Gute Führung beginnt dort, wo Gewissheiten enden: Was der 25. Salzburger Trilog über Haltung, Vertrauen und die Kunst des Wandels lehrt

Die Teilnehmer des Salzburger Trilogs der Bertelsmann Stiftung; Foto: Valentin Weinhäupt

Es gibt Zeiten, in denen Führung leicht aussieht. Die Richtung ist klar, die Ziele sind bekannt, die Antworten liegen bereit. Und es gibt Zeiten wie diese: geopolitische Spannungen, technologische Sprünge, gesellschaftliche Polarisierung und eine Informationsflut, die jeden Morgen größer wirkt als am Abend zuvor.


Von Christoph Sochart


In solchen Zeiten zeigt sich, was Führung wirklich bedeutet. Nicht die Fähigkeit, auf jede Frage sofort eine Antwort zu geben. Sondern die Fähigkeit, auch ohne fertige Antworten Orientierung zu geben.

Mit „Führung in turbulenten Zeiten“ beschäftigte sich der 25. Salzburger Trilog am 23. und 24. August in Salzburg. Auf Einladung von Liz Mohn, Stifterin und Vorsitzende des Vorstands der Liz Mohn Stiftung, und Wolfgang Schüssel, dem ehemaligen österreichischen Bundeskanzler, kamen Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Kultur zusammen.

Was aus den Gesprächen hervorgeht, ist eine wohltuend unaufgeregte Botschaft: Gute Führung ist kein Bühnenauftritt. Sie ist eine Haltung.

Haltung statt Lautstärke

„Für mich beginnt Führung mit Haltung“, sagte Liz Mohn. Das klingt zunächst selbstverständlich. In einer Zeit, in der Lautstärke oft mit Klarheit verwechselt wird, ist es das aber nicht.

Haltung bedeutet, zu wissen, wofür man steht und wohin man führen will. Sie bedeutet aber nicht, starr an einmal gefassten Überzeugungen festzuhalten. Im Gegenteil: Wer Haltung besitzt, kann den eigenen Weg überprüfen, ohne das eigene Ziel aus den Augen zu verlieren.

Führungskräfte stehen heute vor einer anspruchsvollen Doppelaufgabe. Sie müssen langfristige Ziele verfolgen und zugleich bereit sein, ihre Wege dorthin immer wieder neu auszurichten. Das verlangt Standfestigkeit und Beweglichkeit – zwei Eigenschaften, die sich nicht widersprechen, sondern bedingen.

Wer nur starr bleibt, wird von der Wirklichkeit überholt. Wer nur reagiert, verliert die Richtung. Gute Führung verbindet beides: einen festen inneren Kompass mit der Bereitschaft, die Route zu korrigieren.

Vertrauen ist kein Kuschelfaktor

Vertrauen wird in Organisationen gern als weicher Wert behandelt. Als freundliche Ergänzung zu Strategie, Effizienz und Kontrolle. Der Salzburger Trilog erinnert an die eigentliche Bedeutung: Vertrauen ist eine Voraussetzung dafür, dass Menschen Verantwortung übernehmen.

Niemand kann in einer komplexen Welt alle Antworten allein kennen. Deshalb müssen Führungskräfte zuhören, unterschiedliche Perspektiven einbeziehen und Verantwortung teilen. Wer alles an sich zieht, mag kurzfristig mächtig wirken. Langfristig macht er seine Organisation abhängig – und sich selbst überfordert.

Vertrauen heißt nicht, auf Prüfung und Verlässlichkeit zu verzichten. Vertrauen heißt, anderen etwas zuzutrauen. Es heißt, Menschen zu stärken, anstatt sie klein zu halten, und gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln.

Das gilt im Unternehmen ebenso wie in der Politik, im Ehrenamt, in Schulen und im Alltag. Führung beginnt nicht erst mit einem Titel auf der Visitenkarte. Sie beginnt dort, wo jemand Verantwortung für andere und für das gemeinsame Handeln übernimmt.

Die Maschine liefert Daten – der Mensch muss urteilen

Ein Schwerpunkt des Trilogs lag auf Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz. Diese Technologien können große Informationsmengen verarbeiten und Muster sichtbar machen. Sie verändern damit auch die Grundlagen von Wahrnehmung und Entscheidungsfindung.

Aber Daten sind noch keine Orientierung. Eine Maschine kann Wahrscheinlichkeiten berechnen. Sie kann Texte zusammenfassen, Entwicklungen vergleichen und Handlungsmöglichkeiten aufzeigen. Die Frage, was richtig, angemessen und verantwortbar ist, bleibt eine menschliche.

Gerade deshalb braucht es Führungskräfte mit Urteilsvermögen. Sie müssen Quellen kritisch prüfen, Widersprüche aushalten und Entscheidungen auch dann treffen, wenn die Informationslage unvollständig ist. Künstliche Intelligenz kann die Reichweite des Denkens vergrößern. Sie kann Verantwortung nicht abnehmen.

Die entscheidende Kompetenz der Zukunft ist daher nicht allein technisches Verständnis. Es ist die Fähigkeit, Technologie einzuordnen und sie in den Dienst eines verantwortungsvollen Ziels zu stellen.

Kulturelle Intelligenz wird unverzichtbar

Die Welt wird nicht einfacher, nur weil sie stärker vernetzt ist. Der Wettbewerb zwischen Nationen verschärft sich, internationale Beziehungen werden vielfältiger und Kooperationen anspruchsvoller. Globalisierung verschwindet nicht – sie verändert ihre Gestalt.

Wer in dieser multipolaren Welt führen will, muss mehr können, als die eigenen Interessen klar zu formulieren. Er muss die politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Unterschiede anderer verstehen. Vertrauen entsteht nicht überall nach demselben Muster. Was in einer Kultur als Offenheit gilt, kann in einer anderen als Schwäche gelesen werden. Was hier als effizient erscheint, wirkt dort vielleicht respektlos.

Kulturelle Intelligenz wird deshalb zu einer zentralen Führungskompetenz. Sie bedeutet nicht, jede Position gutzuheißen. Sie bedeutet, den anderen so ernst zu nehmen, dass Verständigung überhaupt möglich wird.

Das ist anstrengender als das schnelle Urteil. Aber es ist auch nachhaltiger.

Wir sind der Zeit nicht hilflos ausgeliefert

Wolfgang Schüssel brachte eine zweite wichtige Perspektive ein: „Wir sind nicht hilflos der Zeit ausgeliefert.“ In diesem Satz steckt ein Gegenmittel gegen die große Versuchung unserer Tage – den Fatalismus.

Natürlich kann niemand die Weltentwicklung vollständig kontrollieren. Kein Unternehmen, keine Regierung, kein einzelner Mensch kann geopolitische Krisen, technologische Umbrüche oder gesellschaftliche Spannungen im Alleingang lösen. Aber daraus folgt nicht, dass man machtlos ist.

Handlungsfähigkeit beginnt oft im Kleinen: bei einer Entscheidung, die nicht weitergeschoben wird; bei einem Gespräch, das trotz unterschiedlicher Positionen geführt wird; bei einer Mitarbeiterin, der Verantwortung übertragen wird; bei einem jungen Menschen, dessen Frage nicht als naiv abgetan wird.

Der Salzburger Trilog hat deshalb zu Recht auch junge Menschen einbezogen. Zukunft ist kein exklusives Projekt derer, die bereits Einfluss besitzen. Wer morgen gestalten will, muss heute zuhören – gerade denen, die mit den Folgen heutiger Entscheidungen leben werden.

Die leise Revolution guter Führung

Nach 25 Auflagen ist der Salzburger Trilog mehr als ein Gesprächsformat. Er ist ein Ort, an dem die großen Fragen nicht in einfache Slogans gepresst werden. Frieden, internationale Zusammenarbeit, Europas Wettbewerbsfähigkeit und der gesellschaftliche Zusammenhalt verlangen keine schnellen Gewissheiten, sondern belastbare Gespräche.

Vielleicht liegt darin die leise Revolution guter Führung: Sie verspricht nicht, dass alles einfach wird. Sie schafft die Voraussetzungen dafür, dass Menschen auch im Schwierigen handlungsfähig bleiben.

Gute Führung zeigt den Weg, ohne den Menschen vorzuschreiben, wie sie jeden einzelnen Schritt zu gehen haben. Sie gibt Orientierung, ohne Freiheit zu nehmen. Sie entscheidet, ohne andere mundtot zu machen. Und sie verändert sich, ohne sich selbst zu verlieren.

Am Ende bleibt eine einfache, aber anspruchsvolle Formel: Haltung gibt Richtung. Vertrauen schafft Bewegung. Die Fähigkeit zum Wandel hält beides lebendig.

Das ist keine Führung für ruhige Zeiten. Es ist Führung für die Wirklichkeit.

