich auf die Kinder-Pressekonferenz, bei der sich die Vorstände der Stadtwerke den Fragen junger Nachhaltigkeitsreporterinnen und -reporter stellen.

Solche Begegnungen sind wertvoll. Kinder fragen direkt, neugierig und ohne Umwege. Sie wollen wissen, woher unser Wasser kommt, wie Energie entsteht und was Unternehmen für den Klimaschutz tun. Diese Fragen verdienen ehrliche Antworten. Denn die Energiewende ist nicht nur ein technisches Projekt. Sie betrifft den Alltag der nächsten Generation.

Ein Fest im Stadtwerke-Park

Ab 14 Uhr laden die Stadtwerke zum Parkfest in den Stadtwerke-Park an der Kettwiger Straße in Flingern ein. Rund um den Trinkbrunnen gibt es Musik, Aktionen und Informationen zum Düsseldorfer Trinkwasser.

Auch die Initiative „Sport im Park“ ist dabei und lädt dazu ein, selbst aktiv zu werden. Das passt gut zu einem Geburtstag, der nicht nur von Zahlen und historischen Meilensteinen erzählen möchte. Energie bedeutet schließlich auch Bewegung, Begegnung und gemeinsames Erleben.

Der Trinkbrunnen im Mittelpunkt des Festes erinnert zugleich an etwas, das für eine Stadt von elementarer Bedeutung ist: sauberes und verfügbares Trinkwasser. Was für uns selbstverständlich erscheint, ist eine der wichtigsten Leistungen moderner Infrastruktur.

Zusammenhalt, der ankommt

Zum Abschluss des Tages übergeben die Stadtwerke 160 Hilfspakete an den Gute-Nacht-Bus. Die mobile nächtliche Nothilfe unterstützt obdachlose Menschen in Düsseldorf.

Diese Aktion macht deutlich, dass Verantwortung nicht an den Grenzen des eigenen Geschäftsmodells endet. Eine Stadt ist dann stark, wenn sie auch diejenigen im Blick behält, die Unterstützung brauchen. Das Jubiläum wird damit zu einem Zeichen des Zusammenhalts.

Auch der Online-Jubiläumskalender begleitet den Countdown bis zum 20. September. Seit dem 5. September werden insgesamt 160 Preise verlost – darunter Tickets für Düsseldorfer Sportveranstaltungen, Fanartikel, ein Balkonkraftwerk und ein E-Bike-Gutschein im Wert von 1.600 Euro.

Mit Zuversicht nach vorn

160 Jahre Stadtwerke Düsseldorf stehen für 160 Jahre Verlässlichkeit. Sie stehen aber ebenso für Wandel. Aus dem Gaswerk von 1866 ist ein modernes Infrastrukturunternehmen geworden, das heute an einer nachhaltigen und bezahlbaren Energie- und Wärmeversorgung arbeitet.

Die kommenden Jahre werden anspruchsvoll. Die Energieversorgung muss klimafreundlicher werden, gleichzeitig sicher und für die Menschen bezahlbar bleiben. Dafür braucht es Investitionen, neue Technologien und den Mut, Dinge weiterzuentwickeln. Es braucht aber auch Vertrauen und einen offenen Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern.

Der Jubiläumstag verbindet deshalb Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft: Wir erinnern uns an die Entwicklung unserer Stadt, feiern gemeinsam mit den Menschen und übernehmen Verantwortung für das, was vor uns liegt.

Herzlichen Glückwunsch zum 160. Geburtstag und danke für 160 Jahre Energie für Düsseldorf.

NRW vor einer harten Metall-Tarifrunde: Jetzt zählt die Wettbewerbsfähigkeit

Lena zeigt das neue Informationsmaterial zur neuen Tarifrunde. Foto: Christoph Sochart

Von Christoph Sochart

Die nordrhein-westfälische Metall- und Elektroindustrie steht vor einer schwierigen Tarifrunde. Am 31. Oktober läuft der Tarifvertrag für die Beschäftigten aus. Die erste Verhandlungsrunde in Nordrhein-Westfalen ist für den 7. Oktober angesetzt. Ab dem 1. November wären Warnstreiks möglich.

Die Ausgangslage ist angespannt. Jeden Monat gehen in der Branche rund 2.000 Arbeitsplätze verloren. Allein im ersten Halbjahr 2026 waren es nach Angaben von METALL NRW durchschnittlich 2.454 Stellen pro Monat. Die Zahl der Beschäftigten ist in Nordrhein-Westfalen inzwischen auf rund 643.000 gesunken. In den 1970er-Jahren arbeiteten noch mehr als eine Million Menschen in der Branche.

