Vor der Tarifrunde: Gewerkschaftsforderung „fernab der Realität“

Als „fernab der Realität“ haben die NRW-Metallarbeitgeber die Forderung der IG Metall nach Einkommensverbesserungen in einem Volumen von vier Prozent für die rund 700.000 Beschäftigten dieses Industriezweigs zurückgewiesen. Der Präsident des Verbandes der Metall- und Elektro-Industrie Nordrhein-Westfalen (METALL NRW), Arndt G. Kirchhoff, sagte am Dienstag in Düsseldorf, eine auch nur annähernde Umsetzung dieser Forderung werde in Deutschlands bedeutendsten Industriezweig viele Arbeitsplätze aufs Spiel setzen. „Warum die Gewerkschaft ausgerechnet in dieser schweren Rezession Unternehmen zusätzliche Arbeitskostenbelastungen aufbürden will, ist mir schleierhaft.“, erklärte Kirchhoff. Aufträge, Produktion und Umsätze bewegten sich vielerorts seit vielen Monaten im zweistelligen Minusbereich. Die gesamte Metall- und Elektroindustrie kämpfe gerade an mehreren Fronten von Rezession, Transformation, Corona und Beschäftigungssicherung. Zwei Drittel der M+E-Unternehmen arbeiteten in Kurzarbeit. Dieses Forderungspaket gefährde die leichte Erholungsphase der letzten Wochen und habe keine ökonomische Grundlage. „Das erinnert an Münchhausen: Aber sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen hat noch nie funktioniert“, so Kirchhoff.

Arndt G. Kirchhoff

Der NRW-Metallarbeitgeberpräsident warnte die IG Metall, mit ihrer tarifpolitischen Strategie einen Verteilungskampf zur Unzeit anzuzetteln. An der komplexen und schwierigen wirtschaftlichen Lage habe sich seit dem Frühjahr 2020 nicht viel verändert. Die Unternehmen hätten seitdem allerdings massiv Eigenkapital verloren, viele kämpften mit Liquiditätsengpässen. Trotzdem sei der Beschäftigungsrückgang mit -2,1 Prozent ausgesprochen moderat ausgefallen. Es sei bislang gelungen, insbesondere Stammbelegschaften an Bord zu halten. „Die IG Metall geht ein erhebliches psychologisches Wagnis ein: Wenn Unternehmen ausgerechnet jetzt Arbeitskosten-Erhöhungen befürchten müssen, dann werden sie vermehrt Arbeitsplätze auf den Prüfstand stellen“, betonte Kirchhoff. Er erkenne zwar an, dass die IG Metall in ihrer differenzierenden Forderung versuche, die heterogene Lage der M+E-Industrie zu berücksichtigen. Allerdings sei es schon grotesk, zunächst Lohnzuwächse bei den Unternehmen einzuholen, diese dann auch für einen Teillohnausgleich für eine Vier-Tage-Woche zu verwenden und dann als Beitrag der Mitarbeiter zur Beschäftigungssicherung zu verkaufen. „So verpasst die IG Metall auch der Akzeptanz für den Flächentarif einen schweren Schlag. Auch das kann ich in dieser Situation nicht nachvollziehen“, sagte Kirchhoff.

Wirtschaftsminister Prof. Dr. Pinkwart zeichnet SMS group mit dem NRW-Preis „Wirtschaft im Wandel“ aus

Als einer von drei Preisträgern in der Kategorie „Konzerne & Mittel­ständler“ wurde SMS group am 17.11.2020 innerhalb einer digitalen Preisträger-Laudatio von Wirtschaftsminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart mit dem Preis „NRW-Wirtschaft im Wandel“ ausgezeichnet. Prof. Dr. Hans Ferkel, Mitglied der Geschäftsführung der SMS group (www.sms-group.com), hat die Auszeichnung während der digitalen Preisverleihung virtuell entgegengenommen.

Prof. Dr. Hans Ferkel, CTO und Mitglied der Geschäftsführung der SMS group, hat die Auszeichnung „NRW-Wirtschaft im Wandel“ entgegengenommen.

Damit gehört SMS group zu den Unternehmen, die den Struktur­wandel des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen hin zu einem zukunftsstarken Wirtschaftsstandort vorantreiben. Insgesamt wurden elf Unternehmen in drei Kategorien ausgezeichnet: „Startups“, „Kleine Unternehmen & Handwerk“ sowie „Konzerne & Mittel­ständler“.

SMS group ist Weltmarktführer im Maschinen- und Anlagenbau für die Metallindustrie. Das Unternehmen, das im nächsten Jahr 150 Jahre alt wird, befindet sich seit seiner Gründung in Familienbesitz.

Nach wie vor sind Metalle für den Aufbau und die Erhaltung moderner Infrastrukturen von immenser Bedeutung. Aber mehr und mehr treten Umweltaspekte bei der Herstellung und Verarbeitung in den Vordergrund. Die notwendige Reduzierung der CO2-Emissionen im Rahmen des Klimawandels fordern neue Ansätze bei den Maschinen- und Anlagenbauern.

„Wir sehen es als eine gesellschaftspolitische Aufgabe, die Versorgung mit umweltschonendem Stahl sicherzustellen. Bei der konventionellen Gewinnung von Rohstahl entstehen erhebliche Mengen an CO2. Deshalb konzentrieren sich unsere Entwicklungen verstärkt auf umwelt- und ressourcenschonende Anlagenlösungen. Dabei ist Wasserstoff von zentraler Bedeutung. Hierbei steht die Herstellung von grünem Roheisen durch wasserstoffgestützte Direktreduktion in unserem Fokus“, so Prof. Dr. Hans Ferkel.

SMS group wächst auch außerhalb ihrer Industrie, insbesondere durch die Realisierung ihrer New-Horizon-Initiative. Bei dieser Initiative werden nicht nur neuartige Produkt- und Produktions­lösungen für die Metallindustrie entwickelt, sondern erprobte SMS-Lösungen in Geschäftsfeldern angewendet, die vor ähnlich großen technologischen Herausforderungen stehen. Somit spielt SMS group auch in vielen anderen Branchen − von Energie bis hin zur Hafen­logistik − eine immer bedeutendere Rolle.

Bei der Wiederverwendung von Metallen ist SMS group schon lange aktiv. Derzeit baut SMS group am Standort Hilchenbach eine Pilotanlage zum Recycling von Lithium-Ionen-Batterien. Mit dieser Anlage lassen sich wertvolle und teure Rohstoffe umweltgerecht zurückgewinnen und wieder in den Materialkreislauf bringen.

Ein besonderes Beispiel der New-Horizon-Initiative ist das BOXBAY-Joint Venture mit dem Hafenbetreiber DP World (www.box-bay.com). In Dubai wird derzeit die erste Pilotanlage für ein revolutionäres Lagersystem für Hochseecontainer errichtet. Die Container werden nicht wie jahrzehntelang üblich direkt aufeinandergestapelt, sondern jeder einzelne Container wird in einem eigenen Fach in einem elf­stöckigen Regal untergebracht. Das bedeutet die dreifache Kapazität und bietet große Vorteile im Hinblick auf Geschwindigkeit, Energie­effizienz, erhöhte Sicherheit und erheblich reduzierte Kosten.

Mit der Erschließung von neuen Geschäftsfeldern, Produkt­innovationen sowie einer vergleichslosen Digitalisierungsoffensive verfolgt SMS group ein Wachstumsprogramm, das ihre Spitzen­stellung im Markt nachhaltig stärkt. Innovative Service- und Digitalisierungsdienstleistungen sowie patentierte Anlagen­technologien werden aus einer Hand angeboten. Dank eigener integrierter Fertigungseinrichtungen und des Know-hows eines Systemanbieters kann SMS group ihren Kunden Lösungen entlang der gesamten Prozesskette anbieten.

Um die Zukunft weiter innovativ zu gestalten, wurde am 15. Oktober 2020 der Grundstein für einen neuen zentralen Standort in Mönchengladbach gelegt, den SMS Campus. Auf dem Betriebs­gelände der SMS group GmbH entsteht ein Technologie-, Service- und Digitalisierungscenter, das 1.500 moderne Arbeitsplätze bereit­stellen wird. Dieser neue Campus wird ab 2023 Spezialisten von zuletzt fünf Standorten aus der Region zusammenbringen.

Neues Infrastruktur-Modell soll Gigabit-Ausbau in Düsseldorf weiter beschleunigen

In Düsseldorf soll der Ausbau der Netz-Infrastruktur künftig noch schneller voranschreiten. Vodafone und die Stadt starten jetzt ein neues Infrastruktur-Modell. Das Ziel der Partner: Den Ausbau von Gigabit-Netzen im Mobilfunk und im Festnetz noch weiter beschleunigen. Die Suche nach neuen 5G-Standorten wird einfacher, Genehmigungsverfahren werden schneller und der Glasfaser-Ausbau kommt auch in Gebiete, die bislang noch nicht an das Gigabit angeschlossen sind. Ein Modell mit Vorzeige-Charakter für weitere Städte und Gemeinden.

Bis zu zwei Jahre kann es vielerorts in Deutschland dauern, bis ein neuer Mobilfunk-Standort gebaut und in Betrieb genommen werden kann. Von der ersten Anfrage über sämtliche Genehmigungsverfahren bis zur Aktivierung verstreicht hierzulande oft deutlich mehr Zeit als anderswo. In vielen Nachbarländern dauert der gesamte Prozess gerade mal vier bis sechs Monate. Das bremst den Ausbau der Mobilfunk-Netze. In Düsseldorf gibt es jetzt mehr Unterstützung für den Mobilfunkausbau, um den neuen Standard 5G noch schneller ausbauen und die Netzqualität weiter zu verbessern. Auch der Gigabit-Ausbau unter der Erde soll noch weiter voranschreiten. Schon heute stellt Vodafone Gigabit-Anschlüsse für 320.000 Haushalte bereit. Dort, wo das Gigabit bislang noch nicht verfügbar ist, soll ein neues Modell den Glasfaser-Ausbau weiter antreiben. Vodafone und die Stadt Düsseldorf starten dafür jetzt ein Ausbau-Modell mit Vorzeige-Charakter.

„Wir sind der größte Gigabit-Treiber in Deutschland und in Düsseldorf. Schon heute bringen wir mit unseren modernen Kabel- und Glasfaser-Netzen das Gigabit zu hunderttausenden Menschen und Unternehmen in der Landeshauptstadt. In dieser Woche haben wir an 120 Mobilfunk-Antennen in Düsseldorf den Mobilfunk-Turbo 5G live geschaltet“, so Vodafone Deutschland CEO Hannes Ametsreiter. „Doch wir wissen auch: es gibt noch immer Regionen, wo wir noch besser werden müssen. Lange Genehmigungsverfahren und Kapazitätsengpässe beim Tiefbau machen uns dabei bislang oft das Leben schwer.“

In Düsseldorf soll der Netzausbau unter der Erde und in der Luft jetzt noch schneller funktionieren. „Gemeinsam mit der Stadt starten wir ein neues Modell, um neue Mobilfunk-Standorte schneller an den Start und Glasfaser noch schneller bis in die Häuser zu bringen“, so Vodafone Deutschland CEO Hannes Ametsreiter, der gemeinsam mit dem neuen Düsseldorfer Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller eine Absichtserklärung unterzeichnete, den Gigabit-Ausbau weiter anzutreiben.

