Warum Deutschlands Erfolgsmodell jetzt ins Wanken gerät

Jahresdurchschnittliche reale Veränderung der globalen Wirtschaftsleistung und der deutschen Warenexporte in Prozent

(cs) Jahrzehntelang war Deutschland ein Paradebeispiel für die Gewinner der Globalisierung. Offene Märkte, stabile Lieferketten und eine wachsende Weltwirtschaft sorgten dafür, dass „Made in Germany“ rund um den Globus gefragt war. Doch dieses Erfolgsmodell steht heute vor einer seiner größten Herausforderungen, informiert uns das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln.

Abschied von der alten Globalisierungslogik

Mit Export- und Importquoten von jeweils rund 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zählt Deutschland zu den am stärksten verflochtenen Volkswirtschaften weltweit. Der Wohlstand des Landes hängt damit direkt an offenen Märkten und einer lebendigen globalen Nachfrage.

Doch genau dieses Fundament beginnt zu bröckeln. Während in den 1980er- bis 2000er-Jahren der Welthandel schneller wuchs als die globale Wirtschaftsleistung, hat sich dieses Verhältnis inzwischen umgekehrt. Ökonomen sprechen von einer Deglobalisierung: Staaten setzen wieder stärker auf nationale Produktion, strategische Unabhängigkeit und kürzere Lieferketten.

Für Deutschland ist das eine schlechte Nachricht.

Exporte verlieren den Anschluss

Besonders alarmierend: Ein lange verlässliches Muster funktioniert nicht mehr. Über Jahrzehnte entwickelten sich deutsche Exporte im Gleichklang mit der weltweiten Nachfrage. Doch seit 2022 ist diese Verbindung gestört.

Obwohl die globalen Importe leicht wachsen, gehen die deutschen Ausfuhren zurück. Das ist ein deutliches Warnsignal – und hat mehrere Ursachen.

China zieht davon

Ein zentraler Faktor ist die Verschiebung der globalen Produktionsstrukturen. Deutschlands Anteil an der weltweiten Industrieproduktion ist auf rund fünf Prozent gesunken – etwa halb so viel wie in den 1990er-Jahren.

Gleichzeitig hat sich China zur dominierenden Industrienation entwickelt: Rund 30 Prozent der globalen Industrieproduktion entfallen inzwischen auf die Volksrepublik. Insgesamt wird etwa die Hälfte aller Industriegüter in Asien hergestellt.

Für deutsche Unternehmen bedeutet das: Mehr Konkurrenz, weniger Marktanteile.

Hohe Kosten bremsen die Wettbewerbsfähigkeit

Ein weiteres Problem sind die hohen Standortkosten. Deutschland zählt bei Arbeits-, Energie- und Steuerkosten zu den teuersten Industriestandorten weltweit. Zwar ist die Produktivität hoch, doch sie reicht oft nicht aus, um diese Kosten vollständig auszugleichen.

Im internationalen Vergleich schneidet Deutschland bei den Kostenbedingungen entsprechend schlecht ab – ein klarer Wettbewerbsnachteil im globalen Wettbewerb.

Neue Handelsblöcke entstehen

Hinzu kommt eine zunehmende geopolitische Fragmentierung. Handelsbeziehungen orientieren sich immer stärker an politischen Interessen. Länder bilden wirtschaftliche Allianzen, während Spannungen zwischen großen Machtblöcken zunehmen.

Das trifft auch Deutschland: Der Handel mit geopolitisch „entfernteren“ Staaten geht zurück. Zwar gewinnt der Austausch innerhalb der EU an Bedeutung, doch er kann die Verluste bislang nicht kompensieren.

Ein Modell auf dem Prüfstand

Deutschland steht damit vor einem strukturellen Wandel. Das exportgetriebene Wachstumsmodell, das über Jahrzehnte Wohlstand gesichert hat, gerät zunehmend unter Druck.

Die entscheidende Frage lautet nun: Wie kann sich die deutsche Wirtschaft an eine Welt anpassen, in der Globalisierung nicht mehr selbstverständlich ist?