Es geht dabei nicht nur um Arbeitsplätze. Es geht um industrielle Wertschöpfung, um gut bezahlte Beschäftigung und um die Zukunft zahlreicher Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

„Die Lage ist schwierig“

In einem Journalistengespräch mit Arnd Kirchhoff, das in der Rheinischen Post dokumentiert wurde, beschrieb der Präsident von METALL NRW die Situation deutlich: Deutschland verzeichne seit sieben Jahren kein Wachstum. Die nordrhein-westfälische Metall- und Elektroindustrie befinde sich in einer anhaltenden Schwächephase.

Das aktuelle Produktionsniveau liegt demnach rund 27 Prozent unter dem Vorkrisenniveau von 2018. Die Umsätze der Branche bewegen sich gerade einmal auf dem Niveau von vor sieben Jahren. Auch zusätzliche Aufträge, etwa aus dem Rüstungsbereich, haben bislang keine breit angelegte Erholung der Produktion ausgelöst.

Die Ursachen sind vielfältig: Auf die Corona-Pandemie folgten der russische Angriff auf die Ukraine, die Energie- und Gaskrise sowie weitere geopolitische Spannungen. Gleichzeitig sind die Kosten an deutschen Produktionsstandorten erheblich gestiegen.

Arnd Kirchhoff machte in dem von der Rheinischen Post dokumentierten Journalistengespräch deutlich, dass sich die hohen Kosten deutscher Standorte auf dem Weltmarkt vielfach nicht mehr verdienen lassen. Das ist eine Aussage, die weit über die aktuelle Tarifrunde hinausweist.

Unternehmen sehen Standortbedingungen zunehmend kritisch

Wie ernst die Unternehmen die Lage beurteilen, zeigen die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage von Gesamtmetall. In Nordrhein-Westfalen bewerten 55 Prozent der befragten Unternehmen ihre Geschäftslage als schlecht. Bundesweit liegt dieser Wert bei 42 Prozent.

Auch die Erwartungen für 2026 sind zurückhaltend:

  • 92 Prozent der NRW-Unternehmen rechnen nicht mit einer Verbesserung ihrer Geschäftslage.
  • 71 Prozent sehen derzeit keine absehbare Normalisierung.
  • 47 Prozent erwarten einen weiteren Beschäftigungsabbau.
  • Nur 8 Prozent rechnen mit einem Aufbau von Arbeitsplätzen.
  • 51 Prozent wollen ihre Investitionen im Jahr 2026 reduzieren.

Hinzu kommt der wachsende Verlagerungsdruck. 26 Prozent der NRW-Unternehmen bauen im Ausland Arbeitsplätze auf oder planen entsprechende Schritte. Besonders betroffen sind die Bereiche Produktion und Fertigung, aber auch IT sowie Forschung und Entwicklung.

Arnd Kirchhoff bezeichnete diese Entwicklung in dem Journalistengespräch mit der Rheinischen Post als ein absolutes Warnsignal. Wenn Unternehmen den Standort deutlich schlechter bewerten als noch vor zehn Jahren, müsse allen Beteiligten klar sein, dass grundlegende Veränderungen notwendig seien.

Arbeitskosten, Energie und Bürokratie bremsen

Die Unternehmen benennen die größten Standortprobleme sehr konkret. In Nordrhein-Westfalen sehen 72 Prozent der Betriebe bei den Arbeitskosten den größten Handlungsbedarf. Es folgen die Energiekosten mit 67 Prozent, der Bürokratieaufwand mit 62 Prozent und die fehlende Planbarkeit mit 59 Prozent.

Diese Reihenfolge ist bemerkenswert. Sie zeigt, dass die aktuelle Debatte nicht auf einen einzelnen Kostenfaktor reduziert werden kann. Es geht um das Zusammenspiel aus Löhnen, Energie, Regulierung, Steuern, Abgaben und politischen Rahmenbedingungen.

Die IG Metall verweist demgegenüber darauf, dass in den Automobilwerken die Personalkosten nur einen Teil der Gesamtkosten ausmachen. Das ist ein wichtiger Hinweis. Zugleich gilt aber auch: Für arbeitsintensive Zulieferer und viele mittelständische Betriebe können die Arbeitskosten eine deutlich größere Rolle spielen als für große, stark automatisierte Produktionsstandorte.

Die Wahrheit liegt deshalb nicht in einfachen Schuldzuweisungen. Die Tarifparteien müssen die unterschiedlichen Realitäten innerhalb der Branche berücksichtigen.

