Deutscher Nachhaltigkeitspreis in Düsseldorf vergeben: alle Gewinner heute bei uns!

Foto: Deutscher Nachhaltigkeitspreis/Christian Koester

In Anwesenheit von Bundeskanzler Olaf Scholz wurde am Freitag der 15. Deutsche Nachhaltigkeitspreis in Düsseldorf übergeben. Vorreiter der Transformation aus verschiedenen Branchen und Sektoren wurden für wirksame Konzepte gegen Klimawandel, Ressourcenverschwendung und gesellschaftliche Spaltung ausgezeichnet. Fürst Albert II. von Monaco, die französische Sängerin Zaz und Musiker Michael Patrick Kelly nahmen Ehrenpreise für ihr soziales und ökologisches Engagement entgegen.

„Dass die Spitzen des Staates bei uns die Akteure der Transformation gewürdigt haben, zeigt, dass Nachhaltigkeit weiter oben auf der politischen Agenda steht. Die Wirtschaft ist der Motor des Wandels.“ sagt Stefan Schulze-Hausmann, der Initiator der Auszeichnung.

Spitzen der Politik

Neben dem Bundeskanzler, der den Abend mit einer Rede eröffnete, zählten die Bundestagspräsidentin und diesjährige Schirmfrau Bärbel Bas, Bundesratspräsident Dr. Peter Tschentscher und Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze zu den politischen Bühnengästen.

Fürst Albert II. von Monaco wurde für seine „Prince Albert II of Monaco Foundation“, die Musiker Michael Patrick Kelly und Zaz für soziale Projekte gewürdigt. Beide sorgten neben der OPUS-Preisträgerin Tianwa Yang und Andrew Roachford, Sänger von „Mike & the Mechanics“, für das musikalische Entertainment des Abends.

Vorreiter in der Wirtschaft

Seit 2008 zeichnet der Deutsche Nachhaltigkeitspreis Unternehmen aus, die ihr Geschäftsmodell nachhaltig ausrichten, und konkrete Beiträge zum Wandel leisten. In diesem Jahr gewann im Transformationsfeld Biodiversität die Allos Hof-Manufaktur GmbH, führender und B-Corp zertifizierter Hersteller von vegetarischen und veganen Bio-Lebensmitteln. Das Dialoghaus Hamburg gGmbH, das Besucher:innen in Ausstellungen erleben lässt, wie Menschen mit Behinderungen unsere Umgebung wahrnehmen, erhielt den Preis im Feld Gesellschaft. Für Klimaschutzengagement wurden die nachhaltig orientierte Druckerei Lokay e. K. und die Klöckner & Co SE geehrt, die im Bereich grüne Stahlindustrie eine Vorreiterrolle übernimmt. Der Naturkosmetikhersteller Laverana GmbH & Co. KG und die Nickelhütte Aue GmbH setzten sich beim Thema Ressourcen durch. Die Wildling Shoes GmbH überzeugte mit ihrer auf sozialer und ökologischer Ebene besonders nachhaltigen Lieferkette.

Der Architekturpreis für die nachhaltigsten Bauprojekte

Zum zehnten Mal wurde am Freitagnachmittag im Rahmen des 15. Deutschen Nachhaltigkeitstages der Deutsche Nachhaltigkeitspreis Architektur verliehen. Sieger ist in diesem Jahr das Hotel WILMINA in Berlin, ein Bauprojekt der Grüntuch Ernst Architekten. Die Transformation des ehemaligen Frauengefängnisses überzeugte die Jury als gelungenes Beispiel für die Nachverdichtung im Gebäudebestand mit minimalem C02-Fußabdruck und bei gleichzeitiger Entsiegelung und Renaturierung von Flächen. Der Preis wird gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen – DGNB e.V. und mit Unterstützung durch die Bundesarchitektenkammer, den Bund Deutscher Architekten und die Bundesstiftung Baukultur sowie CAPAROL vergeben.

Globale Unternehmenspartnerschaften für die gleichberechtigte Teilhabe aller

Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis Globale Unternehmenspartnerschaften zeichnet seit 2018 nachhaltige Kooperationen zwischen in Deutschland ansässigen Unternehmen und einem im Globalen Süden ansässigen Partner aus. Im Fokus der Ausschreibung stand in diesem Jahr die gleichberechtigte Teilhabe aller am sozialen, politischen und wirtschaftlichen Leben, unabhängig von Geschlecht, Geschlechtsidentität, sexueller Orientierung, Hautfarbe, Behinderung oder anderen Merkmalen. Gewonnen hat das Textilunternehmen Verdonna mit dem peruanischen Partner INTERLINKS CONSULTING GROUP SAC. Die Partnerschaft richtet sich nach den “Women’s Empowerment Principles” und ermöglicht den Handarbeiter:innen in Peru ein selbstbestimmteres Leben. Der Preis wird in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) vergeben und wurde am Abend von Bundesministerin Svenja Schulze überreicht.

Innovative Verpackungslösungen

Die Saier Verpackungstechnik GmbH & Co. KG hat mit dem S-Liner Peel einen Verpackungseimer auf den Markt gebracht, der mit einer abziehbaren Innenfolie versehen ist, sodass Produktreste (z. B. von Wandfarben, Bauklebern oder anderen halbflüssigen Baustoffen) einfach und wirksam entfernt werden können. Somit wird die Recyclingfähigkeit einer unvermeidbaren Einwegverpackung bzw. die Qualität des Rezyklats eklatant verbessert, die Eimer können potenziell sogar wieder befüllt werden. Der Sonderpreis Verpackung wurde zum vierten Mal von der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis in Zusammenarbeit mit der REWE Group vergeben.

Start-ups der Green Economy

Nach einem inhaltlichen Relaunch wurde der Next Economy Award 2.0 gemeinsam mit Evonik Industries vergeben. Neben grünen Start-ups, die die „nächste“, nachhaltigere Wirtschaft mitgestalten wollen, konnten sich erstmalig auch Kooperationen zwischen Start-ups und etablierten Unternehmen bewerben. Nach den Live-Pitches im Kongress verkündete die Jury im Anschluss die drei Sieger des diesjährigen NEA. Gewonnen haben die Installion GmbH, die über die eigene digitale Plattform deutschlandweit Montage-Aufträge in den Bereichen Photovoltaik, Batteriespeicher und Ladeboxen vermittelt und somit Engpässen in der Branche entgegenwirkt, die ProteinDistillery GmbH, die ein Verfahren entwickelt hat, durch das vegane Produkte tatsächlich alle relevanten Aspekte von tierischen Produkten ersetzen, ohne dass dabei auf Zusatzstoffe zurückgegriffen werden muss und die traceless materials GmbH, die biozirkuläre, vollständig kompostierbare Kunststoffalternativen für die kunststoffverarbeitende Industrie herstellt.