Quelle: Bertelsmann Stiftung: 25. Salzburger Trilog – Gute Führung braucht Haltung, Vertrauen und die Fähigkeit zum Wandel

KI unterstützt, Mensch entscheidet: ChAmp schafft die Grundlage für effizientere Prüfprozesse

KI unterstützt, Mensch entscheidet: ChAmp schafft die Grundlage für effizientere Prüfprozesse; Foto: KIgeneriert/cs

Technologie kann Wissen schneller erschließen. Verantwortung aber bleibt eine menschliche Aufgabe. Genau an dieser Schnittstelle setzt das Forschungsprojekt ChAmp an. Erste empirische Ergebnisse zeigen: Hersteller und Prüfstellen haben überraschend ähnliche Anforderungen an ein KI-gestütztes Assistenzsystem. Das eröffnet Chancen für effizientere, transparentere und zugleich verlässlichere Prüfprozesse. Das Düsseldorfer ifaa – Institut für angewandte Arbeitswissenschaft e. V. gibt uns heute ein Projekt-Update.


Von Christoph Sochart


Künstliche Intelligenz ist dann besonders wertvoll, wenn sie nicht den Menschen aus dem Prozess drängt, sondern ihn besser macht. Wenn sie Ordnung in große Informationsmengen bringt, Zusammenhänge sichtbar macht und dort unterstützt, wo Fachleute heute viel Zeit mit Suchen, Vergleichen und Dokumentieren verbringen.

Genau darum geht es im Forschungsprojekt ChAmp. Der vollständige Titel lautet „Cyber-humanes Arbeiten in Daten-Ökosystemen am Beispiel maschineller Softwareprüfung“. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie große Sprachmodelle und weitere KI-Verfahren technische Dokumentations- und Prüfprozesse unterstützen können – datenschutzkonform, nachvollziehbar und ohne die Verantwortung der Menschen zu ersetzen.

Kein Marktzugang ohne belastbare Nachweise

Viele elektronische Produkte erhalten keinen Marktzugang, wenn ihre technische Dokumentation nicht erfolgreich geprüft wurde. Hersteller müssen nachweisen, dass ihre Software regulatorische Anforderungen erfüllt. Dieser Nachweis muss vollständig, schlüssig und nachvollziehbar sein.

Das klingt zunächst nach Papierarbeit. In Wahrheit geht es um anspruchsvolle Wissensarbeit. Umfangreiche Dokumentationen müssen erstellt, regulatorische Anforderungen interpretiert, technische Lösungen bewertet und Nachweise einander zugeordnet werden. Für Hersteller und Prüfstellen ist das mit erheblichem Aufwand verbunden.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: Kann KI die Prüfung übernehmen? Die entscheidende Frage lautet: Wie kann KI Fachleute dabei unterstützen, bessere Prüfungen zu ermöglichen?

Hersteller und Prüfstellen denken ähnlicher als erwartet

Einen wichtigen Meilenstein hat ChAmp mit der Auswertung von Experteninterviews erreicht. Befragt wurden Fachleute des Messgeräteherstellers Sartorius Lab Instruments GmbH & Co. KG sowie der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB). Ziel war es, die Anforderungen an ein künftiges KI-gestütztes Assistenzsystem aus zwei unterschiedlichen Perspektiven zu erfassen: aus Sicht derjenigen, die technische Dokumentationen erstellen, und aus Sicht derjenigen, die sie prüfen.

Das Ergebnis ist bemerkenswert. Die Rollen sind verschieden, die Herausforderungen aber vielfach ähnlich.

Hersteller wünschen sich Unterstützung bei der Interpretation regulatorischer Anforderungen, bei der Bewertung technischer Lösungsansätze und bei der Erstellung vollständiger und konsistenter Dokumentationen. Prüfende sehen vor allem Potenzial bei der Analyse umfangreicher Dokumentationspakete, bei der intelligenten Suche nach relevanten Informationen und bei der nachvollziehbaren Verbindung zwischen Anforderungen und Nachweisen.

Beide Seiten suchen also im Kern dasselbe: bessere Orientierung, weniger Reibungsverluste und mehr Sicherheit im Umgang mit komplexen Informationen.

„Die hohe Übereinstimmung der Anforderungen beider Akteursgruppen ist eine der wichtigsten Erkenntnisse der bisherigen Projektarbeit“, erklärt Katharina Adamczyk von der ZENIT GmbH. „Sie zeigt, dass ein gemeinsames Assistenzsystem Mehrwert schaffen kann, indem Informationen strukturiert aufbereitet, Zusammenhänge sichtbar gemacht und Wissensbestände besser erschlossen werden.“

Keine Blackbox für sensible Entscheidungen

ChAmp verfolgt dabei ausdrücklich keinen Ansatz der vollständigen Automatisierung. Das Projekt steht für ein cyber-humanes Arbeiten: KI übernimmt unterstützende Aufgaben, Fachkräfte behalten die Kontrolle.

Das ist bei regulatorischen Prüfungen entscheidend. Eine Maschine kann Dokumente durchsuchen, Hinweise geben, Anforderungen miteinander verknüpfen und mögliche Lücken aufzeigen. Sie kann aber nicht die Verantwortung für eine regulatorische Entscheidung tragen.

Deshalb sind Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Quellenoffenlegung zentrale Voraussetzungen des geplanten Assistenzsystems. Nutzerinnen und Nutzer sollen erkennen können, auf welcher Grundlage eine KI einen Hinweis erzeugt. Sie sollen Ergebnisse prüfen, einordnen und gegebenenfalls korrigieren können.

Die Leitlinie lautet: KI unterstützt. Der Mensch entscheidet.

Das ist kein technischer Nebensatz. Es ist die Voraussetzung dafür, dass künstliche Intelligenz in sensiblen Arbeitsumgebungen Akzeptanz findet. Vertrauen entsteht nicht dadurch, dass eine Maschine selbstbewusst auftritt. Vertrauen entsteht, wenn ihre Vorschläge nachvollziehbar sind und der Mensch die letzte Verantwortung behält.

Der nächste Schritt: ein prototypisches Assistenzsystem

Die nun vorliegenden Anforderungskataloge bilden die Grundlage für die nächste Projektphase. Aktuell wird ein prototypisches Assistenzsystem entwickelt. Es soll auf lokalen Sprachmodellen sowie auf Verfahren zur semantischen Suche und Informationsverknüpfung basieren.

Dass dabei lokale Modelle zum Einsatz kommen, ist von besonderer Bedeutung. Technische Dokumentationen können sensible Informationen über Produkte, Verfahren und Unternehmenswissen enthalten. Datenschutz, Vertraulichkeit und Nachvollziehbarkeit sind deshalb keine Zusatzfunktionen, sondern Grundbedingungen des Systems.

Die Entwicklung folgt damit einem Prinzip, das in vielen Unternehmen an Bedeutung gewinnt: Nicht jede Information gehört in eine öffentliche Cloud, und nicht jede Entscheidung darf an ein automatisiertes System delegiert werden. Gute KI ist nicht diejenige, die am meisten verspricht. Gute KI ist diejenige, die in den Arbeitsprozess passt und ihre Grenzen kennt.

Ein Modell für weitere regulierte Bereiche

Die Erkenntnisse aus ChAmp reichen über die Softwareprüfung von Messgeräten hinaus. Ähnliche Fragen stellen sich bei der Produktsicherheit, im Datenschutz, in der Nachhaltigkeitsberichterstattung und bei Lieferkettennachweisen. Auch im Umfeld künftiger europäischer KI-Regulierung werden Unternehmen und Prüfstellen umfangreiche Nachweise erbringen müssen.

Überall dort gilt: Je komplexer die Anforderungen, desto größer der Wert einer intelligenten Assistenz. Aber ebenso gilt: Je größer die Bedeutung einer Entscheidung, desto unverzichtbarer bleibt die menschliche Prüfung.

ChAmp schafft mit seinen empirischen Ergebnissen deshalb mehr als eine technische Grundlage. Das Projekt liefert auch ein wichtiges Signal für die Gestaltung der Arbeitswelt: Digitalisierung muss nicht Entmündigung bedeuten. Sie kann Fachlichkeit stärken, wenn sie transparent entwickelt und verantwortungsvoll eingesetzt wird.

Die Zukunft der Prüfung ist dann nicht menschenleer. Sie ist menschlicher organisiert – mit einer KI, die unterstützt, sortiert und aufzeigt. Und mit Expertinnen und Experten, die weiterhin entscheiden.

Mehr erfahren: Zum Forschungsprojekt ChAmp und zum Blogbeitrag „ChAmp: Erste empirische Ergebnisse schaffen die Grundlage für ein cyber-humanes Prüfassistenzsystem“.