Tarifrunde mit unterschiedlichen Erwartungen

Die IG Metall dürfte eine Lohnforderung von etwa sechs Prozent beschließen. Gewerkschaftsvertreter verweisen auf eine weiterhin hohe Auslastung in Teilen der Industrie. Nach einer Betriebsräte-Befragung registrieren 63 Prozent der Befragten in den Branchen der IG Metall eine gute oder sehr gute Kapazitätsauslastung.

Insbesondere der sonstige Fahrzeugbau – dazu zählen unter anderem Schiffe, Schienenfahrzeuge und Flugzeuge – sowie die Elektrotechnik entwickeln sich teilweise positiv.

Diese Perspektive muss in die Gespräche einbezogen werden. Gleichzeitig darf die Lage einzelner gut ausgelasteter Bereiche nicht mit der Situation der gesamten Metall- und Elektroindustrie gleichgesetzt werden. Zwischen Unternehmen, Branchen und Regionen gibt es erhebliche Unterschiede.

Genau deshalb ist die Forderung nach mehr Flexibilität so wichtig. Arnd Kirchhoff sagte laut dem in der Rheinischen Post dokumentierten Journalistengespräch, die Arbeitgeber verlangten keine generelle Erhöhung der Arbeitszeit. Notwendig sei aber mehr Flexibilität, weil das, was für einen Betrieb sinnvoll sei, für einen anderen zum Problem werden könne.

Einheitliche Lösungen helfen nicht jedem Betrieb

Die Tarifpolitik muss stärker auf die unterschiedlichen Bedingungen der Unternehmen reagieren. Ein international tätiger Großkonzern hat andere Möglichkeiten als ein mittelständischer Zulieferer. Ein Unternehmen mit hoher Auslastung braucht andere Regelungen als ein Betrieb, der mit Auftragseinbrüchen, Kurzarbeit oder Produktionsverlagerungen kämpft.

Mehr betriebliche Spielräume könnten helfen, Beschäftigung zu sichern und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Dazu gehören flexible Arbeitszeitmodelle, differenzierte Lösungen bei Sonderzahlungen und Vereinbarungen, die die wirtschaftliche Situation einzelner Unternehmen besser berücksichtigen.

Das bedeutet nicht, dass Tarifverträge an Bedeutung verlieren. Im Gegenteil: Gerade in schwierigen Zeiten braucht es verlässliche Regeln. Diese Regeln müssen aber ausreichend Spielraum lassen, damit Unternehmen auf unterschiedliche Marktbedingungen reagieren können.

Wettbewerbsfähigkeit darf kein Randthema sein

Arnd Kirchhoff hat in dem Journalistengespräch mit der Rheinischen Post außerdem betont, dass Politik und Sozialpartner dringend gemeinsam handeln müssten. Ziel müsse es sein, die Konkurrenzfähigkeit der heimischen Industriestandorte zu stärken.

Dazu braucht es aus meiner Sicht mehrere Schritte:

  1. Energie muss wieder planbarer und bezahlbarer werden.
    Investitionen in Deutschland benötigen verlässliche Rahmenbedingungen und international wettbewerbsfähige Energiepreise.
  2. Bürokratie muss spürbar reduziert werden.
    Unternehmen brauchen mehr Zeit für Innovation, Ausbildung und Produktion – und weniger Zeit für komplizierte Nachweis- und Berichtspflichten.
  3. Investitionen müssen sich wieder lohnen.
    Wer in Deutschland modernisieren, digitalisieren und klimafreundlich produzieren will, braucht Planungssicherheit.
  4. Tarifverträge müssen unterschiedliche Unternehmenslagen abbilden können.
    Mehr Flexibilität kann helfen, Beschäftigung zu sichern und Verlagerungen zu vermeiden.
  5. Politik und Sozialpartner müssen schneller entscheiden.
    Die wirtschaftliche Realität verändert sich schneller, als politische Prozesse häufig reagieren.

Sozialpartnerschaft ist jetzt besonders gefordert

Die kommende Tarifrunde wird schwierig. Sie wird möglicherweise auch kontrovers geführt werden. Das gehört zu einer funktionierenden Sozialpartnerschaft. Entscheidend ist aber, dass die Verhandlungen nicht ausschließlich als Verteilungskampf verstanden werden.

Es geht um die Frage, wie die industrielle Basis in Nordrhein-Westfalen erhalten und modernisiert werden kann. Es geht um Einkommen, Beschäftigung und Wettbewerbsfähigkeit. Diese Ziele stehen nicht grundsätzlich gegeneinander. Sie lassen sich aber nur erreichen, wenn die wirtschaftliche Realität berücksichtigt wird.