Neue Auszeichnung für „Local Heroes“

Erstmalig wurde am Freitagabend der Sonderpreis „Local Heroes“ verliehen. Die Auszeichnung richtet sich an Unternehmen jeder Größe und aller Branchen, die Nachhaltigkeit auf regionaler Ebene an ihrem Standort vorantreiben. Gewonnen hat das Sozialunternehmen Quartiermeister – korrekter Konsum GmbH, die erste gemeinwohlbilanzierte Biermarke Deutschlands. Das Unternehmen investiert 10% ihrer Roherlöse in soziale und kulturelle Projekte, über die die Gesellschaft selbst durch ein offenes Online-Voting entscheidet. Der Sonderpreis wird in Zusammenarbeit mit den Sparkassen und der DekaBank verliehen.

Ehrenpreise für starke Stimmen der Nachhaltigkeit

Mit den Ehrenpreisen würdigt die Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis jedes Jahr prominente Persönlichkeiten, die sich auf vielfältige Weise öffentlich für mehr Nachhaltigkeit einsetzen. Durch ihre Strahlkraft verhelfen sie ökologischen und sozialen Themen und somit auch den Preisträgern der Wettbewerbe zu mehr Aufmerksamkeit. Im Rahmen der Preisverleihung des Deutschen Nachhaltigkeitspreises Design am Donnerstagabend erhielten Toni Garrn und Prof. Dr. Michael Braungart den Ehrenpreis. Mit ihrer „Toni Garrn Foundation“ sorgt das Model für bessere Bildungschancen für junge Frauen in Afrika. Prof. Dr. Michael Braungart wurde als Begründer des Cradle-to-Cradle-Designprinzips geehrt, das als herausragender Ansatz für eine besonders konsequente Kreislaufwirtschaft gilt. Der „grüne Fürst“ – wie Albert II. in Monaco genannt wird – stellt sich seit Beginn seiner Amtszeit in den Dienst des Klimaschutzes. Seine „Prince Albert II of Monaco Foundation“, eine der wirkungsstärksten Umweltstiftungen weltweit, organisiert Projekte im Kampf gegen den Klimawandel. Sängerin Zaz macht sich mit ihrer Organisation Zazimut vor allem für die Themen Bildung und nachhaltige Entwicklung stark. Michael Patrick Kelly sorgt seit einigen Jahren mit seinem Friedensprojekt #Peacebell für Aufmerksamkeit. Symbol des Projektes ist eine aus Kriegsschott gegossene Friedensglocke.

Die Sieger der Preisverleihung am 2. Dezember auf einen Blick:

Deutscher Nachhaltigkeitspreis Unternehmen 2023

Transformationsfeld Biodiversität

  • Allos Hof-Manufaktur GmbH

Transformationsfeld Gesellschaft

  • Dialoghaus Hamburg gGmbH

Transformationsfeld Klima

  • Druckerei Lokay e. K.
  • Klöckner & Co SE

Transformationsfeld Ressourcen

  • Laverana GmbH & Co. KG
  • Nickelhütte Aue GmbH

Transformationsfeld Lieferkette

  • Wildling Shoes GmbH

Deutscher Nachhaltigkeitspreis Architektur 2023

  • Hotel WILMINA (Grüntuch Ernst Architekten)

Deutscher Nachhaltigkeitspreis Globale Unternehmenspartnerschaften 2023

  • Verdonna mit INTERLINKS CONSULTING GROUP SAC

Sonderpreis Verpackung 2023

  • SAIER Verpackungstechnik GmbH & Co. KG

Next Economy Award (NEA 2.0) 2023

  • Installion GmbH
  • ProteinDistillery GmbH
  • traceless materials GmbH

Sonderpreis „Local Heroes“ 2023

  • Quartiermeister – korrekter Konsum GmbH

Awardkugeln #DNP15 / brandmission

Unsere Stiftung unterstützt auch 2023 Studierende der Hochschule Düsseldorf

Unsere Stiftung freut sich auch im kommenden Jahr wieder Studierende der Hochschule Düsseldorf aus den Bereichen Maschinenbau, Elektrotechnik und Verfahrenstechnik unterstützen zu können. Betreut werden sie in der Stiftung von Christina Moeser (2.v.l.). Die Studierenden erhalten monatlich 300 EUR und werden zu vielen Workshops und Seminaren der Unternehmerschaft Düsseldorf eingeladen. Außerdem können die angehenden Ingenieurinnen und Ingenieure im Netzwerk der Unternehmerschaft mitwirken und frühzeitig Kontakte zu Düsseldorfer Unternehmen aufbauen.

Der neue eSprinter wird ab dem zweiten Halbjahr 2023 in Charleston, Düsseldorf und Ludwigsfelde produziert

Der neue Mercedes-Benz eSprinter

Ein Vorserienfahrzeug des neuen Mercedes-Benz eSprinter absolvierte jetzt eine besondere Testfahrt: Mit nur einer Akkuladung und ohne Nachladen führte die Route vom Mercedes-Benz Museum in Stuttgart bis zum Flughafen München und wieder zurück. Das entspricht einer Streckenlänge von 475 Kilometer bei einem Stromverbrauch von 21,9 kWh auf 100 Kilometer. Und das, obwohl die Strecke durch hohe Autobahnanteile und den Anstieg auf die Schwäbische Alb mit Blick auf Verbrauchswerte äußerst anspruchsvoll ist. Fazit der Testfahrt: Der neue Mercedes-Benz eSprinter überzeugt. Der neue eSprinter wird ab dem zweiten Halbjahr 2023 sukzessive in Charleston (South Carolina/USA), Düsseldorf und Ludwigsfelde produziert werden, bestätigt uns die Mercedes-Benz-Presseabteilung.