Klar ist: Ohne Reformen bei Kosten, Innovation und internationalen Handelsstrategien dürfte es für die Exportnation Deutschland schwierig werden, an vergangene Erfolge anzuknüpfen.

Quelle: IW Köln

STAU-ALARM NACH OSTERFERIEN! Rheinufertunnel dicht – jetzt droht der Verkehrs-Kollaps

Klaus Marliani, Sachgebietsleiter im Amt für Brücken-, Tunnel- und Stadtbahnbau (links), und Holger Odenthal, stellvertretender Leiter des Amtes für Verkehrsmanagement, haben über den Fortschritt der Arbeiten im Rheinufertunnel informiert. Foto: Meike Schrömbgens

(cs) Noch läuft alles halbwegs glatt. Doch die Ruhe ist trügerisch! Seit der Vollsperrung des Rheinufertunnels hat der Verkehr den ersten Stresstest überraschend gut überstanden. Aber: Ab Montag wird’s ernst! Mit dem Ende der Osterferien rollt die große Blechlawine zurück auf Düsseldorfs Straßen – und dann droht das Chaos.

Pendler, Lkw & Geschäftsreisende besonders betroffen

Vor allem Berufspendler, die Logistikbranche und Geschäftsreisende müssen sich auf massive Verzögerungen einstellen. Schon jetzt kommt es punktuell zu stockendem Verkehr. Die Stadt reagiert – Ampeln wurden bereits nachjustiert, um den Verkehrsfluss zu verbessern.

Doch klar ist: Das reicht nicht!

Verkehrsexperten beobachten die Lage rund um die Uhr. Mit einem speziellen Analyse-System werden täglich neue Problemstellen erkannt. Ziel: schnell reagieren, bevor alles dicht ist.

Stadt warnt: Mehr Zeit einplanen!

Die klare Ansage der Verantwortlichen:
➡️ Mehr Zeit einplanen!
➡️ Auto stehen lassen, wenn möglich!

Busse, Bahnen, Park-&-Ride-Angebote oder sogar das Fahrrad sollen helfen, den drohenden Kollaps zu vermeiden.

Foto: Meike Schrömbgens


Mega-Baustelle unter Hochdruck

Während oben der Verkehr rollt (oder bald steht), wird unten im Tunnel rund um die Uhr geschuftet!

Bis zu 27 Arbeiter gleichzeitig sind im Einsatz – mit schwerem Gerät:
Kräne, Asphaltfräsen, Lkw, Hebebühnen – alles, was die Baustelle hergibt.

Das passiert gerade im Tunnel:

  • Neue Mega-Ventilatoren werden eingebaut – für mehr Sicherheit im Brandfall
  • Rund 900 Lampen werden ersetzt – heller und gleichzeitig energiesparend
  • 33.000 Quadratmeter Asphalt werden komplett erneuert
  • Wichtige Elektro- und Steuertechnik wird modernisiert

Besonders spektakulär: Riesige Ventilator-Teile wurden per Kran durch eine enge Luke in den Tunnel gehievt!

11 Gewerke im Einsatz

Von Elektrikern über Asphaltbauer bis hin zu Spezialisten für Tunneltechnik – insgesamt elf verschiedene Fachbereichearbeiten Hand in Hand.

Projektleiter Klaus Marliani sagt:
„Die Koordination so vieler Firmen ist eine echte Herausforderung.“


Millionen-Projekt für mehr Sicherheit

Allein die neuen Ventilatoren kosten rund 4,5 Millionen Euro. Sie sind nötig, um das Sicherheitskonzept für den Brandfall zu verbessern.

Wer kann, sollte den Rheinufertunnel großräumig umfahren oder gleich auf Alternativen setzen. Denn eins ist sicher: Die Geduldsprobe für Autofahrer beginnt jetzt erst richtig!

Wochen-Chaos auf Düsseldorfs wichtigster Pendler-Autobahn

Symbolfoto: Christoph Sochart

(cs) Alarm für Hunderttausende Berufspendler und Spediteure in der Rheinmetropole! Die A44 zwischen Autobahnkreuz Düsseldorf-Nord und der Anschlussstelle Flughafen wird in den kommenden Wochen zur Geduldsprobe – mit einem Albtraum-Finale im Juni.