Die Unternehmen brauchen qualifizierte und motivierte Beschäftigte. Die Beschäftigten brauchen sichere Arbeitsplätze und faire Einkommen. Der Standort braucht Investitionen und Innovationen. Damit dieses Zusammenspiel funktioniert, müssen beide Seiten Verantwortung übernehmen.

Jetzt muss alles Priorität haben, was Wachstum schafft

Nordrhein-Westfalen ist ein Industrieland. Maschinenbau, Metallverarbeitung, Fahrzeugtechnik, Elektrotechnik und zahlreiche Zulieferbranchen prägen unseren Wohlstand. Wenn hier Arbeitsplätze verloren gehen, verschwinden nicht nur einzelne Stellen. Es gehen Know-how, Wertschöpfung und Zukunftschancen verloren.

Die Warnungen von METALL NRW sollten deshalb ernst genommen werden. Das gilt ebenso für die Anliegen der Beschäftigten und der IG Metall. Die anstehende Tarifrunde bietet die Chance, beides zusammenzubringen: faire und verlässliche Arbeitsbedingungen auf der einen Seite sowie mehr Flexibilität und Wettbewerbsfähigkeit auf der anderen.

Das in der Rheinischen Post dokumentierte Journalistengespräch mit Arnd Kirchhoff zeigt deutlich, wie groß der Handlungsdruck inzwischen ist. Politik, Arbeitgeber und Gewerkschaften müssen gemeinsam dafür sorgen, dass aus der aktuellen Talfahrt kein dauerhafter Verlust industrieller Substanz wird.

NRW braucht keine Tarifrunde, die Gewinner und Verlierer produziert. NRW braucht eine Tarifrunde, die Beschäftigung sichert, Investitionen ermöglicht und den Industriestandort wieder wettbewerbsfähiger macht.

Quelle

Grundlage dieses Beitrags sind die vorliegenden Informationen von METALL NRW sowie die Berichterstattung der Rheinischen Post über ein Journalistengespräch mit Arnd Kirchhoff, Präsident des Verbandes der Metall- und Elektro-Industrie Nordrhein-Westfalen.

Warum der Ingenieurarbeitsmarkt 2040 Anlass zur Zuversicht gibt

Von Christoph Sochart

Manchmal erzählen Zahlen zunächst eine Geschichte der Sorge. Im vierten Quartal 2025 waren in Deutschland 96.760 Stellen in Ingenieur- und Informatikberufen unbesetzt. Gleichzeitig stieg die Zahl der arbeitslosen Menschen in diesen Berufsfeldern auf 58.392 – den höchsten Stand seit Beginn der Erhebungen im Jahr 2011. Dies teilt uns der VDI in Düsseldorf mit.

Das sind Zahlen, die wir ernst nehmen müssen. Sie spiegeln die konjunkturelle Schwäche, den Strukturwandel und die Veränderungen in wichtigen Branchen wider. Gerade im Maschinenbau, in der Fahrzeugtechnik und in der Industrie werden Geschäftsmodelle neu ausgerichtet. Stellenprofile verändern sich, manche Aufgaben verschwinden, neue entstehen.

Aber ich möchte diese Entwicklung nicht als Niedergang des Ingenieurberufs verstehen. Im Gegenteil: Für mich zeigen die aktuellen Zahlen vor allem, dass wir mitten in einer Transformation stehen. Und jede Transformation eröffnet auch neue Chancen.

Der Bedarf bleibt hoch

Der aktuelle VDI/IW-Ingenieurmonitor macht deutlich: Der Fachkräftebedarf verschwindet nicht. Er verändert sich.

Auf 100 Arbeitslose in Ingenieur- und Informatikberufen kamen im vierten Quartal 2025 noch immer 166 offene Stellen. In den Maschinen- und Fahrzeugtechnikberufen lag die Zahl sogar bei 173 offenen Stellen je 100 Arbeitslose. Der strukturelle Bedarf an qualifizierten Fachkräften ist also weiterhin vorhanden – er wird derzeit nur von der konjunkturellen Lage überlagert.

Das ist eine wichtige Unterscheidung. Weniger offene Stellen als im Vorjahr bedeuten nicht automatisch, dass Deutschland künftig weniger Ingenieurinnen und Ingenieure braucht. Im Gegenteil: Die großen Aufgaben unserer Zeit sind ohne technisches Wissen kaum zu bewältigen.

Wir müssen Energieversorgung und Mobilität weiterentwickeln, digitale Systeme sicher gestalten, medizinische Innovationen voranbringen und unsere industrielle Basis modernisieren. Dafür brauchen wir Menschen, die nicht nur über Technologie sprechen, sondern sie verstehen, entwickeln und in die Praxis bringen.