Infrastruktur-Ausbau als gemeinschaftliche Aufgabe

Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller: „Eine leistungsfähige und flächendeckende Breitband-Versorgung ist die Basis aller Bemühungen in der Digitalisierung. Der Ausbau der digitalen Infrastruktur ist eine gemeinschaftliche Aufgabe, für die wir Partnerschaften mit den
Telekommunikationsunternehmen eingehen. Vodafone ist dabei Vorreiter und auch die Stadt Düsseldorf selbst wird mehr Verantwortung übernehmen.“

Im Mobilfunk: Schnelle Genehmigungsverfahren für noch mehr 5G und weniger Funklöcher

Rund 120 Antennen funken seit heute im 5G-Netz von Vodafone in Düsseldorf. Die LTE-Versorgung in der Landeshauptstadt ist gut. Doch es gibt auch noch Orte, wo es im Netz hakt. Hier werden komplett neue Mobilfunk-Standorte gebraucht. Die Suche nach diesen neuen Standorten ist oft langwierig: Zunächst müssen Flächen gefunden werden, an denen überhaupt gebaut werden darf. Zusätzlich braucht eine Mobilfunk-Station die Anbindung an das Stromnetz – vielerorts werden sie zudem an das Glasfaser-Netz angebunden. Die genauen Prozesse zu Standort-Findung sind in Deutschland unterschiedlich. In Düsseldorf sollen städtische Gebäude, Flächen oder auch Straßenlaternen künftig einfacher und schneller genutzt werden können, um dort auch LTE- und 5G-Antennen zu montieren.

Im Festnetz: Passive Infrastruktur soll Glasfaser noch schneller zu Häusern und Gewerbeparks bringen

320.000 Haushalte in Düsseldorf hat Vodafone mit dem Kabel-Glasfasernetz bereits an Gigabit-Leitungen angeschlossen. Dort, wo diese Bandbreiten noch nicht verfügbar sind, sind die größten Schwierigkeiten für den weiteren Glasfaser-Ausbau häufig die knappen Tiefbau-Kapazitäten. Das neue Infrastruktur-Modell soll dem jetzt entgegenwirken. Die Stadt Düsseldorf will dafür in Zusammenarbeit mit Tochterunternehmen in größeren Ausbaugebieten eine passive Infrastruktur bis zu den Gebäuden bauen. Dafür soll unter anderem die neue Trenching-Technologie genutzt werden. Die kommunale Infrastruktur soll Vodafone dann schnell und einfach mit Glasfaser-Leitungen ausstatten und mit nutzen können. Gewerbegebiete und Wohnungen bekämen so schnellen Zugang zum Gigabit-Netz. Der Infrastruktur-Ausbau soll unmittelbar beginnen: Ein erstes Ausbaugebiet steht im Stadtteil Wittlaer kurz vor Baubeginn. Auch für Lörick planen Vodafone und die Stadt den Gigabit-Ausbau.

Ausbau schneller als geplant: Vodafone erhöht 5G-Ziele

Vodafone, Mitglied unserer Unternehmerschaft, baut 5G schneller als angekündigt. Der Digitalisierungskonzern, der 2019 das erste 5G-Netz in Deutschland gestartet hat, erreicht das Ausbau-Ziel für das Jahr 2020 schon heute.

Vodafone-Techniker haben am Morgen deutschlandweit tausende weitere 5G-Antennen aktiviert: Mit rund 3.000 5G-Antennen erreicht Vodafone jetzt 10 Millionen Menschen auch dort wo sie wohnen mit der neuen Mobilfunk-Technik. Vodafone Deutschland CEO Hannes Ametsreiter kündigt an, den 5G-Ausbau bis zum Jahrsende auszuweiten: „Wir bauen schneller und mehr als geplant – trotz Corona. Bis zum Jahresende bringen wir 5G zu mehr als 15 Millionen Menschen in Deutschland.“ Auch das Ausbauziel für das kommende Jahr korrigiert Vodafone nach oben: Bis Ende 2021 will der Digitalisierungskonzern 30 Millionen Menschen mit 5G erreichen – 10 Millionen Menschen mehr als bislang geplant. 

Das 5G-Netz von Vodafone wächst schneller als geplant. In den vergangenen Wochen haben die Netz-Experten des Digitalisierungskonzerns tausende Antennen und Stationen für die neue Mobilfunk-Technik vorbereitet. Heute hat Vodafone den 5G-Schalter an zahlreichen Standorten in mehr als 300 Städten und Gemeinden umgelegt und damit die Zielmarke für das Jahr 2020 deutlich früher erreicht als ursprünglich geplant: 10 Millionen Menschen können jetzt auch dort wo sie wohnen im 5G-Netz von Vodafone surfen. „Wir haben vor einem Jahr das erste 5G-Netz in Deutschland gestartet und wir haben jetzt unser erstes 5G-Ziel früher erreicht als geplant“, so Vodafone CEO Hannes Ametsreiter. Seit heute funken rund 3.000 5G-Antennen an mehr als 1.000 Standorten im Netz von Vodafone. „Wir bauen direkt weiter und werden unser 5G-Ziel für 2020 erhöhen. Unsere Techniker aktivieren in den kommenden Wochen tausende weitere 5G-Antennen. Bis zum Jahresende erreichen wir mehr als 15 Millionen Menschen mit 5G, bis Ende 2021 dann sogar 30 Millionen.“

Vodafone-Techniker haben heute morgen an einer Mobilfunk-Station direkt am Alexanderplatz den 5G-Schalter umgelegt. Zeitgleich gingen in der Hauptstadt zahlreiche weitere neue 5G-Stationen ans Netz. Vodafone hat in Berlin 300 weitere 5G-Antennen an 100 Standorten gestartet. Das schnelle Mobilfunk-Netz ist in der Hauptstadt damit zwar noch nicht flächendeckend aber an vielen Orten verfügbar. „Aus einzelnen Stationen werden ganze innerstädtische Bereiche. Vom ‚Alex‘ bis zum Rathaus. Vom Gendarmenmarkt bis zum Flughafen Tempelhof. Und von der Spree bis zum Schloss Charlottenburg“, so Gerhard Mack.

Bereits in den vergangenen Tagen haben Vodafone-Techniker die Metropolen Hamburg, München, Düsseldorf und Leipzig großflächig für die neue Mobilfunk-Generation vorbereitet – und in den Städten jetzt jeweils zahlreiche 5G-Antennen aktiviert. In Hamburg sind jetzt mehr als 160 5G-Antennen live, in München 180, in Düsseldorf 120, in Leipzig 60 und in Frankfurt am Main 300. Jeweils vor allem in den zentralen und innerstädtischen Bereichen, und dort wo viele Menschen wohnen, arbeiten und ihre Freizeit verbringen.

Henkel trotz der Krise

Henkel hat im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2020 ein starkes organisches Wachstum von 3,9 Prozent erzielt – trotz der weiterhin schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen infolge der COVID-19-Pandemie. Der Konzernumsatz erreichte rund 5 Mrd Euro, das entspricht einer nominalen Veränderung von -1,5 Prozent. Henkel hatte bereits Anfang Oktober die Umsatzentwicklung im dritten Quartal auf Basis vorläufiger Zahlen veröffentlicht und eine neue Jahresprognose für das Geschäftsjahr 2020 vorgelegt.

„Die Auswirkungen der globalen Corona-Krise prägen unverändert das Marktumfeld. Dennoch hat Henkel im dritten Quartal eine gute Geschäftsentwicklung erreicht, die von allen drei Unternehmensbereichen getragen wurde. Das ist ein Beleg für unser robustes, diversifiziertes Portfolio mit erfolgreichen Marken und innovativen Technologien für unsere Kunden im Industrie- und Konsumgütergeschäft. Zudem machen sich unsere zusätzlichen Investitionen in Marketing, Innovationen und Digitalisierung bemerkbar. Wir konnten im dritten Quartal auch unsere Digitalumsätze weiter deutlich ausbauen und ihren Anteil am Gesamtumsatz auf über 15 Prozent steigern“, sagte Carsten Knobel, Vorstandsvorsitzender von Henkel. 

„Die gute Entwicklung im dritten Quartal ist zum Teil auch auf Nachholeffekte aus dem zweiten Quartal zurückzuführen, das besonders stark durch die COVID-19-Pandemie belastet war. Sie ist aber vor allem das Ergebnis unseres starken globalen Teams, das in dieser besonderen und für uns alle herausfordernden Zeit mit großem Engagement zum langfristigen Erfolg von Henkel beiträgt.“

Henkel hat in diesem herausfordernden Marktumfeld im dritten Quartal eine gute Entwicklung gezeigt. Der Unternehmensbereich Adhesive Technologies konnte über alle Geschäftsfelder hinweg eine Erholung der Nachfrage gegenüber dem zweiten Quartal verzeichnen und erzielte insgesamt ein positives organisches Umsatzwachstum gegenüber dem Vorjahresquartal. Im Bereich Beauty Care zeigte das Friseurgeschäft ebenfalls eine Erholung gegenüber dem zweiten Quartal, verglichen mit dem Vorjahreszeitraum war die organische Umsatzentwicklung in diesem Geschäftsfeld jedoch leicht rückläufig. Dagegen erzielte das Retailgeschäft ein sehr starkes organisches Umsatzwachstum im Vergleich zum dritten Quartal 2019. Dank einer anhaltend starken Nachfrage nach Wasch- und Reinigungsprodukten sowie Nachholeffekten aus dem zweiten Quartal konnte der Unternehmensbereich Laundry & Home Care seinen Umsatz organisch deutlich steigern und so seine erfolgreiche Entwicklung fortsetzen.

„Während der Corona-Krise haben wir uns flexibel und schnell an Veränderungen angepasst und zugleich unsere Agenda für ganzheitliches Wachstum, die wir im März dieses Jahres vorgestellt haben, mit Nachdruck vorangetrieben. Mit unserer neuen Jahresprognose haben wir unsere Erwartungen für die weitere Entwicklung dargelegt. Wir gehen dabei davon aus, dass wir die negativen Auswirkungen der Pandemie auch im vierten Quartal spüren werden, nehmen jedoch dabei in den für Henkel wesentlichen Kernregionen keine weitreichenden Lockdowns an, wie wir sie im zweiten Quartal erlebt haben. Wir sind überzeugt: Mit unserer strategischen Ausrichtung auf ganzheitliches Wachstum sind wir gut aufgestellt, um aus der Krise gestärkt hervorzugehen“, ergänzte Knobel.