Ausbildung ist keine Pflichtübung – sie ist Düsseldorfs Zukunftsversicherung

Michael Grütering, Chef der Arbeitgeberverbände in Düsseldorf; Foto: Frank Wiedemeier

Kurz vor dem Start des neuen Ausbildungsjahres zeigt sich in Nordrhein-Westfalen ein widersprüchliches Bild: Weniger Ausbildungsplätze werden gemeldet, zugleich bleibt das Interesse junger Menschen an der dualen Ausbildung stabil. Für Unternehmen und Bewerberinnen und Bewerber ist das keine Sackgasse, sondern ein Auftrag zum gemeinsamen Handeln.


Von Christoph Sochart


Düsseldorf ist eine Stadt, die gern über Zukunft spricht. Über Transformation, Digitalisierung, künstliche Intelligenz und neue Geschäftsmodelle. Doch Zukunft beginnt selten auf einer Bühne und fast nie mit einer PowerPoint-Präsentation. Sie beginnt dort, wo ein Betrieb einer jungen Frau oder einem jungen Mann die Chance gibt, einen Beruf zu lernen.

Die duale Ausbildung ist deshalb mehr als ein Baustein der Personalplanung. Sie ist die praktische Antwort auf eine doppelte Herausforderung: Die Wirtschaft verändert sich grundlegend – und zugleich verabschieden sich in den kommenden Jahren die geburtenstarken Jahrgänge aus dem Arbeitsleben. Wer heute nicht ausbildet, wird in drei bis fünf Jahren spürbare Engpässe bei qualifizierten Nachwuchsfachkräften erleben. Was heute wie eine freie Entscheidung aussieht, kann morgen zur empfindlichen Lücke werden.

Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt in Nordrhein-Westfalen macht diesen Handlungsdruck sichtbar. Bis Ende August meldeten Unternehmen und Betriebe 92.947 betriebliche Ausbildungsstellen bei den Agenturen für Arbeit – 6.319 weniger als im Vorjahr, ein Rückgang von 6,4 Prozent. Die aktuelle Wirtschaftskrise geht auch am Ausbildungsmarkt nicht spurlos vorbei.

Und doch wäre es falsch, die Geschichte an dieser Stelle mit dem Wort „Rückgang“ zu beenden. Denn gleichzeitig meldeten 105.686 Jugendliche Interesse an einer Ausbildung. Das sind 381 junge Menschen mehr als im Vorjahr. Kurz vor dem Start des neuen Ausbildungsjahres am 1. September sind noch 23.359 Ausbildungsstellen zu besetzen – viele davon in Berufen, die von Fachkräfteengpässen geprägt sind und gute Zukunftsperspektiven bieten.

Auch auf der Seite der Jugendlichen ist die Situation eindeutig: 25.844 Bewerberinnen und Bewerber gelten noch als unversorgt. Hinzu kommen 12.418 junge Menschen, die zwar bereits eine Alternative gefunden haben, aber lieber eine duale Berufsausbildung beginnen würden. Hinter diesen Zahlen stehen keine abstrakten Marktbewegungen. Dahinter stehen junge Menschen mit Erwartungen, Fähigkeiten und dem Wunsch, beruflich Fuß zu fassen. Und dahinter stehen Betriebe, die dringend Verstärkung suchen, aber unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen handeln müssen.

Birgitta Kubsch-von Harten; Vorsitzende der Geschäftsführung. Foto: AfA

Denn eines darf in der Debatte nicht untergehen: Unternehmen bemühen sich. Viele Betriebe halten an ihrer Ausbildungsbereitschaft fest, obwohl Kosten steigen, Aufträge schwanken und die Anforderungen an die Ausbildung wachsen. Ausbildung ist eine Investition – in Zeit, Betreuung, Ausstattung und Verantwortung. Gerade kleinere und mittlere Unternehmen stoßen dabei mitunter an ihre Grenzen. Das verdient Anerkennung, nicht den pauschalen Vorwurf, die Wirtschaft tue zu wenig.

Gleichzeitig darf die schwierige Lage nicht zum Grund werden, Chancen ungenutzt verstreichen zu lassen.

Michael Grütering, Hauptgeschäftsführer der Arbeitgeberverbände in Düsseldorf, appelliert deshalb an die Mitgliedsbetriebe: „Gerade im Zuge der wirtschaftlichen und strukturellen Transformation ist es entscheidend, die Potenziale am Ausbildungsmarkt aktiv zu erschließen. Wer heute nicht ausbildet, wird in drei bis fünf Jahren spürbare Engpässe bei qualifizierten Nachwuchsfachkräften erleben – insbesondere vor dem Hintergrund des bevorstehenden Renteneintritts der geburtenstarken Jahrgänge. Deshalb bitten wir unsere Mitgliedsbetriebe: Schreiben Sie Ausbildungsstellen verstärkt aus und nutzen Sie die Unterstützung der Agentur für Arbeit bei der Vermittlung geeigneter Bewerberinnen und Bewerber.“

Dieser Appell ist kein Ruf nach einem Kraftakt um jeden Preis. Er ist eine Einladung, genauer hinzusehen. Nicht jede Bewerbung passt auf Anhieb, nicht jeder Ausbildungsberuf ist bekannt, und nicht jede berufliche Entscheidung fällt geradlinig. Umso wichtiger ist es, Interessen, Talente und Stärken zusammenzubringen – und neben dem Wunschberuf auch verwandte Berufe und alternative Wege in den Blick zu nehmen.

Dabei können Unternehmen und Jugendliche auf Unterstützung bauen. Die Agenturen für Arbeit beraten, vermitteln und helfen dabei, passende Perspektiven zu finden. Ein besonders sinnvoller Weg kann die Einstiegsqualifizierung sein: In einem längerfristigen Praktikum lernen sich Betrieb und Talent im Alltag kennen. Jugendliche können fachliche und persönliche Kompetenzen entwickeln, verschiedene berufliche Möglichkeiten erproben und ihre Chancen auf einen Ausbildungsvertrag verbessern. Unternehmen gewinnen zugleich Zeit, um Potenziale zu erkennen – jenseits eines einzelnen Vorstellungsgesprächs und jenseits perfekter Bewerbungsunterlagen.

Dass die Zahl der interessierten Jugendlichen trotz des Ausfalls fast eines ganzen gymnasialen Jahrgangs stabil geblieben ist, ist ein gutes Zeichen. Die duale Ausbildung gewinnt spürbar an Attraktivität. Das ist auch ein Erfolg der gemeinsamen Arbeit von Wirtschaft, Kammern, freien Berufen, Handwerk und Bundesagentur für Arbeit.

Nun kommt es darauf an, aus Interesse konkrete Entscheidungen zu machen. Die Wirtschaft braucht junge Menschen. Junge Menschen brauchen Betriebe, die ihnen etwas zutrauen. Und Betriebe brauchen Unterstützung, wenn Ausbildung unter den Bedingungen der Transformation gelingen soll.

Düsseldorf lebt von Unternehmen, die Verantwortung übernehmen. Ein Ausbildungsplatz ist die sichtbarste Form dieser Verantwortung: Er sagt einem jungen Menschen, dass seine Zukunft nicht festgelegt ist – und einem Betrieb, dass er bereit ist, seine eigene Zukunft mitzugestalten.

Kurz vor dem 1. September ist deshalb noch vieles möglich. Ausbildungsplätze können besetzt, Kontakte geknüpft und Wege eröffnet werden. Unternehmen sollten ihre Stellen jetzt verstärkt ausschreiben und die Vermittlungsangebote der Agentur für Arbeit nutzen. Jugendliche sollten sich auch dann bewerben, wenn der perfekte Lebenslauf noch nicht existiert.

Die wichtigste Nachricht lautet: Der Ausbildungsmarkt ist nicht leer. Er ist voller ungenutzter Möglichkeiten. Man muss sie nur zusammenbringen.


Infotext:

Der Düsseldorfer Ausbildungsmarkt hat sich spürbar verändert: Erstmals übersteigt die Zahl der Ausbildungsinteressierten die Zahl der gemeldeten betrieblichen Ausbildungsstellen. Nach aktuellen Zahlen der Agentur für Arbeit Düsseldorf standen im Juli dieses Jahres 3.309 Bewerberinnen und Bewerber 3.041 betrieblichen Ausbildungsstellen gegenüber. Während sich immer mehr junge Menschen für eine duale Ausbildung interessieren, geht das Angebot an betrieblichen Ausbildungsplätzen, die bei der Agentur für Arbeit gemeldet wurden, zurück.

Die Agentur für Arbeit Düsseldorf, das Jobcenter Düsseldorf, die Handwerkskammer Düsseldorf, die Unternehmerschaft Düsseldorf und Umgebung e.V., die Stadt Düsseldorf, der Deutsche Gewerkschaftsbund Region Düsseldorf-Bergisch-Land, die Freien Berufe NRW und die IHK Düsseldorf appellieren gemeinsam an die Unternehmen, die aktuelle Entwicklung als Chance zu nutzen die Fachkräfte von morgen zu gewinnen. Das Interesse junger Menschen an einer dualen Ausbildung ist hoch. Sie rufen dazu auf, freie Ausbildungskapazitäten zu schaffen, offene Ausbildungsplätze zu melden und vorhandene Stellen konsequent zu besetzen.