Der neue Mercedes-Benz eSprinter wird mit drei unterschiedlichen Batteriegrößen auf den Markt kommen. Für die Testfahrt wurde ein Vorserienfahrzeug mit der größten der drei Varianten ausgewählt. Mit Blick auf eine praxisnahe Fahrzeugkonfiguration für den KEP-Einsatz (Kurier-, Express-, Paketdienst) wurde ein extralanger eSprinter mit Hochdach ausgewählt, um zu zeigen: Der neue Mercedes-Benz eSprinter ist auf Effizienz getrimmt. Zahlreiche Konfigurationsmöglichkeiten und ein hohes Ladevolumen bei gleichzeitig großer Reichweite machen den eSprinter zu einem der variabelsten elektrischen Large Vans der Welt.

Die Testfahrt

Um reale Bedingungen einer Express-Lieferung zwischen Stuttgart und München herzustellen, wurde die Fahrt nicht auf einer abgesperrten Teststrecke oder gar einem Prüfstand absolviert, sondern im innerstädtischen Verkehr sowie auf Bundesstraßen und Autobahnen und das bei realen topografischen Streckenbedingungen wie beispielsweise dem Anstieg auf die Schwäbische Alb. Neben dem Mercedes-Benz Versuchsfahrer saß während der gesamten Testfahrt ein Prüfer des TÜV Süd auf dem Beifahrersitz. Als neutrale Prüfinstanz bescheinigt der TÜV Süd, dass der auf dieser Testfahrt von Stuttgart nach München und zurück laut Kombiinstrument erzielte Verbrauch von 21,9 kWh auf 100 Kilometer mit einer Akkuladung erzielt wurde und dass das Fahrzeug in einem ordnungsgemäßen Zustand war.

Die Strecke

Um einen typischen Einsatzzweck aus der KEP-Branche nachzustellen, ging die Fahrt vom Mercedes-Benz Museum direkt am Mercedes-Benz Werk Untertürkheim auf der B10 in Richtung Göppingen und weiter nach Ulm. Dort wurde auf die Autobahn gewechselt, auf der A8 sowie der A99 führte die Strecke zum Flughafen München. Anschließend ging es auf der Autobahn zurück Richtung Stuttgart, wo am Wendlinger Kreuz die Fahrt über die B313 und die B10 wieder zum Mercedes-Benz Museum führte. Die Länge der Strecke betrug 475 Kilometer, der niedrigste Streckenabschnitt lag bei 210 Höhenmetern, der höchste bei 785 Metern über Normalhöhennull. Nach Ankunft zeigte das Kombiinstrument eine verbleibende Restreichweite von ca. 20 km an.

Der neue eSprinter

Mit dem neuen eSprinter setzt Mercedes-Benz Vans seine Elektrifizierungsstrategie konsequent um und unterstreicht seinen Führungsanspruch „Lead in Electric Drive“. Die Anforderungen wurden in enger Zusammenarbeit mit den Kunden definiert: Mit drei Batterie- und mehreren Aufbauvarianten vom Kastenwagen bis hin zum Fahrgestell für beispielsweise Kofferaufbauten wird der neue eSprinter deutlich flexibler und sowohl neue Kundensegmente als auch Märkte (neben Europa unter anderem auch erstmals USA und Kanada) erschließen. Die Reichweite kann sich im Vergleich zum aktuellen eSprinter je nach Konfiguration mehr als verdoppeln.

Prototype new Mercedes-Benz eSprinter

Durch Krisen geprägt: Mieten in deutschen Großstädten heute bis zu 37 Prozent höher als vor 5 Jahren

Die Mieten in Düsseldorf sind durchschnittlich um 16% gestiegen.

Die Mieten in deutschen Großstädten steigen seit Jahren nahezu unaufhaltsam an. Wer heute eine Mietwohnung sucht, zahlt bis zu 37 Prozent mehr als noch 2017. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse von immowelt, in der die Angebotsmieten von Wohnungen (40 bis 120 Quadratmeter, Bestand ohne Neubau) zwischen Januar und Oktober 2017 mit dem gleichen Zeitraum im Jahr 2022 verglichen wurden.

Demnach haben sich die Kaltmieten in den vergangenen 5 Jahren in allen 79 untersuchten Städten verteuert. In 33 Städten zahlen Wohnungssuchende aktuell sogar mindestens 20 Prozent mehr als noch 2017. Zum Vegleich: Die Inflation beträgt im gleichen Zeitraum knapp 15 Prozent, wobei vor allem die Entwicklung im laufenden Jahr die Teuerung getrieben hat.

Bis zur Corona-Krise erhöhten sich die Mieten in den meisten Großstädten nahezu ungebremst. Im Zuge der Pandemie stockte das Wachstum in den größten Städten allerdings. Die Nachfrage verschob sich in Richtung kleinerer Großstädte, wo sich die Preise in der Folge deutlich verteuerten. Zuletzt haben die Mieten auch in den Metropolen wieder zugelegt. So ist der Immobilienkauf aufgrund der seit Jahresbeginn deutlich gestiegenen Bauzinsen für viele Menschen nicht mehr leistbar. Dadurch konzentriert sich die Nachfrage noch stärker auf den Mietmarkt, was sich preistreibend auswirkt.

Hochpreisige Städte werden immer teurer

In den ohnehin hochpreisigen Städten sind die Mieten in den vergangenen 5 Jahren deutlich gestiegen. So sind die Angebotsmieten in München von 16,00 Euro auf 18,70 Euro pro Quadratmeter geklettert. Das entspricht einer Steigerung von 17 Prozent. In Stuttgart, der zweitteuersten Großstadt, zahlen Wohnungssuchende sogar 22 Prozent mehr für die Miete als vor 5 Jahren. Der Quadratmeter in der Schwabenmetropole kostet aktuell im Median 13,90 Euro. Damit sind Mietwohnungen in Stuttgart inzwischen teurer als in Frankfurt, wo die mittlere Angebotsmiete seit 2017 um 12 Prozent gestiegen ist und aktuell bei 13,50 Euro pro Quadratmeter liegt. Etwas stärker fällt der prozentuale Anstieg in Hamburg (12,50 Euro) und Köln (11,80 Euro) aus, wo sich Mietwohnungen seit 2017 um jeweils 18 Prozent verteuert haben. In Berlin (10,80 Euro) steht im gleichen Zeitraum ein Plus von 13 Prozent zu Buche. Für die Preissteigerungen ist insbesondere die ungebrochen starke Nachfrage nach Wohnraum bei gleichzeitig geringem Angebot verantwortlich. Zuletzt hat neben dem Anstieg der Bauzinsen und der daraus resultierenden Verschiebung der Nachfrage in Richtung Mietmarkt auch der Zuzug von Geflüchteten aus der Ukraine dafür gesorgt, dass sich die Mietpreise weiter erhöht haben.