Umsatzentwicklung Konzern

Der Konzernumsatz sank im dritten Quartal 2020 nominal um -1,5 Prozent auf 4.999 Mio Euro. Organisch – also bereinigt um Wechselkurseffekte und Akquisitionen/Divestments – erhöhte sich der Umsatz um 3,9 Prozent. Auf Konzernebene war der Anstieg volumengetrieben, wobei die Preis- und Volumenentwicklung in den Unternehmensbereichen unterschiedlich war. Akquisitionen und Divestments erhöhten den Umsatz um 0,1 Prozent. Wechselkurseffekte wirkten sich mit -5,5 Prozent negativ auf die Umsatzentwicklung aus.

In den ersten neun Monaten 2020 verringerte sich der Umsatz nominal um -4,5 Prozent auf 14.485 Mio Euro. Organisch verzeichnete Henkel einen Umsatzrückgang von -2,1 Prozent, der vor allem volumengetrieben war. Die Preisentwicklung in den ersten neun Monaten war nur leicht negativ. Die Geschäftsentwicklung von Henkel war vor allem im ersten Halbjahr von den negativen Auswirkungen der COVID-19-Pandemie beeinflusst, insbesondere im Industriegeschäft und im Friseurgeschäft. Nachdem Henkel den stärksten Nachfragerückgang im zweiten Quartal verzeichnet hatte, erholten sich die Geschäfte im dritten Quartal deutlich. 

Im dritten Quartal erreichten die Wachstumsregionen eine organische Umsatzsteigerung von 8,8 Prozent. Unser Umsatz in den reifen Märkten hat sich organisch mit 0,6 Prozent positiv entwickelt. Die Region Westeuropa lag mit einer organischen Umsatzentwicklung von -1,2 Prozent unter Vorjahr. In der Region Osteuropa hingegen steigerten wir den Umsatz um 10,4 Prozent. In der Region Afrika/Nahost erzielten wir im dritten Quartal 2020 ein organisches Umsatzwachstum von 13,9 Prozent. Der Umsatz in der Region Nordamerika stieg organisch um 2,9 Prozent und in der Region Lateinamerika um 13,8 Prozent. Die organische Umsatzentwicklung in der Region Asien/Pazifik war mit 1,2 Prozent positiv.

In den ersten neun Monaten 2020 lag das organische Umsatzwachstum der Wachstumsregionen bei 1,3 Prozent, wohingegen der Umsatz in den reifen Märkten mit -4,4 Prozent rückläufig war. 

Umsatzentwicklung Adhesive Technologies

Der Umsatz des Unternehmensbereichs Adhesive Technologies sank im dritten Quartal 2020 nominal um -4,8 Prozent auf 2.280 Mio Euro. Organisch – das heißt bereinigt um Wechselkurseffekte und Akquisitionen/Divestments – erhöhte sich der Umsatz um 1,3 Prozent. Volumen und Preise entwickelten sich jeweils positiv. Wechselkurseffekte reduzierten den Umsatz um -5,5 Prozent, und Akquisitionen/Divestments um weitere -0,6 Prozent.

In den ersten neun Monaten 2020 sank der Umsatz des Unternehmensbereichs Adhesive Technologies nominal um -9,7 Prozent auf 6.433 Mio Euro. Organisch lag die Umsatzentwicklung volumenbedingt bei -6,8 Prozent. Die Entwicklung im ersten und insbesondere zweiten Quartal war stark negativ von der COVID-19-Pandemie geprägt. Im dritten Quartal war unser Geschäft weiterhin durch einen Rückgang der Industrie- und Automobilproduktion beeinflusst. Es konnte jedoch über alle Geschäftsfelder hinweg gegenüber dem zweiten Quartal eine Erholung der Nachfrage verzeichnet werden.

Die einzelnen Geschäftsfelder des Unternehmensbereichs Adhesive Technologies verzeichneten im dritten Quartal eine unterschiedliche Entwicklung. Im Geschäftsfeld Automobil & Metall lag die organische Umsatzentwicklung weiterhin unterhalb des Vorjahres. Nach einem starken Umsatzrückgang im ersten Halbjahr verzeichnete das Geschäftsfeld im dritten Quartal eine deutliche Erholung und verbesserte sich im Laufe des Quartals. Im Geschäftsfeld Elektronik & Industrie zeigten sich die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie insbesondere durch eine rückläufige Entwicklung im Geschäftsbereich Industrie. Der Geschäftsbereich Elektronik entwickelte sich hingegen positiv. Das Geschäftsfeld Verpackungen & Konsumgüter erreichte eine gute organische Umsatzentwicklung, gestützt durch ein starkes Wachstum im Bereich Konsumgüter und ein sehr starkes Wachstum im Bereich Verpackungen. Das Geschäftsfeld Handwerk, Bau & Gewerbe verzeichnete ein sehr starkes Umsatzwachstum, vor allem durch ein zweistelliges Wachstum im Konsumenten- und Handwerkerbereich und ein sehr starkes Wachstum im Bereich Bau. Unter anderem wirkten sich Nachholeffekte nach einem schwächeren zweiten Quartal positiv aus.

Aus regionaler Sicht erzielte Adhesive Technologies in den Wachstumsmärkten ein sehr starkes organisches Umsatzwachstum. In den Regionen Lateinamerika und Osteuropa wuchs der Umsatz prozentual zweistellig, die Region Afrika/Nahost verzeichnete einen deutlichen Umsatzanstieg. Insbesondere die Geschäftsfelder Verpackungen & Konsumgüter sowie Handwerk, Bau & Gewerbe trugen zu dieser Entwicklung bei. In der Region Asien (ohne Japan) blieb die Umsatzentwicklung insgesamt stabil. Das sehr starke Wachstum in China konnte die rückläufige Entwicklung in den übrigen Ländern der Region nicht kompensieren.

In den reifen Märkten lag die organische Umsatzentwicklung insgesamt unterhalb des Vorjahresniveaus. Die Region Westeuropa war insbesondere durch eine rückläufige Entwicklung in den Geschäftsfeldern Automobil & Metall sowie Elektronik & Industrie beeinflusst. Das deutliche Umsatzwachstum im Geschäftsfeld Handwerk, Bau & Gewerbe konnte dies nur teilweise kompensieren. Die Region Nordamerika war ebenfalls durch einen Nachfragerückgang in den Geschäftsfeldern Automobil & Metall sowie Elektronik & Industrie beeinträchtigt. Das Geschäftsfeld Verpackungen & Konsumgüter erzielte dagegen ein starkes organisches Umsatzwachstum.

Umsatzentwicklung Beauty Care

Im dritten Quartal 2020 stieg der Umsatz des Unternehmensbereichs Beauty Care nominal um 3,0 Prozent auf 999 Mio Euro. Organisch – das heißt bereinigt um Wechselkurseffekte und Akquisitionen/Divestments – erhöhte sich der Umsatz um 4,3 Prozent. Die Entwicklung war dabei sowohl volumen- als auch preisgetrieben. Wechselkurseffekte minderten den Umsatz um -3,3 Prozent. Akquisitionen/Divestments trugen mit 2,0 Prozent zur Umsatzentwicklung bei.

In den ersten neun Monaten 2020 lag der Umsatz des Unternehmensbereichs Beauty Care mit 2.818 Mio Euro nominal -3,9 Prozent unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums. Organisch ging der Umsatz volumenbedingt um -4,2 Prozent zurück. Nachdem das erste und insbesondere das zweite Quartal stark von der pandemiebedingt rückläufigen Entwicklung im Friseurgeschäft beeinträchtigt waren, zeigte das Geschäftsfeld im dritten Quartal eine deutliche Erholung. Das Markenartikelgeschäft wies nach einem schwächeren ersten Halbjahr im dritten Quartal eine sehr starke Umsatzentwicklung auf.

Im dritten Quartal erzielte das Markenartikelgeschäft ein sehr starkes organisches Umsatzwachstum. Die Kategorie Körperpflege wuchs – wie im zweiten Quartal – prozentual zweistellig. Hier konnte insbesondere die Marke Dial an die sehr starke Entwicklung im zweiten Quartal anknüpfen. Die Kategorie Haarkosmetik zeigte nach einer rückläufigen Entwicklung im ersten Halbjahr eine sehr starke Umsatzsteigerung, getrieben durch ein prozentual zweistelliges organisches Umsatzwachstum im Bereich Haarcolorationen. Der Bereich Haarpflege zeigte ebenfalls eine deutliche Verbesserung und erzielte eine starke Umsatzentwicklung. Der Bereich Styling lag hingegen aufgrund des im Zuge der COVID-19-Pandemie veränderten Konsumentenverhaltens unter Vorjahr.

Das Friseurgeschäft wurde auch im dritten Quartal durch die COVID-19-Pandemie negativ beeinflusst, erreichte aber eine deutliche Erholung gegenüber dem ersten Halbjahr. Westeuropa erzielte eine positive und Lateinamerika eine sehr starke Entwicklung gegenüber dem Vorjahresquartal. Die übrigen Regionen verzeichneten zwar einen organischen Umsatzrückgang, zeigten aber eine im Vergleich zum ersten Halbjahr stark verbesserte Entwicklung.

Die sehr starke Entwicklung im Markenartikelgeschäft sowie die Erholung im Friseurgeschäft spiegelten sich auch in den Regionen wider. Die Wachstumsmärkte erzielten im dritten Quartal einen starken organischen Umsatzanstieg. Diese Entwicklung war im Wesentlichen gestützt durch deutliche Umsatzsteigerungen in den Regionen Osteuropa und Lateinamerika. Asien (ohne Japan) verzeichnete ein positives Umsatzwachstum. Die Region Afrika/Nahost entwickelte sich hingegen rückläufig.

Die reifen Märkte verzeichneten eine sehr starke organische Umsatzentwicklung. Der Umsatz in der Region Nordamerika stieg prozentual zweistellig, insbesondere dank eines ebenfalls zweistelligen Wachstums im Bereich Körperpflege. Die Geschäfte in Westeuropa zeigten eine positive Umsatzentwicklung, die sowohl durch das Markenartikel- als auch das Friseurgeschäft getrieben wurde. Die reifen Märkte der Region Asien/Pazifik entwickelten sich dagegen negativ, vor allem im Friseurgeschäft.

Umsatzentwicklung Laundry & Home Care

Der Unternehmensbereich Laundry & Home Care erreichte im dritten Quartal 2020 einen Umsatz von 1.693 Mio Euro, der damit nominal 0,7 Prozent über dem Niveau des Vorjahresquartals lag. Organisch – das heißt bereinigt um Wechselkurseffekte und Akquisitionen/Divestments – erzielte der Unternehmensbereich eine deutliche Umsatzsteigerung von 7,7 Prozent. Das Wachstum war vor allem durch einen deutlichen Volumenanstieg getrieben, während sich die Preise leicht rückläufig entwickelten. Akquisitionen/Divestments hatten keine wesentlichen Auswirkungen auf den Umsatz. Wechselkurseffekte hingegen minderten den Umsatz um -7,0 Prozent.