Die Hiobsbotschaft: Die Fahrbahn muss dringend saniert werden. Eine neue Deckschicht muss her, die Verkehrsführung wird komplett umgebaut. Und das bedeutet: Stau, Umleitung, Nerven – über Wochen.
DAS DROHT:
🔴 13.–16. April: Nachts kurze Sperrungen an der Anschlussstelle Flughafen. Schichtarbeiter und Frühpendler aufgepasst!
🔴 18. April, 11 Uhr – 19. April, 23 Uhr: Rampen Richtung „Abflug”/Lichtenbroich dicht. Fast 36 Stunden lang! Lkw und Lieferdienste müssen kilometerlange Umwege fahren.
🔴 29.–31. Mai: Ausfahrt Düsseldorf-Lichtenbroich gesperrt. Kein Durchkommen!
🔴 11. Juni, 21 Uhr – 15. Juni, 3 Uhr: TOTALE VOLLSPERRUNG. Vier Tage Stillstand. Der Verkehr wird über A3, A46, A57, A42 und A40 umgeleitet. Das Stau-Netz zieht sich durch die halbe Region.
WER LEIDET AM MEISTEN?
Besonders hart trifft es Logistik-Unternehmen und Spediteure – jede Umleitung kostet Zeit, Diesel und damit bares Geld. Und die Pendler aus dem Rhein-Kreis Neuss und dem Niederrhein, die täglich auf dieser Strecke Richtung Düsseldorf unterwegs sind: Für sie gibt es schlicht keine gute Alternative.
Der Flughafen Düsseldorf bleibt während der Vollsperrung nur über die A44 Richtung Essen ab dem Autobahnkreuz Meerbusch erreichbar.  Wer einen Flieger nehmen muss, sollte dies im Blick behalten.
Unser Rat: im Juni am besten Urlaub nehmen. 😤
Die Autobahn GmbH verspricht: Danach wird’s besser. Versprochen.

Netzwerk bedeutet Verantwortung – und genau dafür steht auch unser Arbeitgeberverband

(cs) In der vergangenen Woche haben die Geschäftsführer unserer Mitgliedsunternehmen an einer Schulung zur NIS2-Richtlinie teilgenommen. Angesichts steigender Anforderungen an die IT-Sicherheit ist dieses Thema längst zu einem unverzichtbaren Bestandteil unternehmerischer Verantwortung geworden.

Auch wenn wir diesen Bereich nicht selbst als Dienstleistung abdecken, zeigt sich hier die Stärke unseres Netzwerks: Unser Mitgliedsunternehmen SCALTEL hat die Schulung übernommen und an zwei Tagen rund 40 Geschäftsleitungen umfassend informiert und sensibilisiert.

Wir bedanken uns herzlich für diesen wertvollen Beitrag und die vertrauensvolle Zusammenarbeit – ein starkes Beispiel dafür, wie wir gemeinsam Verantwortung übernehmen.

Neustart an der Spitze von TEEKANNE Holding GmbH & Co. KG: Susanne Wege übernahm gestern den CEO-Job

Frank Schübel. Foto: TEEKANNE ÖSTERREICH INSTAGRAM

(cs) Das Düsseldorfer Traditionsunternehmen TEEKANNE hat ihre Führung neu aufgestellt: Seit dem 1. April 2026 steht Susanne Wege an der Spitze des traditionsreichen Familienunternehmens. Gemeinsam mit Dr. Christian Mestwerdt (CFO/COO) bildet sie eine neu geschaffene Doppelspitze, mit der der Teespezialist seine strategische Ausrichtung für die kommenden Jahre schärfen will. Wir berichteten bereits im Januar über diese Veränderung.

Wege folgt auf Frank Schübel, der das Unternehmen neun Jahre lang geführt und nun in den Ruhestand verabschiedet wurde. Unter seiner Leitung entwickelte sich TEEKANNE zu einer der am stärksten wachsenden Teemarken weltweit. Gleichzeitig wurden zentrale Investitionen in das internationale Produktionsnetzwerk umgesetzt und umfassende Prozessinnovationen angestoßen.