Bis 2040 steckt viel Potenzial im Arbeitsmarkt

Der Ausblick des VDI/IW-Ingenieurmonitors ist deshalb bemerkenswert. In einem Best-Case-Szenario könnte die Beschäftigung in Ingenieur- und Informatikberufen bis 2040 auf rund 1,95 Millionen steigen. Das wären 194.100 zusätzliche Fachkräfte.

Der damit verbundene volkswirtschaftliche Effekt wird mit einem zusätzlichen Wertschöpfungspotenzial von bis zu 24,1 Milliarden Euro pro Jahr beziffert.

Für mich ist das eine ermutigende Botschaft: Deutschland verfügt über erhebliche Potenziale. Wir müssen sie nur besser erschließen.

Die Frage lautet deshalb nicht allein: Wo finden wir neue Fachkräfte? Sie lautet auch: Wie schaffen wir es, vorhandene Potenziale zu aktivieren, Menschen weiterzuqualifizieren und mehr Menschen für technische Berufe zu gewinnen?

Qualifizierung wird zum Schlüssel

Ein zentraler Hebel ist das sogenannte Re-Skilling – also der gezielte Erwerb neuer Kompetenzen. Wenn sich Branchen und Technologien verändern, müssen sich auch Qualifikationsprofile weiterentwickeln.

Ingenieurinnen und Ingenieure bringen häufig eine hervorragende Grundlage mit: analytisches Denken, technisches Verständnis, Problemlösungskompetenz und die Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge zu erfassen. Darauf lässt sich aufbauen.

Unternehmen sollten Weiterbildung deshalb nicht als Kostenfaktor betrachten, sondern als Investition in die eigene Zukunft. Wer Beschäftigte bei der Entwicklung neuer Kompetenzen unterstützt, hält Wissen im Unternehmen und ermöglicht zugleich berufliche Perspektiven.

Auch die Politik ist gefordert: Weiterbildung muss einfacher zugänglich, besser anerkannt und stärker an den tatsächlichen Anforderungen der Arbeitswelt ausgerichtet werden. Die Transformation gelingt nicht, wenn Menschen nur auf neue Anforderungen hingewiesen werden. Sie gelingt, wenn sie konkrete Möglichkeiten erhalten, sich darauf vorzubereiten.

Mehr Frauen für technische Berufe gewinnen

Ein besonders großes Potenzial liegt in der stärkeren Beteiligung von Frauen in Ingenieur- und Informatikberufen. Nach den Berechnungen des VDI könnten bis 2040 allein dadurch rund 91.700 zusätzliche Fachkräfte gewonnen werden.

Das ist keine abstrakte Zahl. Dahinter stehen junge Frauen, die sich für Technik interessieren, erfahrene Ingenieurinnen, die ihre Kompetenzen einbringen möchten, und viele gut ausgebildete Frauen, deren berufliche Entwicklung noch immer durch starre Arbeitsmodelle erschwert wird.

Flexible Arbeitszeiten, verlässliche Betreuungsangebote und echte Entwicklungschancen sind deshalb nicht nur Fragen der Familienfreundlichkeit. Sie sind auch zentrale Instrumente moderner Fachkräftesicherung.

Unternehmen, die Arbeitsbedingungen zeitgemäß gestalten, gewinnen nicht nur mehr Bewerberinnen. Sie werden insgesamt attraktiver – für Frauen und Männer, für jüngere und ältere Beschäftigte und für Menschen mit unterschiedlichen Lebensentwürfen.

Erfahrung ist ein Zukunftsfaktor

Auch ältere Beschäftigte müssen stärker in den Blick genommen werden. In den Fachrichtungen Maschinenbau, Metallverarbeitung, Kraftfahrzeuge, Schiffe und Flugzeuge sind 28,5 Prozent der Erwerbstätigen mindestens 55 Jahre alt.

In den kommenden Jahren werden viele von ihnen in den Ruhestand wechseln. Damit droht nicht nur ein Verlust an Arbeitskraft, sondern auch ein Verlust an Erfahrung, Wissen und praktischer Kompetenz.

Deshalb brauchen wir mehr Möglichkeiten, Wissen systematisch weiterzugeben. Mentoring, altersgemischte Teams und flexible Übergänge in den Ruhestand können dabei helfen. Wer ältere Beschäftigte länger im Erwerbsleben hält und ihre Erfahrung mit dem Wissen jüngerer Kolleginnen und Kollegen verbindet, stärkt die Innovationsfähigkeit eines Unternehmens.

Erfahrung ist kein Gegenmodell zur Veränderung. Erfahrung kann Veränderung sicherer und erfolgreicher machen.

