Konjunktur: Wir brauchen wieder unternehmerisches Vertrauen!

if-Präsident Prof. Dr. Dr. h.c. Clemens Fuest

Die gute Nachricht zuerst: Die deutsche Wirtschaft kommt wieder in Bewegung. Die schlechte: Von einem kräftigen Comeback kann noch keine Rede sein. Zwischen Exportboom, Staatsgeld und struktureller Schwäche liegt eine ziemlich große Lücke.


Von Christoph Sochart


Es ist ein bemerkenswerter Moment. Jahrelang war Deutschland das Land, das wirtschaftspolitisch vor allem über Probleme sprach: Energiepreise, Bürokratie, Fachkräftemangel, schwache Industrie, sinkende Wettbewerbsfähigkeit. Nun liefern die Wirtschaftsforschungsinstitute plötzlich eine andere Vokabel: Erholung.

Das ifo Institut erwartet für Deutschland 2026 ein reales Wachstum von 1,4 Prozent, 2027 sollen weitere 1,2 Prozent hinzukommen. Das IWH kommt für 2026 ebenfalls auf 1,4 Prozent, ist für 2027 mit 0,8 Prozent allerdings deutlich vorsichtiger.

Das klingt nach Aufbruch.

Ist es aber nur zur Hälfte.

Denn die deutsche Wirtschaft wächst derzeit nicht aus eigener Kraft. Sie bekommt Rückenwind von außen – und Unterstützung von oben.

Rotlicht am Konjunkturbahnhof? Deutschlands Wirtschaft setzt wieder Signale auf Erholung – doch der Weg zurück auf Wachstum bleibt holprig. Foto: Christoph Sochart

Zwei Motoren ziehen Deutschland aus dem Tal

Der erste Motor heißt Weltwirtschaft.

Vor allem die steigende Auslandsnachfrage hilft der deutschen Industrie. Das IWH sieht darin einen wesentlichen Grund dafür, dass die deutsche Wirtschaft im ersten Halbjahr wieder auf Wachstumskurs gekommen ist. Die Exporte haben dabei eine zentrale Rolle gespielt.

Der zweite Motor heißt Staat.

Deutschland investiert wieder mehr. Infrastruktur, Verteidigung, Klimaneutralität – der Staat öffnet die finanziellen Schleusen. Das ifo Institut beziffert die zusätzlichen finanzpolitischen Impulse allein für 2026 auf knapp 40 Milliarden Euro. In den beiden Folgejahren sollen weitere 27 beziehungsweise 18 Milliarden Euro hinzukommen.

Man könnte es auch nüchterner formulieren:

Die Konjunktur bekommt Anschubhilfe aus Washington, Peking und Berlin.

Das ist zunächst einmal gut. Eine Volkswirtschaft muss nicht aus Prinzip leiden, wenn der Staat investiert und die Weltwirtschaft Nachfrage erzeugt.

Doch die entscheidende Frage lautet:

Was passiert, wenn einer dieser beiden Motoren ausfällt?

Die Industrie bleibt der Prüfstein

Hier liegt der eigentliche Kern der deutschen Wirtschaftsgeschichte.

Die Industrie war jahrzehntelang das Kraftzentrum des deutschen Geschäftsmodells. Nun gibt es dort erste Lichtblicke. Das ifo Institut berichtet von einer seit Jahresbeginn verbesserten Auftragslage und zuletzt deutlich besseren Exporterwartungen.

Das ist wichtig.

Denn eine Volkswirtschaft kann sich nicht dauerhaft gesundrechnen.

Sie braucht Unternehmen, die investieren. Menschen, die arbeiten. Produkte, die international gefragt sind. Und Geschäftsmodelle, die auch ohne staatliche Unterstützung funktionieren.

Genau hier bleibt das IWH skeptisch. Die aktuelle Erholung sei weiterhin stark von der Auslandsnachfrage abhängig. Und diese kann schnell wieder schwächer werden. Hinzu kommt das Risiko, dass deutsche Anbieter international weiter an Wettbewerbsfähigkeit verlieren.

Das ist die unbequeme Wahrheit hinter den schönen Wachstumszahlen.

1,4 Prozent Wachstum sind erfreulich. Aber 1,4 Prozent Wachstum sind noch kein neues deutsches Geschäftsmodell.

Der Staat kann Nachfrage schaffen. Wettbewerbsfähigkeit nicht.

Die Bundesregierung kann Straßen bauen lassen. Sie kann Brücken finanzieren. Sie kann Verteidigungsausgaben erhöhen. Sie kann Investitionen anschieben.

Was sie nicht per Haushaltsbeschluss erzeugen kann, ist ein Unternehmen, das auf dem Weltmarkt dauerhaft konkurrenzfähig ist.

Dafür braucht es andere Dinge: niedrigere Kosten, verlässliche Energie, weniger Bürokratie, schnellere Genehmigungen, Innovation, Kapital und vor allem eine höhere Produktivität.

Genau deshalb sollte man die aktuelle Erholung nicht mit einer Rückkehr zur alten Normalität verwechseln.

Deutschland ist wieder unterwegs. Aber wir wissen noch nicht, wohin.

Und dann ist da noch der Arbeitsmarkt

Auch hier lohnt sich ein zweiter Blick.

Die Erholung der Wirtschaft wird sich nach Einschätzung des ifo Instituts zunächst kaum auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar machen. 2026 dürfte die Zahl der Erwerbstätigen im Jahresdurchschnitt sogar noch sinken. Erst 2027 und 2028 wird wieder mit einem Beschäftigungsaufbau gerechnet.

Das ist ein bemerkenswertes Detail.

Denn normalerweise gilt: Wirtschaft wächst, Unternehmen verdienen mehr, Beschäftigung steigt.

Diesmal läuft die Geschichte komplizierter.

Produktivität, Automatisierung, demografischer Wandel und strukturelle Veränderungen sorgen dafür, dass Wachstum nicht automatisch neue Arbeitsplätze produziert.

Der deutsche Arbeitsmarkt wird damit zum nächsten großen Test.

Die Inflation ist noch nicht besiegt

Auch die Verbraucher bekommen vom neuen Optimismus nicht sofort viel zu spüren.

Das ifo Institut erwartet für 2026 eine Inflationsrate von 2,8 Prozent und für 2027 sogar 3,0 Prozent. Erst 2028 soll sich die Teuerung mit 2,3 Prozent wieder stärker dem Ziel der Europäischen Zentralbank annähern.

Das bedeutet: Selbst wenn die Wirtschaft wächst, bleibt die Kaufkraft unter Druck.

Und damit wird aus der schönen Überschrift „Aufschwung“ schnell eine kompliziertere Geschichte.

Wachstum ja. Wohlstandsgefühl noch nicht unbedingt.

Das größte Risiko kommt von außen

Die beiden Institute benennen einen gemeinsamen Unsicherheitsfaktor: die Energiepreise und die geopolitische Lage.

Das IWH warnt insbesondere vor einer neuen Energiekrise. Europa bleibt beim Erdgas stark auf Importe angewiesen, während die Lagerbestände vergleichsweise niedrig sind. Gleichzeitig hängt die deutsche Erholung stark von der internationalen Nachfrage ab.

Das ifo Institut sieht ebenfalls erhebliche Risiken durch die Energiepreise und die geopolitischen Konflikte. Hinzu kommt das historische Niedrigwasser auf wichtigen deutschen Flüssen, das die Logistik und damit Teile der Produktion belastet.

Deutschland hat also wieder Rückenwind.

Aber es fährt gleichzeitig durch eine ziemlich unruhige Wetterzone.

Die neue deutsche Realität

Vielleicht liegt genau darin die wichtigste Botschaft dieser Prognosen.

Deutschland steckt nicht mehr tief in der Rezession.

Aber Deutschland ist auch noch nicht zurück.

Die Wirtschaft erholt sich. Die Industrie zeigt erste Lebenszeichen. Die Weltwirtschaft hilft. Der Staat investiert.

Und trotzdem bleiben die strukturellen Fragen ungelöst.

Wie wird Deutschland wieder produktiver?
Wie wird Energie wieder wettbewerbsfähig?
Wie gewinnt die Industrie verlorene Märkte zurück?
Wie bekommen Unternehmen wieder mehr Planungssicherheit?
Und wie schafft es der Staat, aus seinen Investitionen langfristig privates Wachstum entstehen zu lassen?

Das sind die Fragen, die über den nächsten Konjunkturzyklus hinausreichen.

Die aktuelle Prognose liefert deshalb eine gute Nachricht – aber keinen Freibrief.

Deutschland hat die Talsohle offenbar verlassen. Jetzt muss es beweisen, dass es auch wieder bergauf gehen kann.

Und dafür reicht Staatsgeld allein nicht.

Dafür braucht es wieder etwas, das in Deutschland zuletzt knapp geworden ist:

unternehmerisches Vertrauen.

Das Tor, das keiner filmen konnte: Wie das Düsseldorfer Unternehmen Vodafone gemeinsam mit Borussia Dortmund einen ungesehenen Moment der Bundesliga-Geschichte mit künstlicher Intelligenz rekonstruiert

Michael Jungwirth; Mitglied der Geschäftsführung bei Vodafone und Vorsitzender der Unternehmerschaft Düsseldorf; Collage: Michael Jungwirth/Vodafone/Unternehmerschaft Düsseldorf

Das erste Tor der Bundesliga dauerte nur einen Augenblick. Seine Wiedergeburt brauchte 63 Jahre, monatelange Recherche und eine Technologie, die es 1963 noch nicht einmal als Gedankenexperiment gab.


Von Christoph Sochart


Am 24. August 1963 schrieb Borussia Dortmund im Bremer Weserstadion Fußballgeschichte. In der ersten Spielminute traf BVB-Stürmer Timo Konietzka zum 1:0 gegen Werder Bremen – das erste Tor in der Geschichte der neu gegründeten Bundesliga. 35.000 Zuschauer waren dabei. Doch kein Foto und keine Filmaufnahme dokumentierten den historischen Moment. Was blieb, waren Erinnerungen, Erzählungen und die wenigen schriftlichen Berichte jener Zeit.

Nun ist dieses Tor erstmals in bewegten Bildern zu sehen. Möglich macht das eine Kooperation, die auch eine Düsseldorfer Geschichte ist: Vodafone Deutschland, in Düsseldorf ansässig und Mitglied der Unternehmerschaft Düsseldorf, hat gemeinsam mit Borussia Dortmund und dem KI-Produktionsunternehmen PROMPTR den ungesehenen Treffer rekonstruiert.