 

Schicksal & Schornsteine – Die geheimen Orte in Gerresheim

Hinter verschlossenen Türen beginnt die spannendste Industriegeschichte Düsseldorfs!

(cs) In Teil 3 unserer Serie „Schicksal & Schornsteine“ gehen wir mit Peter Schulenberg auf eine besondere Reise durch Gerresheim – und öffnen für Euch Türen zu Orten, die längst nicht jeder zu sehen bekommt.

Der Industriepfad Düsseldorf-Gerresheim macht auf vier Kilometern eindrucksvoll erlebbar, wie die Industrialisierung Stadt, Gesellschaft und Umwelt verändert hat. 20 Stationen erzählen von einer bewegten Epoche: vom letzten von einst mehr als 40 Ringofenziegeleien im Düsseldorfer Stadtgebiet bis zum Gerresheimer Bahnhof – dem einzigen heute noch existierenden Düsseldorfer Bahnhof aus der Zeit der ersten westdeutschen Eisenbahnstrecke.

Zwischen 1838 und 1930 wurde Düsseldorf und Gerresheim geprägt wie in kaum einer anderen Epoche. Eine spannende Zeitreise zu geheimen Orten, besonderen Geschichten und den Spuren einer Industrie, die bis heute nachwirken.

Eine Produktion der Streamboxstudios und der Unternehmerschaft Düsseldorf im Rahmen des Podcasts „Düsseldorfer Wirtschaft“.

Ab dem 29. August 2026, 05:55 Uhr

Jetzt anhören überall wo es gute Podcast gibt und unter www.unternehmerschaft.de

Caravan Salon 2026: Düsseldorf wird zum Schaufenster für die Zukunft des mobilen Reisens

Foto: Messe

Von kompakten Campervans für Einsteiger bis zum Luxus-Reisemobil: Der Caravan Salon Düsseldorf zeigt ab Ende August die ganze Bandbreite des mobilen Urlaubs. Besonders auffällig sind der Trend zu mehr Leichtigkeit und der Wunsch nach Komfort und Autarkie. Mercedes-Benz setzt zudem auf neue Sprinter- und Marco-Polo-Modelle und Allradtechnik.


Von Christoph Sochart


Düsseldorf wird Ende August wieder zum internationalen Treffpunkt der Caravaning-Branche. Vom 28. August bis zum 6. September öffnet der CARAVAN SALON seine Tore. Mehr als 830 Aussteller präsentieren in 15 Hallen und auf dem Freigelände Reisemobile, Caravans, Campervans, Zubehör und Technik. Die Messe gilt als weltgrößte Veranstaltung für die mobile Freizeit.

Dabei zeichnet sich für die kommende Saison ein spannender Gegensatz ab: Auf der einen Seite werden Fahrzeuge kompakter, leichter und stärker auf preisbewusste Einsteiger zugeschnitten. Auf der anderen Seite wächst das Angebot an komfortablen Reisemobilen, die möglichst unabhängig vom Campingplatz unterwegs sein können. Mehr Allradantrieb, größere Badezimmer, leistungsfähige Batteriesysteme und Induktionskochfelder gehören zu den Trends.

Camping wird kompakter – und elektrischer

Gerade bei den kleineren Fahrzeugen geht der Trend zum Prinzip „weniger ist mehr“. Kompakte Caravans werden leichter und sollen damit auch von Elektroautos gezogen werden können. Bei Campervans verzichten manche Hersteller sogar auf ein fest eingebautes Bad, um Platz und Gewicht zu sparen.

Gleichzeitig hält die Elektrifizierung Einzug. Eifelland beispielsweise zeigt mit dem Relax einen vollelektrischen Campervan auf Basis des Nissan Interstar-e. Der 87-kWh-Akku soll laut Hersteller eine Reichweite von bis zu 460 Kilometern ermöglichen.

Auch die Energieversorgung im Fahrzeug wird wichtiger. Leistungsfähige Lithium-Batterien, Solaranlagen und Wechselrichter sollen dafür sorgen, dass Reisende länger unabhängig von Landstrom bleiben können. Komfort und Autarkie werden damit zu wichtigen Verkaufsargumenten.

Foto: Mercedes-Benz

Mercedes-Benz: Sprinter feiert Premiere

Besondere Aufmerksamkeit dürfte in Düsseldorf dem Auftritt von Mercedes-Benz gelten. In Halle 17 präsentiert der Konzern erstmals auf einer Messe die neuen Modelle Sprinter und Marco Polo/Marco Polo HORIZON. Beide sollen mehr Wohnlichkeit und Komfort bieten. Überarbeitet wurden unter anderem Raumgefühl, Beleuchtung und Verdunkelung, Akustik und Konnektivität.

Eine wichtige Änderung betrifft auch die Produktion: Marco Polo und Marco Polo HORIZON werden künftig vollständig innerhalb von Mercedes-Benz gefertigt. Damit will das Unternehmen flexibler auf die Nachfrage reagieren.

Zum Messeauftritt gehört außerdem ein Stück Automobilgeschichte. Mercedes-Benz bringt den Benz Patent-Motorwagen nach Düsseldorf. Vor 140 Jahren meldete Carl Benz sein „Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb“ zum Patent an. Damit steht auf dem Messestand ein Symbol für die Anfänge des Automobils direkt neben den neuesten Entwicklungen für das mobile Reisen.

Allrad für das vollintegrierte Reisemobil

Auch technisch setzt Mercedes-Benz einen Schwerpunkt. Das vom Sprinter bekannte „Torque-on-Demand“-Allradsystem soll künftig auch für vollintegrierte Reisemobile angeboten werden. Die Kraftverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse wird dabei automatisch an die jeweilige Fahrsituation angepasst. Gerade auf Schnee, unbefestigten Wegen oder schwierigem Untergrund kann das Vorteile bringen.

Wie das aussehen kann, zeigt in Düsseldorf KABE mit dem Prototyp Imperial Ri830 TRAQ 4×4 auf Sprinter-Basis. Das Fahrzeug verbindet Allradtechnik mit einem komfortablen Wohnbereich, Küche, Bad und großzügiger Heckgarage. Auch andere Hersteller nutzen den Sprinter als Basis für neue Reisemobile – darunter Rhön Camp, LAIKA, Offtrack, AllRoad, Captain Camper und ATLANTIS.

Foto: Mercedes-Benz

Zwischen 1,5-Millionen-Euro-Mobil und Einsteiger-Camper

Wie breit das Angebot auf dem Caravan Salon ist, zeigt ein Blick auf die Premieren. Während Ahorn Camp mit neuen Move-Modellen gezielt preisbewusste Einsteiger anspricht, präsentiert Action Mobil mit dem Global XRS 7400 Leopard ein 26 Tonnen schweres Expeditionsmobil auf MAN-TGS-6×6-Basis. Preis: rund 1,5 Millionen Euro.

Dazwischen liegt eine enorme Vielfalt: Carthago überarbeitet seine Chic-E-Line, Hymer präsentiert neue vollintegrierte B-ML-Modelle auf Sprinter-Basis, Knaus bringt wintertaugliche Caravans mit Fußbodenheizung und Dethleffs erweitert sein Angebot um neue XL-Reisemobile. Auch zahlreiche kleinere Hersteller bringen neue Grundrisse und Konzepte mit nach Düsseldorf.

Der Caravan Salon zeigt damit mehr als neue Fahrzeuge. Die Branche reagiert auf unterschiedliche Bedürfnisse: Der eine sucht einen möglichst kleinen und effizienten Camper für das Wochenende, der andere ein autarkes Reisemobil für lange Touren. Düsseldorf wird vom 28. August an zum Schaufenster dieser Entwicklung – zwischen Elektromobilität, Digitalisierung, Offroad-Technik und dem klassischen Traum von der Freiheit auf vier Rädern.

ElectronicPartner und Terra Robotics bringen Servicerobotik aus dem Showroom in den Fachmarkt

Vorstand Matthias Assmann Foto: ElectronicPartner

Roboter sind längst unter uns. Sie reinigen Flughäfen, sortieren Waren, unterstützen in Fabriken und übernehmen Aufgaben, bei denen Präzision und Ausdauer gefragt sind. Trotzdem bleibt Robotik für viele Menschen eine Technologie aus der Ferne: sichtbar auf Messen, in Produktvideos oder hinter den Türen spezialisierter Unternehmen.


Von Christoph Sochart


Das Düsseldorfer Unternehmen ElectronicPartner und Terra Robotics wollen das ändern. Ihr gemeinsames Pilotprojekt bei MEDIMAX in Berlin-Pankow bringt professionelle Servicerobotik dorthin, wo Kunden ohnehin unterwegs sind: in den stationären Handel. ElectronicPartner ist ein Mitgliedsunternehmen der Unternehmerschaft Düsseldorf.