Zuwanderung als Teil der Lösung

Deutschland wird den Fachkräftebedarf außerdem nicht allein aus dem eigenen Nachwuchs decken können. Qualifizierte Zuwanderung bleibt deshalb ein wichtiger Baustein.

Damit Menschen aus dem Ausland in Deutschland erfolgreich arbeiten können, braucht es verlässliche Verfahren, gute Sprachförderung, Anerkennung von Abschlüssen und eine Willkommenskultur in Unternehmen und Gesellschaft.

Integration ist dabei keine Einbahnstraße. Unternehmen müssen offen sein, internationale Kompetenzen nutzen und neue Kolleginnen und Kollegen gut begleiten. Wer Menschen aus anderen Ländern gewinnt, gewinnt häufig auch neue Perspektiven, Erfahrungen und Kontakte in internationale Märkte.

Technik braucht Vertrauen

Der Ingenieurarbeitsmarkt 2040 ist deshalb weit mehr als eine Frage von Stellenbesetzungen. Es geht um die Zukunftsfähigkeit unseres Landes.

Wir brauchen technische Fachkräfte, aber wir brauchen auch Vertrauen in Technik. Dieses Vertrauen entsteht dort, wo Innovation verständlich erklärt, verantwortungsvoll entwickelt und konkret erlebbar wird.

Gerade Unternehmen haben dabei eine wichtige Aufgabe. Sie können zeigen, wie technische Lösungen den Alltag verbessern, Arbeitsplätze sichern und gesellschaftliche Herausforderungen bewältigen. Sie können junge Menschen für MINT-Berufe begeistern und ihnen vermitteln, dass Ingenieurarbeit nicht nur aus Formeln und Maschinen besteht, sondern aus Ideen, Verantwortung und dem Wunsch, etwas zu bewegen.

Mein Fazit: Der Arbeitsmarkt ist in Bewegung – und genau darin liegt die Chance

Die aktuellen Zahlen sind ein Weckruf. Sie zeigen, dass konjunkturelle Schwäche und Strukturwandel Spuren hinterlassen. Sie zeigen aber ebenso, dass der langfristige Bedarf an Ingenieurinnen und Ingenieuren ungebrochen ist.

Bis 2040 können bis zu 194.100 zusätzliche Fachkräfte gewonnen werden. Dafür brauchen wir mehr Qualifizierung, bessere Chancen für Frauen, flexible Arbeitsmodelle, längere Erwerbsperspektiven für Ältere und eine gelingende Zuwanderung.

Ich bin überzeugt: Deutschlands technologische Zukunft ist kein Selbstläufer. Aber sie ist möglich. Wir verfügen über starke Hochschulen, innovative Unternehmen, engagierte Fachkräfte und eine große industrielle Erfahrung.

Jetzt kommt es darauf an, diese Stärken zusammenzuführen.

Wer heute in Menschen investiert, baut an den Lösungen von morgen.

Quelle

Grundlage dieses Beitrags ist der aktuelle VDI/IW-Ingenieurmonitor 2025/IV. Die vollständige Veröffentlichung steht beim VDI unter www.vdi.de/ingenieurmonitor zur Verfügung.

Neue Podcastfolge: Raus aus dem Schmerz – warum Bewegung mehr kann als Spritzen und Tabletten

(cs) Rücken, Nacken, Bandscheiben: Orthopädische Beschwerden gehören für viele Menschen zum Arbeitsalltag. Der Düsseldorfer Personal-Trainer Uli Magis erklärt in dieser neuen Episode der „Düsseldorfer Wirtschaft“, warum häufig nicht der Schmerz selbst, sondern eine falsche Bewegungskette die Ursache ist – und wie gezieltes Training helfen kann. Im Gespräch geht es um Führungskräfte, sitzende Arbeit, Prävention im Betrieb und die Frage, wie viel Verantwortung wir für unsere eigene Gesundheit übernehmen können.
Rückenschmerzen, Verspannungen im Nacken oder Beschwerden an Schulter und Knie gehören für viele Beschäftigte längst zum Arbeitsalltag. Wie sich solche Beschwerden durch gezieltes Training verbessern lassen können, stand im Mittelpunkt einer Veranstaltung der Unternehmerschaft Düsseldorf bei der Provinzial Versicherung in Düsseldorf-Wersten. Referent war der Sportwissenschaftler und Medical Fitness Master Trainer Uli Margies, der seit vielen Jahren Führungskräfte, Unternehmer und Unternehmen betreut.
Dazu gibt es eine neue Podcast-Episode der „Düsseldorfer Wirtschaft“ am 09. September 2026 ab 05.55 Uhr mit dem Titel „Raus aus dem Schmerz – warum Bewegung mehr kann als Spritzen und Tabletten“. Sie hören diese unter www.unternehmerschaft.de/podcast und auf Ihrer Lieblings-Podcast-Plattform.
Die spannende Veranstaltung bei der Provinzial hat unser Berichterstatter textlich und mit der Videokamera begleitet: https://kurzlinks.de/pax1