Strategischer Kurswechsel mit Doppelspitze

Mit der neuen Führungsstruktur setzt TEEKANNE bewusst auf eine geteilte Verantwortung: Während Wege die strategische und marktorientierte Weiterentwicklung vorantreibt, verantwortet Mestwerdt weiterhin Finanzen und operative Prozesse. Ziel ist es, die Marke zu stärken, nachhaltiges Wachstum im Kernmarkt zu sichern und das internationale Geschäft weiter auszubauen.

Der Generationswechsel kommt nicht überraschend – die Neuausrichtung der Geschäftsführung war bereits seit Jahresbeginn vorbereitet worden und wurde von Schübel aktiv mitgestaltet.

Susanne Wege. Foto: TEEKANNE

Internationale Erfahrung und klarer Markenfokus

Mit Susanne Wege gewinnt das Unternehmen eine erfahrene Managerin aus der internationalen Konsumgüterbranche. Die gebürtige Österreicherin war zuletzt für Lavazza tätig, wo sie seit 2019 die Region DACH und Polen verantwortete. In dieser Funktion steuerte sie Strategie, Wachstum und Organisation in mehreren Kernmärkten.

Zuvor hatte Wege verschiedene Führungspositionen bei Red Bull inne, unter anderem als Geschäftsführerin in Schweden. Weitere Station war Danone Waters in Deutschland, wo sie als Sales Director tätig war.

„TEEKANNE ist eine Marke, die über 140 Jahre Tradition und Innovationskraft verbindet“, sagt Wege. Gemeinsam mit Mestwerdt und den Teams wolle sie die Weiterentwicklung des Unternehmens vorantreiben, Wachstumspotenziale erschließen und die Marke zukunftssicher positionieren.

Würdigung für Frank Schübel – große Resonanz in sozialen Medien

Parallel zum Führungswechsel wird in sozialen Netzwerken intensiv über den Abschied von Frank Schübel diskutiert. Besonders ein Beitrag von Teekanne Österreich findet große Aufmerksamkeit. Darin heißt es:

„Nach fast neun prägenden Jahren verabschieden wir unseren CEO Frank Schuebel. In dieser Zeit hat Frank die TEEKANNE Gruppe maßgeblich weiterentwickelt und bleibende Spuren hinterlassen.“

Hervorgehoben werden darin insbesondere das starke internationale Wachstum, die erfolgreiche Steuerung des Unternehmens durch die Corona-Pandemie sowie umfassende Investitionen in Produktion und Digitalisierung. Auch Großprojekte wie das „TEEKANNE Tea Processing Projekt (TTP)“ und die IT-Transformation „FIT/S4“ werden als Meilensteine genannt.

Darüber hinaus wird Schübels Engagement für Nachhaltigkeit, faire Arbeitsbedingungen in den Anbaugebieten sowie für den Industriestandort Düsseldorf gewürdigt.

Kontinuität und Aufbruch

Mit dem Wechsel an der Spitze verbindet TEEKANNE Kontinuität und Neuausrichtung zugleich. Während Schübels strategische Weichenstellungen die Basis für weiteres Wachstum gelegt haben, soll die neue Doppelspitze nun zusätzliche Impulse setzen – insbesondere bei Markenführung, Internationalisierung und nachhaltiger Transformation.

Die kommenden Monate dürften zeigen, wie schnell und konsequent Susanne Wege und Christian Mestwerdt diese ambitionierten Ziele in konkrete Ergebnisse übersetzen können.

Leichte Frühjahrsbelebung am Düsseldorfer Arbeitsmarkt – doch globale Risiken wachsen

Birgitta Kubsch-von Harten Foto: Agentur für Arbeit

(cs) Während sich der Arbeitsmarkt in Nordrhein-Westfalen zu Beginn des Frühjahrs vorsichtig stabilisiert, zeichnen sich zugleich zunehmende Belastungen durch internationale Krisen und strukturelle Probleme der Industrie ab. Aktuelle Zahlen aus Düsseldorf und bundesweite Analysen zeigen ein widersprüchliches Bild: leichte Entspannung vor Ort, aber wachsende Unsicherheit im größeren wirtschaftlichen Kontext.