Pünktlich zur IFA 2026 entsteht in dem Berliner Fachmarkt ein kompaktes Shop-in-Shop-Konzept. Es geht dabei ausdrücklich nicht um einen klassischen Verkaufsstore. Im Mittelpunkt steht eine Technologie, die man nicht nur erklären, sondern erleben muss.

Denn ein Reinigungsroboter bleibt abstrakt, solange man nur über Quadratmeterleistungen spricht. Ein Empfangsroboter bleibt eine Kuriosität, solange er lediglich auf einer Messe seine Runden dreht. Erst im Alltag wird aus Technik eine konkrete Frage: Was könnte dieses System in meinem Unternehmen leisten?

Raus aus der Messehalle, hinein in den Alltag

Genau an diesem Punkt setzt das Pilotprojekt an. Besucher können unterschiedliche Robotik-Lösungen in einem realen Handelsumfeld kennenlernen, ihre Funktionsweise beobachten und sich über konkrete Einsatzmöglichkeiten informieren.

Zum Start werden drei Systeme gezeigt, die bereits heute professionell eingesetzt werden: ein autonomer Reinigungsroboter für größere Flächen, ein Empfangsroboter für Gastronomie, Hotellerie und Handel sowie ein intelligenter Kehrroboter für Industrie- und Gewerbeanwendungen.

Das ist eine bewusste Auswahl. Sie zeigt Robotik nicht als futuristische Spielerei, sondern als Werkzeug für Aufgaben, die in Unternehmen jeden Tag anfallen. Böden reinigen. Gäste empfangen. Flächen kehren. Arbeit wird dort automatisiert, wo sie wiederkehrend, körperlich belastend oder schwer planbar ist.

Der stationäre Fachhandel wird damit zum Übersetzer zwischen Technologie und Lebenswirklichkeit. Er zeigt nicht nur, was ein Roboter kann. Er hilft bei der entscheidenden Anschlussfrage: Passt das zu meinem Betrieb?

Vertrauen entsteht nicht per Produktvideo

Gerade bei neuen Technologien ist die persönliche Begegnung ein Wettbewerbsvorteil. Unternehmer wollen wissen, ob ein System mit den eigenen Räumlichkeiten zurechtkommt, wie es sich in bestehende Abläufe integrieren lässt und wer im Fall einer Störung erreichbar ist. Kunden wiederum möchten verstehen, ob Robotik den Menschen ersetzt – oder ob sie ihn von Aufgaben entlastet, für die sich oft nur schwer Personal finden lässt.

Solche Fragen beantwortet kein Prospekt vollständig. Dafür braucht es Demonstration, Beratung und Erfahrung. Das Pilotprojekt soll deshalb nicht nur Produkte präsentieren, sondern Erkenntnisse liefern: Welche Lösungen wecken besonderes Interesse? Welche Fragen stellen Besucher? Wie hoch ist der Beratungsbedarf? Und welche Voraussetzungen müssen Händler erfüllen, wenn sie Robotik als neues Geschäftsfeld anbieten wollen?

Matthias Assmann, Vorstand von ElectronicPartner, beschreibt den Anspruch des Projekts so: „Mit dem Pilotprojekt machen wir Servicerobotik für unsere Mitglieder und Interessenten unmittelbar erlebbar. Für uns ist das ein wichtiger Schritt, um gemeinsam mit starken Partnern ein neues Geschäftsfeld mit einer nachhaltigen Wertschöpfung für den Fachhandel aufzubauen.“

Das ist der ökonomisch interessante Teil der Geschichte. Der Fachhandel verkauft nicht einfach eine weitere Produktkategorie. Er kann eine neue Rolle übernehmen: als regionaler Ansprechpartner für Beratung, Auswahl, Einführung und perspektivisch auch Service.

Ein neues Geschäftsfeld braucht Nähe

MEDIMAX ist die Franchisefachmarkt-Linie von ElectronicPartner und steht für hochwertige Produkte und umfassende Beratung. Der Markt in Berlin-Pankow ist zunächst Pilotfläche und Referenz für weitere Standorte. Die Erfahrungen aus dem täglichen Betrieb sollen in die Weiterentwicklung des Konzepts einfließen.

Diese Nähe zum Kunden ist für Robotik entscheidend. Ein Unternehmen, das über die Anschaffung eines Serviceroboters nachdenkt, braucht meist keine technische Vorlesung. Es braucht jemanden, der die eigene Situation versteht: die Größe der Fläche, die Arbeitszeiten, die Besucherfrequenz, die Anforderungen an Hygiene und Sicherheit und die Frage, ob sich die Investition rechnet.

Terra Robotics begleitet das Projekt als Technologie- und Lösungspartner und bringt Erfahrungen aus unterschiedlichen Robotik- und Automatisierungsprojekten ein. Geschäftsführer Murat Arpaci formuliert den Grundgedanken: „Die Technologie muss sichtbar und regional verfügbar werden, wenn wir daraus einen echten Markt entwickeln wollen. Der Fachhandel bietet dafür ideale Voraussetzungen: Nähe zum Kunden, persönliche Beratung und bestehende Service-Strukturen.“

Das ist mehr als eine Vertriebsstrategie. Es ist eine Marktthese: Robotik wird sich nicht allein deshalb durchsetzen, weil die Systeme leistungsfähig sind. Sie wird sich dort durchsetzen, wo Menschen ihren praktischen Nutzen verstehen und Vertrauen in die Umsetzung entwickeln.

Berlin ist der Anfang, nicht das Ziel

Die Projektpartner planen bereits die Ausdehnung auf weitere Standorte. „Berlin ist für uns der sichtbare Startpunkt, aber nicht das Ende des Projekts“, sagt Henning Lohmann, Director Business Development Robotics bei ElectronicPartner Österreich. Bis zum Jahresende soll ein flächendeckendes Netzwerk aufgebaut werden, das Kunden regionalen Zugang zu Beratung, Demonstration, Vertrieb und perspektivisch auch Service ermöglicht.

Damit würde Robotik aus der Logik des Einzelprojekts herauskommen. Heute ein Roboter beim Kunden, morgen vielleicht eine regionale Struktur, die Unternehmen auf dem Weg von der ersten Idee bis zum laufenden Betrieb begleitet.

Das ist wichtig, weil Automatisierung selten mit dem Kauf eines Geräts endet. Sie beginnt dort erst richtig. Prozesse müssen angepasst, Mitarbeiter eingebunden und Erwartungen realistisch gesetzt werden. Ein guter Händler ist in diesem Modell nicht bloß Verkäufer, sondern Kümmerer – und manchmal auch Dolmetscher zwischen den Sprachen von Technik und Betriebsalltag.

Der Roboter als Nachbar

Die IFA bietet für den Start den passenden Rahmen. Im MEDIMAX Fachmarkt Berlin-Pankow wird die Pilotfläche rund um die Messetage installiert. Auf dem IFA-Stand von ElectronicPartner im CityCube präsentiert Terra Robotics ausgewählte Systeme live.

Für interessierte Fachhändler ist außerdem ein rund zweistündiger Robotik-Rundgang zu relevanten Herstellern geplant. Der Rundgang konzentriert sich bewusst auf Marken, die tatsächlich über Terra bezogen werden können. Das macht das Format praktisch: weniger Zukunftsschau, mehr Orientierung für konkrete Geschäftsentscheidungen.

Wer tiefer einsteigen möchte, kann am 9. und 10. September beim Open House von Terra Robotics und comTeam in Löhne weitere Eindrücke sammeln. Mitglieder der Verbundgruppe können dort Reinigungs-, Service- und Empfangsroboter live erleben, sich über Marktchancen und Erlösmodelle informieren und ein persönliches Ankündigungsvideo für die Kundenansprache erstellen.

Der eigentliche Wert des Projekts wird sich aber nicht in den großen Messehallen entscheiden. Er entscheidet sich im täglichen Betrieb des Fachmarkts. Bleiben Besucher stehen? Stellen sie Fragen? Entstehen daraus Gespräche mit Gewerbekunden? Werden aus Gesprächen erste Anwendungen und aus ersten Anwendungen tragfähige Geschäftsmodelle?

Das sind die nüchternen Fragen hinter der sichtbaren Innovation. Und gerade deshalb ist der Ansatz überzeugend. Robotik wird nicht als ferne Zukunft verkauft, sondern als Gegenstand einer ganz normalen Beratung – neben Fernsehern, Haushaltsgeräten und Netzwerktechnik.

Vielleicht ist das der Moment, in dem eine Technologie erwachsen wird: wenn sie nicht mehr nur bestaunt, sondern in den Alltag eingeordnet wird.

ElectronicPartner und Terra Robotics setzen dafür auf einen bemerkenswert bodenständigen Weg. Sie bauen keinen Tempel der Zukunft. Sie stellen Roboter in einen Fachmarkt und warten ab, was passiert.