In Düsseldorf beträgt der Anstieg plus 16 Prozent (11,30 EUR/qm), in Neuss plus 19 Prozent (9,20) und in Mönchengladbach sogar plus 23 Prozent (7,50).

Stärkste Anstiege in kleineren Großstädten

Noch stärkere prozentuale Anstiege als in den Metropolen gibt es in mehreren kleineren Großstädten. Diese haben vor allem im Zuge der Corona-Pandemie eine steigende Nachfrage verzeichnet, als die Einführung von Home-Office das Arbeiten fernab der Metropolen ermöglicht hat. Am deutlichsten fällt das Plus in Rostock aus, wo sich die Angebotsmieten seit 2017 um 37 Prozent erhöht haben. Während Wohnungssuchende vor 5 Jahren für den Quadratmeter noch 6,00 Euro zahlten, sind es aktuell bereits 8,20 Euro. Damit zählt Rostock allerdings immer noch zu den günstigeren Großstädten. In Heilbronn (+34 Prozent) und Heidelberg (+29 Prozent) haben die Angebotsmieten ebenfalls einen großen Sprung gemacht. Mit Quadratmeterpreisen von 11,00 Euro bzw. 12,50 Euro liegt das Preisniveau in beiden Städten allerdings deutlich über dem von Rostock. Wer hingegen eine Mietwohnung in Hildesheim (7,70 Euro; +28 Prozent) oder Pforzheim (9,40 Euro; +27 Prozent) sucht, zahlt totz starker Preisanstiege nach wie vor weniger als 10 Euro für den Quadratmeter.

Geringstes Plus in Salzgitter, Ingolstadt und Chemnitz

Doch nicht in allen Großstädten liegen die prozentualen Mietpreisanstiege im zweistelligen Bereich. Insgesamt sind die Angebotsmieten in 21 von 79 untersuchten Großstädten langsamer gestiegen als die Inflation. Am geringsten fällt die Veränderung im niedersächsischen Salzgitter (+4 Prozent) und im bayerischen Ingolstadt (+5 Prozent) aus. Daneben haben sich Mietwohnungen auch in mehreren ostdeutschen Großstädten seit 2017 nur moderat verteuert: Sowohl in Dresden und Halle (jeweils +9 Prozent) als auch in Magdeburg (+7 Prozent) und Chemnitz (+6 Prozent) liegt der prozentuale Zuwachs deutlich unter der Inflationsrate von etwa 15 Prozent im gleichen Zeitraum. Eine Außnahme ist Leipzig, wo die Angebotsmieten in den vergangenen 5 Jahren um 25 Prozent geklettert sind. Dank attraktivem Freizeit- und Kulturangebot und einer renommierten Universität ist die sächsische Großstadt vor allem bei jungen Erwachsenen beliebt. In den kommenden Jahren könnte es jedoch auch in anderen ostdeutschen Großstädten zu deutlich stärkeren Mietpreisanstiegen kommen. Dafür sprechen insbesondere die zunehmende Ansiedlung von Industrieunternehmen im Osten sowie das bisher vergleichsweise niedrige Preisniveau. In Zukunft könnte die Nachfrage nach Wohnraum in ostdeutschen Städten somit deutlich zunehmen.

Ausführliche Ergebnisgrafiken stehen hier zum Download zur Verfügung.

Berechnungsgrundlage:

Datenbasis für die Berechnung der Mietpreise waren auf immowelt.de inserierte Angebote. Dabei wurden ausschließlich Angebote berücksichtigt, die vermehrt nachgefragt wurden. Die Preise geben den Median der jeweils zwischen Januar und Oktober 2017 und 2022 angebotenen Wohnungen (40 bis 120 Quadratmeter, Bestand ohne Neubau) wieder. Der Median ist der mittlere Wert der Angebotspreise. Bei den Mietpreisen handelt es sich um Nettokaltmieten bei Neuvermietung.

boot Düsseldorf punktet auch 2023 mit ihrer besonderen Internationalität und hoher Qualität

Foto: Messe Düsseldorf

Im Düsseldorfer Messeturm herrscht große Vorfreude auf die boot 2023, die vom 21. bis 29. Januar wieder in Düsseldorf ihre Leinen auswirft. Rund 1.500 Aussteller werden im kommenden Jahr an Bord sein. „Unser großer Dank geht an die internationale Ausstellerschaft, die uns durch ihre Treue und Begeisterung für die boot so hervorragend unterstützen. Die Besucher werden auf der boot 2023 ein Feuerwerk an Yachten, Booten, Spaß, Sport und Action auf einer Fläche in der Größenordnung von 31! Fußballfeldern in 16 Messehallen erleben. Und ich sage ganz deutlich: alle Düsseldorfer Messen im Herbst, Winter und Frühjahr 2022/2023 werden stattfinden. Wir sind sowohl für Energie-Engpässe als auch gegen eine Virenverbreitung in den Hallen bestens gerüstet. Unsere Messehallen sind mit neuesten Hochleistungspartikelfiltern, sogenannten Hepafiltern, ausgestattet, die 99,9 Prozent der Viren aus der Luft eliminieren und auch die Energieversorgung ist rundum sicher. In den Hallen wird wie gewohnt eine durchgängige Temperatur von 19 Grad herrschen. Verglichen mit den wirtschaftlichen und geopolitischen Herausforderungen unserer Zeit verdient die boot 2023 das Prädikat besonders wertvoll“, erklärt Messechef Wolfram Diener.