Erinnerung wird zu Bild und Ton

Das Projekt zeigt, wozu künstliche Intelligenz heute in der Lage ist – und wo ihre Qualität beginnt: nicht beim bloßen Erfinden, sondern bei der sorgfältigen Auswertung vorhandener Informationen.

Über mehrere Monate trugen die Projektteams unterschiedliche Daten zusammen. Sie sichteten Archivmaterial und Medienberichte, analysierten Spiele aus derselben Zeit und befragten Zeitzeugen. Zu ihnen gehörten Gerd Kolbe, heute Chefhistoriker von Borussia Dortmund, Günther Konietzka, der Bruder des damaligen Torschützen, sowie Eugen Kraas, Vorsitzender eines großen BVB-Fanclubs.

Die persönlichen Erinnerungen lieferten wichtige Hinweise: Wie bewegten sich die Spieler? Wo standen die Zuschauer? Wie wirkte die Situation unmittelbar vor dem Treffer? Ergänzend wurden aus Aufzeichnungen anderer Spiele Bewegungsmodelle erstellt. Mit der U19-Mannschaft von Borussia Dortmund wurde die Spielsituation nachgestellt. Fanexperten halfen dabei, die Atmosphäre im Stadion von 1963 nachzuempfinden. Auch Wettermodelle flossen in die Rekonstruktion ein.

Aus diesen vielen einzelnen Spuren entstand ein Gesamtbild. Mehrere KI-Modelle analysierten die Daten und übersetzten sie schließlich in Bewegtbild und Ton. Das Ergebnis ist keine Filmaufnahme aus der Vergangenheit. Es ist eine technologisch gestützte Rekonstruktion – und damit der Versuch, eine historische Lücke so plausibel und realitätsgetreu wie möglich zu schließen.

„Das erste Tor der Bundesliga, das bislang nur in den Erinnerungen weniger Zeitzeugen existierte, gibt’s jetzt für alle Fußballfans in bewegten Bildern“, sagt Vodafone-Deutschland-Chef Marcel de Groot. Für ihn macht das Projekt ein Stück deutsche Fußballgeschichte zugänglich.

BVB-Präsident Hans-Joachim Watzke mit Vodafone Deutschland CEO Marcel de Groot bei Dreharbeiten im Stadion zur Dokumentation ‚The Unseen Goal‘. Foto: Borussia Dortmund

Düsseldorfer Technologie für ein Dortmunder Jahrhunderttor

Für Vodafone ist die Rekonstruktion mehr als ein Ausflug in die Sportgeschichte. Das Unternehmen verbindet damit seine technologische Kompetenz mit einem Ereignis, das Millionen Menschen emotional erreicht. Der Fußball wird zum Anwendungsfall für künstliche Intelligenz – und die Vergangenheit zum Material für eine neue Form des Erinnerns.

Gerade darin liegt der Reiz des Projekts. KI arbeitet hier nicht im luftleeren Raum. Sie ersetzt weder Zeitzeugen noch Archive. Sie führt deren Hinweise zusammen, macht Muster sichtbar und entwickelt daraus eine audiovisuelle Darstellung. Die Technologie übernimmt die Übersetzungsarbeit – die historische Verantwortung bleibt bei den Menschen, die Quellen prüfen, Erinnerungen einordnen und Grenzen der Rekonstruktion benennen.

BVB-Präsident Hans-Joachim Watzke spricht von einem anspruchsvollen Vorhaben und einem besonderen Highlight für traditionsbewusste Fans. Zeitzeuge Gerd Kolbe erinnert sich daran, dass der Schiedsrichter Ott am 24. August 1963 um 16:59 Uhr anpfiff. Die Zuschauer hinter dem BVB-Tor erwarteten einen gewöhnlichen Bundesliganachmittag. Dann fiel das erste Tor – und mit ihm begann eine Geschichte, die bis heute fortgeschrieben wird.

Vom Stadion ins Museum

Die Rekonstruktion ist Teil der Kurzdokumentation „The Unseen Goal“. Ihre Premiere feiert sie im BORUSSEUM, dem Vereinsmuseum von Borussia Dortmund. Anschließend soll der Film unter anderem über die YouTube-Kanäle von Vodafone und dem BVB verfügbar sein. Auch im Stadion, im linearen Programm von Sky Sport News HD und später als festes Exponat im Deutschen Fußballmuseum wird das rekonstruierte Tor zu sehen sein.

So kehrt ein Moment, der bislang nur in den Köpfen der damaligen Zuschauer existierte, in die Öffentlichkeit zurück. Nicht als Originalaufnahme, die es nie gegeben hat. Sondern als sorgfältig erarbeitete Annäherung an das, was damals geschah.

Das Projekt ist damit auch ein Beispiel für den Wandel, den künstliche Intelligenz gerade durchläuft. Sie ist nicht nur Werkzeug für die Zukunft. Sie kann helfen, die Vergangenheit neu zu befragen – vorausgesetzt, sie wird mit Recherche, Verantwortung und Respekt vor den Fakten eingesetzt.

Und manchmal braucht es dafür ein Düsseldorfer Unternehmen, einen Dortmunder Verein und ein Tor, das 63 Jahre lang niemand sehen konnte.

UNTERNEHMERSCHAFT IM GESPRÄCH! Future Tech Fest 2026 in Düsseldorf: Wo Start-ups und etablierte Unternehmen gemeinsam Zukunft gestalten

Innovation erleben, neue Technologien entdecken und konkrete Kooperationen anstoßen: Am 10. September 2026 wird das AREAL BÖHLER zum Treffpunkt der internationalen Start-up- und Technologieszene. Die Unternehmerschaft Düsseldorf lädt ihre Mitgliedsunternehmen zu einer exklusiven Führung über das Future Tech Fest ein.


Von Christoph Sochart


Wie sieht die Arbeitswelt von morgen aus? Welche Technologien werden Geschäftsmodelle verändern – und wo entstehen daraus konkrete Chancen für Unternehmen? Antworten auf diese Fragen gibt das Future Tech Fest 2026 am Donnerstag, 10. September, in Düsseldorf.

Das Festival verbindet B2B-Expo, Konferenz, Networking und Start-up-Pitches miteinander. Erwartet werden mehr als 5.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie rund 300 nationale und internationale Tech-Start-ups. Für die Düsseldorfer Wirtschaft ist die Veranstaltung damit weit mehr als eine Ausstellung neuer Technologien: Sie bietet einen direkten Zugang zu Gründerinnen und Gründern, Investorinnen und Investoren, Unternehmen, Forschung und Wissenschaft.

Innovation wird dort greifbar, wo Menschen miteinander ins Gespräch kommen

Neue Technologien entfalten ihren wirtschaftlichen Wert nicht allein durch ihre technische Leistungsfähigkeit. Entscheidend ist, ob sie konkrete Herausforderungen lösen, Prozesse verbessern, Ressourcen schonen oder neue Märkte erschließen können. Genau an diesem Punkt setzt das Future Tech Fest an.

In der Expo präsentieren junge Unternehmen ihre Lösungen und Geschäftsmodelle. Besucherinnen und Besucher können direkt mit den Teams hinter den Produkten sprechen, Fragen stellen und erste Anknüpfungspunkte für eine Zusammenarbeit prüfen. Für etablierte Unternehmen eröffnet sich dadurch die Möglichkeit, Entwicklungen frühzeitig kennenzulernen und besser einzuschätzen, welche Innovationen für die eigene Organisation relevant sein könnten.

Im Mittelpunkt stehen unter anderem Zukunftsthemen wie:

  • künstliche Intelligenz und digitale Geschäftsmodelle,
  • Klimaschutz und Ressourceneffizienz,
  • nachhaltige Technologien,
  • HealthTech und Gesundheit,
  • Bildung und die Arbeitswelt der Zukunft,
  • internationale Kooperationen und neue Formen des Unternehmertums.

Die Veranstaltung schafft damit einen Raum für den Austausch zwischen unterschiedlichen Unternehmensgenerationen. Start-ups bringen neue Perspektiven, hohe Innovationsgeschwindigkeit und häufig spezialisierte technologische Lösungen ein. Etablierte Unternehmen verfügen über Markterfahrung, Branchenwissen, Kundenkontakte und die Fähigkeit, Innovationen in größerem Maßstab umzusetzen. Wo beides zusammenkommt, können aus Ideen tragfähige Geschäftsmodelle werden.

Exklusive Führung der Unternehmerschaft Düsseldorf

Die Unternehmerschaft Düsseldorf gestaltet den Besuch des Future Tech Festes mit einem eigenen Programm. Gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung der Landeshauptstadt Düsseldorf bietet sie ihren Mitgliedern eine exklusive geführte Tour über das Festivalgelände an.

Die Führung findet am 10. September von 11 bis 13 Uhr statt. Im Mittelpunkt stehen ausgewählte Start-ups und ihre Lösungen für die Herausforderungen von morgen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten Orientierung auf dem weitläufigen Festivalgelände, lernen interessante Aussteller kennen und bekommen Gelegenheit, unmittelbar mit Gründerinnen und Gründern ins Gespräch zu kommen.

Ergänzt wird der Besuch durch einen Podcast vor Ort. Dabei kommen spannende Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner aus Wirtschaft und Start-up-Szene zu Wort. So entstehen Einblicke aus erster Hand: Welche Technologien sind bereits einsatzbereit? Wo liegen die größten Hürden bei der Umsetzung? Und was braucht es, damit aus einem ersten Kontakt eine erfolgreiche Kooperation wird?

Die Führung richtet sich an Mitgliedsunternehmen, die:

  • neue Technologien und innovative Geschäftsmodelle kennenlernen möchten,
  • Impulse für die digitale oder nachhaltige Transformation suchen,
  • Kooperationsmöglichkeiten mit Start-ups prüfen,
  • den eigenen Innovationsradar erweitern wollen,
  • neue Kontakte zu Unternehmen, Investoren und weiteren Akteuren knüpfen möchten.

Die Teilnahme an der Führung ist kostenfrei und exklusiv für Mitglieder der Unternehmerschaft Düsseldorf und der Arbeitgeberverbände. Da die Zahl der Plätze begrenzt ist, ist eine verbindliche Anmeldung erforderlich.