In den ersten neun Monaten 2020 stieg der Umsatz des Unternehmensbereichs Laundry & Home Care nominal um 2,7 Prozent auf 5.153 Mio Euro. Organisch verzeichneten die Geschäfte volumenbedingt eine sehr starke Umsatzentwicklung von 5,8 Prozent. Nach einer sehr starken Umsatzsteigerung im ersten und zweiten Quartal des Jahres erreichte der Unternehmensbereich im dritten Quartal einen deutlichen Anstieg. 

Im dritten Quartal erzielten wir im Geschäftsfeld Reinigungsmittel (Home Care) – wie in den Vorquartalen – ein prozentual zweistelliges organisches Umsatzwachstum. Wesentlich für die starke Entwicklung des Geschäftsfelds waren jeweils zweistellige Zuwächse in unseren Markenfamilien PrilBref und Somat in den Kategorien Geschirrspülmittel, Oberflächen- und WC-Reiniger. Diese Entwicklung wurde durch eine pandemiebedingt erhöhte Nachfrage nach Reinigungsmitteln sowie unsere erfolgreichen Produktinnovationen unterstützt.

Das Geschäftsfeld Waschmittel (Laundry Care) verzeichnete im dritten Quartal ein starkes Wachstum, zu dem die Kategorie Vollwaschmittel mit einer sehr starken Entwicklung beitrug. Unsere Kernmarke Persil erzielte unter anderem aufgrund unserer Innovationsoffensive ein deutliches Wachstum. Der Produktbereich Caps wuchs zweistellig und konnte somit an die erfolgreiche Entwicklung vom ersten Halbjahr anknüpfen. Auch unsere nordamerikanische Marke all erzielte ein prozentual zweistelliges Umsatzwachstum.

In den Wachstumsmärkten erzielten wir im dritten Quartal eine prozentual zweistellige organische Umsatzsteigerung, vor allem in den Regionen Afrika/Nahost, Asien (ohne Japan) und Lateinamerika. Osteuropa verzeichnete ein deutliches organisches Umsatzwachstum.

Die reifen Märkte entwickelten sich insgesamt stark. Insbesondere in der Region Nordamerika erzielte Laundry & Home Care ein sehr starkes organisches Umsatzwachstum. Diese Entwicklung ist unter anderem auf Nachholeffekte aus dem zweiten Quartal zurückzuführen. Der Umsatz in Westeuropa entwickelte sich gut. Die reifen Märkte der Region Asien/Pazifik wuchsen prozentual zweistellig.

Vermögens- und Finanzlage Konzern

Im Berichtszeitraum ergaben sich keine wesentlichen Änderungen der Vermögens- und Finanzlage des Konzerns im Vergleich zum 30. Juni 2020.

Ausblick des Henkel-Konzerns

Am 7. April 2020 hatte der Vorstand der Henkel AG & Co. KGaA infolge der dynamischen Ausbreitung der COVID-19-Pandemie und der damit verbundenen hohen Unsicherheit über die Auswirkungen und die Entwicklung der Weltwirtschaft entschieden, die im zusammengefassten Lagebericht 2019 enthaltene Prognose für das Geschäftsjahr 2020 nicht länger aufrechtzuerhalten.

Unter Berücksichtigung der Geschäftsentwicklung in den ersten neun Monaten 2020 und der Annahmen zum Geschäftsverlauf im vierten Quartal hat der Vorstand der Henkel AG & Co. KGaA am 9. Oktober 2020 eine neue Prognose für das Geschäftsjahr 2020 verabschiedet.

Für das Geschäftsjahr 2020 wird aufgrund der Auswirkungen der COVID-19-Pandemie insgesamt von einer stark negativen Entwicklung der Weltwirtschaft ausgegangen. Der neuen Prognose liegt dabei die Annahme zugrunde, dass sich die industrielle Nachfrage und die Geschäftstätigkeit in für Henkel wesentlichen Bereichen im vierten Quartal zwar voraussichtlich rückläufig entwickeln, sich aber nicht in erheblichem Maße eintrüben dürften. Wesentlich hierfür wird der weitere Verlauf der globalen Infektionsraten sein und damit verbunden die weitere Entwicklung pandemiebedingter Beschränkungen. Für die Prognose geht Henkel davon aus, dass es im vierten Quartal 2020 in den für das Unternehmen wesentlichen Kernregionen zu keinen weitreichenden Lockdowns kommen wird.

Unter Berücksichtigung dieser Faktoren wird für den Henkel-Konzern im Geschäftsjahr 2020 ein organisches Umsatzwachstum von -1,0 bis -2,0 Prozent erwartet.

Für den Unternehmensbereich Adhesive Technologies, dessen Entwicklung in erheblichem Maße durch einen deutlichen Rückgang der allgemeinen industriellen Nachfrage und in besonderem Maße der Automobilindustrie beeinträchtigt sein dürfte, geht Henkel von einer organischen Umsatzentwicklung in der Bandbreite von -5,5 bis -6,5 Prozent aus. Für den Unternehmensbereich Beauty Care wird aus heutiger Sicht eine organische Umsatzentwicklung in der Bandbreite von -2,0 bis -3,0 Prozent erwartet. Hier dürfte sich auf Jahresbasis 
eine pandemiebedingt deutlich rückläufige Entwicklung im Friseurgeschäft auswirken, während für das Markenartikelgeschäft Wachstum erwartet wird. Für Laundry & Home Care erwartet Henkel ein organisches Umsatzwachstum in der Bandbreite von +4,5 bis +5,5 Prozent.

Den Beitrag der in den Jahren 2019 und 2020 getätigten Akquisitionen zum Wachstum der nominalen Umsatzerlöse des Henkel-Konzerns erwarten wir im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Aus der Umrechnung von Umsatzerlösen in Fremdwährung erwarten wir einen negativen Einfluss im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich. 

Für den Henkel-Konzern wird eine bereinigte Umsatzrendite (bereinigte EBIT-Marge) in der Bandbreite von 13,0 bis 13,5 Prozent erwartet. Für den Unternehmensbereich Adhesive Technologies erwartet Henkel eine bereinigte Umsatzrendite in der Bandbreite von 14,5 bis 15,0 Prozent, für Beauty Care in der Bandbreite von 10,0 bis 10,5 Prozent und für Laundry & Home Care in einer Bandbreite von 15,0 bis 15,5 Prozent. Belastend wirken sich hier die pandemiebedingt rückläufigen Umsätze im Industrie- und Friseurgeschäft aus. Wie zu Jahresbeginn angekündigt, erhöht Henkel außerdem die investiven Aufwendungen in Marketing, Werbung, Digitalisierung und IT.

Für das bereinigte Ergebnis je Vorzugsaktie (EPS) bei konstanten Wechselkursen erwartet Henkel einen Rückgang in der Bandbreite von -18,0 bis -22,0 Prozent.

Darüber hinaus haben wir für 2020 die folgenden Erwartungen:

  • Restrukturierungsaufwendungen in Höhe von 250 bis 300 Mio Euro,
  • Auszahlungen für Investitionen in Sachanlagen und Immaterielle Vermögenswerte zwischen 650 und 700 Mio Euro.

Mercedes-Benz: Hellmann wird neuer Werksleiter

Michael Hellmann (52), bisher Leiter MBC Engineering & Manufacturing Beijing Benz Automotive Co., Ltd. bei Daimler Greater China in Peking, übernimmt zum 01.01.2021 die Standort- und Produktionsleitung des Mercedes-Benz Werkes Düsseldorf.

„Wir befinden uns in einer umfassenden Transformation und sind sehr froh, dass wir Michael Hellmann überzeugen konnten uns zu unterstützen. Wir werden besonders von seinen Erfahrungen bei der Produktionssteuerung im internationalen Umfeld und in der Zusammenarbeit verschiedener Werke profitieren“, sagt Marcus Breitschwerdt, Leiter Mercedes-Benz Vans.

„Mit Michael Hellmann konnten wir einen international sehr erfahrenen Kollegen für die Leitung unseres Werks in Düsseldorf gewinnen. Seine vielfältigen Kenntnisse im Produktionsumfeld und seine Erfahrungen aus dem PKW-Bereich sowie seinen Stationen im Ausland qualifizieren ihn das Werk weiter in die Zukunft zu führen und zu entwickeln“, ergänzt Dr. Ingo Ettischer, Leiter Mercedes-Benz Vans Global Operations.

Michael Hellmann startete 1988 im Rahmen seines dualen Hochschulstudiums bei der damaligen Daimler-Benz AG. Nach mehreren Stationen als Planungs- und Betriebsingenieur in unseren Werken Rastatt und Sindelfingen, übernahm er ab 1998 am brasilianischen Standort Juiz de Fora verschiedene Führungsfunktionen im Bereich der Produktion und Planung. 2002 kehrte Hellmann als Leiter Produktionsplanung im Werk Bremen nach Deutschland zurück. Am Bremer Standort verantwortete er im Anschluss nacheinander verschiedene Montage- und Logistikbereiche. Seit 2017 leitet er das Engineering & Manufacturing an unserem Pkw-Produktionsstandort in Peking.

„Ich freue mich sehr auf die neue Aufgabe als Standortverantwortlicher des Mercedes-Benz Vans Werks Düsseldorf und auf die Zusammenarbeit mit der hochmotivierten Mannschaft. Das Werk hat eine sehr starke Position im internationalen Produktionsverbund und steht für die Beherrschung von Komplexität, eine kompetente Mannschaft und höchste Qualität. Wir werden weiterhin daran arbeiten, dass wir die Ansprüche unserer Kunden erfüllen“, sagt Michael Hellmann.

Als Standortverantwortlicher des Mercedes-Benz Werks Düsseldorf wird Michael Hellmann für den operativen Betrieb zuständig sein. Gleichzeitig ist er Repräsentant der Mercedes-Benz AG vor Ort und damit das Gesicht des Unternehmens in der Region. In seiner neuen Funktion wird er die weitere Entwicklung am Standort vorantreiben. Er tritt die Nachfolge von Dr. Armin Willy (57) an, der das Unternehmen nach über 20 Jahren zum 1. Februar 2021 auf eigenen Wunsch verlassen wird.

Armin Willy ist nach unterschiedlichen Führungsaufgaben in der Zuliefererindustrie 1999 bei der damaligen Daimler-Chrysler AG im Werk Sindelfingen als Leiter Finish Großserie in das Unternehmen eingestiegen. Neben verschiedenen weiteren Führungsaufgaben verantwortete er dort unter anderem die Fertigung Presswerk und aufeinanderfolgend die C- und E-Klasse-Montagen. 2009 übernahm er die Leitung des Qualitätsmanagements am Standort Tuscaloosa. Nach weiterer Station im Qualitätsmanagement Mercedes-Benz Cars in Sindelfingen wechselte er im März 2016 nach Düsseldorf und ist dort seither Standort- und Produktionsverantwortlicher des Werkes.

„Wir danken Armin Willy für die vertrauensvolle Zusammenarbeit und seinen Einsatz in den vergangenen Jahren, in denen er die starke Position unseres Werkes weiter ausgebaut hat und nicht zuletzt die Mannschaft vor Ort souverän durch alle Herausforderungen geführt hat. Wir wünschen ihm weiterhin alles Gute für die Zukunft“, so Ingo Ettischer.