In Düsseldorf ist die Arbeitslosigkeit im März 2026 leicht gesunken. Insgesamt waren 29.350 Menschen arbeitslos gemeldet – ein Rückgang um 108 Personen gegenüber dem Vormonat. Die Arbeitslosenquote blieb jedoch unverändert bei 8,1 Prozent. Gleichzeitig berichten die Behörden von einer steigenden Nachfrage nach Arbeitskräften. Über 1.100 neue Stellen wurden gemeldet, mehr als im Februar und im Vorjahr. Auch die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist zuletzt gestiegen.

„Der Düsseldorfer Arbeitsmarkt ist aktuell aufnahmefähig“, erklärte die Chefin der Düsseldorfer Arbeitsagentur, Birgitta Kubsch-von Harten. Tatsächlich konnten im März deutlich mehr Menschen ihre Arbeitslosigkeit durch die Aufnahme einer Beschäftigung beenden als noch im Winter oder im Vorjahr.

Doch der positive Trend hat Grenzen. Besonders auffällig ist der Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit: Über 10.600 Menschen sind bereits seit mehr als einem Jahr ohne Job – ein deutlicher Zuwachs gegenüber dem Vorjahr. Diese Entwicklung spiegelt sich auch landesweit wider und gilt als eines der drängendsten Probleme.

Auch auf Ebene Nordrhein-Westfalens zeigt sich ein gemischtes Bild. Zwar entwickelte sich der Arbeitsmarkt im März besser als in den vergangenen drei Jahren, und in fast der Hälfte der Regionen sank die Arbeitslosigkeit sogar. Dennoch bleibt das Niveau insgesamt hoch, und von einer nachhaltigen Trendwende kann laut Arbeitsagentur noch keine Rede sein. Immerhin: Die Dynamik nimmt leicht zu, mehr Menschen finden wieder eine Beschäftigung, und Unternehmen melden wieder etwas mehr offene Stellen. „Obwohl das konjunkturelle Umfeld für Wirtschaft und Arbeitsmarkt in NRW nach wie vor sehr schwierig ist, hat sich der Arbeitsmarkt im März besser als in den vergangenen drei Jahren entwickelt“, sagte Roland Schüßler, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit.

Gleichzeitig geraten zentrale Industriezweige zunehmend unter Druck. Besonders in der Metall- und Elektroindustrie hat sich die Lage verschlechtert. Mit rund 178.000 arbeitslosen Fachkräften wurde im März der höchste Stand seit 2014 erreicht. Die Zahl der offenen Stellen ist gesunken, und viele Unternehmen planen weiteren Stellenabbau. Nur eine Minderheit denkt derzeit über Neueinstellungen nach.

Branchenvertreter sehen die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland gefährdet und fordern politische Reformen – etwa beim Bürokratieabbau, bei Energiekosten und Abgaben. Ohne konkrete Maßnahmen drohe eine weitere Erosion der industriellen Basis.

Zusätzliche Unsicherheit bringt die internationale Lage. Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass rund 90 Prozent der Industrieunternehmen negative Auswirkungen durch den Iran-Krieg erwarten. Besonders steigende Energiepreise, gestörte Lieferketten und teurere Logistik belasten die Betriebe. Viele Unternehmen rechnen damit, dass sich die wirtschaftlichen Folgen in den kommenden Monaten weiter verschärfen.

Damit steht der Arbeitsmarkt vor einem Balanceakt: Einerseits sorgt die saisonale Belebung für etwas Entspannung und Bewegung, andererseits könnten externe Schocks und strukturelle Schwächen die zarten Fortschritte schnell wieder zunichtemachen.