Ein ganzer Tag für Technologie, Unternehmertum und Austausch

Das Future Tech Fest beginnt bereits am Morgen und bietet über den gesamten Tag hinweg ein dichtes Programm auf mehreren Bühnen. Die Expo öffnet um 8 Uhr; ab 8.30 Uhr steht ein kostenloses Frühstück bereit. Damit bietet sich schon früh die Gelegenheit, erste Gespräche zu führen und sich einen Überblick über die Aussteller und Programmpunkte zu verschaffen.

Main Stage: Perspektiven auf die Zukunft

Auf der Main Stage beginnt das offizielle Bühnenprogramm um 10 Uhr. Nach der Eröffnung folgen Beiträge und Diskussionen zu aktuellen Entwicklungen in Technologie und Wirtschaft. Vorgesehen sind unter anderem ein Beitrag von Prof. Michael Groß sowie ein HealthTech-Panel.

Im weiteren Tagesverlauf rückt die künstliche Intelligenz in den Mittelpunkt. Weitere Programmpunkte mit Ana Ivanović, Unternehmer und Investor Tillman Schulz sowie Sara Nuru setzen zusätzliche Akzente aus Sport, Unternehmertum, Investment und gesellschaftlichem Engagement.

Das offizielle Bühnenprogramm endet am Abend mit einer Aftershow-Party. Der Tag verbindet damit fachliche Impulse, persönliche Begegnungen und die Möglichkeit, in entspannter Atmosphäre Gespräche zu vertiefen.

Startup Stage: Ideen auf dem Prüfstand

Auf der Startup Stage präsentieren junge Unternehmen ihre Geschäftsmodelle und technologischen Lösungen in kurzen Pitch-Formaten. Die ersten Pitch-Runden starten bereits um 10.40 Uhr; weitere Runden folgen am Mittag und am Nachmittag.

Die Pitches zeigen, wie unterschiedlich Innovation entstehen kann: durch neue Softwarelösungen, spezialisierte Anwendungen, nachhaltige Technologien oder Geschäftsmodelle, die etablierte Abläufe neu denken. Für Unternehmen sind die Präsentationen eine kompakte Möglichkeit, zahlreiche Ideen in kurzer Zeit kennenzulernen.

Zum Programm gehören außerdem sogenannte „Fuck Up Stories“. Gründerinnen und Gründer berichten darin offen über Fehler, Rückschläge und schwierige Entscheidungen. Diese Beiträge machen deutlich, dass Innovation nicht nur aus Erfolgen besteht. Der offene Umgang mit Erfahrungen kann gerade für etablierte Unternehmen wertvolle Impulse liefern – etwa für eine neue Fehlerkultur, schnellere Lernprozesse und einen realistischeren Blick auf Veränderung.

Am späten Nachmittag treten die Finalistinnen und Finalisten im letzten Pitch gegeneinander an. Die Gewinnerinnen und Gewinner der Startup Pitches werden um 17.40 Uhr ausgezeichnet.

Vision Stage: Kontakte mit konkretem Mehrwert

Auf der Vision Stage steht die Vernetzung im Mittelpunkt. Beim B2B-Speed-Dating, das um 10.30 Uhr beginnt, können Unternehmen, Start-ups und weitere Akteure gezielt neue Geschäftskontakte knüpfen.

Das Format ist besonders für diejenigen interessant, die nicht nur Inspiration suchen, sondern konkrete Gespräche führen möchten. Eine kurze Begegnung kann dabei der erste Schritt sein – für einen Pilotversuch, einen Technologie-Check, eine gemeinsame Entwicklung oder einen späteren Vertriebskontakt.

Weitere Programmpunkte widmen sich unter anderem dem deutschen IHK-/AHK-Netzwerk, dem Thema „Education becomes future“, einem Beitrag von Prof. Anja Karlshaus und dem European AI Summit. Die Themen zeigen, dass technologische Entwicklung immer auch Fragen von Bildung, Qualifizierung, internationaler Zusammenarbeit und gesellschaftlicher Verantwortung berührt.

Workshops: Wissen vertiefen und Anwendungen diskutieren

Neben den Bühnen gehören Workshops zum Programm. Die beiden Workshop-Bereiche öffnen um 10.45 Uhrbeziehungsweise 11 Uhr. Dort können sich Besucherinnen und Besucher intensiver mit konkreten Fragestellungen auseinandersetzen und praktische Einblicke gewinnen.

Damit ergänzt das Future Tech Fest die kurzen Impulse und Pitches um Formate, in denen Diskussion und Vertiefung möglich sind. Gerade für Unternehmen, die sich bereits mit einer bestimmten Technologie oder einem konkreten Transformationsprojekt beschäftigen, können diese Workshops eine gute Gelegenheit bieten, Fragestellungen zu schärfen und neue Lösungsansätze kennenzulernen.

Die Expo als Herzstück des Future Tech Festes

Herzstück der Veranstaltung ist die große Expo. Dort zeigen mehr als 250 beziehungsweise rund 300 nationale und internationale Tech-Start-ups ihre Innovationen. Die Aussteller machen sichtbar, in welchen Bereichen sich neue Technologien derzeit besonders dynamisch entwickeln – und wie breit das Spektrum der Lösungen ist.

Für etablierte Unternehmen ergeben sich daraus mehrere Vorteile. Sie können:

  1. Technologien direkt erleben: Statt ausschließlich über Marktberichte oder Präsentationen erhalten Besucherinnen und Besucher einen unmittelbaren Eindruck von Produkten und Anwendungen.
  2. Ansprechpartner kennenlernen: Hinter jeder Lösung stehen Menschen, die ihre Technologie erklären, Anwendungsfälle einordnen und Fragen zur Zusammenarbeit beantworten können.
  3. Bedarfe abgleichen: Im direkten Gespräch lässt sich schneller klären, ob eine Lösung zu den eigenen Anforderungen, Prozessen und Rahmenbedingungen passt.
  4. Kooperationen vorbereiten: Aus einem ersten Austausch können Pilotprojekte, Partnerschaften oder weitere Gespräche entstehen.
  5. Entwicklungen frühzeitig beobachten: Wer regelmäßig mit Start-ups und Innovationen in Kontakt bleibt, kann technologische Veränderungen besser einordnen.

Darüber hinaus bietet die Investors & Corporate Lounge die Möglichkeit zu persönlichen 1:1-Gesprächen. Sie schafft damit einen geschützten Rahmen für vertiefende Kontakte zwischen Start-ups, Unternehmen, Investoren und weiteren relevanten Akteuren.

Warum Düsseldorf ein geeigneter Standort für Zukunftsthemen ist

Das Future Tech Fest zeigt auch, welche Bedeutung Düsseldorf als Innovationsstandort besitzt. Die Landeshauptstadt verbindet eine starke Unternehmenslandschaft mit einer wachsenden Start-up-Szene, zahlreichen Netzwerken, Förderangeboten und Veranstaltungen, die den Austausch zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Gründerszene fördern.

Für die regionale Wirtschaft ist dieser Austausch von besonderer Bedeutung. Innovation entsteht selten isoliert. Sie braucht Begegnungen, Wissenstransfer und die Bereitschaft, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen. Veranstaltungen wie das Future Tech Fest schaffen dafür eine Plattform.

Die Unternehmerschaft Düsseldorf unterstützt diesen Austausch, indem sie ihre Mitgliedsunternehmen mit relevanten Akteuren der Innovationsszene zusammenbringt. Der persönliche Zugang ist dabei ein entscheidender Faktor: Eine geführte Tour erleichtert die Orientierung, bündelt relevante Kontakte und macht es möglich, in kurzer Zeit gezielt mit passenden Start-ups ins Gespräch zu kommen.

Von der Inspiration zur Zusammenarbeit

Ein Besuch auf einer Innovationsveranstaltung ist dann besonders wertvoll, wenn aus den gewonnenen Eindrücken konkrete nächste Schritte entstehen. Unternehmen können den Tag daher nutzen, um gezielt Fragen mitzunehmen:

  • Welche Herausforderungen in unserem Unternehmen könnten durch neue Technologien besser gelöst werden?
  • In welchen Bereichen benötigen wir mehr Effizienz oder Ressourcenschonung?
  • Welche Prozesse eignen sich für einen ersten Pilotversuch?
  • Welche Kompetenzen müssen wir intern aufbauen oder ergänzen?
  • Welche Start-ups könnten zu unseren Produkten, Märkten oder strategischen Zielen passen?
  • Welche Rahmenbedingungen braucht eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Mittelstand und Start-up?

Die Antworten müssen nicht am selben Tag vollständig vorliegen. Entscheidend ist, Gespräche zu beginnen, Kontakte zu dokumentieren und nach der Veranstaltung gezielt anzuknüpfen. Aus einem kurzen Austausch am Messestand kann so ein weiterer Termin, ein gemeinsamer Workshop oder ein konkretes Kooperationsprojekt entstehen.

Jetzt anmelden und Innovation gemeinsam erleben

Das Future Tech Fest 2026 bietet Unternehmen aus Düsseldorf die Möglichkeit, Zukunftstechnologien nicht nur auf einer Bühne zu verfolgen, sondern unmittelbar kennenzulernen. Die Kombination aus Expo, Konferenz, Pitches, Workshops und Networking schafft zahlreiche Anknüpfungspunkte für neue Ideen und Geschäftsbeziehungen.

Die Unternehmerschaft Düsseldorf lädt ihre Mitglieder herzlich ein, das Festival gemeinsam zu besuchen und an der exklusiven Führung teilzunehmen.

Termin auf einen Blick

Future Tech Fest 2026
Donnerstag, 10. September 2026
AREAL BÖHLER
Hansaallee 321, 40549 Düsseldorf

Exklusive Führung der Unternehmerschaft Düsseldorf:
11 bis 13 Uhr

Die Teilnahme an der Führung ist kostenfrei und exklusiv für Mitglieder der Unternehmerschaft Düsseldorf und der Arbeitgeberverbände. Die Plätze sind begrenzt; eine verbindliche Anmeldung ist erforderlich.

Jetzt zur exklusiven Führung anmelden

Das vollständige Programm des Future Tech Fest 2026 ansehen

Wir freuen uns auf einen inspirierenden Tag mit neuen Perspektiven, spannenden Begegnungen und konkreten Impulsen für die Zukunft von Wirtschaft und Technologie.

Düsseldorf bittet zu Tisch: „Chefs in Town“ bringt vom 25. bis 27. September 2026 Starköche, lokale Gastgeber und außergewöhnliche kulinarische Ideen zusammen

Gemacht wird „Chefs in Town“ von unserem Mitgliedsunternehmen METRO!