Armin Willy, Standortverantwortlicher Mercedes-Benz Werk Düsseldorf: „Ich möchte mich von Herzen bei der gesamten Düsseldorfer Mannschaft für die tolle und konstruktive Zusammenarbeit bedanken. Die Leidenschaft und Professionalität, mit der hier Tag für Tag Sprinter gebaut werden, hat mich jeden Tag begeistert und inspiriert. Das Werk ist für die Zukunft hervorragend aufgestellt und ich bin sicher, dass es sich in den kommenden Jahren kontinuierlich weiterentwickeln wird.“

Über das Mercedes-Benz Werk Düsseldorf

Das Mercedes-Benz Werk Düsseldorf, gegründet im Jahr 1962, ist das weltweit größte Transporter-Werk der Mercedes-Benz AG. Auf einer Produktionsfläche von rund 188.000 Quadratmetern (Rohbau, Lackierung und Montage) werden die geschlossenen Baumuster des Mercedes-Benz Sprinter – dem Begründer des Segments der großen Transporter – gefertigt. Im März 2018 war der Produktionsstart für den neuen Sprinter in Düsseldorf. Insgesamt wurden bereits deutlich mehr als vier Millionen Transporter in Düsseldorf produziert. Seit Dezember 2019 wird in Düsseldorf der Mercedes-Benz eSprinter produziert. Das Werk ist mit mehr als 6.100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und rund 145 Auszubildenden einer der größten industriellen Arbeitgeber und Ausbildungsbetriebe in der Region.

Forderungsempfehlung der IG Metall: „Höhere Kosten sichern weder Arbeitsplätze noch Kaufkraft“

+ Der IG-Metall-Vorstand empfiehlt für die M+E-Tarifrunde ein „Forderungsvolumen von bis zu 4 Prozent“ bei einer Laufzeit von zwölf Monaten und einen Rahmen für Arbeitszeitreduzierung zur Jobsicherung. Außerdem würden Anpassungsschritte für die ostdeutschen Beschäftigten bei Arbeitszeit und Stundenentgelt und tarifliche Regelungen zur Verbesserung der Ausbildung und des dualen Studiums, insbesondere die unbefristete Übernahme der Ausgebildeten, gefordert.

+ Die Arbeitgeberseite wies die Forderungen zurück. Gesamtmetall-Präsident Dulger erklärte: „Die Metall- und Elektro-Industrie liegt nach wie vor weit unter dem Niveau, auf dem sie vor Corona und Rezession bereits war. Erst dann, wenn wir den Einbruch aufgeholt haben und dort sind, wo wir schon einmal waren, kann man von Wachstum sprechen, und erst ab dann gibt es überhaupt irgendeinen Verteilungsspielraum. Ich begrüße zwar die Einsicht, dass angesichts des Wirtschaftseinbruchs und des Strukturwandels die Sicherheit der Arbeitsplätze im Mittelpunkt stehen muss. Sichere Arbeitsplätze gibt es nur mit wettbewerbsfähigen Produkten und Standortbedingungen. Jetzt so zu tun, als haben die Bedingungen, für die die Tarifparteien eine große Verantwortung tragen, nichts damit zu tun, ist eine bemerkenswerte Verdrängung. Dass die wirtschaftliche Lage der Unternehmen unterschiedlich ist, stimmt auch. Diesen Hinweis hat die IG Metall in guten Zeiten nicht gelten lassen, aber die späte Einsicht ist zu begrüßen. Dafür passende Lösungen zu finden ist auch unser Ziel. Wir haben schwierige Verhandlungen vor uns. Dabei müssen wir auch unter Beweis stellen, dass der Flächentarif nicht nur in guten Zeiten Antworten findet, sondern auch in schwierigen Zeiten für Beschäftigte und Unternehmen einen Vorteil bietet. Es geht um viel. Dass wir uns vor Beginn der Verhandlungen dabei nicht einig sind, liegt in der Natur der Sache. Am Ende müssen wir uns einig sein. Bislang ist uns das immer wieder gelungen. Es wird auch dieses Mal gelingen. Wenn wir gemeinsam anpacken.“

+ Metall-NRW-Hauptgeschäftsführer Mallmann erklärte, die vorgeschlagene Vier-Tage-Woche sei „ein hochinteressantes Feld“, solange die Regelung freiwillig bleibe: „Option ist hier das Zauberwort. Anders geht es aus wirtschaftlicher und rechtlicher Sicht nicht.“ Mallmann sprach von „Realitätsverlust“ mit Blick auf die Gewerkschaftsforderung: „Die Reißleine Personalabbau ist noch nicht gezogen worden. Bei 4 Prozent Entgelterhöhung würden dies sicher viele Unternehmen tun. Es wird entscheidend sein, ob es gelingt, weiter mit Hilfe von Kurzarbeit Beschäftigung zu sichern. Gerade im mittelständisch geprägten Nordrhein-Westfalen versuchen die Unternehmen alles, um ihre Leute zu halten. Mallmann warnte angesichts der weiteren Forderungen nach Angleichung der Ost- an die Westtarife sowie, analog zu Azubis, Übernahmegarantien für Beschäftigte, die ein duales Studium absolvieren: „Wir werden uns hüten, noch einmal so einen komplizierten Abschluss zu machen wie 2018.“

+ NORDMETALL-Tarif-Verhandlungsführerin Lena Ströbele hat mit Unverständnis auf die heute vorgelegte Forderungsempfehlung der IG Metall für die Tarifrunde 2021 in der Metall- und Elektroindustrie reagiert. „Wir begrüßen zwar ausdrücklich, dass die IG Metall in ihre Forderungsempfehlung Elemente zur Arbeitsplatzsicherung und Krisenbewältigung der M+E-Industrie miteinbezieht. Aber gerade vor diesem Hintergrund ist es absolut kontraproduktiv, unserer Branche weitere Kosten aufbürden zu wollen“, warnte die Personaldirektorin der Fr. Lürssen-Werft in Bremen. „Die Einkommen und die Kaufkraft der Beschäftigten sichert man nachhaltig am besten dadurch, dass möglichst viele von ihnen trotz Krise ihren Arbeitsplatz behalten.“ NORDMETALL gehe mit dem Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit der Mitgliedsfirmen zu stärken und zugleich so viele Arbeitsplätze wie möglich zu sichern, in die Tarifrunde 2021, betonte Ströbele. Die Tarifverhandlungen beginnen im Norden am 14. Dezember in Hamburg. „Hier wollen wir an den bisher geführten konstruktiven Dialog anknüpfen: Dass die IG Metall Küste explizit die Themen Arbeitsplatzsicherung und Zukunftsentwicklung in den Fokus gestellt hat, scheint mir dafür eine gute Basis.“

+ Der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie (vbm), Bertram Brossardt, erklärte, es sei „schön und richtig“, Beschäftigungssicherung zu fordern. Aber die Produktion liege mehr als 17 Prozent unter Vorjahr: „Deshalb ist ein Forderungsvolumen von bis zu 4 Prozent aus der Zeit gefallen. Für 2021 gibt es nichts zu verteilen.“ Die Arbeitszeit in manchen Betrieben durch eine Vier-Tage-Woche zu verkürzen, könne jedoch durchaus eine Lösung sein: „Aber die IG Metall will zusätzliche Kosten erzeugen, und die kann es in dieser Lage nicht geben.“

+ NiedersachsenMetall-Hauptgeschäftsführer Schmidt verweis angesichts der Forderungsempfehlung des IGM-Vorstands aus den „gegenwärtigen Wirtschaftseinbruch ohne Beispiel“. Niemand könne derzeit verlässlich sagen, wann die niedersächsische Industrie wieder Licht am Ende des Tunnels sehe, so Schmidt: „Damit steht die Tarifpolitik vor der größten Herausforderung seit mindestens zehn Jahren. NiedersachsenMetall und IG Metall sind aufgefordert, in Niedersachsen gemeinsam den Karren aus dem Dreck zu ziehen.“ Schmidt sieht die „schwerste Krise unserer Industrie“ auch als „Weckruf“ für die IG Metall und kritisierte: „Stattdessen folgt die Forderungsempfehlung des IG Metall-Vorstands nach Arbeitszeitverkürzung mit Teil-Lohnausgleich altem Denken.“ In das gleiche Horn stoße die Forderung nach einer Lohnerhöhung von bis zu 4 Prozent für alle: „In der härtesten Wirtschaftskrise seit Bestehen der Bundesrepublik Deutschland gibt es keinen Verteilungsspielraum. Die Mehrzahl unserer mittelständischen Unternehmen steckt in den roten Zahlen. Es geht um Beschäftigungssicherung und differenzierte Lösungen – beides ist ein Gebot dieser Tarifrunde.“

Geschichte der Transporter-Cockpits bei Mercedes-Benz Vans

Ebenso wie die Arbeitsplätze der Lkw-Fahrer spiegelt auch die Evolution des Transporter-Cockpits den technischen Fortschritt über Jahrzehnte wider. Wie effizient und ergonomisch Fahrer und Beifahrer heute ihren Tätigkeiten nachgehen und sich wohlfühlen können, zeigt auf besondere Weise die neue Generation des Mercedes-Benz Sprinter. Keyless Start, leistungsstarke Klimaanlagen, rückenschonende Sitze sowie das optionale 9G-TRONIC Automatikgetriebe und das Multimediasystem MBUX sind nur einige Details, mit denen der Sprinter seinen Nutzern den Alltag erleichtert. Die ersten Lieferwagen-Fahrerplätze glichen hingegen noch eher einem Kutschbock, und ähnlich wie Pferdekutschen fuhren sich die Urahnen der heutigen leichten Nutzfahrzeuge auch. Erst langsam entwickelte sich aus dem spartanischen Arbeitsplatz im Freien das moderne Cockpit mit zahlreichen Komfortmerkmalen aus dem Pkw-Bereich.

Mercedes-Benz Sprinter 1 (1995-2006), Interieur Mercedes-Benz Sprinter 1 (1995-2006), interior

Die Fahrzeugklasse der Transporter ist beinahe so alt wie das Automobil selbst, auch wenn der Begriff „Transporter“ damals noch nicht existierte. Einer der ersten Vertreter seiner Art weltweit war der Benz Combinations-Lieferungs-Wagen der damaligen Benz & Cie. aus dem Jahr 1896. Der „kleine Kutschierwagen mit abnehmbarem Kastenaufbau“ war vom Personenwagen „Victoria“ abgeleitet, verfügte anfangs über einen 2,5 PS starken Einzylindermotor und konnte 300 Kilogramm Zuladung schultern. Ausgeliefert wird der erste „Transporter“, der Fahrer saß auf einem notdürftig gepolsterten Bock, an das Pariser Kaufhaus Du bon Marché. Eine Windschutzscheibe gab es für ihn ebenso wenig wie ein festes Dach oder ein Lenkrad. Der Combinations-Lieferungswagen war stattdessen lediglich mit einer senkrecht stehenden Lenkkurbel ausgestattet. Schutz vor Regen bot allenfalls ein kleiner Dachvorsprung am Kofferaufbau. Dem Stand der Technik entsprechend übertrug ein Dreigang-Getriebe mit Kettenantrieb die Kraft an die Hinterräder, und statt des heute üblichen elektrischen Signals drückte der Fahrer eine simple Ballhupe. Auch die Daimler-Motoren-Gesellschaft bot ab dem Jahr 1897 unter der Bezeichnung „Daimler-Geschäftswagen“ eine Lieferwagen Modellreihe für Nutzlasten von 500 bis 2000 kg an.