Die boot Düsseldorf punktet auch 2023 mit ihrer besonderen Internationalität und hoher Qualität. Bootswerften, Anbieter von Tauchausstattung, Hersteller von Boards und Kanus ebenso wie zahlreiche Destinationen und Zubehör für den Wassersport verwandeln die Hallen im Januar in die größte, globale Indoor-Bootsmesse. boot Director Petros Michelidakis: „Die ganze Welt ist wieder zu Gast in Düsseldorf. Die Liste der ausstellenden Länder reicht von Australien bis Zypern. Ganz besonders freut mich, dass auch zahlreiche Tauchregionen wieder den Weg zu uns gefunden haben und die Besucher in exotische Unterwasserwelten entführen werden. So präsentieren sich zum Beispiel Tauchbasen in Ägypten, Curaçao, Israel, Kuba, Mauritius, Oman und Palau. Mit dem neuen Tauchturm und innovativem Equipment ist die Halle 12 der Dreh- und Angelpunkt der Tauchszene.“ Sowohl bei der Ausstellungsfläche als auch bei der Ausstellerzahl liegt die Internationalität bei fast 65 Prozent, damit erreicht die boot einen Topwert für Fachmessen.  Insgesamt sind im Januar mehr als 60 Länder in Düsseldorf vertreten.

Foto: Messe Düsseldorf

Mit den Slogans “My business starts here“ / „My freedom starts here“ spricht die boot Düsseldorf die Fachleute aus der Branche und alle Fans des Wassersports an und lädt wieder mit einem breiten Angebot für alle Menschen, die auf oder im Wasser aktiv sind, nach Düsseldorf ein. Erwartet werden eine Vielzahl an Boots- und Yachtpremieren. Und schon im Dezember werden die ersten Yachten nach Düsseldorf reisen, viele auf eigenem Kiel oder mit einem Yachttransport standesgemäß über den Rhein direkt zu ihrem temporären Liegeplatz im Messegelände.

Michelidakis: “Ich freue mich sehr, dass es uns gelungen ist, gemeinsam mit den Werften, Herstellern und Händlern, die boot wieder zum Branchentreffpunkt Nr. 1 zu machen. Bis auf sehr wenige Ausnahmen legen alle 2023 wieder in ihrem traditionellen Heimathafen in Düsseldorf an. Und die Besucher freuen sich darauf, mit der boot wieder in ihre Wassersportsaison zu starten. Erst vor wenigen Tagen ist der Online-Ticketverkauf für die boot gestartet und wir sehen schon jetzt eine gute Nachfrage nach den Eintrittskarten. Die boot Düsseldorf wurde in der Branche und in der Szene in den vergangenen drei Jahren schmerzlich vermisst. Umso schöner ist es, dass wir nun in alter Größe und Stärke im Markt zurück sind und wieder die gewohnten Impulse geben können.”

Ab sofort Tickets für die boot erhältlich

Tickets für die boot Düsseldorf 2023 sind ab sofort auf www.boot.de erhältlich. Der reguläre Online-Eintrittspreis beträgt 19,00 €, für www.boot.club.de und ADAC Mitglieder gibt es den vergünstigten Preis von 17,00 €. Eine Nachmittagskarte ist von Montag bis Donnerstag von 14:00 bis 18:00 Uhr für nur 10,00 € online erhältlich. An der Tageskasse vor Ort kostet der Eintritt 27,00 €. Kostengünstige Übernachtungen für alle boot und Caravaning Fans bietet im Januar das Caravan-Center der Messe Düsseldorf (25,00 € pro Nacht, Anreise ab 16:00 Uhr, Abreise bis 18:00 Uhr am nachfolgenden Tag). Über eine große Auswahl an Hotelzimmern verfügt die Reiseagentur bcd travel (Tel: +49 30 40365 2117, Mail: 347.01@bcdtravel.de) Alle aktuellen Informationen zur boot und ihrem Begleitprogramm gibt es online auf www.boot.de.

Startschuss für das erste „blue innovation dock“

Neben den zahlreichen Bootspremieren und neuen Trends zeigt die boot jedoch auch beim Thema Nachhaltigkeit und Wissenstransfer Flagge und gibt visionären Ideen eine Plattform. Das neue Nachhaltigkeitsforum “blue innovation dock” (bid) in der Halle 10, das schon im August sein erfolgreiches Kick-Off als Online-Veranstaltung während des CARAVAN SALON in Düsseldorf hatte, wird dabei internationale Maßstäbe setzen. Mit im Boot beim bid ist der Verband European Boating Industry (EBI), der mit seinem Sitz in Brüssel sehr gute Kontakte zur europäischen Politik unterhält. An allen neun Messetagen werden sich sowohl die Unternehmen aus und jenseits der Bootsbranche als auch Politik und Wissenschaft mit den drängenden Fragen rund um die maritime Zukunft beschäftigen und ihr Know-how mit dem Fachpublikum teilen. “Wir geben mit dem bid Themen wie Nachhaltigkeit, alternative Kraftstoffe, Kreislaufwirtschaft, Einsatz von alternativen Materialien beim Bootsbau oder auch den Nichtregierungsorganisationen (NGO) ein Forum, um sich einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Besonders beeindruckend ist die hervorragende Resonanz bei den potenziellen Sprechern und der europäischen Politik“, sagt Philip Easthill, EBI Generalsekretär.

Während der neun Messetage der boot 2023 tritt das bid jeden Tag mit einem anderen Panel-Motto an. Zum Auftakt am ersten boot Samstag steht der Dialog zwischen der Politik und der Branche im Fokus. Am Sonntag dreht sich alles um die Herausforderungen, die beim Einsatz nachhaltiger Antriebe auf Entscheider und Industrie zukommen werden. Internationale Start-Ups, Investment und ihre innovativen Entwicklungen sind die Themen am Montag. Wie sich die Kraftstoffe der Zukunft zusammensetzen wird am Dienstag diskutiert. Nachhaltige Materialien für eine gelungene Kreislaufwirtschaft werden am Mittwoch vorgestellt. Am Donnerstag fokussiert sich das bid auf nachhaltigen Tourismus und Wassersport. Aktuelle technische Innovationen für mehr Nachhaltigkeit sind das Topthema am Freitag. Am zweiten boot Samstag stellen sich die Akteure bekannter NGOs der Öffentlichkeit vor und gehen in den Dialog mit der Industrie. Engagierte Meeresaktivisten und Bootssportler sind am letzten boot Sonntag am Start und beantworten Fragen aus dem Publikum.