Richtfest rückwärts: Industriegeschichte wird Zukunftsbüro

So soll die renovierte Halle im Sommer aussehen. Foto: AREAL BÖHLER

(cs) Wo einst Kräne ratterten und schwere Maschinen den Takt vorgaben, wird bald gearbeitet, kommuniziert und gestaltet: Auf dem Areal Böhler hat die Revitalisierung des historischen Gebäudes 21 einen symbolträchtigen Meilenstein erreicht – und das auf ungewöhnliche Weise. Statt eines klassischen Richtfests wurde der vollständige Rückbau des alten Daches gefeiert. Ein „Richtfest rückwärts“, das den Wandel des Ortes treffend inszeniert.

Die Jamestown Areal Böhler GmbH & Co. KG lud gemeinsam mit dem Bau- und Projektpartner Vollack zu diesem besonderen Anlass. Im Mittelpunkt steht eine Industriehalle, deren Ursprünge bis ins Jahr 1919 zurückreichen und die 1941 erweitert wurde. Mit einer Länge von 120 Metern und einer Firsthöhe von 18,5 Metern prägt das dreischiffige Gebäude seit Jahrzehnten das Gesicht des Areals.

Nun beginnt für die Halle ein neues Kapitel. Vollack übernimmt die umfassende Transformation – von der Konzeption über die Planung bis zur Umsetzung. Ziel ist es, die historische Substanz zu bewahren und zugleich moderne, energieeffiziente Büroflächen zu schaffen. Bis zu 350 Arbeitsplätze sollen hier künftig entstehen.

„Wir schaffen Arbeitsräume, die Unternehmen Flexibilität und Identifikation bieten“, betont Sebastian Kahl, Geschäftsführer der Bauherrengesellschaft. Die Verbindung aus Industriearchitektur, moderner Infrastruktur und nachhaltiger Energieversorgung mache den Standort besonders attraktiv.

Auch für die Gesamtentwicklung des Areals ist das Projekt von zentraler Bedeutung. Martin Honak, Geschäftsführer der Areal Böhler Betriebs GmbH, sieht darin einen weiteren Schritt hin zu einem vielseitigen Standort, der Wirtschaft, Kultur und Gemeinschaft miteinander verbindet.

Die Herausforderungen bei der Umgestaltung sind erheblich. „Die Transformation einer über hundert Jahre alten Produktionshalle erfordert nicht nur Ingenieurskompetenz, sondern auch einen sensiblen Umgang mit der bestehenden Struktur“, erklärt Kambiz Hajizadeh-Zaker, Partner bei Vollack. Umfangreiche Analysen der Bausubstanz seien notwendig gewesen, um ein Konzept zu entwickeln, das den Spagat zwischen Erhalt und Modernisierung meistert.

Tatsächlich bleibt ein Großteil der charakteristischen Elemente erhalten: Teile des Tragwerks, die ehemalige Kranbahn und die Fassade werden in die neue Nutzung integriert. Gleichzeitig wird die Gebäudehülle umfassend energetisch ertüchtigt. Besonders markant: Das Dach eines Seitenschiffs wurde entfernt, die Außenwände werden künftig eine Arkade bilden. So entsteht ein geschützter Außenbereich, der Raum für Pausen und neue Perspektiven bietet.

Im Inneren setzt das Konzept auf Offenheit und Flexibilität. Geplant ist eine zweigeschossige Bürowelt mit teils übergreifenden Ebenen, die sich in mehrere Mieteinheiten unterteilen lässt. Freitreppen und Kommunikationszonen sollen den Austausch fördern und eine kreative Arbeitsatmosphäre schaffen.

Die Hüllensanierung soll bereits im Sommer 2026 abgeschlossen sein. Der vollständige Ausbau der Büroflächen ist bis Ende 2027 vorgesehen. Bis dahin wird sich zeigen, wie aus industrieller Vergangenheit eine zukunftsweisende Arbeitswelt entsteht – und wie ein „Richtfest rückwärts“ zum Symbol eines neuen Anfangs wird.

 

Charlotte Beissel verlässt Düsseldorf

Dr. Charlotte Beissel; Foto: ENBW Michael Lübke

(cs) Führungswechsel bei einem der größten Energiekonzerne Deutschlands – und der ist frühzeitig eingefädelt! Beim Versorger EnBW Energie Baden-Württemberg AG rückt eine neue Frau an die Spitze eines Schlüsselressorts: Dr. Charlotte Beissel aus Düsseldorf, bislang Vorstandsmitglied der Stadtwerke in Düsseldorf, wird zum 1. Juli 2026 in den Vorstand berufen – und übernimmt schon zwei Monate später das wichtige Personalressort.