Eine Stadt erkennt man nicht nur an ihrer Skyline. Man erkennt sie auch daran, wie sie Menschen an einen Tisch bringt. Düsseldorf kann das besonders gut. Die Stadt ist international, neugierig und genussfreudig – und sie besitzt eine Gastronomie, die mehr ist als die Summe ihrer Restaurants.


Von Christoph Sochart


Vom 25. bis 27. September 2026 wird Düsseldorf erneut zum Schauplatz von „Chefs in Town“, gemacht von der METRO IN DÜSSELDORF. Renommierte Spitzenköchinnen und -köche, Mixologinnen und Mixologen sowie Sommeliers aus dem In- und Ausland treffen auf lokale Gastronominnen und Gastronomen. Aus diesen Begegnungen entstehen kulinarische Erlebnisse, die es so nicht von der Stange gibt.

Das Besondere an „Chefs in Town“ ist nicht allein der prominente Name am Herd. Es ist die Idee des Austauschs. Die internationalen Gäste kommen nicht, um die Düsseldorfer Gastronomie zu überstrahlen. Sie kommen, um sich mit ihr zu verbinden. In sogenannten Matches treffen unterschiedliche Handschriften, Erfahrungen und Küchenwelten aufeinander. Das Ergebnis ist im besten Sinne offen: manchmal Fine Dining, manchmal kreative Alltagsküche, manchmal eine neue Interpretation eines Klassikers – und manchmal die Erkenntnis, dass auch eine Pommesbude ein Ort großer Gastfreundschaft sein kann.

Die Stadt wird zur Bühne

„Chefs in Town“ verwandelt Düsseldorf nicht in eine geschlossene Genussveranstaltung, sondern in eine offene kulinarische Bühne. Die Begegnungen finden dort statt, wo Gastronomie lebt: in Restaurants, Bars, auf dem Wasser und in besonderen Veranstaltungsformaten.

Zu den angekündigten Höhepunkten zählen unter anderem das Treffen der Legenden Pierre Gagnaire und Yoshi Nagaya im Nagaya sowie der britische Celebrity-Chef Jameson Stocks im Agata. Cornelia Poletto und Nelson Müller laden zu einer Küchenparty, Philipp Vogel kocht auf einem Schiff der KD. Tim Raue trifft auf Walid el Sheikh, Thomas Bühner arbeitet im La Vie mit Nick Bril zusammen, und Sven Elverfeld interpretiert bei Goldies einen Burger neu.

Die Liste ließe sich fortsetzen. Doch sie erzählt vor allem eines: Düsseldorf ist nicht Kulisse, sondern Gastgeberin. Die Stadt bringt die Menschen, Orte und Ideen zusammen, die aus einem gastronomischen Wochenende ein Stadterlebnis machen.

Auch die Düsseldorfer Stadtspitze beteiligt sich am Programm. Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller und Wirtschaftsdezernent Christian Zaum übernehmen eine Schicht im Restaurant Die Kurve. Das ist mehr als ein symbolischer Auftritt. Es ist eine sichtbare Anerkennung für eine Branche, die häufig dann wahrgenommen wird, wenn etwas nicht funktioniert – und viel zu selten dann, wenn sie jeden Tag dafür sorgt, dass eine Stadt lebendig, gastfreundlich und attraktiv bleibt.

Wertschätzung für eine Branche mit Haltung

Gastronomie ist Wirtschaft. Sie schafft Arbeitsplätze, belebt Quartiere, zieht Besucherinnen und Besucher an und ist ein Standortfaktor. Aber Gastronomie ist eben auch Kultur. Sie stiftet Begegnung, vermittelt Geschmack und Herkunft, ermöglicht Gespräche und schafft Erinnerungen.

„Chefs in Town“ macht diese Bedeutung sichtbar. Die Initiative wurde 2024 von METRO ins Leben gerufen und wird gemeinsam mit weiteren Partnern aus der Industrie, darunter Coca-Cola, unterstützt. Die teilnehmenden Restaurants zahlen keine Gebühr. Damit wird ein Format ermöglicht, das nicht nur auf einzelne Stars setzt, sondern die Vielfalt der lokalen Gastronomie in den Mittelpunkt stellt.

Dr. Steffen Greubel, CEO der METRO AG, beschreibt eine lebendige Gastronomieszene als wichtigen Standortfaktor für Wirtschaft und gesellschaftliches Leben. Genau hier liegt die Stärke des Formats: Es stellt die Branche nicht als Servicekulisse dar, sondern als kreativen und gestaltenden Teil der Stadtgesellschaft.

Auch Düsseldorfs Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller betont die Weiterentwicklung und kreative Kraft von „Chefs in Town“. Das Festival zeigt, wie viel Energie in der Düsseldorfer Gastronomie steckt – und wie sehr die Stadt von dieser Energie profitiert.

Nachwuchs am Herd und an der Bar

Ein Festival, das nur die großen Namen feiert, würde zu kurz greifen. „Chefs in Town“ richtet den Blick deshalb auch auf junge Talente. Beim DEHOGA-Kochwettbewerb sowie bei Mix- und Kochsessions im Albrecht-Dürer-Berufskolleg erhalten Nachwuchskräfte Einblicke in die Hotel- und Gastronomiewelt.

Mit dabei sind unter anderem Linh Nguyen und der Schirmherr des Festivals, Heiko Antoniewicz. Solche Begegnungen können für junge Menschen entscheidend sein. Sie erleben, dass Gastronomie nicht nur aus langen Schichten und hohem Einsatz besteht, sondern auch aus Kreativität, Teamgeist, Präzision und der Möglichkeit, eigene Ideen sichtbar zu machen.

Wer jungen Menschen eine Perspektive geben will, muss ihnen Einblicke ermöglichen. „Chefs in Town“ tut genau das. Das Festival öffnet Küchen, macht Berufe erlebbar und zeigt, dass Gastgewerbe eine vielfältige und sinnstiftende Arbeitswelt sein kann.

Genuss, der weiterreicht

Zum Konzept gehört auch gesellschaftliches Engagement. Im RIVA steht der Sonntag im Zeichen der Charity. Beim „Pasta für Zasta-Battle“ mit dem Drei-Sterne-Koch Tohru Nakamura werden 100 Prozent der Erlöse gespendet. Das Engagement im Kinderhilfezentrum mit Alina Meissner-Bebrout wird fortgeführt.

Auch dadurch gewinnt „Chefs in Town“ an Glaubwürdigkeit. Ein Fest der Sinne darf Freude machen. Aber es darf sich zugleich daran erinnern, dass eine Stadt nicht nur aus denen besteht, die sich ein besonderes Menü leisten können. Wo kulinarische Stärke mit gesellschaftlicher Verantwortung verbunden wird, entsteht mehr als ein Event: Es entsteht Wirkung.

Düsseldorf kann Gastronomie

„Chefs in Town“ ist damit eine Liebeserklärung an die Düsseldorfer Gastronomie – an ihre Professionalität, ihre Risikobereitschaft und ihre Bereitschaft, sich immer wieder neu zu erfinden. Vor allem aber ist es eine Anerkennung für die Gastgeberinnen und Gastgeber, die ihre Restaurants, Bars und Küchen auch unter schwierigen Bedingungen offenhalten.

Die Starköche bringen Aufmerksamkeit. Die lokalen Betriebe geben dem Festival sein Gesicht. Die Gäste bringen Neugier mit. Und Düsseldorf liefert den Ort, an dem aus diesen Zutaten etwas Eigenes entsteht.

Vom 25. bis 27. September 2026 wird die Stadt deshalb zum Hotspot für außergewöhnliche kulinarische Begegnungen. Man darf sich auf neue Kombinationen, überraschende Formate und viele Geschichten freuen, die nicht auf der Speisekarte stehen.

Denn am Ende ist ein gutes Essen selten nur ein gutes Essen. Es ist ein Gespräch. Eine Erinnerung. Ein Stück Stadt.

Weitere Informationen und das aktuelle Programm: www.chefsintown.de

Aktuelle Hinweise: www.unternehmerschaft.de

Gute Führung beginnt dort, wo Gewissheiten enden: Was der 25. Salzburger Trilog über Haltung, Vertrauen und die Kunst des Wandels lehrt

Die Teilnehmer des Salzburger Trilogs der Bertelsmann Stiftung; Foto: Valentin Weinhäupt

Es gibt Zeiten, in denen Führung leicht aussieht. Die Richtung ist klar, die Ziele sind bekannt, die Antworten liegen bereit. Und es gibt Zeiten wie diese: geopolitische Spannungen, technologische Sprünge, gesellschaftliche Polarisierung und eine Informationsflut, die jeden Morgen größer wirkt als am Abend zuvor.


Von Christoph Sochart


In solchen Zeiten zeigt sich, was Führung wirklich bedeutet. Nicht die Fähigkeit, auf jede Frage sofort eine Antwort zu geben. Sondern die Fähigkeit, auch ohne fertige Antworten Orientierung zu geben.

Mit „Führung in turbulenten Zeiten“ beschäftigte sich der 25. Salzburger Trilog am 23. und 24. August in Salzburg. Auf Einladung von Liz Mohn, Stifterin und Vorsitzende des Vorstands der Liz Mohn Stiftung, und Wolfgang Schüssel, dem ehemaligen österreichischen Bundeskanzler, kamen Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Kultur zusammen.

Was aus den Gesprächen hervorgeht, ist eine wohltuend unaufgeregte Botschaft: Gute Führung ist kein Bühnenauftritt. Sie ist eine Haltung.

Haltung statt Lautstärke

„Für mich beginnt Führung mit Haltung“, sagte Liz Mohn. Das klingt zunächst selbstverständlich. In einer Zeit, in der Lautstärke oft mit Klarheit verwechselt wird, ist es das aber nicht.

Haltung bedeutet, zu wissen, wofür man steht und wohin man führen will. Sie bedeutet aber nicht, starr an einmal gefassten Überzeugungen festzuhalten. Im Gegenteil: Wer Haltung besitzt, kann den eigenen Weg überprüfen, ohne das eigene Ziel aus den Augen zu verlieren.

Führungskräfte stehen heute vor einer anspruchsvollen Doppelaufgabe. Sie müssen langfristige Ziele verfolgen und zugleich bereit sein, ihre Wege dorthin immer wieder neu auszurichten. Das verlangt Standfestigkeit und Beweglichkeit – zwei Eigenschaften, die sich nicht widersprechen, sondern bedingen.