Zum bid sind alle Besucher der boot Düsseldorf 2023 herzlich eingeladen. Alle Panels werden gestreamt und auf www.boot.de ausgestrahlt.

Heimathafen für den internationalen Wassersport

boot Düsseldorf liegt vom 21. bis 29. Januar 2023 wieder am Rhein vor Anker

Die boot Düsseldorf ist seit 54 Jahren der Heimathafen und der Motor für den internationalen Wassersport. Sie bietet vom 21. bis 29. Januar 2023 Bootssport in allen Facetten und hat die Topmarken an Bord. Sowohl Segler als auch Motorbootfahrer finden hier vom Einstiegsbötchen und der Jolle bis zur Luxusyacht ein umfassendes Angebot. Auch Tauchen, Surfen, Paddeln oder Angeln stehen auf der boot im Fokus. Mit den innovativen und technisch ausgefeilten Produkten der Aussteller ist die boot die internationale Innovationsplattform ihrer Branche und jedes Jahr im Januar das Startsignal in die neue Wassersportsaison. Das umfassende touristische Angebot zum Urlaub und Sport auf, am und im Wasser der „Destination Seaside“ lockt alle Menschen, die ihre Freizeit am Meer, an Flüssen und Seen verbringen wollen. Attraktive Bühnenprogramme mit interessanten Interviewpartnern aus der Branche, neueste Trendsportangebote und ein hochkarätiger Mix aus Workshops und Meetings sowohl für den Freizeitsportler als auch für Experten machen die Messe weltweit einzigartig. Damit ist die boot Düsseldorf sowohl für die wassersportbegeisterte Familie als auch für internationale Fachleute 2023 wieder die erste Adresse.

Foto: Messe Düsseldorf

Klimaneutralität bis zum Jahr 2035: Rheinmetall trägt mit Photovoltaik zur Reduzierung von klimaschädlichen CO2-Emissionen bei

Die Rheinmetall-Zentrale in Düsseldorf

Der Technologiekonzern Rheinmetall ist einen weiteren Schritt auf dem Weg zur geplanten CO2-Neutralität im Jahr 2035 gegangen. Dank des Engagements des Konzerns und mit Unterstützung der lokalen Behörden konnte im Sommer dieses Jahres am Standort der Konzerntochter Pierburg SA in Abadanio, Spanien eine großflächige Solaranlage auf den Dächern der Werkshallen installiert werden.

Insgesamt 1.635 Solarmodule, die auf den Dachflächen verbaut wurden, erzeugen nun seit kurzem Solarstrom. Gerechnet wird mit einem jährlich erzeugten Volumen von rund 730.000 kWh. Durch diese nachhaltig erzeugte Energie können klimaschädliche CO2-Emissionen in Höhe von 175 Tonnen pro Jahr eingespart werden, so Berechnungen des Unternehmens.

Seit mittlerweile bereits zwölf Jahren arbeitet das Unternehmen in Spanien intensiv an einem langfristigen Aktionsplan zur Reduzierung klimaschädlicher Emissionen, nachdem im Jahr 2009 ein erstes Energieaudit durchgeführt worden war. Seither ist es angestrebtes Ziel, ein auch unter Gesichtspunkten des Umweltschutzes und der Emissionsreduzierung effizienter Produktionsstandort zu werden. So gelang über die jetzige Installation hinaus mit der Implementierung verschiedener Maßnahmen im Laufe der Jahre die Effizienzsteigerung in puncto Nachhaltigkeit auch in weiteren industriellen Prozessen. Zu nennen sind hier insbesondere die Einführung eines geothermischen Austauschsystems, einer Isolierung von Rohrleitungen, automatischen Steuerungssystemen für Heizlüfter, automatischen Druckluftregelungssystemen sowie von Druckluftsystemen zur Leckerkennung, der LED-Technologie und von intelligenten Beleuchtungssystemen (KNX) sowie einer Kühlmittelfilterung und Brikettierungssystemen.

Im Verlauf dieser Jahre wurde der Standort von verschiedenen Einrichtungen und staatlichen Stellen für sein Engagement und die kontinuierlich erfolgreich durchgeführten Optimierungsmaßnahmen zur Reduzierung der CO2-Emissionen ausgezeichnet. Im Jahr 2014 erhielt Pierburg in Spanien eine besondere Anerkennung der Energieabteilung der baskischen Regierung, im darauffolgenden Jahr wurde das Energiemanagementsystem im Rahmen der EFQM-Auszeichnung als gute Praxis anerkannt und im Jahr 2016 erhielt der Standort eine besondere Anerkennung durch den CEBEC, den Verband der wichtigsten Unternehmen in Bizkaia.

Wir werden noch einige Zeit mit hohen Inflationsraten leben müssen, sagt Ulrike Neyer, Professorin für Volkswirtschaftslehre an der Heinrich-Heine-Universität


Foto: HHU

Die Inflationsraten in der Eurozone sind so hoch wie noch nie. Deshalb hat die Europäische Zentralbank (EZB) begonnen, den Leitzins zu erhöhen. Gleichwohl werden wir noch einige Zeit mit hohen Inflationsraten leben müssen, sagt Ulrike Neyer, Professorin für Volkswirtschaftslehre an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

Die extrem hohen Inflationsraten in der Eurozone sind vornehmlich dem Mangel geschuldet: an Gas und anderen Energieträgern, an Vorprodukten aufgrund gestörter Lieferketten und nicht zuletzt an Fachkräften, die vor allem in Deutschland fehlen. Da kann die Europäische Zentralbank mit einem höheren Leitzins doch nur wenig ausrichten, oder?

Die Erhöhung des Leitzinses bringt in puncto Inflationsbekämpfung schon etwas, sie wirkt allerdings erst mittelfristig. Kurzfristig kann die EZB die Inflationsrate nicht nach unten drücken. Wir müssen also davon ausgehen, dass die Inflationsrate in den nächsten Monaten noch relativ hoch bleibt.

Wenn sich die Energiepreise stabilisieren, wird die Inflationsrate im kommenden Jahr wieder sinken.