Damit ist klar: Die Zeit von Colette Rückert-Hennen im Vorstand läuft aus. Die langjährige Personalchefin verabschiedet sich zum 31. August 2026 vorzeitig in den Ruhestand – und macht den Weg frei für einen reibungslosen Übergang. Hinter den Kulissen geht es um viel mehr als nur einen Personalwechsel. EnBW steckt mitten im Umbau – Energiewende, Digitalisierung, neue Geschäftsmodelle. Genau hier soll Beissel liefern. Sie übernimmt künftig die Bereiche Personal, Recht & Compliance sowie Immobilien – ein Machtpaket im Konzern.

Beissel selbst gibt sich kämpferisch: Sie will die Transformation des Konzerns aktiv vorantreiben und die Personalarbeit zu einem entscheidenden Faktor für die Zukunft machen. Große Worte – denen jetzt Taten folgen müssen.

Beissel schrieb zunächst auf SocialMedia ganz offen über den Wechsel: „Heute schlagen buchstäblich zwei Herzen in meiner Brust, weil mit dem Aufbruch auch ein Abschied von den Stadtwerken Düsseldorf verbunden ist. Was ich vor allem anderen aus der Zeit bei den Stadtwerken mitnehme? Die Menschen. Die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit meinen Vorstandskollegen Julien Mounier und Jan Huth. Und mit dem Betriebsrat um Klarissa Lerp.

Die neue Vorständin bringt dafür reichlich Erfahrung mit. Zuletzt arbeitete sie bei der Stadtwerke Düsseldorf AG, wo sie seit 2021 als Personalvorständin und Arbeitsdirektorin tätig war. Dort verantwortete sie nicht nur HR, sondern auch Digitalisierung, IT und Vertrieb – ein breites Portfolio, das ihr nun auch bei EnBW zugutekommen dürfte.

Klar ist: Dieser Wechsel ist kein Zufall, sondern Teil eines langfristigen Plans. EnBW stellt frühzeitig die Weichen für die Zukunft – und setzt dabei auf eine Managerin, die Wandel nicht nur verwaltet, sondern gestalten soll. Jetzt wird sich zeigen, ob sie den Konzern durch die nächste Phase der Transformation führen kann.

Eine kleine „Revolution“ auf der Straße – und sie kommt aus Düsseldorf!

Foto: RHEINMETALL

(cs) Die Rheinbahn testet jetzt Shuttlefahrzeuge, die nicht mehr direkt vor Ort gesteuert werden, sondern aus der Ferne. Klingt nach Zukunft? Ist es auch! Und für viele Pendler könnte das schon bald den Alltag verändern.

Vorständin Annette Grabbe macht klar, warum der Schritt nötig ist: Der öffentliche Nahverkehr steckt in der Klemme. Es fehlt an Personal, das Geld ist knapp, der Druck steigt. Die Lösung soll Technik bringen. Teleoperierte Shuttles, also Fahrzeuge, die von einem Operator aus der Distanz gesteuert werden, sollen helfen, den Betrieb stabil zu halten. Grabbe setzt dabei auf harte Fakten statt Visionen: Erst wird getestet, dann entschieden. Nur wenn die Technik im Alltag überzeugt, hat sie eine Zukunft bei der Rheinbahn.

Hinter dem Projekt stehen starke Partner. Der Düsseldorfer Telekommunikationsunternehmen Rheinmetall und die MIRA GmbH treiben die Entwicklung voran. MIRA-Chef Win Neidlinger sieht darin eine echte Chance gegen den Personalmangel. Seine Botschaft: Wenn weniger Fahrer da sind, muss die Technik einspringen. Die Teleoperation soll genau das leisten – und den Nahverkehr trotzdem zuverlässig am Laufen halten.