Wer nur starr bleibt, wird von der Wirklichkeit überholt. Wer nur reagiert, verliert die Richtung. Gute Führung verbindet beides: einen festen inneren Kompass mit der Bereitschaft, die Route zu korrigieren.

Vertrauen ist kein Kuschelfaktor

Vertrauen wird in Organisationen gern als weicher Wert behandelt. Als freundliche Ergänzung zu Strategie, Effizienz und Kontrolle. Der Salzburger Trilog erinnert an die eigentliche Bedeutung: Vertrauen ist eine Voraussetzung dafür, dass Menschen Verantwortung übernehmen.

Niemand kann in einer komplexen Welt alle Antworten allein kennen. Deshalb müssen Führungskräfte zuhören, unterschiedliche Perspektiven einbeziehen und Verantwortung teilen. Wer alles an sich zieht, mag kurzfristig mächtig wirken. Langfristig macht er seine Organisation abhängig – und sich selbst überfordert.

Vertrauen heißt nicht, auf Prüfung und Verlässlichkeit zu verzichten. Vertrauen heißt, anderen etwas zuzutrauen. Es heißt, Menschen zu stärken, anstatt sie klein zu halten, und gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln.

Das gilt im Unternehmen ebenso wie in der Politik, im Ehrenamt, in Schulen und im Alltag. Führung beginnt nicht erst mit einem Titel auf der Visitenkarte. Sie beginnt dort, wo jemand Verantwortung für andere und für das gemeinsame Handeln übernimmt.

Die Maschine liefert Daten – der Mensch muss urteilen

Ein Schwerpunkt des Trilogs lag auf Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz. Diese Technologien können große Informationsmengen verarbeiten und Muster sichtbar machen. Sie verändern damit auch die Grundlagen von Wahrnehmung und Entscheidungsfindung.

Aber Daten sind noch keine Orientierung. Eine Maschine kann Wahrscheinlichkeiten berechnen. Sie kann Texte zusammenfassen, Entwicklungen vergleichen und Handlungsmöglichkeiten aufzeigen. Die Frage, was richtig, angemessen und verantwortbar ist, bleibt eine menschliche.

Gerade deshalb braucht es Führungskräfte mit Urteilsvermögen. Sie müssen Quellen kritisch prüfen, Widersprüche aushalten und Entscheidungen auch dann treffen, wenn die Informationslage unvollständig ist. Künstliche Intelligenz kann die Reichweite des Denkens vergrößern. Sie kann Verantwortung nicht abnehmen.

Die entscheidende Kompetenz der Zukunft ist daher nicht allein technisches Verständnis. Es ist die Fähigkeit, Technologie einzuordnen und sie in den Dienst eines verantwortungsvollen Ziels zu stellen.

Kulturelle Intelligenz wird unverzichtbar

Die Welt wird nicht einfacher, nur weil sie stärker vernetzt ist. Der Wettbewerb zwischen Nationen verschärft sich, internationale Beziehungen werden vielfältiger und Kooperationen anspruchsvoller. Globalisierung verschwindet nicht – sie verändert ihre Gestalt.

Wer in dieser multipolaren Welt führen will, muss mehr können, als die eigenen Interessen klar zu formulieren. Er muss die politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Unterschiede anderer verstehen. Vertrauen entsteht nicht überall nach demselben Muster. Was in einer Kultur als Offenheit gilt, kann in einer anderen als Schwäche gelesen werden. Was hier als effizient erscheint, wirkt dort vielleicht respektlos.

Kulturelle Intelligenz wird deshalb zu einer zentralen Führungskompetenz. Sie bedeutet nicht, jede Position gutzuheißen. Sie bedeutet, den anderen so ernst zu nehmen, dass Verständigung überhaupt möglich wird.

Das ist anstrengender als das schnelle Urteil. Aber es ist auch nachhaltiger.

Wir sind der Zeit nicht hilflos ausgeliefert

Wolfgang Schüssel brachte eine zweite wichtige Perspektive ein: „Wir sind nicht hilflos der Zeit ausgeliefert.“ In diesem Satz steckt ein Gegenmittel gegen die große Versuchung unserer Tage – den Fatalismus.

Natürlich kann niemand die Weltentwicklung vollständig kontrollieren. Kein Unternehmen, keine Regierung, kein einzelner Mensch kann geopolitische Krisen, technologische Umbrüche oder gesellschaftliche Spannungen im Alleingang lösen. Aber daraus folgt nicht, dass man machtlos ist.

Handlungsfähigkeit beginnt oft im Kleinen: bei einer Entscheidung, die nicht weitergeschoben wird; bei einem Gespräch, das trotz unterschiedlicher Positionen geführt wird; bei einer Mitarbeiterin, der Verantwortung übertragen wird; bei einem jungen Menschen, dessen Frage nicht als naiv abgetan wird.

Der Salzburger Trilog hat deshalb zu Recht auch junge Menschen einbezogen. Zukunft ist kein exklusives Projekt derer, die bereits Einfluss besitzen. Wer morgen gestalten will, muss heute zuhören – gerade denen, die mit den Folgen heutiger Entscheidungen leben werden.

Die leise Revolution guter Führung

Nach 25 Auflagen ist der Salzburger Trilog mehr als ein Gesprächsformat. Er ist ein Ort, an dem die großen Fragen nicht in einfache Slogans gepresst werden. Frieden, internationale Zusammenarbeit, Europas Wettbewerbsfähigkeit und der gesellschaftliche Zusammenhalt verlangen keine schnellen Gewissheiten, sondern belastbare Gespräche.

Vielleicht liegt darin die leise Revolution guter Führung: Sie verspricht nicht, dass alles einfach wird. Sie schafft die Voraussetzungen dafür, dass Menschen auch im Schwierigen handlungsfähig bleiben.

Gute Führung zeigt den Weg, ohne den Menschen vorzuschreiben, wie sie jeden einzelnen Schritt zu gehen haben. Sie gibt Orientierung, ohne Freiheit zu nehmen. Sie entscheidet, ohne andere mundtot zu machen. Und sie verändert sich, ohne sich selbst zu verlieren.

Am Ende bleibt eine einfache, aber anspruchsvolle Formel: Haltung gibt Richtung. Vertrauen schafft Bewegung. Die Fähigkeit zum Wandel hält beides lebendig.

Das ist keine Führung für ruhige Zeiten. Es ist Führung für die Wirklichkeit.

Quelle: Bertelsmann Stiftung: 25. Salzburger Trilog – Gute Führung braucht Haltung, Vertrauen und die Fähigkeit zum Wandel

KI unterstützt, Mensch entscheidet: ChAmp schafft die Grundlage für effizientere Prüfprozesse

KI unterstützt, Mensch entscheidet: ChAmp schafft die Grundlage für effizientere Prüfprozesse; Foto: KIgeneriert/cs

Technologie kann Wissen schneller erschließen. Verantwortung aber bleibt eine menschliche Aufgabe. Genau an dieser Schnittstelle setzt das Forschungsprojekt ChAmp an. Erste empirische Ergebnisse zeigen: Hersteller und Prüfstellen haben überraschend ähnliche Anforderungen an ein KI-gestütztes Assistenzsystem. Das eröffnet Chancen für effizientere, transparentere und zugleich verlässlichere Prüfprozesse. Das Düsseldorfer ifaa – Institut für angewandte Arbeitswissenschaft e. V. gibt uns heute ein Projekt-Update.


Von Christoph Sochart


Künstliche Intelligenz ist dann besonders wertvoll, wenn sie nicht den Menschen aus dem Prozess drängt, sondern ihn besser macht. Wenn sie Ordnung in große Informationsmengen bringt, Zusammenhänge sichtbar macht und dort unterstützt, wo Fachleute heute viel Zeit mit Suchen, Vergleichen und Dokumentieren verbringen.

Genau darum geht es im Forschungsprojekt ChAmp. Der vollständige Titel lautet „Cyber-humanes Arbeiten in Daten-Ökosystemen am Beispiel maschineller Softwareprüfung“. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie große Sprachmodelle und weitere KI-Verfahren technische Dokumentations- und Prüfprozesse unterstützen können – datenschutzkonform, nachvollziehbar und ohne die Verantwortung der Menschen zu ersetzen.

Kein Marktzugang ohne belastbare Nachweise

Viele elektronische Produkte erhalten keinen Marktzugang, wenn ihre technische Dokumentation nicht erfolgreich geprüft wurde. Hersteller müssen nachweisen, dass ihre Software regulatorische Anforderungen erfüllt. Dieser Nachweis muss vollständig, schlüssig und nachvollziehbar sein.

Das klingt zunächst nach Papierarbeit. In Wahrheit geht es um anspruchsvolle Wissensarbeit. Umfangreiche Dokumentationen müssen erstellt, regulatorische Anforderungen interpretiert, technische Lösungen bewertet und Nachweise einander zugeordnet werden. Für Hersteller und Prüfstellen ist das mit erheblichem Aufwand verbunden.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: Kann KI die Prüfung übernehmen? Die entscheidende Frage lautet: Wie kann KI Fachleute dabei unterstützen, bessere Prüfungen zu ermöglichen?

Hersteller und Prüfstellen denken ähnlicher als erwartet

Einen wichtigen Meilenstein hat ChAmp mit der Auswertung von Experteninterviews erreicht. Befragt wurden Fachleute des Messgeräteherstellers Sartorius Lab Instruments GmbH & Co. KG sowie der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB). Ziel war es, die Anforderungen an ein künftiges KI-gestütztes Assistenzsystem aus zwei unterschiedlichen Perspektiven zu erfassen: aus Sicht derjenigen, die technische Dokumentationen erstellen, und aus Sicht derjenigen, die sie prüfen.

Das Ergebnis ist bemerkenswert. Die Rollen sind verschieden, die Herausforderungen aber vielfach ähnlich.

Hersteller wünschen sich Unterstützung bei der Interpretation regulatorischer Anforderungen, bei der Bewertung technischer Lösungsansätze und bei der Erstellung vollständiger und konsistenter Dokumentationen. Prüfende sehen vor allem Potenzial bei der Analyse umfangreicher Dokumentationspakete, bei der intelligenten Suche nach relevanten Informationen und bei der nachvollziehbaren Verbindung zwischen Anforderungen und Nachweisen.

Beide Seiten suchen also im Kern dasselbe: bessere Orientierung, weniger Reibungsverluste und mehr Sicherheit im Umgang mit komplexen Informationen.