Manchmal beginnt Fortschritt genau so: nicht mit einer großen Ansage, sondern mit einer offenen Tür.

Düsseldorfs Flughafen setzt auf Vernunft, Verlässlichkeit und eine klügere Nutzung vorhandener Kapazitäten

Foto: Flughafen

Es gibt in Deutschland kaum ein Infrastrukturthema, bei dem die Debatte so schnell in bekannte Reflexe kippt wie beim Flughafen. Die einen hören beim Wort Wachstum bereits den nächsten Überflug über dem eigenen Garten. Die anderen sehen im Flughafen vor allem das Tor zur Welt, den Taktgeber einer exportorientierten Wirtschaft und einen Ort, an dem zehntausende Menschen ihre berufliche Zukunft finden. Düsseldorf versucht nun, diese Gegensätze nicht weiter zu verschärfen, sondern miteinander zu versöhnen. Das ist politisch weniger spektakulär als ein großes Ausbauversprechen. Aber es ist wahrscheinlich sehr viel vernünftiger.


Von Christoph Sochart


Am 2. September beginnt die öffentliche Auslegung der angepassten Flughafenpläne. Bürgerinnen und Bürger können sich über den geänderten Antrag informieren und ihre Einwände oder Anregungen in das laufende Verfahren einbringen. Das ist keine lästige Formalie, sondern der Kern einer demokratischen Infrastrukturentscheidung: Wer betroffen ist, soll gehört werden. Und wer Verantwortung trägt, muss seine Pläne erklären.

Die wichtigste Botschaft aus Düsseldorf lautet dabei: Die bestehende Obergrenze bleibt bestehen. Maximal 131.000 Flugbewegungen in den sechs verkehrsreichsten Monaten sollen weiterhin möglich sein. Es geht also nicht um ein Mehr an Kapazität, sondern um ein Mehr an Intelligenz in ihrer Nutzung.

Mehr Verlässlichkeit innerhalb des bestehenden Rahmens

Der Flughafen beantragt, den Linien- und Charterverkehr innerhalb dieser Grenze von bisher 122.176 auf maximal 128.000 Flugbewegungen ausrichten zu können. Für den übrigen Verkehr sind mindestens 3.000 Bewegungen vorgesehen. Das ist eine Schwerpunktsetzung zugunsten jener Verbindungen, die Menschen und Unternehmen in Nordrhein-Westfalen tatsächlich nutzen: Geschäftsreisen, internationale Anschlüsse, Urlaubsverkehre und die alltägliche Mobilität einer dicht vernetzten Wirtschaftsregion.

Lars Redeligx, Vorsitzender der Geschäftsführung des Düsseldorfer Flughafens, bringt den Kern des Vorhabens auf einen klaren Satz: „Der Kern unseres geänderten Antrags ist die intelligente, flexible Nutzung bestehender Kapazitäten – nicht deren Ausweitung.“

Das klingt zunächst unscheinbar. In Wahrheit ist es eine Absage an die deutsche Neigung, jedes Problem mit einem Neubau zu beantworten. Die bessere Infrastruktur ist nicht immer die größere Infrastruktur. Manchmal ist sie schlicht diejenige, die vorhandene Möglichkeiten besser organisiert.

Heute darf der Flughafen tagsüber in insgesamt 56 Stunden pro Woche beide Start- und Landebahnen nutzen. Für diese Zeiträume soll die Zahl der koordinierbaren Flugbewegungen von bisher 47 auf bis zu 60 steigen können. Das bedeutet nicht automatisch mehr Verkehr über den gesamten Tag. Es bedeutet vor allem, Verkehrsspitzen besser zu verteilen und Flugangebote näher an der Nachfrage auszurichten.

Ein Flughafen ist schließlich kein Wasserhahn, den man beliebig auf- und zudreht. Er ist ein hochkomplexes System aus Flugzeugen, Crews, Gepäck, Sicherheitskontrollen, Wetter, Luftraum und Anschlussverbindungen. Wer dieses System stabiler macht, hilft nicht nur den Airlines und den Reisenden. Er hilft auch den Anwohnern.

Pünktlichkeit ist auch Anwohnerschutz

Denn Verspätungen haben eine unangenehme Eigenschaft: Sie verschwinden nicht einfach, wenn der Tag endet. Sie schieben sich in die Abendstunden und belasten dann genau jene Menschen, die mit dem Flughafen leben müssen.

Deshalb ist die Frage der betrieblichen Stabilität keine rein wirtschaftliche Angelegenheit. Jede vermiedene Kettenverspätung, jede besser gesteuerte Verkehrsspitze und jede verlässlichere Abfertigung kann dazu beitragen, dass weniger Flugzeuge spät landen.

Das Qualitätsprogramm „Off-Block“ zeigt, dass operative Verbesserungen messbare Wirkung entfalten können. Die Zahl verspäteter Landungen in der Nacht sank 2024 um sieben Prozent und 2025 nochmals um mehr als fünf Prozent – obwohl das Verkehrsaufkommen in beiden Jahren zusammen um rund 5,5 Prozent gestiegen ist.

Das ist die Art von Fortschritt, die in politischen Debatten oft zu wenig Aufmerksamkeit bekommt: nicht die große Schlagzeile, sondern die schrittweise Verbesserung des Alltags. Mehr Verkehr und weniger nächtliche Verspätungen müssen kein Widerspruch sein, wenn Qualität nicht als PR-Begriff, sondern als Managementaufgabe verstanden wird.

Klare Grenzen bleiben klare Grenzen

Auch bei den Betriebszeiten ändert sich nichts. Zwischen 22 und 23 Uhr dürfen weiterhin höchstens 33 Landungen pro Tag geplant werden. Planmäßige Starts sind in dieser Stunde nicht zulässig. Zwischen 23 und 6 Uhr dürfen im Linien- und Charterverkehr grundsätzlich keine Flugbewegungen geplant werden. Starts sind erst ab 6 Uhr erlaubt.

Diese Regeln markieren einen wichtigen Punkt: Wachstum innerhalb bestehender Kapazitäten ist nicht grenzenloses Wachstum. Es ist Wachstum unter Bedingungen. Der Düsseldorfer Flughafen bleibt damit ein Standort mit strengen Betriebsbeschränkungen. Das sollte in einer sachlichen Debatte ebenso berücksichtigt werden wie die Interessen der Wirtschaft und der Reisenden.

Düsseldorf steht dabei nicht im luftleeren Raum. Andere Flughäfen in Deutschland und Europa verfügen über deutlich längere Betriebszeiten. In Köln/Bonn und Münster/Osnabrück ist beispielsweise ein 24-Stunden-Betrieb möglich. Anderswo können Starts und Landungen zwischen 5 und 23 Uhr stattfinden. Das ist kein Freibrief für Düsseldorf, aber ein Hinweis darauf, dass die hiesigen Rahmenbedingungen bereits heute vergleichsweise streng sind.

Der technologische Fortschritt fliegt mit

Besonders aufschlussreich ist der Blick zurück. Seit Anfang der 1990er-Jahre ist die Lärmbelastung rund um den Düsseldorfer Flughafen durch modernere Flugzeuge um mehr als die Hälfte gesunken – obwohl die Zahl der Flugbewegungen im gleichen Zeitraum um rund ein Viertel gestiegen ist.

Das ist keine Entwarnung für Menschen, die Fluglärm erleben. Aber es ist ein Beleg dafür, dass technischer Fortschritt nicht nur in Unternehmensbilanzen, sondern auch in der Lebensqualität ankommt. Flugzeuge werden leiser und emissionsärmer. Der Flughafen verstärkt diesen Trend durch finanzielle Anreize in seiner Entgeltordnung. Wer mit moderner und leiser Technik fliegt, wird anders behandelt als jener, der mit älterem Gerät unterwegs ist. Die Lärmzuschläge sind nach Tages- und Nachtzeiten differenziert und steigen zu den sensibleren Randzeiten und in der Kernnacht deutlich an.

Auch der bauliche Schallschutz bleibt ein konkreter Bestandteil des Anwohnerschutzes. Seit mehr als zehn Jahren führt der Airport sein Schallschutzprogramm freiwillig fort. Seit 2003 wurden nach Flughafenangaben mehr als 78 Millionen Euro in bauliche Maßnahmen in der Nachbarschaft investiert.

Man muss nicht jede Flughafenentscheidung bejubeln, um anzuerkennen, dass solche Investitionen einen Unterschied machen. Anwohnerschutz besteht nicht aus einem einzigen Versprechen. Er besteht aus Regeln, Technik, Geld, Kontrolle und der Bereitschaft, immer wieder nachzubessern.