Dr. Stephan Keller; Foto: Stadt

Dr. Stephan Keller, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Düsseldorf betont: „Innovationen wie diese entstehen nicht am Reißbrett, sondern im Zusammenspiel starker Partner. Mit Rheinbahn und MIRA wird hier konkret erprobt, wie neue Technologien im Alltag funktionieren können. Für uns als Stadt ist wichtig, dafür die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen und solche Projekte möglich zu machen. Denn genau so entsteht ein moderner, leistungsfähiger Nahverkehr, der auch in Zukunft zuverlässig für die Menschen da ist – und zugleich stärken wir Düsseldorf als Innovationsstandort für die Mobilität von morgen.“


Auch die Stadt zieht mit. Düsseldorfs Oberbürgermeister Stephan Keller lobt das Projekt als echten Praxis-Test statt Theorie-Spielerei. Innovation entstehe nicht am Schreibtisch, sondern draußen auf der Straße. Genau dort wird jetzt geprüft, ob die Technik hält, was sie verspricht. Für die Stadt geht es dabei um mehr als nur Busse und Bahnen – es geht um die Zukunft als moderner Mobilitätsstandort.

Das Ganze ist Teil eines großen europäischen Zukunftsprojekts. Hinter dem Namen PoQuaSIA verbirgt sich ein ambitioniertes Programm, gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Ziel ist nichts Geringeres als eine neue digitale Infrastruktur für besonders sensible Anwendungen. Herzstück ist eine hochsichere Cloud, die Fahrzeuge, Steuerung und Betrieb in Echtzeit verbindet. Kaum Verzögerung, maximale Zuverlässigkeit – so soll der Verkehr von morgen aussehen.

Klar ist: Noch ist alles im Test. Aber wenn das System funktioniert, könnte es den Nahverkehr grundlegend verändern. Weniger Ausfälle, flexiblere Angebote, stabilerer Betrieb. Düsseldorf wird damit zum Versuchslabor für die Mobilität von morgen – und vielleicht schon bald zum Vorbild für ganz Deutschland.

Tarifeinigung in der Chemie- und Pharmabranche

Matthias Bürk Foto: Ivgenia Möbus

(cs) Mehr Geld! In schwierigen Zeiten haben sich Arbeitgeber und Gewerkschaft in der Chemie- und Pharmabranche auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt. Nach zwei Tagen harter Verhandlungen im rheinland-pfälzischen Bad Breisig steht der Deal: Für rund 585.000 Beschäftigte gibt es ein Lohnplus.

Die Branchengewerkschaft IG BCE und der Arbeitgeberverband BAVC ringen der Krise einen Kompromiss ab. Die Botschaft: Mehr Geld ja, aber mit angezogener Handbremse. Denn die Branche steckt weiter im Abschwung, viele Unternehmen kämpfen mit schwacher Nachfrage, hohen Kosten und unsicheren Perspektiven.

Die Löhne steigen in zwei Schritten: ab Januar 2027 gibt es 2,1 Prozent mehr. Ein Jahr später folgen weitere 2,4 Prozent. Der Tarifvertrag läuft insgesamt 27 Monate bis Ende Mai 2028.

Unternehmen, die gut durch die Krise kommen, dürfen die Erhöhungen vorziehen – um bis zu drei Monate. Für viele dürfte das aber die Ausnahme bleiben.

Ein zentrales Element des Abschlusses ist die Beschäftigungssicherung. Für die Jahre 2026 und 2027 zahlen die Firmen jeweils 300 Euro pro Mitarbeiter in einen Fonds ein. Auszubildende bekommen 150 Euro. Das Geld fließt in den Demografiefonds der Branche, der seit Jahren genutzt wird, um etwa Altersteilzeit oder Betriebsrenten zu finanzieren.

Arbeitgeber-Verhandlungsführer Matthias Bürk verteidigt den Abschluss: Die lange Laufzeit bringe Planungssicherheit für die Unternehmen. Außerdem beginne die finanzielle Belastung erst 2027 – und das „zu krisengerechten Konditionen“.

Ein Abschluss, der zeigt: Auch in einer Schlüsselindustrie wird das Geld knapper – und Kompromisse härter.