„Die hohe Übereinstimmung der Anforderungen beider Akteursgruppen ist eine der wichtigsten Erkenntnisse der bisherigen Projektarbeit“, erklärt Katharina Adamczyk von der ZENIT GmbH. „Sie zeigt, dass ein gemeinsames Assistenzsystem Mehrwert schaffen kann, indem Informationen strukturiert aufbereitet, Zusammenhänge sichtbar gemacht und Wissensbestände besser erschlossen werden.“

Keine Blackbox für sensible Entscheidungen

ChAmp verfolgt dabei ausdrücklich keinen Ansatz der vollständigen Automatisierung. Das Projekt steht für ein cyber-humanes Arbeiten: KI übernimmt unterstützende Aufgaben, Fachkräfte behalten die Kontrolle.

Das ist bei regulatorischen Prüfungen entscheidend. Eine Maschine kann Dokumente durchsuchen, Hinweise geben, Anforderungen miteinander verknüpfen und mögliche Lücken aufzeigen. Sie kann aber nicht die Verantwortung für eine regulatorische Entscheidung tragen.

Deshalb sind Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Quellenoffenlegung zentrale Voraussetzungen des geplanten Assistenzsystems. Nutzerinnen und Nutzer sollen erkennen können, auf welcher Grundlage eine KI einen Hinweis erzeugt. Sie sollen Ergebnisse prüfen, einordnen und gegebenenfalls korrigieren können.

Die Leitlinie lautet: KI unterstützt. Der Mensch entscheidet.

Das ist kein technischer Nebensatz. Es ist die Voraussetzung dafür, dass künstliche Intelligenz in sensiblen Arbeitsumgebungen Akzeptanz findet. Vertrauen entsteht nicht dadurch, dass eine Maschine selbstbewusst auftritt. Vertrauen entsteht, wenn ihre Vorschläge nachvollziehbar sind und der Mensch die letzte Verantwortung behält.

Der nächste Schritt: ein prototypisches Assistenzsystem

Die nun vorliegenden Anforderungskataloge bilden die Grundlage für die nächste Projektphase. Aktuell wird ein prototypisches Assistenzsystem entwickelt. Es soll auf lokalen Sprachmodellen sowie auf Verfahren zur semantischen Suche und Informationsverknüpfung basieren.

Dass dabei lokale Modelle zum Einsatz kommen, ist von besonderer Bedeutung. Technische Dokumentationen können sensible Informationen über Produkte, Verfahren und Unternehmenswissen enthalten. Datenschutz, Vertraulichkeit und Nachvollziehbarkeit sind deshalb keine Zusatzfunktionen, sondern Grundbedingungen des Systems.

Die Entwicklung folgt damit einem Prinzip, das in vielen Unternehmen an Bedeutung gewinnt: Nicht jede Information gehört in eine öffentliche Cloud, und nicht jede Entscheidung darf an ein automatisiertes System delegiert werden. Gute KI ist nicht diejenige, die am meisten verspricht. Gute KI ist diejenige, die in den Arbeitsprozess passt und ihre Grenzen kennt.

Ein Modell für weitere regulierte Bereiche

Die Erkenntnisse aus ChAmp reichen über die Softwareprüfung von Messgeräten hinaus. Ähnliche Fragen stellen sich bei der Produktsicherheit, im Datenschutz, in der Nachhaltigkeitsberichterstattung und bei Lieferkettennachweisen. Auch im Umfeld künftiger europäischer KI-Regulierung werden Unternehmen und Prüfstellen umfangreiche Nachweise erbringen müssen.

Überall dort gilt: Je komplexer die Anforderungen, desto größer der Wert einer intelligenten Assistenz. Aber ebenso gilt: Je größer die Bedeutung einer Entscheidung, desto unverzichtbarer bleibt die menschliche Prüfung.

ChAmp schafft mit seinen empirischen Ergebnissen deshalb mehr als eine technische Grundlage. Das Projekt liefert auch ein wichtiges Signal für die Gestaltung der Arbeitswelt: Digitalisierung muss nicht Entmündigung bedeuten. Sie kann Fachlichkeit stärken, wenn sie transparent entwickelt und verantwortungsvoll eingesetzt wird.

Die Zukunft der Prüfung ist dann nicht menschenleer. Sie ist menschlicher organisiert – mit einer KI, die unterstützt, sortiert und aufzeigt. Und mit Expertinnen und Experten, die weiterhin entscheiden.

Mehr erfahren: Zum Forschungsprojekt ChAmp und zum Blogbeitrag „ChAmp: Erste empirische Ergebnisse schaffen die Grundlage für ein cyber-humanes Prüfassistenzsystem“.

Ausbildung ist keine Pflichtübung – sie ist Düsseldorfs Zukunftsversicherung

Michael Grütering, Chef der Arbeitgeberverbände in Düsseldorf; Foto: Frank Wiedemeier

Kurz vor dem Start des neuen Ausbildungsjahres zeigt sich in Nordrhein-Westfalen ein widersprüchliches Bild: Weniger Ausbildungsplätze werden gemeldet, zugleich bleibt das Interesse junger Menschen an der dualen Ausbildung stabil. Für Unternehmen und Bewerberinnen und Bewerber ist das keine Sackgasse, sondern ein Auftrag zum gemeinsamen Handeln.


Von Christoph Sochart


Düsseldorf ist eine Stadt, die gern über Zukunft spricht. Über Transformation, Digitalisierung, künstliche Intelligenz und neue Geschäftsmodelle. Doch Zukunft beginnt selten auf einer Bühne und fast nie mit einer PowerPoint-Präsentation. Sie beginnt dort, wo ein Betrieb einer jungen Frau oder einem jungen Mann die Chance gibt, einen Beruf zu lernen.

Die duale Ausbildung ist deshalb mehr als ein Baustein der Personalplanung. Sie ist die praktische Antwort auf eine doppelte Herausforderung: Die Wirtschaft verändert sich grundlegend – und zugleich verabschieden sich in den kommenden Jahren die geburtenstarken Jahrgänge aus dem Arbeitsleben. Wer heute nicht ausbildet, wird in drei bis fünf Jahren spürbare Engpässe bei qualifizierten Nachwuchsfachkräften erleben. Was heute wie eine freie Entscheidung aussieht, kann morgen zur empfindlichen Lücke werden.

Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt in Nordrhein-Westfalen macht diesen Handlungsdruck sichtbar. Bis Ende August meldeten Unternehmen und Betriebe 92.947 betriebliche Ausbildungsstellen bei den Agenturen für Arbeit – 6.319 weniger als im Vorjahr, ein Rückgang von 6,4 Prozent. Die aktuelle Wirtschaftskrise geht auch am Ausbildungsmarkt nicht spurlos vorbei.

Und doch wäre es falsch, die Geschichte an dieser Stelle mit dem Wort „Rückgang“ zu beenden. Denn gleichzeitig meldeten 105.686 Jugendliche Interesse an einer Ausbildung. Das sind 381 junge Menschen mehr als im Vorjahr. Kurz vor dem Start des neuen Ausbildungsjahres am 1. September sind noch 23.359 Ausbildungsstellen zu besetzen – viele davon in Berufen, die von Fachkräfteengpässen geprägt sind und gute Zukunftsperspektiven bieten.

Auch auf der Seite der Jugendlichen ist die Situation eindeutig: 25.844 Bewerberinnen und Bewerber gelten noch als unversorgt. Hinzu kommen 12.418 junge Menschen, die zwar bereits eine Alternative gefunden haben, aber lieber eine duale Berufsausbildung beginnen würden. Hinter diesen Zahlen stehen keine abstrakten Marktbewegungen. Dahinter stehen junge Menschen mit Erwartungen, Fähigkeiten und dem Wunsch, beruflich Fuß zu fassen. Und dahinter stehen Betriebe, die dringend Verstärkung suchen, aber unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen handeln müssen.

Birgitta Kubsch-von Harten; Vorsitzende der Geschäftsführung. Foto: AfA

Denn eines darf in der Debatte nicht untergehen: Unternehmen bemühen sich. Viele Betriebe halten an ihrer Ausbildungsbereitschaft fest, obwohl Kosten steigen, Aufträge schwanken und die Anforderungen an die Ausbildung wachsen. Ausbildung ist eine Investition – in Zeit, Betreuung, Ausstattung und Verantwortung. Gerade kleinere und mittlere Unternehmen stoßen dabei mitunter an ihre Grenzen. Das verdient Anerkennung, nicht den pauschalen Vorwurf, die Wirtschaft tue zu wenig.

Gleichzeitig darf die schwierige Lage nicht zum Grund werden, Chancen ungenutzt verstreichen zu lassen.

Michael Grütering, Hauptgeschäftsführer der Arbeitgeberverbände in Düsseldorf, appelliert deshalb an die Mitgliedsbetriebe: „Gerade im Zuge der wirtschaftlichen und strukturellen Transformation ist es entscheidend, die Potenziale am Ausbildungsmarkt aktiv zu erschließen. Wer heute nicht ausbildet, wird in drei bis fünf Jahren spürbare Engpässe bei qualifizierten Nachwuchsfachkräften erleben – insbesondere vor dem Hintergrund des bevorstehenden Renteneintritts der geburtenstarken Jahrgänge. Deshalb bitten wir unsere Mitgliedsbetriebe: Schreiben Sie Ausbildungsstellen verstärkt aus und nutzen Sie die Unterstützung der Agentur für Arbeit bei der Vermittlung geeigneter Bewerberinnen und Bewerber.“

Dieser Appell ist kein Ruf nach einem Kraftakt um jeden Preis. Er ist eine Einladung, genauer hinzusehen. Nicht jede Bewerbung passt auf Anhieb, nicht jeder Ausbildungsberuf ist bekannt, und nicht jede berufliche Entscheidung fällt geradlinig. Umso wichtiger ist es, Interessen, Talente und Stärken zusammenzubringen – und neben dem Wunschberuf auch verwandte Berufe und alternative Wege in den Blick zu nehmen.

Dabei können Unternehmen und Jugendliche auf Unterstützung bauen. Die Agenturen für Arbeit beraten, vermitteln und helfen dabei, passende Perspektiven zu finden. Ein besonders sinnvoller Weg kann die Einstiegsqualifizierung sein: In einem längerfristigen Praktikum lernen sich Betrieb und Talent im Alltag kennen. Jugendliche können fachliche und persönliche Kompetenzen entwickeln, verschiedene berufliche Möglichkeiten erproben und ihre Chancen auf einen Ausbildungsvertrag verbessern. Unternehmen gewinnen zugleich Zeit, um Potenziale zu erkennen – jenseits eines einzelnen Vorstellungsgesprächs und jenseits perfekter Bewerbungsunterlagen.