Mercedes-Benz Sprinter 1 (1995-2006), Exterieur Mercedes-Benz Sprinter 1 (1995-2006), exterior

1911: Benz-Gaggenau Lieferungswagen mit Suchscheinwerfer und Klappverdeck

Bereits deutlich mehr Komfort für den Fahrzeuglenker boten die Benz-Gaggenau Lieferungswagen, die von 1911 bis 1916 unter der nutzlastabhängigen Typenbezeichnung D11, KL11 und B10 gebaut wurden. Anders als ihr Vorgänger verfügten sie über ein echtes Lenkrad mit schräg gestellter Lenksäule, was die Bedienung enorm erleichterte. Dennoch erforderte jede Lenkbewegung einen hohen Kraftaufwand. Über zusätzliche Hebel am Lenkrad ließen sich essenzielle Motorfunktionen wie Zündzeitpunkt und Gemisch regulieren. Zusätzlich zu den Hauptscheinwerfern konnte ein Suchscheinwerfer installiert werden, der angesichts der trüben Straßenbeleuchtung jener Zeit bei Fahrten im Dunkeln eine große Hilfe war. Wie gehabt, saß der Fahrer noch im Freien, allerdings schützte ihn jetzt ein aufklappbares Textilverdeck vor Regenschauern. Eine Heizung war hingegen noch Zukunftsmusik, so dass sich Fahrer und Beifahrer im Herbst und Winter warm einpacken mussten.

1926: Mercedes-Benz L 1: vorklappbare Windschutzscheibe als Klimaanlage

Im Jahr der Fusion von der Daimler-Motoren-Gesellschaft und der Benz & Cie. kam der Mercedes-Benz L 1 auf den Markt. Das je nach Aufbau und Zuladung als Kleintransporter und Lkw verfügbare Fahrzeug wartete erstmals mit einer eigenständigen Kastenwagenvariante auf. Wichtigste Neuerung für Fahrer und Beifahrer war die geschlossene Kabine. Entgegen damaliger Nutzfahrzeuggepflogenheiten hatte sie sogar Seitenscheiben, was zum Erscheinungszeitpunkt des L 1 nicht einmal bei Personenwagen selbstverständlich war. Als „Klimaanlage“ für heiße Tage fungierte die vorklappbare Windschutzscheibe. Nützliche Details waren auch das Fenster in der Trennwand zum Ladeabteil, das einen Blick auf die Fracht erlaubte, und der weiterhin verfügbare Suchscheinwerfer.

1955: Mercedes-Benz L 319: Frontlenkercockpit mit guter Rundumsicht

1955 steckte die junge Bundesrepublik mitten im Wirtschaftswunder. Handwerk, Handel und Gewerbe verlangten nach passenden Transportmitteln, um die wachsende Auftrags- und Warenflut zu bewältigen. Mit dem L 319 präsentierte Mercedes-Benz die passende Antwort. Der erste eigenständige Transporter der Marke seit nahezu drei Jahrzehnten unterschied sich von seinen Vorgängern durch das moderne, platzsparende Frontlenker-Konzept. Das wegweisende Layout und der große Verkaufserfolg machten den L 319 zum Vorläufer zahlreicher erfolgreicher Transporter-Generationen von Mercedes-Benz bis hin zu den aktuellen Baureihen Sprinter und Vito.

Um einen komfortablen Einstieg zu ermöglichen, rückten die Entwickler die Vorderachse weit nach vorn, was zusammen mit der geschwungenen einteiligen Panorama-Frontscheibe dem 3,6-Tonner eine ganz eigene Optik verlieh. Das Armaturenbrett wartete mit einer Geschwindigkeitsanzeige und einem Kühlwasserthermometer auf. Eine Tankuhr fehlte noch. Der Fahrer musste anfangs selbst kalkulieren, wie weit der Kraftstoff im 60-Liter-Tank reichte. Der Schalthebel am Lenkrad war ein früher Vorläufer des Joysticks im aktuellen Sprinter. Blinker und Hupe wurden über einen Signalring am Volant betätigt. Der weit in die Kabine ragende, längs eingebaute Motor war akustisch präsent und erschwerte den Wechsel vom Fahrer auf den Beifahrersitz, dafür überzeugte das Cockpit mit einer durchgehenden offenen Ablage für Dokumente im Armaturenträger. 

1967: „Düsseldorfer“ mit bequemem Einstieg

Im Jahr 1967 trat die Baureihe L 406 D, nach ihrem Poduktionsort gern auch „Düsseldorfer“ genannt, die Nachfolge des beliebten L 319 an. Trotz insgesamt eckigerer Formensprache im Stil der Zeit folgte das Konzept dem bewährten Vorgänger. Typisch für die Optik war eine nur angedeutete Kurzhaube, da der Motor auch bei der neuen Transportergeneration platzsparend in die Kabine ragte, allerdings nicht mehr so weit wie beim Vorgänger, so dass die Bewegungsfreiheit im Fahrerhaus deutlich zunahm. Ebenso markant war die analog zum L 319 weit vorn liegende Vorderachse zugunsten eines bequemen Einstiegs. An die Stelle der seitlich herumgezogenen Panorama-Frontscheibe trat eine große rechteckige Windschutzscheibe, vorne an den Seiten wie gehabt durch jeweils ein kleineres Fenster vor den Türen ergänzt, was für gute Sichtverhältnisse sorgte. Die Gänge wurden nicht mehr am Lenkrad gewechselt, sondern mit einem konventionell platzierten langen Schalthebel.

Dass der „Düsseldorfer“ stets auf der Höhe der Zeit blieb, stellten sorgfältige Modellpflegen über die langen Jahre seiner Produktionszeit sicher. Im Jahr 1977 zum Beispiel erfuhr die Baureihe eine umfangreiche Modellpflege, die im Inneren einen neuen Instrumententräger sowie Kurbel- statt der bis dahin üblichen Schiebefenster brachte. Außerdem gab es neue Bedienhebel und Griffe sowie ein angenehm griffig ummanteltes Lenkrad statt des bisherigen dünnen Bakelitvolants. Eine weitere Aktualisierung brachte dem „Düsseldorfer“ 1981 erstmals den Zündschlüssel. Bis dato wurde zum Starten des Motors und zum Einschalten des Abblendlichts ein zylindrischer Metallstift verwendet. Zugleich stattete das Werk die Großtransporter mit einer neuen Innenverkleidung aus, die das Geräuschniveau im Fahrerhaus deutlich reduzierte.

1977: längs- und höhenverstellbarer Fahrersitz im „Bremer“

1977 erweiterte Mercedes-Benz sein Transporterprogramm um ein neues Modell eine Gewichtsklasse unterhalb des „Düsseldorfers“: den TN („Transporter neu“), der wegen seines Fertigungsorts auch schnell „Bremer“ genannt wurde. Später bürgerte sich die Bezeichnung T 1 ein. Mehr denn je sollte die neue, extrem vielseitig konzipierte Baureihe mit 2,4 bis 3,5 Tonnen Gesamtgewicht bei Fahr- und Bedienungskomfort die Brücke zum Pkw schlagen. Hierfür nahmen die Entwickler Abschied von der bislang praktizierten reinen Frontlenkerbauweise sowie von Vorderradantrieb und Rahmenkonzept. Die Kurzhaube war deutlich weniger ausgeprägt als beim größeren Bruder, was zum einen den Zugang zum Motor und damit den Service erleichterte. Zum anderen war es dadurch möglich, die Vorderachse noch ein Stück weit vorzuverlegen und damit den Einstieg bequem niedrig zu halten. Aus Fahrer- und Beifahrersicht war dieses Konzept noch in anderer Hinsicht willkommen, weil der Motor weniger Platz im Innenraum wegnahm. Hierdurch gestaltete sich im Bremer Transporter der Durchstieg zur Seite und nach hinten in den Laderaum einfacher denn je.

Einen bislang unbekannten Komfort im Segment der leichten Nutzfahrzeuge bot auch der Fahrerarbeitsplatz. Serienmäßig stattete Mercedes-Benz die neuen Transporter mit einem längs und in der Höhe verstellbaren Fahrersitz aus. Hinter dem dick umschäumten Zweispeichen-Lenkrad lieferte die gut einsehbare und übersichtlich gegliederte Armaturentafel alle nötigen Informationen auf einen Blick. Für beste Sicht nach vorn sorgte die große Frontscheibe. Heizung und Lüftung verfügten über ein zweistufiges Gebläse.

1995: Der erste Sprinter mit funktional ausgestattetem und geräumigem Fahrerhaus

Nach knapp einer Million gefertigter Exemplare löste 1995 der Sprinter den T 1 ab. Die neue Transportergeneration führte mit traktionsstarkem Hinterradantrieb, vier Gesamtgewichten, einer Vielzahl an Varianten und einer umfangreichen Motorenpalette das Konzept des Vorgängers konsequent weiter. Zu den besonderen Merkmalen des Sprinter zählte überdies sein zeitlos-modernes Design ebenso wie das geräumige und besonders funktional ausgestattete Fahrerhaus, dessen Einrichtung in Form und Material inzwischen fast Pkw-Niveau erreichte. Da der Vorderwagen im Vergleich zum T 1 nochmals verlängert wurde und der Motor hierdurch weiter nach vorne rückte, stand nun noch mehr Fußraum zur Verfügung. Selbst mit einem Doppelbeifahrersitz kam keine Enge auf.

Zahlreiche Ablagen, darunter ein großzügig dimensioniertes, abschließbares Handschuhfach, erleichterten den Arbeitsalltag im Sprinter. Der Fahrersitz war zweimal in der Höhe verstellbar, damals im Transportersegment eine Sensation. Ein Novum waren ebenfalls die Drehregler für Heizung und Lüftung im Pkw-Stil inklusive eines kräftigen vierstufigen Gebläses und Umluftschaltung. Wohnliche Atmosphäre schufen auch die nahezu rundum verkleideten Wände und Türen. Der optionale Fahrer-Airbag, höhenverstellbare Dreipunkt-Sicherheitsgurte und Gurtschlösser am Sitz zeugten darüber hinaus von der Vorreiterrolle, die der Mercedes-Benz Sprinter in puncto Sicherheit einnahm.