Das liegt auch daran, dass wir für die Berechnung der Inflationsrate aktuell Preise vergleichen mit Preisen von vor einem Jahr, als die Energiepreise noch relativ niedrig waren. Da die Energiepreise aller Wahrscheinlichkeit nach nicht massiv sinken werden, werden sich die Preise im Zwölfmonatsvergleich erst im kommenden Jahr wieder annähern – und dann wird auch die Inflation gebremst. Entscheidend ist also, wie sich die Energiepreise entwickeln: Stabilisieren sie sich, wird die Inflationsrate wieder sinken.

Was hält die EZB davon ab, den Leitzins einfach auf 10 Prozent zu erhöhen?

Die Europäische Zentralbank sollte die Zinsen nicht abrupt anheben, sondern besser mit Augenmaß weiter erhöhen, um den Rückgang der wirtschaftlichen Aktivitäten, also des Bruttoinlandsprodukts, in Grenzen zu halten. Für weitere Erhöhungen mit Augenmaß gibt es drei Gründe: Zum Ersten betreibt die EZB ja immer noch eine expansive Geldpolitik – die Zinsen sind ja nach wie vor relativ niedrig, sie wirken noch stimulierend auf die Nachfrage, während das Angebot beschränkt ist. Und das wiederum treibt die Preise noch nach oben.

Zweitens wird die Inflation angetrieben, weil Waren, die wir aus den USA importieren, teurer werden. Denn die amerikanische Zentralbank hat die Zinsen schon früher und stärker erhöht als die EZB. Deswegen kaufen Anleger eher amerikanische Anleihen, es werden also Dollar nachgefragt. Folglich wertet der Dollar auf und der Euro wertet ihm gegenüber weiter ab. Dadurch werden Güter wie beispielsweise Erdöl, die importiert werden müssen, weiter teurer – und das trägt ebenfalls zur steigenden Inflation bei. Um diese importierte Inflation einzudämmen, sind also weitere Zinserhöhungen der EZB nötig.

Und der dritte Punkt, warum die Zinsen steigen sollten, ist, dass die Inflationserwartungen stabilisiert werden müssen. Die EZB muss signalisieren, dass die Inflationsbekämpfung wirklich ihr oberstes Ziel ist.

Für das kommende Jahr sagen die Konjunkturprognosen für viele Länder eine Rezession voraus, auch für Deutschland. Was bedeutet das für die EZB?

Wir erwarten für den Euroraum im kommenden Jahr eine wirtschaftliche Abkühlung, in Deutschland wird der Abschwung am größten ausfallen. Wenn die EZB nun massiv die Zinsen erhöhen würde, würde dieser Effekt noch verstärkt werden. Schon jetzt geht das reale Einkommen der Menschen und damit deren Nachfrage zurück, das reduziert den Druck auf die Preise bereits.

Die Inflationsraten in der Eurozone sind extrem unterschiedlich – rund 6 Prozent in Frankreich, mehr als 24 Prozent in Estland. Kann die Geldpolitik der EZB diesen gravierenden Unterschieden überhaupt gerecht werden?

Das ist schwierig. Deshalb orientiert sich die EZB an der durchschnittlichen Inflationsrate der Eurozone. Das wird allerdings umso problematischer, je weiter die Inflationsraten der Euroländer auseinanderliegen. Die durchschnittliche Inflationsrate der Eurozone liegt im Moment bei rund 10 Prozent und an diesem Durchschnittswert orientiert sich die EZB, obwohl Estland höhere Leitzinsen bräuchte als Frankreich.

In Deutschland beträgt die Inflationsrate rund 10 Prozent, in den laufenden Tarifverhandlungen ist nur noch selten von Lohnzurückhaltung die Rede. Droht uns eine Lohn-Preis-Spirale?

Im Moment ist das nicht zu befürchten. Die Löhne werden steigen, ja, aber eine Gefahr der massiven Steigerung des Lohnniveaus, die zu exorbitant höheren Produktionskosten und damit wiederum zu erneut steigenden Verbraucherpreisen führt, sehe ich aktuell nicht.

Die Bundesregierung gibt sehr viel Geld aus, um die Bürgerinnen und Bürger zu entlasten. Sollte sie, statt die Symptome der Krise zu behandeln, nicht lieber an die Ursachen ran? Also beispielsweise die erneuerbaren Energien schnellstmöglich ausbauen und neue Lieferländer für kritische Rohstoffe suchen?

Ja! Mein Problem mit den ganzen Entlastungspaketen ist, dass sie zum großen Teil nicht zielgenau sind. Es sollten nur die Haushalte finanziell entlastet werden, die die aktuellen Preissteigerungen nicht selbst tragen können. Hier wären Direktzahlungen sinniger. Im neuen Gutachten des Sachverständigenrats gibt es eine schöne Grafik, die zeigt, wie stark die unterschiedlichen Haushaltstypen von der Inflation betroffen sind. Da sieht man sehr gut, dass Haushalte mit einem geringen Einkommen eine höhere Inflationsrate haben als solche mit einem relativ hohen Einkommen. Das liegt einfach daran, dass Einkommensschwächere einen größeren Anteil ihres Budgets für Lebensmittel, Miete und Energie aufwenden müssen als wohlhabendere Menschen – und genau diese Waren und Güter sind besonders teuer geworden.

Gibt es aus Ihrer Sicht ein Land in Europa, das aktuell eine bessere Inflationspolitik hinbekommt als Deutschland?

Die Geldpolitik ist ja für alle 19 Länder der Eurozone gleich, weil die EZB für deren Preisstabilität zu sorgen hat. Die EZB hat zwar zu spät reagiert, aber jetzt ist sie ja mit den Zinserhöhungen auf dem richtigen Weg.

Ein Land, das schon recht früh einen Gaspreisdeckel zur Stromerzeugung eingeführt hat, ist Spanien. Auch Frankreich hat seine Bürger früher und stärker entlastet als Deutschland. Aber dabei werden Preissignale außer Kraft gesetzt und gerade in Spanien hat das dazu geführt, dass die Knappheitsverhältnisse nicht mehr gesehen wurden und der Gasverbrauch zur Stromerzeugung sogar angestiegen ist.

Ich wüsste also kein Land, das die Bekämpfung der Inflation deutlich besser als Deutschland hinbekommen hat.