Dass die Zahl der interessierten Jugendlichen trotz des Ausfalls fast eines ganzen gymnasialen Jahrgangs stabil geblieben ist, ist ein gutes Zeichen. Die duale Ausbildung gewinnt spürbar an Attraktivität. Das ist auch ein Erfolg der gemeinsamen Arbeit von Wirtschaft, Kammern, freien Berufen, Handwerk und Bundesagentur für Arbeit.

Nun kommt es darauf an, aus Interesse konkrete Entscheidungen zu machen. Die Wirtschaft braucht junge Menschen. Junge Menschen brauchen Betriebe, die ihnen etwas zutrauen. Und Betriebe brauchen Unterstützung, wenn Ausbildung unter den Bedingungen der Transformation gelingen soll.

Düsseldorf lebt von Unternehmen, die Verantwortung übernehmen. Ein Ausbildungsplatz ist die sichtbarste Form dieser Verantwortung: Er sagt einem jungen Menschen, dass seine Zukunft nicht festgelegt ist – und einem Betrieb, dass er bereit ist, seine eigene Zukunft mitzugestalten.

Kurz vor dem 1. September ist deshalb noch vieles möglich. Ausbildungsplätze können besetzt, Kontakte geknüpft und Wege eröffnet werden. Unternehmen sollten ihre Stellen jetzt verstärkt ausschreiben und die Vermittlungsangebote der Agentur für Arbeit nutzen. Jugendliche sollten sich auch dann bewerben, wenn der perfekte Lebenslauf noch nicht existiert.

Die wichtigste Nachricht lautet: Der Ausbildungsmarkt ist nicht leer. Er ist voller ungenutzter Möglichkeiten. Man muss sie nur zusammenbringen.


Infotext:

Der Düsseldorfer Ausbildungsmarkt hat sich spürbar verändert: Erstmals übersteigt die Zahl der Ausbildungsinteressierten die Zahl der gemeldeten betrieblichen Ausbildungsstellen. Nach aktuellen Zahlen der Agentur für Arbeit Düsseldorf standen im Juli dieses Jahres 3.309 Bewerberinnen und Bewerber 3.041 betrieblichen Ausbildungsstellen gegenüber. Während sich immer mehr junge Menschen für eine duale Ausbildung interessieren, geht das Angebot an betrieblichen Ausbildungsplätzen, die bei der Agentur für Arbeit gemeldet wurden, zurück.

Die Agentur für Arbeit Düsseldorf, das Jobcenter Düsseldorf, die Handwerkskammer Düsseldorf, die Unternehmerschaft Düsseldorf und Umgebung e.V., die Stadt Düsseldorf, der Deutsche Gewerkschaftsbund Region Düsseldorf-Bergisch-Land, die Freien Berufe NRW und die IHK Düsseldorf appellieren gemeinsam an die Unternehmen, die aktuelle Entwicklung als Chance zu nutzen die Fachkräfte von morgen zu gewinnen. Das Interesse junger Menschen an einer dualen Ausbildung ist hoch. Sie rufen dazu auf, freie Ausbildungskapazitäten zu schaffen, offene Ausbildungsplätze zu melden und vorhandene Stellen konsequent zu besetzen.


 

Schicksal & Schornsteine – Die geheimen Orte in Gerresheim

Hinter verschlossenen Türen beginnt die spannendste Industriegeschichte Düsseldorfs!

(cs) In Teil 3 unserer Serie „Schicksal & Schornsteine“ gehen wir mit Peter Schulenberg auf eine besondere Reise durch Gerresheim – und öffnen für Euch Türen zu Orten, die längst nicht jeder zu sehen bekommt.

Der Industriepfad Düsseldorf-Gerresheim macht auf vier Kilometern eindrucksvoll erlebbar, wie die Industrialisierung Stadt, Gesellschaft und Umwelt verändert hat. 20 Stationen erzählen von einer bewegten Epoche: vom letzten von einst mehr als 40 Ringofenziegeleien im Düsseldorfer Stadtgebiet bis zum Gerresheimer Bahnhof – dem einzigen heute noch existierenden Düsseldorfer Bahnhof aus der Zeit der ersten westdeutschen Eisenbahnstrecke.

Zwischen 1838 und 1930 wurde Düsseldorf und Gerresheim geprägt wie in kaum einer anderen Epoche. Eine spannende Zeitreise zu geheimen Orten, besonderen Geschichten und den Spuren einer Industrie, die bis heute nachwirken.

Eine Produktion der Streamboxstudios und der Unternehmerschaft Düsseldorf im Rahmen des Podcasts „Düsseldorfer Wirtschaft“.

Ab dem 29. August 2026, 05:55 Uhr

Jetzt anhören überall wo es gute Podcast gibt und unter www.unternehmerschaft.de

Caravan Salon 2026: Düsseldorf wird zum Schaufenster für die Zukunft des mobilen Reisens

Foto: Messe

Von kompakten Campervans für Einsteiger bis zum Luxus-Reisemobil: Der Caravan Salon Düsseldorf zeigt ab Ende August die ganze Bandbreite des mobilen Urlaubs. Besonders auffällig sind der Trend zu mehr Leichtigkeit und der Wunsch nach Komfort und Autarkie. Mercedes-Benz setzt zudem auf neue Sprinter- und Marco-Polo-Modelle und Allradtechnik.


Von Christoph Sochart


Düsseldorf wird Ende August wieder zum internationalen Treffpunkt der Caravaning-Branche. Vom 28. August bis zum 6. September öffnet der CARAVAN SALON seine Tore. Mehr als 830 Aussteller präsentieren in 15 Hallen und auf dem Freigelände Reisemobile, Caravans, Campervans, Zubehör und Technik. Die Messe gilt als weltgrößte Veranstaltung für die mobile Freizeit.

Dabei zeichnet sich für die kommende Saison ein spannender Gegensatz ab: Auf der einen Seite werden Fahrzeuge kompakter, leichter und stärker auf preisbewusste Einsteiger zugeschnitten. Auf der anderen Seite wächst das Angebot an komfortablen Reisemobilen, die möglichst unabhängig vom Campingplatz unterwegs sein können. Mehr Allradantrieb, größere Badezimmer, leistungsfähige Batteriesysteme und Induktionskochfelder gehören zu den Trends.

Camping wird kompakter – und elektrischer

Gerade bei den kleineren Fahrzeugen geht der Trend zum Prinzip „weniger ist mehr“. Kompakte Caravans werden leichter und sollen damit auch von Elektroautos gezogen werden können. Bei Campervans verzichten manche Hersteller sogar auf ein fest eingebautes Bad, um Platz und Gewicht zu sparen.

Gleichzeitig hält die Elektrifizierung Einzug. Eifelland beispielsweise zeigt mit dem Relax einen vollelektrischen Campervan auf Basis des Nissan Interstar-e. Der 87-kWh-Akku soll laut Hersteller eine Reichweite von bis zu 460 Kilometern ermöglichen.

Auch die Energieversorgung im Fahrzeug wird wichtiger. Leistungsfähige Lithium-Batterien, Solaranlagen und Wechselrichter sollen dafür sorgen, dass Reisende länger unabhängig von Landstrom bleiben können. Komfort und Autarkie werden damit zu wichtigen Verkaufsargumenten.

Foto: Mercedes-Benz

Mercedes-Benz: Sprinter feiert Premiere

Besondere Aufmerksamkeit dürfte in Düsseldorf dem Auftritt von Mercedes-Benz gelten. In Halle 17 präsentiert der Konzern erstmals auf einer Messe die neuen Modelle Sprinter und Marco Polo/Marco Polo HORIZON. Beide sollen mehr Wohnlichkeit und Komfort bieten. Überarbeitet wurden unter anderem Raumgefühl, Beleuchtung und Verdunkelung, Akustik und Konnektivität.

Eine wichtige Änderung betrifft auch die Produktion: Marco Polo und Marco Polo HORIZON werden künftig vollständig innerhalb von Mercedes-Benz gefertigt. Damit will das Unternehmen flexibler auf die Nachfrage reagieren.

Zum Messeauftritt gehört außerdem ein Stück Automobilgeschichte. Mercedes-Benz bringt den Benz Patent-Motorwagen nach Düsseldorf. Vor 140 Jahren meldete Carl Benz sein „Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb“ zum Patent an. Damit steht auf dem Messestand ein Symbol für die Anfänge des Automobils direkt neben den neuesten Entwicklungen für das mobile Reisen.

Allrad für das vollintegrierte Reisemobil

Auch technisch setzt Mercedes-Benz einen Schwerpunkt. Das vom Sprinter bekannte „Torque-on-Demand“-Allradsystem soll künftig auch für vollintegrierte Reisemobile angeboten werden. Die Kraftverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse wird dabei automatisch an die jeweilige Fahrsituation angepasst. Gerade auf Schnee, unbefestigten Wegen oder schwierigem Untergrund kann das Vorteile bringen.

Wie das aussehen kann, zeigt in Düsseldorf KABE mit dem Prototyp Imperial Ri830 TRAQ 4×4 auf Sprinter-Basis. Das Fahrzeug verbindet Allradtechnik mit einem komfortablen Wohnbereich, Küche, Bad und großzügiger Heckgarage. Auch andere Hersteller nutzen den Sprinter als Basis für neue Reisemobile – darunter Rhön Camp, LAIKA, Offtrack, AllRoad, Captain Camper und ATLANTIS.

Foto: Mercedes-Benz

Zwischen 1,5-Millionen-Euro-Mobil und Einsteiger-Camper

Wie breit das Angebot auf dem Caravan Salon ist, zeigt ein Blick auf die Premieren. Während Ahorn Camp mit neuen Move-Modellen gezielt preisbewusste Einsteiger anspricht, präsentiert Action Mobil mit dem Global XRS 7400 Leopard ein 26 Tonnen schweres Expeditionsmobil auf MAN-TGS-6×6-Basis. Preis: rund 1,5 Millionen Euro.

Dazwischen liegt eine enorme Vielfalt: Carthago überarbeitet seine Chic-E-Line, Hymer präsentiert neue vollintegrierte B-ML-Modelle auf Sprinter-Basis, Knaus bringt wintertaugliche Caravans mit Fußbodenheizung und Dethleffs erweitert sein Angebot um neue XL-Reisemobile. Auch zahlreiche kleinere Hersteller bringen neue Grundrisse und Konzepte mit nach Düsseldorf.