Wenn die ganze Stadt zur Bühne wird: Das Düsseldorf Festival 2026 verbindet Menschen, Orte und Kulturen

Shechter II – IN THE BRAIN. Foto: Todd MacDonald

Von Christoph Sochart

Am 16. September beginnt das Düsseldorf Festival 2026. Schon beim Blick auf die Zahlen wird deutlich, was dieses Festival so besonders macht: 19 Tage, 16 Spielorte, 37 internationale Kompanien, Bands und Künstlerinnen und Künstler sowie 75 Vorstellungen. Zahlreiche Sponsoren unterstützen das Festival, auch Mitgliedsbetriebe der Unternehmerschaft Düsseldorf

Doch Zahlen allein erzählen noch nicht die ganze Geschichte. Das Düsseldorf Festival ist vor allem ein großes Versprechen an die Stadt: Kunst kommt zu den Menschen. Sie findet nicht nur in klassischen Theatern statt, sondern auch in Kirchen, historischen Gebäuden, auf öffentlichen Plätzen und an ungewöhnlichen Orten. Düsseldorf wird zum Festivalraum – offen, neugierig und voller Überraschungen.

Ein Theaterzelt als Treffpunkt der Stadt

Im Zentrum steht auch in diesem Jahr das Theaterzelt auf dem Burgplatz. Es ist Bühne, Treffpunkt und Ausgangspunkt für viele besondere Erlebnisse. Hier begegnen sich Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt und ein Publikum, das sich auf neue Perspektiven einlässt.

Gleichzeitig führt das Festival weit über den Burgplatz hinaus. Die verschiedenen Spielorte machen sichtbar, wie vielfältig Düsseldorf ist. Kirchen werden zu Klangräumen, historische Gebäude zu Bühnen und Stadtviertel zu Orten des Erzählens. Genau diese Verbindung aus Kunst und Stadtraum macht den besonderen Charakter des Festivals aus.

Internationale Kunst, die berührt und bewegt

Das Programm ist so vielfältig wie die Stadt selbst. Zeitgenössischer Tanz trifft auf Theater, Neuer Zirkus auf Jazz, Weltmusik und Klassik. Viele Produktionen sind als Deutschland- oder NRW-Premieren zu erleben.

Mit „Pixel“ eröffnet die Kompanie Käfig von Mourad Merzouki das Festival. Urban Dance, zeitgenössische Choreografie und digitale Videokunst verbinden sich zu einem poetischen und spektakulären Auftakt.

Auch Hofesh Shechter, Sharon Eyal, Circa, Gravity & Other Myths, Nubya Garcia und Oum gehören zu den Gästen. Dazu kommen außergewöhnliche Entdeckungen wie das US-amerikanische Vokalensemble Lyyra, der belarussische Akkordeonist Yegor Zabelov oder das Projekt „Sonic Bridges“ von Mehdi Nassouli und dem Marmoucha Orchestra zum Abschluss des Festivals.

Besonders beeindruckend ist die Bandbreite der Themen: Es geht um Bewegung und Gemeinschaft, um Licht und Dunkelheit, um Natur, Rituale, kulturelle Grenzen und gesellschaftlichen Wandel. Kunst darf dabei unterhalten. Sie darf aber auch Fragen stellen, irritieren und neue Gespräche anstoßen.

Kirchen, Klänge und neue Perspektiven

Viele Veranstaltungen finden in Düsseldorfer Kirchen statt. Das Programm reicht von Verdis „Requiem“ in St. Andreas über Musik von Morricone bis Verdi in der Neanderkirche bis zu französischer Sakralmusik in der Basilika St. Lambertus.

Diese Konzerte zeigen, wie gut Tradition und Gegenwart zusammenpassen können. Kirchen sind nicht nur historische Orte. Sie sind Räume mit einer besonderen Akustik, Atmosphäre und Geschichte. Wenn dort neue Musik, internationale Stimmen und zeitgenössische Projekte zu erleben sind, entsteht eine Verbindung zwischen dem Vertrauten und dem Unerwarteten.

Gerade darin liegt eine große Stärke des Düsseldorf Festivals: Es nimmt die Orte der Stadt ernst und gibt ihnen zugleich neue Möglichkeiten.