Quelle: IW Köln

Sonderausgabe der M+E-Zeitung zum Tarifabschluss

Mehr Geld in zwei Stufen für die Beschäftigten, Planungssicherheit für die Betriebe: Das bringt der Tarifabschluss 2022 für die Metall- und Elektro-Industrie. „In einem Umfeld von Rezession, Preisdruck auf Beschäftigte wie Unternehmen, Corona und Krieg schaffen wir damit langfristige Planbarkeit für alle Beteiligten und setzen ein deutliches Zeichen der Zuversicht“, betont Gesamtmetall-Präsident Dr. Stefan Wolf. Der Abschluss sei ein Vorschuss auf das Wachstum, auf das die Unternehmen ab 2024 wieder hoffen.

Dem Kompromiss in Baden-Württemberg vorausgegangen waren lange und schwierige Verhandlungen der M+E-Tarifparteien sowie bundesweite Warnstreiks. Mit dem Abschluss in der fünften Runde konnte ein Arbeitskampf abgewendet werden. Für Deutschlands größten Industriezweig mit seinen über 3,9 Millionen Beschäftigten gilt die Vereinbarung als Pilotabschluss.

Die wichtigsten Eckpunkte der Einigung: Die Beschäftigten erhalten 5,2 Prozent mehr Geld ab Juni 2023 und weitere 3,3 Prozent ab Mai 2024. Außerdem gibt es 3.000 Euro als steuer- und abgabenfreie Inflationsausgleichsprämie, ausgezahlt in zwei Tranchen. Die lange Laufzeit von 24 Monaten bringt Unternehmen und Beschäftigten Planungssicherheit.

Alle Ergebnisse in dieser Sonderausgabe der M+E-Zeitung.

Podcastfolge 110: Tarifabschluss sorgt für Planungssicherheit in Unternehmen

Mit der Übernahme des baden-württembergischen Pilotabschlusses in der Tarifauseinandersetzung der Metall- und Elektroindustrie gibt es für die Betriebe in Düsseldorf, Neuss und dem Kreis Mettmann wieder etwas mehr Planungssicherheit. Das ist für die Unternehmen eine gute Nachricht. Weitere Streiks wurden damit abgewendet. Wir schauen in der Podcastfolge 110 unseres Podcasts „Düsseldorfer Wirtschaft“ auf diesen Tarifabschluss und sagen Ihnen, was er für die heimischen Unternehmen bedeutet. Link: https://unternehmerschaft.wigadi.de/podcast/

Tarifabschluss für die M+E-Industrie in Nordrhein-Westfalen

Unternehmer und Arbeitgeberpräsident Arndt Günter Kirchhoff, Foto: Sebastian Konopka / FUNKE Foto Services

Die Tarifparteien der nordrhein-westfälischen Metall- und Elektroindustrie haben den in der Vorwoche in Baden-Württemberg vereinbarten Pilot-Abschluss übernommen. Der Präsident des Verbandes der Metall- und Elektro-Industrie Nordrhein-Westfalen (METALL NRW), Arndt G. Kirchhoff, sagte am Dienstag (22.11.2022) nach der fünften Tarifverhandlung für die rund 700.000 Beschäftigten dieses Industriezweigs in Düsseldorf, das Tarifergebnis sei „sehr hoch, aber durch die lange zweijährige Laufzeit und diverse Entlastungsmöglichkeiten für die Betriebe noch so gerade vertretbar“. Die abgelaufene Tarifrunde sei angesichts der schlechten Wirtschaftslage und der anhaltenden Risiken eine der schwierigsten der vergangenen Jahre gewesen. Die Anspannung in den Betrieben sei mit Händen zu greifen, die Lage bleibe für die gesamte Industrie weiterhin mehr als herausfordernd. „Deshalb sind die 3.000 Euro Inflationsausgleichsprämie und 8,5 Prozent höhere Tabellenentgelte am Ende der Laufzeit für sehr viele Betriebe im Land ein ganz dickes Brett“, erklärte Kirchhoff. Die Arbeitgeber hätten Wort gehalten, den großen Sorgen der Beschäftigten wegen der hohen Inflation Rechnung zu tragen. Der Flächentarif habe unter dem Strich eine schwere Bewährungsprobe bestanden und für Tariffrieden bis September 2024 gesorgt. „Das ist schon ein hoher Wert an sich“, betonte der NRW-Metallarbeitgeberpräsident. Jetzt gelte es, alle Kraft in die Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu legen. „Wir müssen alles tun, um den Industriestandort Deutschland gut durch das schwierige wirtschaftliche Umfeld zu bringen“, forderte Kirchhoff.

Die Ergebnisse im Einzelnen:

·        Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit von 24 Monaten und endet am 30. September 2024.
·        Vollzeit-Beschäftigte erhalten eine steuer- und abgabenfreie Inflationsausgleichsprämie in Höhe von 3.000 Euro, Teilzeit-Beschäftigte erhalten einen Betrag abhängig von ihrer vertraglichen Arbeitszeit, mindestens aber 400 Euro. Auszubildende bekommen 1.100 Euro.
·        Die Auszahlung der Prämie wird auf zwei Tranchen à 1.500 Euro verteilt: Sie sind in den Jahren 2023 und 2024 jeweils bis zum 1. März auszuzahlen (von der ersten Tranche 750 Euro spätestens im Januar). Die Unternehmen haben allerdings die Möglichkeit, die Auszahlung jeweils vorzuziehen oder gemeinsam mit dem Betriebsrat nach hinten zu verschieben und damit die kalenderjährliche Kostenbelastung selbst zu bestimmen.
·        Die Tarifentgelte werden zum 1. Juni 2023 um 5,2 Prozent und zum 1. Mai 2024 um 3,3 Prozent erhöht.
·        Die Erhöhung des im Februar zu zahlenden jährlichen Transformationsgeldes (T-Geld) von 18,4 auf 27,6 Prozent eines Monatsentgelts entfällt.
·        Das jeweils im Juli ausgezahlte tarifliche Zusatzgeld (T-ZUG B) in Höhe von 561,20 Euro in 2023 und 579,70 Euro in 2024 kann zeitlich dann geschoben, gekürzt oder gestrichen werden, wenn ein Unternehmen eine Nettoumsatzrendite von mindestens 2,3 Prozent nicht erreicht.
·        Die Tarifparteien haben sich auf einen Prozess verständigt, wie auf eine mögliche Energienotlage während der Laufzeit des Tarifvertrages schnell und flexibel reagiert werden kann.