Der Caravan Salon zeigt damit mehr als neue Fahrzeuge. Die Branche reagiert auf unterschiedliche Bedürfnisse: Der eine sucht einen möglichst kleinen und effizienten Camper für das Wochenende, der andere ein autarkes Reisemobil für lange Touren. Düsseldorf wird vom 28. August an zum Schaufenster dieser Entwicklung – zwischen Elektromobilität, Digitalisierung, Offroad-Technik und dem klassischen Traum von der Freiheit auf vier Rädern.

ElectronicPartner und Terra Robotics bringen Servicerobotik aus dem Showroom in den Fachmarkt

Vorstand Matthias Assmann Foto: ElectronicPartner

Roboter sind längst unter uns. Sie reinigen Flughäfen, sortieren Waren, unterstützen in Fabriken und übernehmen Aufgaben, bei denen Präzision und Ausdauer gefragt sind. Trotzdem bleibt Robotik für viele Menschen eine Technologie aus der Ferne: sichtbar auf Messen, in Produktvideos oder hinter den Türen spezialisierter Unternehmen.


Von Christoph Sochart


Das Düsseldorfer Unternehmen ElectronicPartner und Terra Robotics wollen das ändern. Ihr gemeinsames Pilotprojekt bei MEDIMAX in Berlin-Pankow bringt professionelle Servicerobotik dorthin, wo Kunden ohnehin unterwegs sind: in den stationären Handel. ElectronicPartner ist ein Mitgliedsunternehmen der Unternehmerschaft Düsseldorf.

Pünktlich zur IFA 2026 entsteht in dem Berliner Fachmarkt ein kompaktes Shop-in-Shop-Konzept. Es geht dabei ausdrücklich nicht um einen klassischen Verkaufsstore. Im Mittelpunkt steht eine Technologie, die man nicht nur erklären, sondern erleben muss.

Denn ein Reinigungsroboter bleibt abstrakt, solange man nur über Quadratmeterleistungen spricht. Ein Empfangsroboter bleibt eine Kuriosität, solange er lediglich auf einer Messe seine Runden dreht. Erst im Alltag wird aus Technik eine konkrete Frage: Was könnte dieses System in meinem Unternehmen leisten?

Raus aus der Messehalle, hinein in den Alltag

Genau an diesem Punkt setzt das Pilotprojekt an. Besucher können unterschiedliche Robotik-Lösungen in einem realen Handelsumfeld kennenlernen, ihre Funktionsweise beobachten und sich über konkrete Einsatzmöglichkeiten informieren.

Zum Start werden drei Systeme gezeigt, die bereits heute professionell eingesetzt werden: ein autonomer Reinigungsroboter für größere Flächen, ein Empfangsroboter für Gastronomie, Hotellerie und Handel sowie ein intelligenter Kehrroboter für Industrie- und Gewerbeanwendungen.

Das ist eine bewusste Auswahl. Sie zeigt Robotik nicht als futuristische Spielerei, sondern als Werkzeug für Aufgaben, die in Unternehmen jeden Tag anfallen. Böden reinigen. Gäste empfangen. Flächen kehren. Arbeit wird dort automatisiert, wo sie wiederkehrend, körperlich belastend oder schwer planbar ist.

Der stationäre Fachhandel wird damit zum Übersetzer zwischen Technologie und Lebenswirklichkeit. Er zeigt nicht nur, was ein Roboter kann. Er hilft bei der entscheidenden Anschlussfrage: Passt das zu meinem Betrieb?

Vertrauen entsteht nicht per Produktvideo

Gerade bei neuen Technologien ist die persönliche Begegnung ein Wettbewerbsvorteil. Unternehmer wollen wissen, ob ein System mit den eigenen Räumlichkeiten zurechtkommt, wie es sich in bestehende Abläufe integrieren lässt und wer im Fall einer Störung erreichbar ist. Kunden wiederum möchten verstehen, ob Robotik den Menschen ersetzt – oder ob sie ihn von Aufgaben entlastet, für die sich oft nur schwer Personal finden lässt.

Solche Fragen beantwortet kein Prospekt vollständig. Dafür braucht es Demonstration, Beratung und Erfahrung. Das Pilotprojekt soll deshalb nicht nur Produkte präsentieren, sondern Erkenntnisse liefern: Welche Lösungen wecken besonderes Interesse? Welche Fragen stellen Besucher? Wie hoch ist der Beratungsbedarf? Und welche Voraussetzungen müssen Händler erfüllen, wenn sie Robotik als neues Geschäftsfeld anbieten wollen?

Matthias Assmann, Vorstand von ElectronicPartner, beschreibt den Anspruch des Projekts so: „Mit dem Pilotprojekt machen wir Servicerobotik für unsere Mitglieder und Interessenten unmittelbar erlebbar. Für uns ist das ein wichtiger Schritt, um gemeinsam mit starken Partnern ein neues Geschäftsfeld mit einer nachhaltigen Wertschöpfung für den Fachhandel aufzubauen.“

Das ist der ökonomisch interessante Teil der Geschichte. Der Fachhandel verkauft nicht einfach eine weitere Produktkategorie. Er kann eine neue Rolle übernehmen: als regionaler Ansprechpartner für Beratung, Auswahl, Einführung und perspektivisch auch Service.

Ein neues Geschäftsfeld braucht Nähe

MEDIMAX ist die Franchisefachmarkt-Linie von ElectronicPartner und steht für hochwertige Produkte und umfassende Beratung. Der Markt in Berlin-Pankow ist zunächst Pilotfläche und Referenz für weitere Standorte. Die Erfahrungen aus dem täglichen Betrieb sollen in die Weiterentwicklung des Konzepts einfließen.

Diese Nähe zum Kunden ist für Robotik entscheidend. Ein Unternehmen, das über die Anschaffung eines Serviceroboters nachdenkt, braucht meist keine technische Vorlesung. Es braucht jemanden, der die eigene Situation versteht: die Größe der Fläche, die Arbeitszeiten, die Besucherfrequenz, die Anforderungen an Hygiene und Sicherheit und die Frage, ob sich die Investition rechnet.

Terra Robotics begleitet das Projekt als Technologie- und Lösungspartner und bringt Erfahrungen aus unterschiedlichen Robotik- und Automatisierungsprojekten ein. Geschäftsführer Murat Arpaci formuliert den Grundgedanken: „Die Technologie muss sichtbar und regional verfügbar werden, wenn wir daraus einen echten Markt entwickeln wollen. Der Fachhandel bietet dafür ideale Voraussetzungen: Nähe zum Kunden, persönliche Beratung und bestehende Service-Strukturen.“

Das ist mehr als eine Vertriebsstrategie. Es ist eine Marktthese: Robotik wird sich nicht allein deshalb durchsetzen, weil die Systeme leistungsfähig sind. Sie wird sich dort durchsetzen, wo Menschen ihren praktischen Nutzen verstehen und Vertrauen in die Umsetzung entwickeln.

Berlin ist der Anfang, nicht das Ziel

Die Projektpartner planen bereits die Ausdehnung auf weitere Standorte. „Berlin ist für uns der sichtbare Startpunkt, aber nicht das Ende des Projekts“, sagt Henning Lohmann, Director Business Development Robotics bei ElectronicPartner Österreich. Bis zum Jahresende soll ein flächendeckendes Netzwerk aufgebaut werden, das Kunden regionalen Zugang zu Beratung, Demonstration, Vertrieb und perspektivisch auch Service ermöglicht.

Damit würde Robotik aus der Logik des Einzelprojekts herauskommen. Heute ein Roboter beim Kunden, morgen vielleicht eine regionale Struktur, die Unternehmen auf dem Weg von der ersten Idee bis zum laufenden Betrieb begleitet.

Das ist wichtig, weil Automatisierung selten mit dem Kauf eines Geräts endet. Sie beginnt dort erst richtig. Prozesse müssen angepasst, Mitarbeiter eingebunden und Erwartungen realistisch gesetzt werden. Ein guter Händler ist in diesem Modell nicht bloß Verkäufer, sondern Kümmerer – und manchmal auch Dolmetscher zwischen den Sprachen von Technik und Betriebsalltag.

Der Roboter als Nachbar

Die IFA bietet für den Start den passenden Rahmen. Im MEDIMAX Fachmarkt Berlin-Pankow wird die Pilotfläche rund um die Messetage installiert. Auf dem IFA-Stand von ElectronicPartner im CityCube präsentiert Terra Robotics ausgewählte Systeme live.

Für interessierte Fachhändler ist außerdem ein rund zweistündiger Robotik-Rundgang zu relevanten Herstellern geplant. Der Rundgang konzentriert sich bewusst auf Marken, die tatsächlich über Terra bezogen werden können. Das macht das Format praktisch: weniger Zukunftsschau, mehr Orientierung für konkrete Geschäftsentscheidungen.

Wer tiefer einsteigen möchte, kann am 9. und 10. September beim Open House von Terra Robotics und comTeam in Löhne weitere Eindrücke sammeln. Mitglieder der Verbundgruppe können dort Reinigungs-, Service- und Empfangsroboter live erleben, sich über Marktchancen und Erlösmodelle informieren und ein persönliches Ankündigungsvideo für die Kundenansprache erstellen.

Der eigentliche Wert des Projekts wird sich aber nicht in den großen Messehallen entscheiden. Er entscheidet sich im täglichen Betrieb des Fachmarkts. Bleiben Besucher stehen? Stellen sie Fragen? Entstehen daraus Gespräche mit Gewerbekunden? Werden aus Gesprächen erste Anwendungen und aus ersten Anwendungen tragfähige Geschäftsmodelle?

Das sind die nüchternen Fragen hinter der sichtbaren Innovation. Und gerade deshalb ist der Ansatz überzeugend. Robotik wird nicht als ferne Zukunft verkauft, sondern als Gegenstand einer ganz normalen Beratung – neben Fernsehern, Haushaltsgeräten und Netzwerktechnik.

Vielleicht ist das der Moment, in dem eine Technologie erwachsen wird: wenn sie nicht mehr nur bestaunt, sondern in den Alltag eingeordnet wird.

ElectronicPartner und Terra Robotics setzen dafür auf einen bemerkenswert bodenständigen Weg. Sie bauen keinen Tempel der Zukunft. Sie stellen Roboter in einen Fachmarkt und warten ab, was passiert.

Manchmal beginnt Fortschritt genau so: nicht mit einer großen Ansage, sondern mit einer offenen Tür.