Ein Flughafen ist mehr als eine Start- und Landebahn

Der Düsseldorfer Flughafen ist Wirtschaftsmotor, Arbeitgeber und internationale Drehscheibe. Das sind große Worte, aber sie beschreiben eine Realität: Nordrhein-Westfalen ist auf gute Verbindungen angewiesen. Unternehmen brauchen Zugang zu Märkten, Fachkräfte brauchen Mobilität, Familien brauchen erreichbare Ziele, und eine Metropole wie Düsseldorf kann ihren internationalen Anspruch nicht allein auf Autobahnen und Schienen gründen.

Ein Flughafen, der dauerhaft Akzeptanz finden will, muss beides leisten: Er muss leistungsfähig sein und Rücksicht nehmen. Er muss Verbindungen sichern und Grenzen respektieren. Er muss wirtschaftlich handeln und seine Nachbarschaft ernst nehmen.

Der angepasste Antrag versucht, genau diesen Ausgleich zu organisieren. Nicht durch ein Versprechen unbegrenzter Expansion, sondern durch einen nüchternen Vorschlag: vorhandene Infrastruktur besser nutzen, Abläufe stabilisieren, moderne Flugzeuge fördern, Verspätungen reduzieren und die geltende Obergrenze beibehalten.

Das ist vielleicht nicht die lauteste Vision für einen Flughafen. Aber es ist eine, die zu einer Stadt wie Düsseldorf passt: international, wirtschaftlich wach, technisch versiert – und klug genug zu wissen, dass Fortschritt nicht darin besteht, jede Grenze zu verschieben.

Die öffentliche Auslegung ab dem 2. September bietet nun die Gelegenheit, diesen Vorschlag zu prüfen. Die Anwohnerinnen und Anwohner sollten sie nutzen. Und der Flughafen sollte die Einwendungen nicht als Hindernis betrachten, sondern als Teil jener öffentlichen Verantwortung, die zu einem großen Infrastrukturstandort gehört.

Denn am Ende entscheidet sich die Zukunft des Flughafens nicht allein in Start- und Landekurven. Sie entscheidet sich in der Frage, ob wirtschaftliche Stärke und Rücksichtnahme gemeinsam gedacht werden können.

Düsseldorf gibt darauf eine bemerkenswert zeitgemäße Antwort: mehr Verlässlichkeit statt mehr Größe.

Musik, die Menschlichkeit hörbar macht: Das DRK lädt zum zweiten Benefizkonzert in die Tonhalle ein

Foto: DRK/Ansgar van Treeck

(cs) Das Deutsche Rote Kreuz Düsseldorf verbindet beim 2. DRK-Konzert für Menschlichkeit musikalischen Genuss mit konkreter Hilfe. Der Erlös des Konzertabends kommt der humanitären Arbeit des Ukrainischen Roten Kreuzes und dem Katastrophenschutz des DRK-Düsseldorf zugute.

Wenn sich die Lichter im Mendelssohn-Saal der Tonhalle Düsseldorf dimmen und die ersten Töne erklingen, beginnt ein Konzertabend, der weit über den musikalischen Moment hinausweist. Beim 2. DRK-Konzert für Menschlichkeit verbindet das Deutsche Rote Kreuz Düsseldorf klassische Musik mit gesellschaftlichem Engagement und einem klaren Bekenntnis zur Solidarität.

Am Samstag, 26. September 2026, erwartet das Publikum ein festliches Konzert in besonderer Atmosphäre. Das Kyiv Symphony Orchestra musiziert unter der Leitung von Stephan Frucht. Als Solistinnen und Solisten wirken Albrecht Mayer, Julia Kleiter, Bomsori Kim und Illia Ovcharenko mit. Unterstützt werden sie vom Chor des Städtischen Musikvereins zu Düsseldorf. Durch den Abend führt Sandra Maischberger. Die Schirmherrschaft hat Ministerpräsident Hendrik Wüst übernommen.

Das abwechslungsreiche Programm umfasst Werke unter anderem von Bizet, Saint-Saëns, Puccini, Bach und Liszt. So entsteht ein Abend, der künstlerische Ausdruckskraft mit einer wichtigen Botschaft verbindet: Menschlichkeit zeigt sich dort, wo Menschen füreinander einstehen.

Foto: DRK/Ansgar van Treeck

Hilfe, die ankommt

Der Erlös des Benefizkonzerts unterstützt die humanitäre Arbeit des Ukrainischen Roten Kreuzes sowie den Katastrophenschutz des DRK-Düsseldorf. Damit wirkt der Konzertabend sowohl international als auch unmittelbar vor Ort. Er unterstützt Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind, und stärkt Strukturen, die in Krisen schnelle und verlässliche Unterstützung leisten.

Die sieben Grundsätze der internationalen Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung – Menschlichkeit, Unparteilichkeit, Neutralität, Unabhängigkeit, Freiwilligkeit, Einheit und Universalität – geben diesem Engagement Orientierung. Das Konzert macht diese Werte auf besondere Weise erlebbar: durch Musik, Begegnung und gemeinsames Handeln.

Foto: DRK/David Stensberg

Ein starkes Zeichen aus Düsseldorf

Nach der erfolgreichen Premiere im Jahr 2024 findet das Konzert bereits zum zweiten Mal statt. Es steht beispielhaft für das Engagement des DRK Düsseldorf und für die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.

Für die Unternehmerschaft Düsseldorf ist die Initiative auch deshalb besonders bedeutsam, weil das DRK Düsseldorf zu unseren 2.300 Mitgliedern gehört. Wir schätzen das Engagement unseres Mitglieds sehr und freuen uns, die Einladung zu diesem besonderen Abend weiterzugeben.

Das 2. DRK-Konzert für Menschlichkeit lädt dazu ein, einen außergewöhnlichen Konzertabend zu erleben und zugleich konkrete Hilfe zu unterstützen. Klassische Musik wird so zu einem Ausdruck von Solidarität – und zu einem Zeichen dafür, dass Menschlichkeit immer zum gemeinsamen Handeln einlädt.

Veranstaltungsinformationen

  • Veranstaltung: 2. DRK-Konzert für Menschlichkeit
  • Datum: Samstag, 26. September 2026
  • Beginn: 19.30 Uhr
  • Ort: Tonhalle Düsseldorf, Mendelssohn-Saal
  • Tickets: über den Webshop der Tonhalle und eventim
  • Weitere Informationen: www.KonzertFuerMenschlichkeit.de

Wenn der Gewinn verschwindet, verliert der Standort

Gesamtkapitalrendite im Verarbeitenden Gewerbe in Deutschland im Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2023 in Prozent

Wenn der Gewinn verschwindet, verschwindet am Ende mehr als nur eine Zahl in der Bilanz.

Deutschland diskutiert gern über hohe Unternehmensgewinne. Sie gelten schnell als Zeichen von Macht, Ungleichheit oder gesellschaftlicher Schieflage. Doch die nüchterne ökonomische Wahrheit lautet: Gewinne sind kein Luxus der Wirtschaft. Sie sind ihr Treibstoff.


Von Christoph Sochart


Wie das Institut der deutschen Wirtschaft mitteilt, ist die Ertragslage deutscher Unternehmen deutlich weniger komfortabel, als es manche öffentliche Debatte vermuten lässt. Besonders die Industrie steht unter Druck. Dort geht es nicht um die Frage, ob Unternehmen zu viel verdienen. Es geht um die Frage, ob sie überhaupt noch genug verdienen, um im internationalen Wettbewerb dauerhaft bestehen zu können.

Die Gewinnquote sinkt auf ein Rekordtief

Die Unternehmens- und Vermögenseinkommen in Deutschland sind zwischen 2015 und 2025 im Durchschnitt lediglich um 1,8 Prozent pro Jahr gewachsen. Die Arbeitnehmerentgelte legten im selben Zeitraum durchschnittlich um 4,5 Prozent jährlich zu.

Das hat die Einkommensverteilung sichtbar verändert. Die Lohnquote – also der Anteil der Arbeitnehmerentgelte am Volkseinkommen – stieg zuletzt auf rund 75 Prozent. Spiegelbildlich sank die Gewinnquote, der Anteil der Unternehmens- und Vermögenseinkommen, im Jahr 2025 auf rund 25 Prozent. Das war ein Tiefstand.

Die Entwicklung verlief dabei keineswegs geradlinig. Im Jahr 2023 stiegen die Unternehmens- und Vermögenseinkommen noch um 7,8 Prozent. Ein Jahr später sanken sie um 8,1 Prozent. Die Botschaft dieser Zahlen ist klar: Die Erträge schwanken stark – und der langfristige Zuwachs bleibt begrenzt.

Ein schmaler Puffer für die Gesamtwirtschaft

Entscheidend ist nicht allein, ob ein Unternehmen einen Gewinn ausweist. Entscheidend ist, ob dieser Gewinn ausreicht, um Risiken, Kapitalkosten und notwendige Investitionen zu finanzieren.

Für die nicht finanziellen Unternehmen in Deutschland lag die Gesamtkapitalrendite im Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2024 bei gut 5,8 Prozent. Das war lediglich rund ein Prozentpunkt mehr als jene Rendite, die erforderlich gewesen wäre, um zumindest das unternehmerische Risiko und die Kapitalkosten zu decken.