2000: Joystick-Schalthebel und schwungvolle Armaturentafel für den Sprinter

Im Rahmen der Modellpflege wertete Mercedes-Benz im Jahr 2000 das Interieur weiter auf. Die bisher betont funktionelle geradlinige Instrumententafel war nun völlig neugestaltet. Sie zeigte dynamischen Schwung und erreichte sowohl mit ihrer Form als auch mit ihrer Materialqualität Pkw-Niveau. Dies galt besonders für den Sprinter Kombi mit einer weichen und lederartigen Oberfläche – für die anderen Varianten des Transporters war diese so genannte Softlook-Oberfläche optional lieferbar. Neben zusätzlichen Komfortdetails wie dem Getränkehalter in einer praktischen Schublade fiel vor allem der neue Schalthebel in Form eines Joysticks ins Auge. Er ragte jetzt griffgünstig aus der Mittelkonsole und erlaubte einen völlig freien Durchgang im Fahrerhaus.

2006: Cockpit mit viel Bewegungsfreiheit und Top-Ergonomie in der zweiten Sprinter Generation

Gutes noch besser machen, lautete die Devise auch für die zweite Sprinter Generation, die 2006 auf den Markt kam. Die Auswahl aus mehr als 1.000 Grundmodellen mit unterschiedlichen Karosserie-, Gewichts- und Antriebsvarianten sowie die erstmalige Verfügbarkeit offener Baumuster als Basis für individuelle Aufbauten setzten erneut Maßstäbe, ebenso die umfangreiche Serienausstattung. Unter anderem waren jetzt elektrisch betätigte Fensterheber und eine Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung Standard. Eine erweiterte Längsverstellung der Sitze und mehr Kopfraum steigerten nochmals die Bewegungsfreiheit. Das Lenkrad war nun auf Wunsch in Höhe und Neigung verstellbar.

Das Interieur glänzte darüber hinaus mit einer Vielzahl von durchdachten Ablagen, wie zum Beispiel eine Dachgalerie über der Windschutzscheibe. Außenspiegel mit zusätzlichen Weitwinkelgläsern vermittelten einen guten Blick auf den rückwärtigen Verkehr – der so genannte tote Winkel wurde auf ein Minimum reduziert. Charakteristisch für das neue Sprinter Cockpit war die herausgehobene Mittelkonsole mit dem Joystick-Schalthebel. Als wertvolle Arbeitshilfe bot Mercedes-Benz für den Sprinter erstmals das Infotainmentsystem COMAND APS mit integriertem Navigationssystem an. Ebenfalls neu war das Multifunktionslenkrad.

2018: Die dritte Generation des Sprinter mit sprachgesteuertem Multimediasystem MBUX

Einen Innovationsschub in jeder Hinsicht markiert die dritte Generation des Mercedes-Benz Sprinter, die 2018 debütierte und die Transporterklasse in Sachen Komfort, Ergonomie und Funktionalität neu definiert. Mit dem eSprinter stellte ihm Mercedes-Benz ein Jahr später erstmals eine rein batterieelektrische Variante zur Seite, die alle Vorteile der Transporter-Ikone mit lokal emissionsfreier Mobilität verbindet.

Zu den herausragenden Neuerungen des aktuellen Sprinter zählt unter anderem das Multimediasystem MBUX (Mercedes-Benz User Experience) mit 10,25-Zoll-Touchscreen, Sprachsteuerung und Sprachausgabe. Ein hohes Maß an Komfort erreichen die neuen, ergonomisch geformten Sitze. Sie lassen sich den individuellen Bedürfnissen des Fahrers anpassen und ermöglichen somit eine ergonomisch günstige Haltung auch auf längeren Strecken. Optional ist die Memory-Funktion für die elektrische Sitzverstellung mit an Bord. Neu sind auch Keyless-Start, „Drive Select“, Schaltpaddles am Lenkrad für Automatikgetriebe sowie eine verbesserte Klimaanlage. Die Klimatisierungsautomatik THERMOTRONIC regelt Gebläse, Luftverteilung und Temperatur automatisch.

Rheinmetall mit margenstarkem Wachstum bei Defence – Automotive erwartet positives operatives Jahresergebnis

Der Rheinmetall-Konzern geht mit einer Erholung seines Automotive-Bereichs und einer gestärkten Performance seiner Defence-Sparte auf die Zielgerade des Geschäftsjahres.

Nach den Bremsspuren, die die Corona-Pandemie im ersten Halbjahr 2020 im Ergebnis der Automotive-Sparte des Konzerns hinterlassen hat, ist der Bereich im dritten Quartal wieder in die Gewinnzone zurückgekehrt. In Verbindung mit der Margenstärke der weiter wachsenden Defence-Sparte übertrifft der Düsseldorfer Technologiekonzern damit im dritten Quartal beim operativen Konzernergebnis den Vorjahreswert.

Armin Papperger, Vorstandsvorsitzender der Rheinmetall AG: „Unsere robuste Geschäftsentwicklung verdanken wir dem starken Defence-Bereich ebenso wie dem strikten Kostenmanagement bei Automotive. Auf den Neustart der Produktion unserer Automotive-Kunden nach dem branchenweiten Stillstand im Frühjahr waren wir bestens vorbereitet. Dadurch ist es uns bei Automotive im dritten Quartal gelungen, wieder ordentlich Fahrt aufzunehmen und die pandemiebedingten Einbußen teilweise zu kompensieren. Wir setzen nun alles daran, diesen Kurs auch unter den fordernden Bedingungen der Corona-Lage fortzusetzen und das operative Ergebnis von Automotive im Gesamtjahr wieder in die Gewinnzone zu führen.“

Armin Papperger: „Defence bleibt unser Stabilitätsanker. Wir profitieren von der weltweit anhaltenden Nachfrage nach Produkten zur Sicherheitsvorsorge in zivilen wie militärischen Bereichen. Großaufträge, wie wir sie zuletzt im Fahrzeugbereich gewonnen haben, sind Beleg dafür, dass wir mit unseren Technologien und hochinnovativen Produkten in den weltweiten Märkten bestens aufgestellt sind. Zunehmend gelingt es uns, die Margenqualität unserer Defence-Projekte zu erhöhen und mit wachsendem Geschäftsvolumen auch die Profitabilität zu steigern.“

Margenstarkes Wachstum bei Defence sichert robuste Geschäftsentwicklung im Konzern

Der Umsatz des Rheinmetall-Konzerns reduzierte sich in den ersten drei Quartalen 2020 gegenüber dem Vorjahr um 315 MioEUR oder 7,3% auf 3.979 MioEUR. Auch wenn sich bei Automotive insbesondere im dritten Quartal wieder positive Effekte aus der Erholung der weltweiten Automobilkonjunktur auswirkten, bleiben die Neunmonatszahlen des Konzerns von der höchst unterschiedlichen Entwicklung beider Unternehmensbereiche vor allem im ersten Halbjahr geprägt.

Die Defence-Sparte konnte ihr Geschäftsvolumen im Berichtszeitraum deutlich ausbauen. Die Umsatzerlöse bei Automotive haben sich im dritten Quartal dem Niveau des Vorjahres zwar angenähert; nach neun Monaten bleibt der Automotive-Umsatz aber dennoch merklich hinter dem Vorjahr zurück.

Die unterschiedliche Umsatzentwicklung der beiden Unternehmensbereiche spiegelte sich auch im operativen Ergebnis nach drei Quartalen wider: Während der Unternehmensbereich Defence sein operatives Ergebnis in den ersten neun Monaten deutlich verbessern konnte, verzeichnete der Unternehmensbereich Automotive bei weiterhin schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen einen Rückgang beim operativen Ergebnis. Insgesamt erzielte Rheinmetall nach drei Quartalen ein operatives Konzernergebnis von 170 MioEUR nach 262 MioEUR im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Das berichtete Ergebnis vor Zinsen und Steuern im Konzern (EBIT) lag in den ersten drei Quartalen 2020 mit -166 MioEUR um 435 MioEUR unter dem Vorjahresergebnis. Neben der rückläufigen operativen Ergebnisentwicklung ist die Verringerung des EBIT im Wesentlichen durch negative Sondereffekte von insgesamt 337 MioEUR begründet. Darin enthalten sind bereits im zweiten Quartal 2020 erfasste Wertminderungen in Höhe von 300 MioEUR im Unternehmensbereich Automotive. Diese resultierten aus dem in Folge der Corona-Pandemie drastisch reduzierten Produktionsvolumen der internationalen Automobilindustrie im Jahr 2020 sowie einer von Experten auch mittelfristig erwarteten geringeren Wachstumsdynamik bei Pkw und leichten Nutzfahrzeugen. Zudem wurden im dritten Quartal 2020 Restrukturierungsrückstellungen in Höhe von 40 MioEUR gebildet. Sie decken vor allem Kosten für Kapazitätsanpassungen und Produktionsverlagerungen zur Optimierung des internationalen Standortnetzwerkes in der Division Hardparts sowie Kosten zur Anpassung und Neuausrichtung der Strukturen zur Vorbereitung des Eintritts in neue Märkte in der Division Mechatronics ab. Im Unternehmensbereich Defence wurden Sondereffekte in Höhe von insgesamt +3 MioEUR erfasst. Diese sind als Nettoeffekt auf Restrukturierungsmaßnahmen (-7 MioEUR) sowie eine nachträgliche Verkaufspreisanpassung im Zusammenhang mit der Veräußerung des Produktbereichs unbemannte Luftfahrtsysteme im Geschäftsjahr 2012 (+10 MioEUR) zurückzuführen.

Das Ergebnis je Aktie verringerte sich in den ersten drei Quartalen auf -4,43 EUR (Vorjahr: 3,77 EUR). Im dritten Quartal 2020 erzielte Rheinmetall wieder ein positives Ergebnis je Aktie von 1,03 EUR (Vorjahresquartal: 1,33 EUR).

Automotive: Pandemiebedingte Einbußen bei Umsatz und Ertrag – Aufwärtstendenz im 3. Quartal

Die Corona-Pandemie hat tiefe Einschnitte in den Produktionszahlen der Automobilindustrie hinterlassen. Weltweit reduzierte sich die Produktion von Light Vehicles (Fahrzeuge unter 6 Tonnen) im Zeitraum von Januar bis September 2020 gegenüber dem Vorjahr um 23%. Der Unternehmensbereich Automotive erzielte in den ersten neun Monaten 2020 einen Umsatz in Höhe von 1.528 MioEUR und blieb somit um 27% oder 571 MioEUR hinter dem Vergleichswert des Vorjahres zurück (Vorjahr 2.099 MioEUR).

Nachdem Automotive infolge der Krise für das erste Halbjahr ein operatives Ergebnis von -41 MioEUR ausweisen musste, erreichte das operative Ergebnis im dritten Quartal mit 29 MioEUR wieder die Gewinnzone. Im Neunmonatszeitraum lag das operative Ergebnis damit bei -12 MioEUR. Der Vergleichswert des Vorjahres belief sich auf 144 MioEUR.