Ein Festival, das die Menschen zusammenbringt

Formate wie die Silent Disco Walking Tour oder die neuen Veranstaltungen „Slo-Mo Disco“ und „Grief Disco“ mit Guru Dudu laden dazu ein, nicht nur zuzuschauen, sondern selbst Teil des Geschehens zu werden.

Die Stadt wird dabei zur gemeinsamen Bühne. Menschen tanzen, hören, staunen, diskutieren und entdecken ihre Umgebung neu. Vielleicht führt der Weg nach einer Vorstellung noch in ein Gespräch. Vielleicht wird ein Ort, an dem man bisher nur vorbeigegangen ist, plötzlich mit einer besonderen Erinnerung verbunden.

Das ist kulturelle Teilhabe im besten Sinne: niedrigschwellig, offen und mitten im Leben.

Die Festival-Chefs: Christiane Oxenfort & Andreas Dahmen. Foto: Susanne Diesner

Danke an die vielen Unterstützerinnen und Unterstützer

Ein Festival dieser Größe und Qualität kann nur gelingen, wenn viele Menschen, Unternehmen und Organisationen Verantwortung übernehmen. Deshalb gilt unser besonderer Dank auch in diesem Jahr wieder den Mitgliedsfirmen und befreundeten Organisationen, die das Düsseldorf Festival unterstützen und damit kulturelles Leben in unserer Stadt möglich machen.

Ein Beispiel ist das Autohaus Ulmen, das erneut die Fahrzeugflotte für den Künstlerinnen- und Künstlershuttle sowie für interne Fahrten zur Verfügung stellt. Diese Unterstützung wirkt vielleicht auf den ersten Blick im Hintergrund. Tatsächlich ist sie ein wichtiger Teil des Festivalbetriebs: Internationale Künstlerinnen und Künstler müssen zuverlässig zu ihren Auftritten, Proben und Veranstaltungsorten gelangen können.

Als neuer Hauptsponsor ist in diesem Jahr Uber dabei. Das Unternehmen verbindet das Festivalprogramm mit dem urbanen Leben und unterstützt kurze und verlässliche Wege zwischen den verschiedenen Spielorten. Auch dafür sagen wir herzlich Danke.

Die Unterstützung aus der Wirtschaft ist ein schönes Zeichen der Verbundenheit mit Düsseldorf. Unternehmen übernehmen damit nicht nur finanzielle oder logistische Verantwortung. Sie zeigen auch, dass eine lebendige Stadt mehr braucht als gute Infrastruktur und wirtschaftliche Stärke. Sie braucht Begegnungsorte, Kreativität und kulturelle Offenheit.

Kultur ist Standortqualität

Das Düsseldorf Festival ist deshalb auch ein wichtiges Signal für den Standort. Internationale Künstlerinnen und Künstler, Gäste aus der Stadt und Besucherinnen und Besucher von außerhalb erleben Düsseldorf als weltoffene, neugierige und lebendige Stadt.

Kultur schafft Verbindungen. Sie bringt Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen zusammen. Sie öffnet den Blick über die eigenen Grenzen hinaus. Und sie stärkt damit genau jene Offenheit, die eine internationale Wirtschafts- und Wissenschaftsstadt auszeichnet.

Wenn sich in Düsseldorf zeitgenössischer Tanz, klassische Musik, Jazz, Weltmusik, Zirkuskunst und Theater begegnen, dann zeigt sich darin auch die besondere Energie dieser Stadt: unterschiedliche Einflüsse kommen zusammen und entwickeln etwas Eigenes.

Vorfreude auf 19 Tage voller Begegnungen

Ich freue mich auf ein Festival, das Düsseldorf in Bewegung bringt. Auf Abende im Theaterzelt, auf Musik in Kirchen, auf Akrobatik und Tanz, auf überraschende Begegnungen und auf die vielen Menschen, die dieses Festival mit Leidenschaft und Engagement möglich machen.

Das Düsseldorf Festival 2026 lädt dazu ein, die Stadt mit neuen Augen zu sehen. Es zeigt, dass Kunst nicht auf einen einzigen Ort beschränkt ist. Sie kann dort entstehen, wo Menschen zusammenkommen – auf dem Burgplatz, in einer Kirche, in einem historischen Gebäude, im Glasmacherviertel oder mitten im öffentlichen Raum.

Allen Künstlerinnen und Künstlern, den Organisatorinnen und Organisatoren, den Förderern, Partnern, Mitgliedsfirmen und befreundeten Organisationen wünsche ich ein großartiges Festival. Und allen Besucherinnen und Besuchern wünsche ich viele besondere Momente.

Vom 16. September bis zum 4. Oktober wird Düsseldorf zur Bühne. Wir sehen uns beim Düsseldorf Festival 2026.