Das ist kein üppiges Polster. Es ist ein schmaler Sicherheitsabstand. Ein Unternehmen, das nur knapp über seiner Mindestanforderung wirtschaftet, kann Krisen schlechter abfedern, Investitionen schwerer finanzieren und Kapital weniger überzeugend an den Standort binden.

Gewinn ist in diesem Sinne nicht das Ende der wirtschaftlichen Leistung. Gewinn ist die Voraussetzung dafür, dass die nächste Leistung überhaupt finanziert werden kann.

Die Industrie verfehlt teilweise die Mindestschwelle

Besonders kritisch ist die Lage im Verarbeitenden Gewerbe. Die Industrieunternehmen erzielten zwischen 2015 und 2023 im jährlichen Durchschnitt eine Gesamtkapitalrendite von knapp 4,9 Prozent. Rund 5 Prozent wären nach der Analyse erforderlich gewesen, um die Anforderungen der Investoren zu erfüllen.

Der Abstand mag auf den ersten Blick klein wirken. In der Realität entscheidet sich an solchen Größenordnungen jedoch, wohin Kapital fließt. Investoren vergleichen Standorte. Wenn die Rendite in Deutschland die Risiken und Kosten nicht ausreichend kompensiert, wird eine Anlage im Ausland attraktiver.

Im Jahr 2023 lag die tatsächliche Rendite der Industrie zwar leicht über der notwendigen Schwelle. Doch der Befund bleibt schwierig: Die Industrie bewegt sich nahe an der Grenze dessen, was für eine dauerhafte Finanzierung ausreicht.

Damit wächst das Risiko einer Deindustrialisierung. Nicht als plötzliches Ereignis, sondern als schleichender Prozess: eine Investition weniger, ein Standort weniger, eine Produktionslinie weniger. Was in der Einzelbilanz unspektakulär aussehen mag, kann sich in der Summe zu einem strukturellen Problem für den Wirtschaftsstandort Deutschland entwickeln.

Ohne Gewinne keine Zukunftsinvestitionen

Die Debatte über Gewinne ist deshalb auch eine Debatte über Arbeitsplätze. Empirische Daten zeigen nach Angaben des Instituts der deutschen Wirtschaft, dass Gewinne Investitionen ermöglichen. Investitionen wiederum haben positive Beschäftigungseffekte.

Der Umkehrschluss ist unbequem, aber logisch: Wo Gewinne dauerhaft ausbleiben, werden Investitionen schwieriger. Und wo Investitionen fehlen, geraten Arbeitsplätze unter Druck.

Das betrifft nicht nur Maschinen, Gebäude oder Produktionsanlagen. Es geht ebenso um jene Ausgaben, die für Digitalisierung und klimaneutrale Transformation erforderlich sind. Wer Unternehmen die wirtschaftliche Grundlage entzieht, kann nicht gleichzeitig erwarten, dass sie den technologischen und ökologischen Umbau aus eigener Kraft finanzieren.

Wettbewerb bleibt dabei das entscheidende Korrektiv. Gewinne sollen nicht grenzenlos wachsen, wenn Marktmacht missbraucht wird. Dafür gibt es Wettbewerbsregeln und das Bundeskartellamt. Aber die bloße Existenz eines Gewinns ist noch kein Beweis für ein Problem. In einer funktionierenden Marktwirtschaft ist der Gewinn das Signal, dass sich unternehmerisches Risiko zumindest lohnen kann.

Der Standort braucht keine Gewinnskepsis, sondern Ertragskraft

Die Zahlen des IW liefern keinen Freibrief für jedes Geschäftsmodell und keine Rechtfertigung für jeden Preis. Sie liefern etwas Wichtigeres: eine realistische Grundlage für die Diskussion.

Deutschland braucht Unternehmen, die profitabel wirtschaften können. Nicht, weil Gewinne Selbstzweck wären. Sondern weil aus ihnen Investitionen, Innovationen und Beschäftigung entstehen. Gerade die Industrie kann nicht dauerhaft von der Substanz leben und zugleich die Zukunft finanzieren.

Die zentrale wirtschaftspolitische Frage lautet deshalb nicht: Wie können Gewinne weiter begrenzt werden? Sie lautet: Wie schaffen wir Bedingungen, unter denen Unternehmen wieder ausreichend verdienen, investieren und am Standort Deutschland bleiben können?

Wer den Gewinn verteufelt, spart am falschen Ende: Erst verschwindet die Rendite – dann die Investition, der Arbeitsplatz und am Ende der industrielle Standort.

Quelle

Institut der deutschen Wirtschaft: „Geringe Gewinne haben große wirtschaftliche Folgen“, veröffentlicht am 6. August 2026. Grundlage ist ein IW-Consult-Gutachten für die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft.

Urlaub vorbei? So gelingt der Wiedereinstieg in den Job

Dr. Catharina Stahn; Foto: ifaa

(cs) Die Koffer sind ausgepackt, die Urlaubserholung ist noch frisch – und schon wartet das volle E-Mail-Postfach. Nach den Ferien fällt der Start in den Arbeitsalltag vielen Beschäftigten nicht leicht. Ein strukturierter Wiedereinstieg kann helfen, die Erholung mitzunehmen und Schritt für Schritt wieder in den Arbeitsmodus zu kommen.

Der erste Arbeitstag nach dem Urlaub hat oft zwei Seiten: Einerseits sind die Akkus aufgeladen, andererseits wartet eine Menge Arbeit. Hunderte E-Mails, volle Terminkalender und liegen gebliebene Aufgaben können schnell für Stress sorgen. „Nach einer Erholungsphase stehen Konzentration und Leistungsfähigkeit nicht unmittelbar wieder vollständig zur Verfügung. Ein strukturierter Wiedereinstieg hilft, den Übergang in den Arbeitsalltag zu erleichtern“, erklärt Dr. Catharina Stahn, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Düsseldorfer ifaa – Institut für angewandte Arbeitswissenschaft.

Erst orientieren, dann loslegen

Die Expertin empfiehlt, nicht sofort jede neue Nachricht und jede offene Aufgabe abzuarbeiten. Sinnvoller sei es, sich zunächst einen Überblick zu verschaffen: Was ist während der Abwesenheit passiert? Welche Aufgaben sind wirklich dringend? Und was kann noch warten?

Auch der Terminkalender sollte möglichst nicht vom ersten Tag an überquellen. Weniger Meetings schaffen Zeit für Orientierung und Planung. Größere Aufgaben können in überschaubare Schritte aufgeteilt werden. So lässt sich vermeiden, dass gleich zu Beginn das Gefühl entsteht, von der Arbeit überrollt zu werden.

Hilfreich ist außerdem, Prioritäten aktiv zu setzen. Nicht jede neu eingehende E-Mail ist automatisch wichtiger als eine bereits geplante Aufgabe. Regelmäßige Pausen gehören ebenfalls zu einem guten Neustart. Sie helfen dabei, die Leistungsfähigkeit über den Arbeitstag hinweg zu stabilisieren.

Ein kleiner, aber praktischer Tipp: Wenn es organisatorisch möglich ist, muss der Wiedereinstieg nicht unbedingt an einem Montag erfolgen. Ein Start zur Wochenmitte verkürzt die erste Arbeitswoche und kann den Übergang erleichtern.

Auch Führungskräfte sind gefragt

Nicht nur Beschäftigte können etwas für einen gelungenen Neustart tun. Auch Führungskräfte haben Einfluss darauf, wie gut die Rückkehr gelingt. Wer nach dem Urlaub zunächst Zeit zum Ankommen gibt, klare Prioritäten vermittelt und realistische Erwartungen formuliert, schafft gute Voraussetzungen.

Ebenso wichtig ist ein gut gesteuerter Informationsfluss. Nach einer längeren Abwesenheit müssen Beschäftigte nicht zwangsläufig jede Nachricht und jedes Detail der vergangenen Wochen sofort nacharbeiten. Entscheidend ist, die wesentlichen Informationen zu bündeln und unnötige Informationsflut zu vermeiden.

Erholung nicht sofort wieder aufbrauchen

Ein gelungener Wiedereinstieg bedeutet deshalb vor allem: sich nicht zu viel auf einmal vorzunehmen. Wer sich Zeit für Orientierung nimmt, Aufgaben priorisiert und bewusst Pausen einplant, kann die positiven Effekte des Urlaubs länger in den Alltag hineintragen.

Und auch nach den ersten Arbeitstagen lohnt sich der Blick auf die Freizeit. Eine aktive und bewusste Gestaltung der freien Zeit hilft dabei, den eigenen „Akku“ immer wieder aufzuladen. Denn Erholung sollte nicht nur einmal im Jahr stattfinden – sondern möglichst regelmäßig ihren Platz im Alltag bekommen.