Die operative Marge der Sparte sank auf -0,8% (Vorjahr: 6,9%). Mit einem frühzeitig eingeleiteten strikten Kostenmanagement, das den Fokus auf Personal-, Sach- und Verwaltungskosten richtete, konnten die negativen Auswirkungen der Pandemie auf die wirtschaftliche Entwicklung des Bereichs abgeschwächt werden. Zur Stabilisierung der Liquiditätssituation wurden auch die Nettoinvestitionen deutlich zurückgenommen; sie sanken in den ersten drei Quartalen 2020 um 37% gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Das berichtete Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT), in dem die Sondereffekte aus Wertminderungen und Restrukturierungsmaßnahmen enthalten sind, betrug nach Ablauf der ersten neun Monate des laufenden Jahres -352 MioEUR und lag ebenfalls signifikant unter dem Vorjahreswert von 146 MioEUR.

Die Umsätze der Division Mechatronics waren vor allem geprägt vom starken Rückgang der Produktionszahlen von Pkw und Trucks in allen relevanten Absatzmärkten. In den ersten neun Monaten 2020 reduzierten sich die Umsatzerlöse im Vorjahresvergleich um 329 MioEUR oder 28% auf 838 MioEUR. Das operative Ergebnis für den Zeitraum Januar bis September 2020 betrug 6 MioEUR nach 92 MioEUR im Vorjahreszeitraum.

Die Umsatzerlöse der Division Hardparts lagen mit 506 MioEUR um 225 MioEUR oder 31% unter dem Wert, der für die ersten drei Quartale 2019 ausgewiesen wurde. Das operative Ergebnis blieb im Berichtszeitraum mit -32 MioEUR klar unter dem Vorjahreswert von 29 MioEUR. Die Ergebnisbeiträge der nach der Equity-Methode bilanzierten Joint-Ventures verringerten sich aufgrund eines erheblichen Umsatzrückgangs um 13 MioEUR auf 5 MioEUR (Vorjahr: 18 MioEUR).

In der Division Aftermarket wurde die Umsatzentwicklung der ersten drei Quartale 2020 durch die teilweise Schließung von Werkstätten und infolge einer insgesamt geringeren Mobilität beeinflusst. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sank der Umsatz um 20 MioEUR oder 7,6% auf 249 MioEUR.

Das operative Ergebnis belief sich auf 15 MioEUR und lag aufgrund des geringeren Geschäftsvolumens sowie der erstmaligen Zuordnung der Aktivitäten im Bereich Mikromobilität zur Division Aftermarket um 10 MioEUR unter dem entsprechenden Wert des Vorjahres (Vorjahr: 25 MioEUR).

Infolge der anhaltenden Erholung der chinesischen Automobilproduktion haben die Joint-Ventures in China, die in den Umsatzzahlen des Unternehmensbereichs Automotive nicht enthalten sind, im dritten Quartal 2020 das Umsatzniveau des Vorjahresquartals nahezu erreicht. In den ersten drei Quartalen des Jahres 2020 lagen die Umsätze mit 655 MioEUR um 9,4% unter dem Vorjahreswert von 722 MioEUR. Das Ergebnis nach Steuern belief sich im Berichtszeitraum auf 28 MioEUR, nach 32 MioEUR im Vorjahr.

Der Umsatz des deutschen Joint-Ventures KS HUAYU AluTech Group entwickelte sich in den ersten drei Quartalen 2020 krisenbedingt rückläufig. Die Umsatzerlöse lagen mit 138 MioEUR um 27% unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums. Auch das Ergebnis nach Steuern blieb mit -15 MioEUR deutlich unter dem Vorjahresniveau (Vorjahr: -2 MioEUR).

Defence: Wachstum in allen drei Divisionen – Operative Marge steigt auf 8,1%

Rheinmetall Defence konnte die Umsatzerlöse in den ersten drei Quartalen 2020 von 2.198 MioEUR im Vorjahreszeitraum auf 2.450 MioEUR steigern. Dies entspricht einem Umsatzwachstum von 12% oder 252 MioEUR. Der Zuwachs wird von allen drei Divisionen des Bereichs getragen.

Das operative Ergebnis hat sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum deutlich erhöht und liegt nach Ablauf der ersten drei Quartale 2020 bei 197 MioEUR. Dies entspricht einem Anstieg um 64 MioEUR oder 48%. Entsprechend verbesserte sich die operative Marge von 6,1% im Vorjahreszeitraum auf 8,1% in den ersten neun Monaten 2020. Unter Berücksichtigung von Sondereffekten in Höhe von insgesamt +3 MioEUR liegt das berichtete Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) mit 200 MioEUR ebenfalls über dem Vorjahreswert von 132 MioEUR.

Der Unternehmensbereich Defence erzielte in den ersten neun Monaten 2020 einen Auftragseingang von 1.960 MioEUR und blieb damit um 11% unter dem Vorjahreswert von 2.201 MioEUR. Allerdings ist der im September 2020 unterzeichnete Großauftrag zur Lieferung von Lynx-Schützenpanzern an die ungarischen Streitkräfte im Wert von deutlich über 2 MrdEUR im Auftragseingang noch nicht enthalten. Der Auftragsbestand lag nach Ablauf der ersten drei Quartale mit 9.754 MioEUR um 12% über dem Wert des Vorjahres und bleibt damit weiterhin auf einem hohen Niveau (Vorjahr: 8.689 MioEUR).

Die Division Weapon and Ammunition erzielte in den ersten neun Monaten 2020 einen Umsatz von 668 MioEUR. Dies entspricht einem Anstieg von 87 MioEUR oder 15% gemessen am Vorjahreswert. Das operative Ergebnis in den ersten neun Monaten 2020 erreichte 29 MioEUR und übertraf damit den Vorjahreswert von 9 MioEUR um 20 MioEUR. Das Umsatz- und Ergebniswachstum der Division resultierte insbesondere aus umfangreichen Lieferungen von Munition sowie zusätzlichen Umsätzen mit medizinischer Schutzausrüstung, die ebenfalls diesem Bereich zugeordnet ist.

Die Division Electronic Solutions steigerte den Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 20 MioEUR oder 3,4% auf 604 MioEUR. Das operative Ergebnis der Division erreichte 53 MioEUR, was gegenüber dem Vergleichswert des Vorjahres einem Zuwachs von 6 MioEUR entspricht (Vorjahr: 47 MioEUR).

Die Division Vehicle Systems erhöhte die Umsatzerlöse in den ersten drei Quartalen 2020 um 145 MioEUR oder 12% auf 1.324 MioEUR (Vorjahr: 1.179 MioEUR). Das operative Ergebnis stieg gegenüber der Vorjahresperiode um 42 MioEUR auf 122 MioEUR. Einen wichtigen Auftragserfolg erzielte die Division mit einem Rahmenvertrag zur Lieferung von bis zu 4.000 Wechsellader-Lkw an die Bundeswehr.

Ausblick für das Geschäftsjahr 2020

Ergebnisprognose für Defence angehoben, Automotive erwartet positives operatives Jahresergebnis

Für den Unternehmensbereich Defence erwartet Rheinmetall weiterhin keine wesentlichen Auswirkungen aus der Corona-Krise auf die Geschäftsentwicklung des Jahres 2020. Daher wird für den Defence-Bereich ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum von rund 6% erwartet. Die operative Ergebnismarge, die zuletzt mit rund 10% prognostiziert wurde, wird nunmehr auf zwischen 10% und 11% angehoben.

Auf Basis der Entwicklung in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2020 und unter der Voraussetzung, dass ein erneuter Lockdown der internationalen Automobilproduktion bis zum Jahresende ausbleibt, erwartet Rheinmetall für den Unternehmensbereich Automotive währungsbereinigt einen Umsatzrückgang zwischen 20% und 23%. Die Prognose für das operative Jahresergebnis von Automotive, das zum Halbjahr 2020 noch zwischen -30 MioEUR und Break-even prognostiziert wurde, verbessert sich vor dem Hintergrund der eingesetzten Markterholung im zweiten Halbjahr 2020: Aus heutiger Sicht wird für den Unternehmensbereich Automotive ein positives operatives Jahresergebnis zwischen 10 MioEUR und 20 MioEUR erwartet.

Für den Konzern prognostiziert Rheinmetall währungsbereinigt einen Umsatzrückgang zwischen 6% und 7% und – unter Einbezug der Holdingkosten – eine positive operative Ergebnismarge zwischen 6% und 6,5%.

Rheinmetall liefert Wärmebildzielgeräte im Wert von 27 Mio EUR

Rheinmetall ist von der Bundeswehr mit einer weiteren Maßnahme zur Nutzungsdauerverlängerung des Schützenpanzers Marder beauftragt worden. Nach der vor kurzem erfolgten Freigabe der Mittel durch den Haushaltsausschuss des Bundestages ist nun der entsprechende Auftrag im Wert von 27 MioEUR brutto an den Düsseldorfer Technologiekonzern erteilt worden. Vorhandene überalterte Wärmebildzielgeräte für die Aufklärung und den Waffeneinsatz werden dabei durch moderne Geräte vom Typ Saphir 2.6 MK (MK: Marder-Konfiguration) ersetzt, einer Entwicklung von Rheinmetall Electronics.

Zwischen 2022 und 2023 werden insgesamt 260 Gerätesätze geliefert. Zum Lieferumfang gehören Ersatzgeräte zur Bevorratung sowie entsprechendes Zubehör für die Nutzung in der Truppe.

Rheinmetall fertigt die Wärmebildzielgeräte mit zahlreichen Lieferanten vollumfänglich in Deutschland. Moderne Komponenten der Firma AIM Infrarot-Module GmbH, Heilbronn – einer Beteiligung Rheinmetalls – sichern beispielsweise langfristig bedeutsames Fachwissen für deutsche Sicherheitsinteressen.

Das Saphir 2.6 MK wurde speziell für den Schützenpanzer Marder ausgelegt. Die Kerntechnologie wird bereits in großer Stückzahl in der Bundeswehr und von anderen internationalen Kunden genutzt und kann somit bald auch im Marder Verwendung finden. Daraus ergeben sich Synergien in der Beschaffung und im Betrieb der Geräte.

Die moderne Gerätegeneration Saphir 2.6 MK macht es möglich, die Beobachtungsreichweite und Aufklärungsqualität bei Tag und Nacht erheblich zu verbessern. Dies liegt z.B. an der höheren Auflösung des Detektors und einer zeitgemäßen Displaytechnologie. Durch moderne Bildverarbeitungssoftware aus der Saphir-Familie wird die volle Leistungsfähigkeit der Bauteile unter allen Bedingungen erreicht.

Zusammen mit der Integration des Mehrrollenfähigen Leichten Lenkflugkörpersystems MELLS und neuen Marder-Fahrernachtsichtgeräten ergeben sich zukünftig bei Tag und Nacht erhebliche taktische Vorteile für die Soldaten in ihren gefährlichen Einsätzen.

Der Marder wird noch einige Jahre in der deutschen Panzergrenadiertruppe genutzt. Auch internationale Kunden setzen weiterhin auf die robusten und kampferprobten Schützenpanzer. Für diese Nutzer ist das Wärmebildzielgerät Saphir 2.6 MK ein wichtiger Baustein für den Erhalt der Einsatzbereitschaft.